Home / Forum / Liebe & Beziehung / Gewaltätiges Verhalten unterstützt durch Krankheit (Serotoninmangel)?

Gewaltätiges Verhalten unterstützt durch Krankheit (Serotoninmangel)?

2. März 2011 um 13:35 Letzte Antwort: 10. Juni 2011 um 0:50

Hi,
Ich wende mich an euch, weil ich momentan doch mit so einigen Dingen zu kämpfen habe und zwar mit Liebe und Angst. Der Eintrag ist nicht gerade kurz aber ich bin wirklich verzweifelt....

Ich war bis zum letzten Wochenende 7 Monate mit meinem Freund zusammen, kennen tun wir uns schon etwa anderthalb Jahre.
Er hat mir gleich zu Beginn unserer Beziehung gesagt, dass er früher starke psychische Probleme hatte, deswegen auch zeitweise in einer Klinik war, bis bei ihm ein Serotoninmangel (Mangel an Glückshormonen) festgestellt wurde der medikamentös die letzten 8 Jahre behandelt wurde. Seit etwas über einem Jahr nimmt er diese Medikamente nicht mehr, weil er sie eigenmächtig abgesetzt hat. Auch behauptet er, dass es ihm seither gut geht, er auch ohne klarkommt usw...
Nun hab ich aber schon recht früh festgestelllt, dass er sehr schnell furchtbar aggressiv wurde, nicht körperlich aber dafür verbal wenn er sich kritisiert gefühlt hat. Das ging alles einher mit einer krassen Überempfindlichkeit/ Übersensibilität. Man muss ihn wirklich mit Samthandschuhen anfassen.
Auch wird er sehr schnell "depressiv". Wenn etwas schief läuft, verkrümelt er sich dann wochenlang bis auf die Arbeit und andere Pflichten im Bett, badet sich in Selbstmitleid auch wenn er offensichtlich der Schuldige ist . Ich habe ihn deswegen auch erst für eine männliche Mimose gehalten, eine kleine Diva, die austickt wenn etwas nicht so abläuft wie es soll.
Nach etwa 5 Monaten kam es zu einem heftigen Streit unteranderem wegen seiner NICHT vorhandenen Streitkultur. Er wurde handgreiflich, schubste mich auf die Couch zurück damit wir reden, nachdem er mir vorher sagte ich solle mich aus seiner Wohnung verpissen. Ich habe ihm verziehen, er schwor sich zu bessern. Das klappte auch anfangs ganz gut, wir waren wieder unheimlich glücklich.
Dann kamen bei ihm viele Dinge zusammen, Riesenstress auf der Arbeit (selbstverschuldet), nicht funktionierendes Aufarbeiten der Beziehung zu seiner Mutter (teilverschuldet durch seine Streitkultur), Geldprobleme wegen eines harmlosen Autounfalls....
Er jammerte und heulte sich wochenlang bei mir aus, war antriebslos und furchtbar sensibel. Nach etwa einem Monat kippte auch bei mir die Stimmung, weil mir langsam die Kraft ausging ihn bedingungslos zu unterstützen. Das sagte ich ihm letzten Samstag mit den Worten "ich habe das Gefühl, dass wir die Zeit die wir zusammen verbringen nicht wirklich effektiv nutzen, ich vermisse dich obwohl du da bist."
Dann knallte es erneut, er flippte aus, verwies mich seiner Wohnung, weil ich ihm ja vorwarf dass er mich vernachlässigen würde und wurde als ich mich anzog erneut gewaltätig und schubste mich immer wieder um mir den Weg zur Tür zu versperren. Ich versuchte Hilfe zu rufen, er schlug mir das Telefon aus der Hand und ließ mich 20 Minuten lang nicht aus der Wohnung, gewaltsam. Als er sich umdrehte floh ich so schnell ich konnte. Blaue Flecken und ein Bluterguss sind die sichtbaren Folgen. Die zig unbeantworteten Telefonanrufe könnt ihr euch vorstellen. Also versuchte er es via SMS als er es nicht schaffte mich daheim anzutreffen. Es täte ihm leid und er wisse was er getan habe, er hätte nie gewollt, dass das so eskaliert und es sei ihm bewusst wie sehr er mir weh getan habe und dass er mich vernachlässigt hat.
Irgendwann Ende dieser Woche werde ich mit ihm reden...im Moment brauche ich Abstand.

Nun zu meinen Fragen. Da er prinzipiell außer seiner Überempfindlichkeit und seinem Aggressionspotenzial ein erschreckend guter Mensch ist (ja das klingt jetzt unglaubwürdig), liebevoll, zärtlich, überfürsorglich und allen Menschen gegenüber die ihn nicht regelmäßig kritisieren (wie ich es nun mal in einer Beziehung mit ihm tun musste, oder beispielsweise seine Mutter) furchtbar emphatisch ist....kann es sein, dass ein Serotoninmangel ihn manchmal zu dem macht was er sonst VIELLEICHT nicht wäre? Ein gewaltätiges ...
Es würde sein Verhalten in keinster Weise entschuldigen, aber vielleicht ein klein wenig erklären.
Ich liebe diesen Mann abgöttisch...aber natürlich habe ich jetzt Angst vor ihm und eigentlich weder Vertrauen zu ihm noch einem erneuten Beziehungsversuch.
Wüden Therapie und Medikamente helfen?
Was würdet ihr tun?
Ich bin um jede Antwort dankbar...

Mehr lesen

2. März 2011 um 15:18

Mach' dir bitte nix vor...
NATÜRLICH versuchst du sein Verhalten auf gewisse Art und Weise zu entschuldigen, auch wenn du den Terminus "erklären" bevorzugst- so nach dem Motto "das ist ein Mangelzustand, nicht seine primäre Persönlichkeit".

Ich sage dir dazu folgendes: Das mit dem Serotoninmangel ist eine wissenschaftliche HYPOTHESE (kannste sicher auch googeln), die retrospektiv erklärt, warum z.B. Antidepressiva stimmungsstabilisierend wirken- man kann keinen Serotoninspiegel erheben, so wie ein großes Blutbild etc., weil man dazu schon ins Gehirn pieksen müsste.

Die Fakten sind folgende:
- Dein Freund hat keine psychischen Probleme GEHABT; ganz offensichtlich hat er sie nach wie vor
- er hat seine Medikamente selbständig entgegen ärztlichen Rat abgesetzt
- er befindet sich anscheinend nicht in einer Therapie
- obwohl er, wie du (noch!) selbst deutlich sehen kannst, zahlreiche seinem eigenen Verhalten geschuldete soziale und existenzielle Baustellen hat
- er bringt auch dich in existenzielle Gefahr, zudem hast du bereits nach 7 Monaten Beziehung das Gefühl, dass dir langsam absolut die Kräfte schwinden

Was ich an deiner Stelle tun würde? LAUFEN!
Ich glaube dir deine abgöttische Liebe aufs Wort- vermutlich hat er auch eine sehr warme, empathische, anziehende und weiche Seite. ABER das ist die eine Seite; und so schwer das für dich zu begreifen ist- die andere gehört genauso zu ihm. Nur scheint er das selber noch nicht so ganz akzeptiert zu haben.
Ich würde mir eine Beziehung mit jemandem, der so gebaut ist, nicht zutrauen- da würde ich schleichend vor die Hunde bei gehen.
Er muss selbst an den Punkt kommen, an dem er einsieht, dass Therapie und Medikamente in der Tat hilfreich wären- du bist schon wieder dabei, ihn zu retten...

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
10. Juni 2011 um 0:50

ES IST SO "Machtloses" Empfinden
Ich habe bei meiner Verlobten auch schon gesagt: Vllt. hast du ein gestörten Serotonin Haushalt... weil die Anzeichen da sind..


Ich bin auch gerade völlig am Ende und weiß nicht weiter!

Aber diese Gewalt Eskapaden kann ich nicht mehr entschuldigen..erdulden!

Es gibt von mir aus ein Ultimatum, Therapie,Eifersuchttherapie und Gewalt-Konflikt Seminar ect....


Und bis dahin 6 Wochen Funkstille....

Es ist sooo schlimm wenn jemd. den man soo liebt sooo schlimme Dinge tut!

Ich wünsche dir alles gute, aber der Rat den ich immer wieder höre und geben kann.. LAUFEN!

Nur konnte ich es bis jetzt auch nicht !

Hilfe! Ich habe doch nur ein Leben!!

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Teste die neusten Trends!
experts-club