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Forum / Liebe & Beziehung

Gibt es noch Frauen die Sex nur mit ganz wenigen Menschen ok findet?

Letzte Nachricht: 30. Mai 2022 um 15:58
E
eisbrecher
29.05.22 um 11:23
In Antwort auf laerke_27098577

Da finden sich im Zweifelsfall doch auch schnell neue Dienstleister. 

Nicht für jede Frau. Genauso, wie sich nicht für jeden Mann so jemand findet. 

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laerke_27098577
29.05.22 um 12:07
In Antwort auf zauderer22

Das könnte aber den verblödeten Göttergatten irritieren, und der könnte dann seine "Zuflucht" woanders suchen, wo sein "Portiönchen" (Ausdruck von Dir im Thread nebenan) tatsächlich begehrt ist.

Ausgangspunkt für die Bemerkung von mir, auf die du antwortest, war ein Szenarium, bei dem Göttergatte und bisheriger "Dienstleister" die selbe natürliche Person und eh nicht mehr bei der Stange sind. 

Ich sag es mal so: Ich verstehe ja, dass die Leute gerne ehrlich geliebt werden wollen. Was ich aber nicht verstehe, ist, dass unter dieser Voraussetzung Beziehungen/Wechselwirkungssysteme mit der Illusion/Vortäuschung der großen Liebe als -äh- Beziehungsmörtel oft so lange funktionieren.

Dass über diesen Wunsch instrumentalisiert wird, ist ja wirklich hinlänglich bekannt und massenhaft durch leidvolle Lebensgeschichten belegt. Da müsste man doch meinen, dass solche Systeme irgendwann schon deswegen nicht mehr im Trend sind, weil die Leute aus Selbstschutz lernen, Vortäuschungen sehr schnell als solche zu erkennen.
Ich glaube nicht, dass zB alle "Göttergatten" wirklich so blöd sind, das nicht zu durchschauen. Aber wieso wird so häufig mitgespielt - in dem nicht offen ausgesprochenen aber vorhandenen Bewusstsein, dass man eben nicht hat, was man will? Materielle Abhängigkeit bzw Angst vor dem finanziellen Ruin im Falle des Auseinanderbrechens der Beziehung dürfte nicht in allen Fällen der Grund sein. Befürchtungen hinsichtlich sonstiger Änderungen des sozialen Gefügs in dem man sich befindet? Ich denke da zB an eine frühere Arbeitskollegin, die sich während ihres Scheidungsverfahrens damit brüstete, den Vater der gemeinsamen Kinder mit Drohungen hinsichtlich des Rechts auf Umgang mit den Kindern und mit Drohungen hinsichtlich der Herabsetzung des Ansehens des Vaters bei den Kindern unter Druck zu setzen. Sie wollte, dass ich sie dafür toll finde anstatt widerlich, weil sie Kinder instrumentalisiert um dem Kindsvater ungerechtfertigt Nachteile zu verschaffen und dabei inkauf nimmt, für die Kinder das mit der Änderung des Beziehungsgefüges verbundene Trauma massiv zu verschärfen. Auch wenn man nicht mehr zusammenlebt sind es ohne wenn und aber gemeinsame Kinder. Da hat der andere Elternteil genausoviele Rechte und Pflichten wie man selbst. Damit zu drohen, bestehende Rechte zu unterlaufen ist nicht grade originell, aber trotzdem fragwürdig. Mist! Jetzt hab ich mich wieder verzettelt...

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laerke_27098577
29.05.22 um 12:16
In Antwort auf eisbrecher

Nicht für jede Frau. Genauso, wie sich nicht für jeden Mann so jemand findet. 

Also der Mangel an besseren Alternativen als Mörtel, der das Verhältnis zusammenhält. Aber auch das dürften die beteiligten Leute dann doch irgendwann wissen/durchschauen. Wird dann das Aufrechterhalten der Illusion der großen Liebe nicht irgendwann zu schlimmeren Qual? Da kommt dann zu dem Wissen um die Illusion noch der Verdacht dazu, dass mindestens eine/r der Beziehungspartner die Illusion braucht, um zu anständigem Umgang in der Lage zu sein. Finsternis pur. 

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E
eisbrecher
30.05.22 um 11:38
In Antwort auf laerke_27098577

Ausgangspunkt für die Bemerkung von mir, auf die du antwortest, war ein Szenarium, bei dem Göttergatte und bisheriger "Dienstleister" die selbe natürliche Person und eh nicht mehr bei der Stange sind. 

Ich sag es mal so: Ich verstehe ja, dass die Leute gerne ehrlich geliebt werden wollen. Was ich aber nicht verstehe, ist, dass unter dieser Voraussetzung Beziehungen/Wechselwirkungssysteme mit der Illusion/Vortäuschung der großen Liebe als -äh- Beziehungsmörtel oft so lange funktionieren.

Dass über diesen Wunsch instrumentalisiert wird, ist ja wirklich hinlänglich bekannt und massenhaft durch leidvolle Lebensgeschichten belegt. Da müsste man doch meinen, dass solche Systeme irgendwann schon deswegen nicht mehr im Trend sind, weil die Leute aus Selbstschutz lernen, Vortäuschungen sehr schnell als solche zu erkennen.
Ich glaube nicht, dass zB alle "Göttergatten" wirklich so blöd sind, das nicht zu durchschauen. Aber wieso wird so häufig mitgespielt - in dem nicht offen ausgesprochenen aber vorhandenen Bewusstsein, dass man eben nicht hat, was man will? Materielle Abhängigkeit bzw Angst vor dem finanziellen Ruin im Falle des Auseinanderbrechens der Beziehung dürfte nicht in allen Fällen der Grund sein. Befürchtungen hinsichtlich sonstiger Änderungen des sozialen Gefügs in dem man sich befindet? Ich denke da zB an eine frühere Arbeitskollegin, die sich während ihres Scheidungsverfahrens damit brüstete, den Vater der gemeinsamen Kinder mit Drohungen hinsichtlich des Rechts auf Umgang mit den Kindern und mit Drohungen hinsichtlich der Herabsetzung des Ansehens des Vaters bei den Kindern unter Druck zu setzen. Sie wollte, dass ich sie dafür toll finde anstatt widerlich, weil sie Kinder instrumentalisiert um dem Kindsvater ungerechtfertigt Nachteile zu verschaffen und dabei inkauf nimmt, für die Kinder das mit der Änderung des Beziehungsgefüges verbundene Trauma massiv zu verschärfen. Auch wenn man nicht mehr zusammenlebt sind es ohne wenn und aber gemeinsame Kinder. Da hat der andere Elternteil genausoviele Rechte und Pflichten wie man selbst. Damit zu drohen, bestehende Rechte zu unterlaufen ist nicht grade originell, aber trotzdem fragwürdig. Mist! Jetzt hab ich mich wieder verzettelt...

Das ist die gute Frage, warum so viele Menschen dabei mitspielen, obwohl sie genau wissen, dass sie nicht um ihrer selbst geliebt werden. Finanzelle Abhängigkeit ist sicher ein Aspekt, aber Bequemlichkeit und Gewohnheit wohl der stärker wiegende. Lieber den Teufel, den man kennt, als das Unbekannte. Veränderung macht vielen Menschen große Angst. Manche Menschen lieben ihr Haus auch mehr als sie den Partner, die Partnerin hassen. Da geht es gar nicht um den finanziellen Wert dieses Hauses, sondern um das Zuhause-Gefühl. 

Weil du Kinder erwähnt hast: so einfach ist es gar nicht, einem Elternteil den Umgang verbieten zu lassen. Diese Drohung ist zumindest in Deutschland eine leere, denn damit es dazu kommt, muss der Elternteil für die Kinder schon gefährlich sein. Jeder Vater, dem so gedroht wird, hat die Möglichkeit, das Jugendamt zu informieren und dieses den Umgang regeln zu lassen. 

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laerke_27098577
30.05.22 um 12:09
In Antwort auf eisbrecher

Das ist die gute Frage, warum so viele Menschen dabei mitspielen, obwohl sie genau wissen, dass sie nicht um ihrer selbst geliebt werden. Finanzelle Abhängigkeit ist sicher ein Aspekt, aber Bequemlichkeit und Gewohnheit wohl der stärker wiegende. Lieber den Teufel, den man kennt, als das Unbekannte. Veränderung macht vielen Menschen große Angst. Manche Menschen lieben ihr Haus auch mehr als sie den Partner, die Partnerin hassen. Da geht es gar nicht um den finanziellen Wert dieses Hauses, sondern um das Zuhause-Gefühl. 

Weil du Kinder erwähnt hast: so einfach ist es gar nicht, einem Elternteil den Umgang verbieten zu lassen. Diese Drohung ist zumindest in Deutschland eine leere, denn damit es dazu kommt, muss der Elternteil für die Kinder schon gefährlich sein. Jeder Vater, dem so gedroht wird, hat die Möglichkeit, das Jugendamt zu informieren und dieses den Umgang regeln zu lassen. 

> Weil du Kinder erwähnt hast: so einfach ist es gar nicht, einem Elternteil den Umgang verbieten zu lassen. Diese Drohung ist zumindest in Deutschland eine leere, denn damit es dazu kommt, muss der Elternteil für die Kinder schon gefährlich sein.

Besagte ehemalige Arbeitskollegin brüstete sich damit, dass sie gedroht hatte, genau das über den Vater der Kinder einfach zu behaupten um zu erwirken, dass er seine Kinder nicht sehen darf wenn er bei der Güteraufteilung und Unterhaltsregelung nicht spurt. Wenn Wort gegen Wort steht - wem wird wohl - zumindest anfangs - mehr geglaubt? Ich weiss auch nicht, wie weit sie mit ihren Drohungen gekommen ist geschweige denn, wie die Korrelation zwischen wahrem Verlauf und Profilierungsversuch mir gegenüber aussah. Aber hinsichtlich der Einstellung sprach das Bände.

> Manche Menschen lieben ihr Haus auch mehr als sie den Partner, die Partnerin hassen. Da geht es gar nicht um den finanziellen Wert dieses Hauses, sondern um das Zuhause-Gefühl. 

Wenn es nicht um Hass geht und die Präsenz des Beziehungspartners nicht zuwider ist, könnte man eine Wohngemeinschaft unter ehrlichen Vorzeichen in Betracht ziehen. Im Haus zusammen wohnen, die Rechte und Pflichten aufteilen, entspannt und anständig miteinander umgehen, und zB vom gegenseitigen Gefangenhalten im Anspruch auf sexuelle Exklusivität absehen. Solche Konstellationen gibt es hin und wieder. Aber lieber veranstalten die Leute einengende stressige Eifersuchtsdramen um Menschen, die sie nicht wirklich lieben.

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eisbrecher
30.05.22 um 12:16
In Antwort auf laerke_27098577

> Weil du Kinder erwähnt hast: so einfach ist es gar nicht, einem Elternteil den Umgang verbieten zu lassen. Diese Drohung ist zumindest in Deutschland eine leere, denn damit es dazu kommt, muss der Elternteil für die Kinder schon gefährlich sein.

Besagte ehemalige Arbeitskollegin brüstete sich damit, dass sie gedroht hatte, genau das über den Vater der Kinder einfach zu behaupten um zu erwirken, dass er seine Kinder nicht sehen darf wenn er bei der Güteraufteilung und Unterhaltsregelung nicht spurt. Wenn Wort gegen Wort steht - wem wird wohl - zumindest anfangs - mehr geglaubt? Ich weiss auch nicht, wie weit sie mit ihren Drohungen gekommen ist geschweige denn, wie die Korrelation zwischen wahrem Verlauf und Profilierungsversuch mir gegenüber aussah. Aber hinsichtlich der Einstellung sprach das Bände.

> Manche Menschen lieben ihr Haus auch mehr als sie den Partner, die Partnerin hassen. Da geht es gar nicht um den finanziellen Wert dieses Hauses, sondern um das Zuhause-Gefühl. 

Wenn es nicht um Hass geht und die Präsenz des Beziehungspartners nicht zuwider ist, könnte man eine Wohngemeinschaft unter ehrlichen Vorzeichen in Betracht ziehen. Im Haus zusammen wohnen, die Rechte und Pflichten aufteilen, entspannt und anständig miteinander umgehen, und zB vom gegenseitigen Gefangenhalten im Anspruch auf sexuelle Exklusivität absehen. Solche Konstellationen gibt es hin und wieder. Aber lieber veranstalten die Leute einengende stressige Eifersuchtsdramen um Menschen, die sie nicht wirklich lieben.

Gerade deshalb hätte ich mich als Vater ans Jugendamt gewandt. Wenn sie lügt, kann man sie dann auch gleich wegen Verleumdung klagen. Wenn es zu einem Prozess gekommen wäre, wärst du als Zeugin geladen worden und hättest dann die Wahrheit gesagt. Wenn sogar die Kollegin, die davon null hat, aussagt, dass die Frau lügt und zugegeben hat, diese Vorwürfe nur zu erfinden, wäre das wohl gut für den Mann ausgegangen. Es werden ja auch immer Zeugen befragt und wenn diese Frau vor dir prahlt, wird sie es auch vor anderen getan haben. Hingegen wird es wenig Zeugen geben, die das angebliche Verhalten des Mannes bestätigen, wenn es dieses nie gegeben hat.

Ja, natürlich könnte man das so regeln. So lange beide Single sind, geht das auch gut. Aber sobald einer eine/n neue/n Partner/in hat, geht es los: "Warum wohnst du noch mit deinem/deiner Ex zusammen?" "Du betrügst ihn/sie doch mit mir, bin ich nur deine Affäre?" "Ich will nicht, dass ihr noch zusammen wohnt, zieh da aus!" 
Es ist ja auch wirklich seltsam, nach der Trennung noch zusammenzuwohnen und die meisten Menschen sind eifersüchtig.

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laerke_27098577
30.05.22 um 12:21
In Antwort auf eisbrecher

Das ist die gute Frage, warum so viele Menschen dabei mitspielen, obwohl sie genau wissen, dass sie nicht um ihrer selbst geliebt werden. Finanzelle Abhängigkeit ist sicher ein Aspekt, aber Bequemlichkeit und Gewohnheit wohl der stärker wiegende. Lieber den Teufel, den man kennt, als das Unbekannte. Veränderung macht vielen Menschen große Angst. Manche Menschen lieben ihr Haus auch mehr als sie den Partner, die Partnerin hassen. Da geht es gar nicht um den finanziellen Wert dieses Hauses, sondern um das Zuhause-Gefühl. 

Weil du Kinder erwähnt hast: so einfach ist es gar nicht, einem Elternteil den Umgang verbieten zu lassen. Diese Drohung ist zumindest in Deutschland eine leere, denn damit es dazu kommt, muss der Elternteil für die Kinder schon gefährlich sein. Jeder Vater, dem so gedroht wird, hat die Möglichkeit, das Jugendamt zu informieren und dieses den Umgang regeln zu lassen. 

> Das ist die gute Frage, warum so viele Menschen dabei mitspielen, obwohl sie genau wissen, dass sie nicht um ihrer selbst geliebt werden.

Grade kommt mir der Gedanke, dass sicherlich auch eine Rolle spielt, dass viele Menschen ein an ihr Selbstwertgefühl gekoppeltes Bedürfnis danach haben, gebraucht zu werden. Und ein Bedürfnis danach, dass die Tatsache anerkannt wird, dass sie nützlich sind (und deshalb einen guten Platz im Gefüge verdienen).

Aber das Gebraucht-Werden und das Gefühl, nützlich zu sein, würde ja nicht unbedingt aufhören wenn man die Illusion der Liebe nur um ihrer selbst willen nicht aufrechterhält.

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E
eisbrecher
30.05.22 um 12:41
In Antwort auf laerke_27098577

> Das ist die gute Frage, warum so viele Menschen dabei mitspielen, obwohl sie genau wissen, dass sie nicht um ihrer selbst geliebt werden.

Grade kommt mir der Gedanke, dass sicherlich auch eine Rolle spielt, dass viele Menschen ein an ihr Selbstwertgefühl gekoppeltes Bedürfnis danach haben, gebraucht zu werden. Und ein Bedürfnis danach, dass die Tatsache anerkannt wird, dass sie nützlich sind (und deshalb einen guten Platz im Gefüge verdienen).

Aber das Gebraucht-Werden und das Gefühl, nützlich zu sein, würde ja nicht unbedingt aufhören wenn man die Illusion der Liebe nur um ihrer selbst willen nicht aufrechterhält.

Ist dieses Gebrauchtwerden nicht eher ein weibliches Gefühl? Frauen erledigen ja die meiste Care-Arbeit und bekommen dadurch vielleicht öfter ein Helfersyndrom. 

Jedenfalls hat mir erst vor kurzem eine Frau, die in der mobilen Altenpflege arbeitet, genau das erzählt. Ihre Motivation, mit dieser Arbeit zu beginnen, war das Gefühl des Gebrauchtwerdens. Dieses hatte sie vermisst, seit ihre Kinder erwachsen waren und ausgezogen sind. Sie erzählte mir, sie habe ihren Sohn, als dieser zum Studium ausgezogen sei, anfangs jeden Tag angerufen, bis der schon sehr genervt davon war. Jeden Tag fragte sie ihn, wie es ihm geht und er antwortete: "Genau gleich wie gestern. " Er hat ihr dann gesagt, dass sie nicht mehr so oft anrufen soll, er würde sich melden, wenn es was Neues zu erzählen gäbe. Mittlerweile hat sich das eingependelt, aber ihr wurde dadurch klar, dass ihr Leben sinnlos ist, wenn sie nicht gebraucht wird. Das macht sie zu einer wunderbaren Pflegekraft, ihre Kundinnen sind begeistert.

Ich kenne keinen Mann, der so denken würde (das schließt aber natürlich nicht aus, dass es die gibt).

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annika9219
30.05.22 um 13:24

Seine Freundin über alles lieben und dann hier diese "Erbsenzählerei" - Passt nicht.

Auch deine Annahme das Sie ggf. hereinfallen ist, sehe als Falsch an.
Sie ist ja wohl KLUG, oder wäre Sie sonst mit nun dir zusammen? 

Erlaube mir auch die gegenfrage: Sie 5 Männer - Du 20 Frauen - "Darf" Sie das gleiche "Problem" haben? 

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L
laerke_27098577
30.05.22 um 14:24
In Antwort auf eisbrecher

Ist dieses Gebrauchtwerden nicht eher ein weibliches Gefühl? Frauen erledigen ja die meiste Care-Arbeit und bekommen dadurch vielleicht öfter ein Helfersyndrom. 

Jedenfalls hat mir erst vor kurzem eine Frau, die in der mobilen Altenpflege arbeitet, genau das erzählt. Ihre Motivation, mit dieser Arbeit zu beginnen, war das Gefühl des Gebrauchtwerdens. Dieses hatte sie vermisst, seit ihre Kinder erwachsen waren und ausgezogen sind. Sie erzählte mir, sie habe ihren Sohn, als dieser zum Studium ausgezogen sei, anfangs jeden Tag angerufen, bis der schon sehr genervt davon war. Jeden Tag fragte sie ihn, wie es ihm geht und er antwortete: "Genau gleich wie gestern. " Er hat ihr dann gesagt, dass sie nicht mehr so oft anrufen soll, er würde sich melden, wenn es was Neues zu erzählen gäbe. Mittlerweile hat sich das eingependelt, aber ihr wurde dadurch klar, dass ihr Leben sinnlos ist, wenn sie nicht gebraucht wird. Das macht sie zu einer wunderbaren Pflegekraft, ihre Kundinnen sind begeistert.

Ich kenne keinen Mann, der so denken würde (das schließt aber natürlich nicht aus, dass es die gibt).

Bei Männern wirkt sich das vielleicht nicht in der Art aus, dass sie sich in Pflegeberufe stürzen, wo - überspitzt gezeichnet - der bedürftige leidende Kranke sie dankbar anschaut. Bei manchen Frauen, die etwas von Gebrauchtwerden erzählen, habe ich den Eindruck, es geht um die Erfahrung, dass jemand von ihnen abgängt und ihnen dankbar ist. Das ist eine ganz spezielle Beimischung zu dem Bedürfnis, gebraucht zu werden. Aber es gibt meiner Beobachtung nach bei nahezu allen Menschen – also auch Männern  – das Bedürfnis, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der man gebraucht und als leistungsfähig anerkannt wird. Nicht nur "ach, du bist so süss und niedlich, deshalb lieben wir dich".  Mein Großvater hatte einen Hoch- und Tiefbaubetrieb mit vielen Arbeitern. Er war immer mit auf den Baustellen. Er legte bei allem, was er handwerklich tat, Wert darauf, dass es akkurat ist. Andere Leute erzählten, dass er als junger Mann oft von morgens 5 Uhr bis abends 22 Uhr auf der Baustelle durchgearbeitet hat. Ich habe ihn nur als Menschen erlebt, der an Multipler Sklerose erkrankt und bettlägrig war. Wenn wir Kinder da waren, hat er sich immer bemüht, keine bedrückende Atmosphäre aufkommen zu lassen. Aber er war depressiv. Wenn er mal in guten Erinnerungen schwelgte und zur Abwechslung wenigstens halbwegs glücklich aussah, ging es immer um Sachen, bei denen er auf dem Bau für gute Arbeit, die gebraucht wurde, Anerkennung gefunden hatte, oder stolz darauf war, dass sie etwas hochgezogen hatten, das gebraucht wurde. Sehr oft sagte er, wenn jemand mit ihm allein war, man solle ihn erschiessen, er könne nichts mehr arbeiten, und ihn brauche doch sowieso keiner mehr, und deshalb sei er jetzt nichts mehr wert. Als Kind wusste ich damals nicht, wie ich reagieren soll und hab ihn dann halt meistens am Kopf gestreichelt und ihm gesagt, dass ich ihn eben doch brauche, schon deswegen, weil die anderen alle doof sind. Darüber konnte er grinsen.

Bei der Frau in der mobilen Altenpflege frage ich mich, warum der Sohn genervt war. Sie wird es wohl nicht auf stundenlange Telefonate angelegt haben, und die paar Minuten am Tag, um mit seiner Mutter oder seinem Vater zu telefonieren, wird man wohl noch haben. Ich denke, wenn meine Eltern mich anrufen würden, würde ich mich freuen. Andererseits wäre es auch unheimlich, denn wie bei vielen anderen auch sind sie schon lange tot.  Bei diversen Kommiliton/inn/en hatte ich den Eindruck, sie fühlten sich durch elterliche Kontaktierungsversuche in dem Prozess, sich von den Eltern zu emanzipieren, beeinträchtigt. Aber das liegt ja dann an deren eigener Standhaftigkeit und die wiederum zeigt sich besser, wenn man gegenüber Leuten, die es nicht böse meinen, den Charme wahrt anstatt die Genervte/den Genervten herauszuhängen.

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eisbrecher
30.05.22 um 15:58
In Antwort auf laerke_27098577

Bei Männern wirkt sich das vielleicht nicht in der Art aus, dass sie sich in Pflegeberufe stürzen, wo - überspitzt gezeichnet - der bedürftige leidende Kranke sie dankbar anschaut. Bei manchen Frauen, die etwas von Gebrauchtwerden erzählen, habe ich den Eindruck, es geht um die Erfahrung, dass jemand von ihnen abgängt und ihnen dankbar ist. Das ist eine ganz spezielle Beimischung zu dem Bedürfnis, gebraucht zu werden. Aber es gibt meiner Beobachtung nach bei nahezu allen Menschen – also auch Männern  – das Bedürfnis, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der man gebraucht und als leistungsfähig anerkannt wird. Nicht nur "ach, du bist so süss und niedlich, deshalb lieben wir dich".  Mein Großvater hatte einen Hoch- und Tiefbaubetrieb mit vielen Arbeitern. Er war immer mit auf den Baustellen. Er legte bei allem, was er handwerklich tat, Wert darauf, dass es akkurat ist. Andere Leute erzählten, dass er als junger Mann oft von morgens 5 Uhr bis abends 22 Uhr auf der Baustelle durchgearbeitet hat. Ich habe ihn nur als Menschen erlebt, der an Multipler Sklerose erkrankt und bettlägrig war. Wenn wir Kinder da waren, hat er sich immer bemüht, keine bedrückende Atmosphäre aufkommen zu lassen. Aber er war depressiv. Wenn er mal in guten Erinnerungen schwelgte und zur Abwechslung wenigstens halbwegs glücklich aussah, ging es immer um Sachen, bei denen er auf dem Bau für gute Arbeit, die gebraucht wurde, Anerkennung gefunden hatte, oder stolz darauf war, dass sie etwas hochgezogen hatten, das gebraucht wurde. Sehr oft sagte er, wenn jemand mit ihm allein war, man solle ihn erschiessen, er könne nichts mehr arbeiten, und ihn brauche doch sowieso keiner mehr, und deshalb sei er jetzt nichts mehr wert. Als Kind wusste ich damals nicht, wie ich reagieren soll und hab ihn dann halt meistens am Kopf gestreichelt und ihm gesagt, dass ich ihn eben doch brauche, schon deswegen, weil die anderen alle doof sind. Darüber konnte er grinsen.

Bei der Frau in der mobilen Altenpflege frage ich mich, warum der Sohn genervt war. Sie wird es wohl nicht auf stundenlange Telefonate angelegt haben, und die paar Minuten am Tag, um mit seiner Mutter oder seinem Vater zu telefonieren, wird man wohl noch haben. Ich denke, wenn meine Eltern mich anrufen würden, würde ich mich freuen. Andererseits wäre es auch unheimlich, denn wie bei vielen anderen auch sind sie schon lange tot.  Bei diversen Kommiliton/inn/en hatte ich den Eindruck, sie fühlten sich durch elterliche Kontaktierungsversuche in dem Prozess, sich von den Eltern zu emanzipieren, beeinträchtigt. Aber das liegt ja dann an deren eigener Standhaftigkeit und die wiederum zeigt sich besser, wenn man gegenüber Leuten, die es nicht böse meinen, den Charme wahrt anstatt die Genervte/den Genervten herauszuhängen.

Zum Thema Sohn der Krankenpflegerin: ich wäre auch genervt, wenn mich - ganz egal wer - jeden Tag anruft, ohne eigentlich was zu sagen zu haben und nur, um mich zu fragen, wie es mir geht. Sowas ist unnötig. Wenn es was zu erzählen gibt, kann man ja gerne anrufen. So gerne telefoniere ich jetzt nicht, dass ich das brauche. Ich bin schon lange abgenabelt von meinen Eltern. Es würde mich bei Freunden oder der Partnerin aber auch nerven. 

Ich denke, was du über deinen Großvater schreibst, hat mehr mit Sinn im Leben und Anerkennung zu tun. Er hatte etwas, das er gut konnte, wofür er Anerkennung bekam. Das Gefühl braucht wohl wirklich jeder Mensch. I

Ich finde es aber traurig, seinen eigenen Wert von einer bestimmten Leistung abhängig zu machen. Das ist Gift für die Seele, denn wie dein Großvater kann man krank werden oder einen Unfall haben und nichts mehr leisten können, keinem Beruf mehr nachgehen. Der Wert eines Menschen ist nicht gleichzusetzen mit seiner Nützlichkeit für die Gesellschaft oder mit seiner Fähigkeit, produktiv zu sein. Ich finde es auch gefährlich, seinen Beruf als einzig sinnstiftende Tätigkeit zu sehen. Diesen Fehler machen viele Menschen und wenn sie dann in Rente gehen, wissen sie nichts mehr mit sich anzufangen. 

 

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