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Gemischte Gefühle

12. Juli 2014 um 17:52 Letzte Antwort: 7. Mai 2015 um 11:37

Hallo zusammen,

ich möchte mal über etwas sprechen und eure Meinungen einholen, was meine Beziehung betrifft. Ich habe in den letzten Wochen mit einigen mir nahen Menschen persönlich darüber gesprochen, aber ... wirklich weiter bin ich dennoch nicht.

Ich bin seit einer kleinen Ewigkeit mit meiner Freundin in einer monogamen Beziehung. Über 13 Jahre. Und ein Problem, das ich schon nach einigen Jahren als Problem erkannt hatte, war, dass wir uns zu früh kennengelernt haben. Wir waren beide sehr jung, sie hatte vor mir erst einen festen Freund, und von dem, was sie so erzählt hat, war das eher ein schlechter Witz als ne Beziehung.

Klar, man weiß nicht, dass man mit dem Nächsten, mit dem man zusammenkommt, eine Ewigkeit zusammenbleiben wird - fast das halbe eigene Leben. Manchmal kommt es eben so. Ich hatte vorher auch nicht allzu viel Erfahrungen gesammelt, aber zumindest drei Beziehungen geführt, die längste davon immerhin ein halbes Jahr.

Jedenfalls ... irgendwann ... ging beim Sex der Lack ab - nicht jedes Mal, es gab auch nach 7, 9 oder 11 Jahren noch leidenschaftlichen Sex, in dem man komplett aufgeht und sich fallenlässt. Aber oft ist der Sex ein Standardprogramm: Ich bringe sie zum Orgasmus, danach sie mich, beide befriedigt, vorbei.

Und der Sex wurde weniger (was glaub ich auch recht normal ist und häufig vorkommt in Langzeitbeziehungen). Nach ein paar Jahren immerhin noch jede Woche, nach sehr vielen Jahren ... eher einmal im Monat, durchschnittlich. Und nach dreizehn Jahren ... war komplette Flaute im Bett. Es ist nicht so, dass ich nicht gewollt hätte. Ich habe auch versucht, besondere Momente für uns zu schaffen, Romantik und das Drumherum, aber ... sie hatte keine Lust. Wir sind da immer recht offen miteinander umgegangen - wenn sie nicht wollte, musste sie das nur sagen und nicht irgendwas Doofes vortäuschen.

Das ging drei Monate lang so ... ich dachte, es wäre vielleicht eine Phase. Kannte ich von mir selbst. Alle paar Jahre gab's bei mir mal so Phasen, wo man sich Veränderung wünscht. Wo man denkt: Mal ausbrechen. Das wäre toll. Mal mit jemand anderem schlafen. Das wäre ... Wow.

Ich sprach sie nach drei Monaten ohne Sex darauf an, wollte wissen, was in ihr vorgeht, das ... dazu führt. Sie konnte es nicht beantworten, aber sie sagte mir, dass es OK für sie sei, wenn ich stattdessen mit einer anderen Frau schlafen würde.

Da war ich etwas baff. Und auch etwas gekränkt. Ich war nicht so lange treu, nur, um mir Sex außerhalb der Beziehung zu holen, sobald ich von ihr eine "Erlaubnis" dazu bekomme. Klar, ich hätte schon gern mit ner anderen Frau geschlafen. Gesagt habe ich das aber nicht, sondern, dass ich mit *ihr* schlafen möchte, nicht mit irgendeiner anderen Frau.

Drei weitere Monate ohne Sex vergingen. Und ich hielt es nicht mehr aus und musste wissen, wie es um uns steht. Ich dachte natürlich daran, dass sie einen andern hat, oder jemand anders liebt - irgendwas in der Art.

Aber was sie sagte war: Sie hätte das Verlangen, sich auszutoben. Sie hatte nie die Gelegenheit. Sie war so jung, als wir zusammenkamen. Sie hat alle sexuellen Erfahrungen nur mit mir gemacht ...

Ich fand das unglaublich mutig. Und war auch stolz auf sie, dass sie es schafft, sowas auszusprechen. Mir ins Gesicht zu sagen, dass sie mit anderen Männern schlafen will - und mir auf der anderen Seite natürlich die Freiheit gibt, mit anderen Frauen zu schlafen.

Ich habe ohne zu Zögern gesagt: Ja, dann machen wir das. Toben wir uns aus, mit der Erlaubnis des anderen.

Und wie sich heraus stellte, hatte sie schon sehr lange über all das nachgedacht. Seit über einem Jahr - und davor auch schon, phasenweise.

Deswegen hatte sie auch schon einen kompletten "Schlachtplan" im Kopf, wie das funktionieren könnte. Lauter Dinge, an die ich erstmal gar nicht gedacht hätte. Dass unsere gemeinsame Wohnung eine Tabuzone sei. Dass alle Sexgeschichten mit anderen Menschen bei einem selbst bleiben und Privatsache sind. Und so weiter.

Als ich mit ihr über all das sprach und zugestimmt hatte, eine offene Beziehung zu führen, hatte ich zehntausend Möglichkeiten im Kopf, was ich alles nachholen wollte. Einfach am Wochenende mit Freunden durch Bars und Clubs ziehen und flirten. Und gucken, wo das Flirten hinführt. Und es dürfte - überall hinführen. So etwas hatte ich seit fast vierzehn Jahren nicht mal mehr gedacht. Und auf einmal waren die Möglichkeiten da.

Die nächsten Wochen waren allerdings alles andere als Party machen und Frauen abschleppen für mich. Sekündlich schießen mir zehn Milliarden Fragen durch den Kopf. Ich habe im einen Moment Liebeskummer, der so heftig wütet, als wäre ich wieder 16. Und drei Stunden später bin ich stolz darauf, dass wir so offen mit dem Thema umgehen und zu 100 % überzeugt, dass es das Richtige ist.

Ich habe seitdem jedenfalls noch nicht den Wunsch gehabt, wegzugehen und zu gucken, was passiert, zu flirten, knutschen, vielleicht sogar nen One-Night-Stand an Land zu ziehen. Das war etwas, das ich mir jahrelang gewünscht hatte - aber es fühlt sich in der Realität plötzlich so anders an als auf dem Papier.

Meine Freundin hat, denke ich mal, mittlerweile schon "Erfahrungen" gesammelt, seitdem wir den Startschuss für die offene Beziehung gegeben haben. Ich bin mir nicht sicher, sie möchte ja, dass wir diese Sachen für uns behalten, aber ich denke, dass es schon soweit war. Es hat am Anfang leicht im Bauch gestochen, wenn ich daran gedacht habe, aber andererseits freue ich mich auch für sie. Es ist ja toll, dass sie endlich Erfahrungen machen kann, die ihr auf Grund blöder Monogamie-Gebräuche vorenthalten geblieben sind.

Nun ... nach ein paar Wochen des Nachdenkens war ich plötzlich der Meinung, dass es vielleicht die beste Idee sei, Schluss zu machen. Wenn sie mich nicht mehr liebt, wozu dann dieses Gedöns?

Ich sprach mit ihr darüber, fragte sie, ob sie das nicht auch für den besseren Weg halte. Woraufhin sie mir sagte, ich wäre so dumm: Sie hätte über ein Jahr über all das nachgedacht, und sie hat mich weder betrogen, noch mit mir Schluss gemacht. Und ich, der ich seit drei Wochen darüber nachgrüble, weiß die tolle Lösung: Schluss machen. Ihre Gefühle für mich seien noch da - nur seien da eben auch noch diese anderen Gefühle, dieses andere Verlangen. Sie wolle nicht mit mir Schluss machen, und das hätte ich doch eigentlich merken müssen ....

Danach war ich SO klein mit Hut. Ich meine ... das ist schon krass. Wie lang sie das mit sich rumgeschleppt hat. Dass sie sich nie traute, mir davon zu erzählen. (Was auch ein bißchen logisch ist ... wir haben mal, als wir noch jünger waren, über's Fremdgehen gesprochen, und ich habe ihr gesagt, dass das für mich ein No-Go ist und zum sofortigen Beziehungs-Aus führen würde, egal unter welchen Umständen es geschieht. Nach so vielen Jahren ändert man sich selbst und seine Einstellungen, aber ich hab ihr nie mitgeteilt, dass ich ihr vielleicht sogar verzeihen könnte, wenn sie fremd ginge ...).

Sie hat all das in sich reingefressen und über so lange Zeit mit sich selbst ausgemacht, sich niemandem anvertraut, mit keinem Menschen darüber gesprochen.

Keine Ahnung, wie sie das ausgehalten hat. Ich spreche mit all meinen engen Freunden und Freundinnen darüber, weil es einen einfach dermaßen erleichtert, das mal rauszulassen.

Nun, da stehe ich. In mir tobt ein Sturm. Ich weiß nicht, ob das funktionieren kann. Wird sie wieder mit mir schlafen wollen, wenn sie neue Erfahrungen gemacht hat? Wird sie dann das Alte anders wahrnehmen, vielleicht mehr schätzen? Kann das überhaupt gutgehen?

Wir haben uns bis zu dem Tag, als das Thema Offene Beziehung plötzlich aufkam, immer perfekt verstanden. Körperliche Nähe war nie ein Thema. Kuscheln, küssen, im Arm halten - das Standardprogramm verliebter Pärchen hat bei uns auch nach so vielen Jahren noch dazugehört. Wir haben uns nie gestritten, weil wir immer beide lieber nach Kompromissen gesucht haben, damit jeder von uns glücklich ist.

Ich würde jetzt so gern mit ihr offen über alles diskutieren. Über die offene Beziehung. Über die Regeln, die man vorab besprechen sollte.

Doch wenn ich damit beginne, ist sie genervt und verschließt sich mir, sagt mir, dass sie schon so lange, so viel darüber nachgedacht hat, dass sie keine Lust hat, das alles nochmal zu klären.

Aber ... ich habe nicht so lange darüber nachdenken können wie sie. Ich hätte gern darüber geredet, ob es nun besser ist, wenn jeder alles im Geheimen macht, oder ob man einfach darüber spricht hinterher. Natürlich nicht über alle Details - aber dennoch drüber redet.

Ich fühle mich einerseits, als wäre mir hier etwas aufgezwängt worden - aber nicht die offene Beziehung an sich, sondern der Rahmen außenrum. Ich fühle mich ein klein wenig vernachlässigt, weil ich die Entscheidungen nicht mit ihr zusammen treffen konnte. Sehr wichtige Entscheidungen.

Ich weiß nicht, welchen Reim ich mir auf all das machen soll. Das ist Terra Incognita, mir völlig unbekanntes Land. Mein Kopf sagt: Offene Beziehung, super! Mein Herz sagt: Willst du das? Kann das gehen? Kann das auch nur ansatzweise funktionieren? Oder geht sowas nur genau so lange gut, bis einer von beiden plötzlich ein Kribbeln im Magen verspürt, wenn er beim Auswärts-Sex ist? Bis Kopf UND Herz sagen: Ich möchte mit jemand anderem zusammensein?

Ich liebe sie. Sie liebt mich anscheinend auch.
Und ich habe ... keine Ahnung.

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12. Juli 2014 um 21:09


Ich finde du hast den Text toll geschrieben! Hut ab dafür und vor eurer Beziehung, Klingt für mich super.

Eine Lösung habe ich für dich aber auch nicht. Vielleicht kopierst du diesen Text mal und druckst ihn ihr aus, damit sie weiß wie es in dir aussieht.

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12. Juli 2014 um 22:05

Nun ...
Rational betrachtet: Chemie. Romantischer: Sowas wie Liebe.

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12. Juli 2014 um 22:37
In Antwort auf

Nun ...
Rational betrachtet: Chemie. Romantischer: Sowas wie Liebe.

Lies dir
einfach mal ein paar andere Threads durch, dann weißt du wie viel du auf lanas"Ratschläge" geben kannst...

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12. Juli 2014 um 23:55
In Antwort auf


Ich finde du hast den Text toll geschrieben! Hut ab dafür und vor eurer Beziehung, Klingt für mich super.

Eine Lösung habe ich für dich aber auch nicht. Vielleicht kopierst du diesen Text mal und druckst ihn ihr aus, damit sie weiß wie es in dir aussieht.

Ihr den Text geben
Stimmt, mache ich einfach mal. Gebe ihr den Text und sehe, was passiert.

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13. Juli 2014 um 0:14
In Antwort auf

Ihr den Text geben
Stimmt, mache ich einfach mal. Gebe ihr den Text und sehe, was passiert.

Wow..
ich muss mich auch eindeutig für den Text aussprechen. Das klingt mal wirklich nach einer reifen und beneidenswerten Beziehung - und dass ihr überhaupt über so ein Thema wie 'offene Beziehung' sprechen könnt und den anderen so stark reflektiert - Hut ab. Was mich natürlich zu dem Schluss bringt: Es ist verdammt hart und nahezu unmöglich so etwas, das ihr euch geschaffen habt, mit einer anderen Person aufzubauen, heißt also: Ich würde mir das an deiner Stelle mit dem Schluss machen sehr gut überlegen.

Zum Thema offene Beziehung kann ich leider auch nicht viel sagen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es nach einer so langen Zeit und nur wenigen Erfahrungen vorher sehr reizvoll klingen mag - aber ich glaube auch, dass sich dadurch auf jeden Fall etwas in der Partnerschaft verschiebt und diese dann nicht mehr so ist wie zuvor. Ob das funktioniert, sich die Partnerschaft zum positiven oder negativen ändert, oder einer von euch beiden sich neu verliebt - das kann nur die Zeit klären. Aber verlieben könnte man sich auch ohne Sex - so etwas kann man nie vorhersehen... Ich wünsche euch allerdings sehr viel Kraft und dass es weiterhin funktioniert!! (und hätte gerne Tipps wie man eine solche Beziehung aufbaut )

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13. Juli 2014 um 0:39

Ich finde das auch sehr interessant...
habt ihr denn was ausgemacht, wie lange diese Freiheit gilt? also ich stelle mir das wirklich schwierig vor, genau die gleichen Fragen werfen sich auf: Kann die Beziehung das aushalten?
Ich könnte mir nicht vorstellen das für eine längere Zeit durchzuziehen und damit glücklich zu sein. Ich kann ihren Wunsch nachvollziehen, da es mir in meiner Beziehung ähnlich geht, bin auch mit meinen ersten richtigen Freund zusammen, denke auch manchmal, dass ich gerne verschiedene Erfahrungen gesammelt hätte, um mir jetzt sicherer zu sein. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen, ihm einen Freifahrtschein zu geben.
Wenn das einmal passiert ist, wie willst du das verarbeiten?
Vor allem wenn ihr nicht drüber sprecht, das hat etwas von "geheimer Affäre" - auf der anderen Seite würden mich die genauen Details auch nicht interessieren.
Das ist eine wirklich schwierige Situation...

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13. Juli 2014 um 2:07
In Antwort auf

Ich finde das auch sehr interessant...
habt ihr denn was ausgemacht, wie lange diese Freiheit gilt? also ich stelle mir das wirklich schwierig vor, genau die gleichen Fragen werfen sich auf: Kann die Beziehung das aushalten?
Ich könnte mir nicht vorstellen das für eine längere Zeit durchzuziehen und damit glücklich zu sein. Ich kann ihren Wunsch nachvollziehen, da es mir in meiner Beziehung ähnlich geht, bin auch mit meinen ersten richtigen Freund zusammen, denke auch manchmal, dass ich gerne verschiedene Erfahrungen gesammelt hätte, um mir jetzt sicherer zu sein. Allerdings könnte ich mir nicht vorstellen, ihm einen Freifahrtschein zu geben.
Wenn das einmal passiert ist, wie willst du das verarbeiten?
Vor allem wenn ihr nicht drüber sprecht, das hat etwas von "geheimer Affäre" - auf der anderen Seite würden mich die genauen Details auch nicht interessieren.
Das ist eine wirklich schwierige Situation...

Ja, das sind gute Fragen.
Wie lange so etwas andauert: Die Beziehung befindet sich im Status "offen" - keiner von beiden hat irgendein Recht darauf, sie jetzt oder in Zukunft wieder zu schließen. Kann sein, dass es gut ist, sich jetzt auszutoben. Und dass man auch irgendwann wieder Phasen hat, wo keiner von beiden sich mehr austoben braucht oder will. Völlig unabgesprochen. Aber falls sich eine Gelegenheit ergibt, die man nicht vorbeistreichen lassen möchte, ist man in der Lage, sie wahrzunehmen. Das "offen" wird immer da sein. Manche Türen lassen sich nicht schließen.

Ist zumindest meine Theorie. Meine Freundin geht das etwas pragmatischer an. Sie sagt: Wir sehen, wo es hinführt, wenn wir dort sind. In drei Monaten wissen wir mehr als heute, und in einem Jahr noch mehr. Falls die Beziehung bis dahin hält.

Jeder von uns kann das ganze Ding jederzeit für beendet erklären. Wir haben keine Kinder, keine Eheringe - da können nur Emotionen drunter leiden, aber sonst nix.


Zu der Affäre, den "Geheimnissen": Ich versteh sie da sehr gut. Nach so langer gemeinsamer Zeit scheint man sich manchmal selbst zu verlieren. Man macht entweder alles zusammen mit dem Partner, oder man erzählt sich hinterher, was man gemacht hat. Und da geht jegliche Privatsphäre verloren. Man sehnt sich irgendwann nach was, was einem selbst gehört und das man mal nicht teilt. Ist egoistisch. Aber geht, denke ich, vielen Menschen so. Man gehört dem anderen schließlich nicht.

Insofern ist das OK. Sobald ich mal meine Gedanken etwas entwirrt habe, werde ich schon auch mal gucken, wie die Welt auf diese ... neue Weise aussieht. Und ich weiß nicht, wie gut ich mich dabei fühlen würde, wenn ich ihr darüber Bericht erstatten sollte. Es gibt sicher Dinge, mit denen man dem Partner auch in einer offenen Beziehung weh tun kann.

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13. Juli 2014 um 3:18
In Antwort auf

Wow..
ich muss mich auch eindeutig für den Text aussprechen. Das klingt mal wirklich nach einer reifen und beneidenswerten Beziehung - und dass ihr überhaupt über so ein Thema wie 'offene Beziehung' sprechen könnt und den anderen so stark reflektiert - Hut ab. Was mich natürlich zu dem Schluss bringt: Es ist verdammt hart und nahezu unmöglich so etwas, das ihr euch geschaffen habt, mit einer anderen Person aufzubauen, heißt also: Ich würde mir das an deiner Stelle mit dem Schluss machen sehr gut überlegen.

Zum Thema offene Beziehung kann ich leider auch nicht viel sagen, aber ich kann mir schon vorstellen, dass es nach einer so langen Zeit und nur wenigen Erfahrungen vorher sehr reizvoll klingen mag - aber ich glaube auch, dass sich dadurch auf jeden Fall etwas in der Partnerschaft verschiebt und diese dann nicht mehr so ist wie zuvor. Ob das funktioniert, sich die Partnerschaft zum positiven oder negativen ändert, oder einer von euch beiden sich neu verliebt - das kann nur die Zeit klären. Aber verlieben könnte man sich auch ohne Sex - so etwas kann man nie vorhersehen... Ich wünsche euch allerdings sehr viel Kraft und dass es weiterhin funktioniert!! (und hätte gerne Tipps wie man eine solche Beziehung aufbaut )

Love doesn't look like anything
Ja, etwas hat sich bereits in der Partnerschaft verschoben. Wie zuvor kann sie nie wieder sein. Aber das empfinde ich als etwas Gutes. Eine Veränderung war nötig, und von mir aus hätte sie auch früher kommen können. Aber da trägt jeder von uns zweien genau 50 % der "Schuld".

Ich hatte nicht den Mut, so sehr auf sie einzugehen, dass sie mir anvertraut, was sie wirklich will. Auch, weil ich Angst hatte, dass es etwas wäre, was für mich nur das Ende der Beziehung zulässt. Wenn sie mir eröffnet hätte, dass sie sich Kinder wünscht, aber ja weiß, dass wir eigentlich darin übereingestimmt hatten, dass wir keine möchten ...

Dann hätte ich ich ihr den Weg zu ihrem Glück sicher nicht verbaut. In so einem Fall wäre sofort Schluss, so etwas kann man nicht mit Kompromissen lösen.

Das mit der offenen Beziehung hingegen - hatte ich so nicht erwartet. Es ist auf jeden Fall ne Option. Ich hatte mit etwas ganz anderem gerechnet und etwas viel besseres bekommen. Zumindest potentiell besser.

Ich bin mir nicht sicher, was mir momentan im Weg steht, aber ich vermute, es ist mein Ego. Mein Ego sagt: Aha, sie will dich also nicht mehr ... zumindest nicht mehr *nur* dich? Schieß sie in den Wind, du hast Besseres verdient! So sieht Liebe doch nicht aus!

Ich versuche dem Ego momentan klar zu machen, dass Liebe nicht wie etwas aussieht.

Es wehrt sich.

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13. Juli 2014 um 4:04
In Antwort auf

Love doesn't look like anything
Ja, etwas hat sich bereits in der Partnerschaft verschoben. Wie zuvor kann sie nie wieder sein. Aber das empfinde ich als etwas Gutes. Eine Veränderung war nötig, und von mir aus hätte sie auch früher kommen können. Aber da trägt jeder von uns zweien genau 50 % der "Schuld".

Ich hatte nicht den Mut, so sehr auf sie einzugehen, dass sie mir anvertraut, was sie wirklich will. Auch, weil ich Angst hatte, dass es etwas wäre, was für mich nur das Ende der Beziehung zulässt. Wenn sie mir eröffnet hätte, dass sie sich Kinder wünscht, aber ja weiß, dass wir eigentlich darin übereingestimmt hatten, dass wir keine möchten ...

Dann hätte ich ich ihr den Weg zu ihrem Glück sicher nicht verbaut. In so einem Fall wäre sofort Schluss, so etwas kann man nicht mit Kompromissen lösen.

Das mit der offenen Beziehung hingegen - hatte ich so nicht erwartet. Es ist auf jeden Fall ne Option. Ich hatte mit etwas ganz anderem gerechnet und etwas viel besseres bekommen. Zumindest potentiell besser.

Ich bin mir nicht sicher, was mir momentan im Weg steht, aber ich vermute, es ist mein Ego. Mein Ego sagt: Aha, sie will dich also nicht mehr ... zumindest nicht mehr *nur* dich? Schieß sie in den Wind, du hast Besseres verdient! So sieht Liebe doch nicht aus!

Ich versuche dem Ego momentan klar zu machen, dass Liebe nicht wie etwas aussieht.

Es wehrt sich.

Beziehungstipps
Zu den Beziehungstipps ... da kann ich nicht wirklich viel zu sagen. Ich hatte keinen Plan, wie alles ablaufen sollte. Ich war nach einem Monat mit ihr froh, dass es schon einen Monat hält, und nach einem Jahr froh, dass es ein Jahr hält. Ich habe nach einem Jahr nie daran gedacht, dass es zehn werden könnten, oder gar vierzehn.

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13. Juli 2014 um 4:26


Wieso versucht ihr nicht vorher etwas anderes wie z.B. Dreier? Swinger? Bordell? Da geht es dann wirklich nur um Sex und man muss sich nicht viele Gedanken um das drumherum machen.
Kann deine Situation aber voll verstehen, hatte mal sowas ähnliches. Ihr solltet vielleicht mehr Regeln aufstellen, wie z.B. nur Sex mit Fremden und einmalig, damit keine Gefühle entstehen können. Voraussetzung ist natürlich, dass beide Seiten damit umgehen können, dafür brauch es Zeit und Mut, vielleicht solltest du es einfach mal tun, es fällt einem einfacher damit umzugehen, dass der Partner mit anderen schläft, wenn man es selber auch tut

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13. Juli 2014 um 11:59

Fühlt sich gut an, das zu hören
Ich wusste ja, dass es noch mehr Leute gibt, die solche Dinge probieren. Dennoch tut es schön, das von jemandem zu hören.

Ich kann deinen Mann sehr gut verstehen, dass er beim Gedanken mit dir und einer anderen Frau nicht eifersüchtig wird: Man(n) schließt einfach kategorisch aus, dass die Partnerin sich jetzt plötzlich derart in eine Frau verlieben kann, dass sie eine feste Beziehung mit dieser haben möchte.

Eure Regeln klingen für mich auch sehr sinnvoll.

Das mit dem Verlieben ist ein heikles Thema. Ich weiß recht genau, was ich will und mir wünsche. Sex ist für mich nur dann gut, wenn ich die Frau auch mag. Ich möchte, dass da auch ein kleines Kribbeln vorhanden ist. Ich bin mittlerweile alt genug, um zu wissen, dass ein leichtes Kribbeln gegenüber anderen Personen genauso schnell verschwindet, wie es kommt. Man kann nichts dagegen machen, wenn man jemand anderen sehr anziehend findet, dann kribbelt es, auch wenn man seit sechs Jahren mit dem Partner glücklich ist. Ich habe meiner Freundin von dem Gefühl, ein bißchen in jemanden verschossen zu sein, nichts erzählt, weil ich sie damit nicht verletzen wollte. Es hat an meinen Gefühlen zu ihr nichts geändert, und nach kurzer Zeit ist das Kribbeln dann auch wieder weg. Oft, weil man die Person besser kennenlernt und merkt, dass sie überhaupt nicht zu einem passen würde. Sexuell attraktiv bleibt die Person aber häufig dennoch.

Genau das wären die Situationen, die für mich in einer offenen Beziehung interessant sind. Ich möchte mal Ja sagen, wenn es zwischen mir und einer anderen Frau knistert. Und das Leben in vollen Zügen auskosten.

Aber es ist ein recht gefährliches Spiel. Ganz anders als ein One-Night-Stand aus der Bar oder Disco. Viel mehr Potential, sich richtig zu verlieben.

Nur so kann die offene Beziehung aber auch mich glücklich machen. Und man müsste sie nicht beginnen, wenn nicht beide Partner auch davon profitieren sollen.

Ich gestehe ihr das gleiche zu. Falls es ihr reicht, einfach nur Sex zu haben mit einem Fremden, OK. Aber wenn sie da ähnlich wie ich gestrickt ist (und wir sind uns in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich), dann wird sie auch Sex in Verbindung mit Emotionen wollen.

Offene Beziehung heißt natürlich auch: Austob-Zeit. Experimentier-Zeit. Nur weil ich recht genau weiß, in welcher Form die offene Beziehung was für mich ist, darf meine Freundin sich natürlich in alle Richtungen umgucken. Insofern ist es gut, dass man dem anderen keine Details preisgibt. Vielleicht spuken ihr Dinge im Kopf rum, die ihr peinlich wären, mir zu sagen.

Ich finde aber auch, dass es ihre Pflicht ist, mit mir über die offene Beziehung an sich zu reden. Ich denke, sie möchte auch, sie hat es nicht ausgeschlossen. Nur gerade eben scheint sie sich nicht in der Lage zu fühlen, mit mir so offen darüber zu diskutieren, wie es für mich nötig wäre.

Das Initialgespräch hat erst vor drei Wochen stattgefunden. Das Thema ist also wirklich noch sehr jung.

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13. Juli 2014 um 12:07

Einstellungen ändern sich
Ja, da hast du wirklich Recht.

Ich habe während der monogamen Phase unserer Beziehung auch nicht daran gedacht, was in einem Jahr sein wird, oder in drei. Warum sollte ich jetzt mit so einem Quatsch anfangen?

Danke für den Gedankenanstoß.

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13. Juli 2014 um 12:14

Ich auch nicht
Ich glaube auch nicht daran, aber im Grunde ist es irrelevant. Wenn uns beiden die offene Beziehung gut tut (und das gilt es wohl, herauszufinden), dann gibt es keinen Grund, sie wieder zu schließen. Warum sollte ich etwas schließen wollen, das gut für mich ist?

Und falls beide gemeinsam beschließen, dass es erstmal genug offene Beziehung ist - dann ist das in dem Moment sicher auch das Richtige.

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13. Juli 2014 um 12:25
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Wieso versucht ihr nicht vorher etwas anderes wie z.B. Dreier? Swinger? Bordell? Da geht es dann wirklich nur um Sex und man muss sich nicht viele Gedanken um das drumherum machen.
Kann deine Situation aber voll verstehen, hatte mal sowas ähnliches. Ihr solltet vielleicht mehr Regeln aufstellen, wie z.B. nur Sex mit Fremden und einmalig, damit keine Gefühle entstehen können. Voraussetzung ist natürlich, dass beide Seiten damit umgehen können, dafür brauch es Zeit und Mut, vielleicht solltest du es einfach mal tun, es fällt einem einfacher damit umzugehen, dass der Partner mit anderen schläft, wenn man es selber auch tut

Dreier, Swinger ...
Ich hatte da auch schon dran gedacht, und auch mit ihr darüber gesprochen. Gemeinsam das Neue auszuprobieren.

Aber ich kann ihre Argumentation dagegen sehr gut nachvollziehen: Man kann sich in solchen Situationen nicht mehr so verhalten, wie man das aber gern würde.

Sex ist ja etwas Tolles. Und man möchte das auch zeigen. Aber wie laut traut man sich, zu stöhnen, wenn der Partner dabei ist und es hören kann? Wie sehr muss man sich zurückhalten, um dem Partner immer zu zeigen: Hey, guck, ich vergehe hier gerade gar nicht vor Lust. Alles in Ordnung hier.

Man will ja dem Partner nicht weh tun - und natürlich würde das hemmend wirken.

Daher verstehe ich, dass sie die Erfahrungen alleine sammeln möchte. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich selbst richtig intensiven Sex mit einer anderen Frau haben könnte, wenn meine Freundin nebendran liegt.

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13. Juli 2014 um 12:54
In Antwort auf

Dreier, Swinger ...
Ich hatte da auch schon dran gedacht, und auch mit ihr darüber gesprochen. Gemeinsam das Neue auszuprobieren.

Aber ich kann ihre Argumentation dagegen sehr gut nachvollziehen: Man kann sich in solchen Situationen nicht mehr so verhalten, wie man das aber gern würde.

Sex ist ja etwas Tolles. Und man möchte das auch zeigen. Aber wie laut traut man sich, zu stöhnen, wenn der Partner dabei ist und es hören kann? Wie sehr muss man sich zurückhalten, um dem Partner immer zu zeigen: Hey, guck, ich vergehe hier gerade gar nicht vor Lust. Alles in Ordnung hier.

Man will ja dem Partner nicht weh tun - und natürlich würde das hemmend wirken.

Daher verstehe ich, dass sie die Erfahrungen alleine sammeln möchte. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich selbst richtig intensiven Sex mit einer anderen Frau haben könnte, wenn meine Freundin nebendran liegt.

Es selbst einfach mal tun
Zu dem Thema, dass es für mich vielleicht einfacher wäre, wenn ich selbst mit ner anderen Frau schlafen würde: Ich habe zeitweise auch so gedacht. Ich dachte kurzzeitig, das wäre ein Wettrennen, das derjenige gewinnt, der als erster was Neues im Bett hat.

Aber so funktioniert das nicht. Und mit so einem Denkansatz kommt man auch nicht glücklich zusammen durch dreizehn Jahre.

Es ist kein Wettlauf. Ich muss ihr nirgendwohin folgen. Sie geht in dieser Hinsicht ihren Weg, ich gehe meinen eigenen. Momentan sind sowieso zu viele Gedanken in meinem Kopf, als dass ich abschalten könnte. Alkohol würde vermutlich helfen, aber nur kurzweilig. Ich will es lieber genießen, wenn ich es tue.

Es ist sicherlich möglich, mit einem Freund am Wochenende in irgendwelche Clubs zu gehen und irgendeine betrunkene Frau abzuschleppen. Aber das waren schon vor dem Beginn der offenen Beziehung nicht die Sachen, die sich bei mir im Kopfkino abgespielt haben. Wenn ich sowas jetzt aus Trotz machen würde, nur, um Sex zu haben, würd's mir selbst keinen Spaß machen. Und es geht hier im Endeffekt doch um Spaß.

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13. Juli 2014 um 13:41
In Antwort auf

Es selbst einfach mal tun
Zu dem Thema, dass es für mich vielleicht einfacher wäre, wenn ich selbst mit ner anderen Frau schlafen würde: Ich habe zeitweise auch so gedacht. Ich dachte kurzzeitig, das wäre ein Wettrennen, das derjenige gewinnt, der als erster was Neues im Bett hat.

Aber so funktioniert das nicht. Und mit so einem Denkansatz kommt man auch nicht glücklich zusammen durch dreizehn Jahre.

Es ist kein Wettlauf. Ich muss ihr nirgendwohin folgen. Sie geht in dieser Hinsicht ihren Weg, ich gehe meinen eigenen. Momentan sind sowieso zu viele Gedanken in meinem Kopf, als dass ich abschalten könnte. Alkohol würde vermutlich helfen, aber nur kurzweilig. Ich will es lieber genießen, wenn ich es tue.

Es ist sicherlich möglich, mit einem Freund am Wochenende in irgendwelche Clubs zu gehen und irgendeine betrunkene Frau abzuschleppen. Aber das waren schon vor dem Beginn der offenen Beziehung nicht die Sachen, die sich bei mir im Kopfkino abgespielt haben. Wenn ich sowas jetzt aus Trotz machen würde, nur, um Sex zu haben, würd's mir selbst keinen Spaß machen. Und es geht hier im Endeffekt doch um Spaß.

Gespräche
Was mir geholfen hat, das so gelassen zu sehen, waren Gespräche mit anderen Menschen. Ich habe einer Freundin von mir, die mit Mitte 30 noch nie eine Langzeit-Beziehung hatte, von all dem erzählt. Und wenn man sich anderen Menschen gegenüber öffnet, fällt es denen auch leichter, selbst Sachen zu sagen, die man normalerweise nicht gern erzählt. Sie ist ne Hübsche, und sie ist ne Nette, sie ist Dauer-Single und ständig auf Konzerten und immer mit Menschen unterwegs. Und trotzdem hat sie schon seit über einem Jahr nicht mehr mit jemandem geschlafen.

Sie hat sich ausgetobt - und zwar richtig. Habe manch heftige Story oft brühwarm von ihr aufgetischt bekommen; wir kennen uns schon sehr, sehr lange. Sie wäre problemlos in der Lage, sich One-Night-Stands zu angeln, aber das ist nicht mehr das, was sie will.

Und sowas, finde ich, ist ein guter Hinweis darauf, dass Sex und Liebe kein Wettlauf sein kann. Jeder Mensch ist anders, und jeder sollte mit seiner eigenen Geschwindigkeit dorthin kommen, wo er hin möchte. Um zu wissen, was man will, muss man aber auch Sachen ausprobieren und genauso mal auf die Schnauze fallen. Frei nach Thomas Edison: "Ich habe nicht versagt. Ich habe zehntausend Möglichkeiten gefunden, wie es *nicht* funktioniert."

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13. Juli 2014 um 13:56
In Antwort auf

Beziehungstipps
Zu den Beziehungstipps ... da kann ich nicht wirklich viel zu sagen. Ich hatte keinen Plan, wie alles ablaufen sollte. Ich war nach einem Monat mit ihr froh, dass es schon einen Monat hält, und nach einem Jahr froh, dass es ein Jahr hält. Ich habe nach einem Jahr nie daran gedacht, dass es zehn werden könnten, oder gar vierzehn.

Ein Tipp
Mh ... einen ganz guten Tipp, wie sich sowas insgesamt aufbauen lässt, habe ich glaub ich doch.

Erwarte nicht von deinem Partner, dass er sich dir gegenüber öffnet, nur, weil du das gern so hättest. Öffne dich ihm stattdessen selbst, auch wenn das der schwierigere Weg ist. Wenn du willst, dass dein Partner dir 100 % vertraut, dann bitte ihn nicht, dir zu vertrauen, sondern mach selbst den ersten Schritt und fang du an, ihm zu vertrauen. Es ist leichter, selbst zu vertrauen, wenn man merkt, dass der andere einem vertraut. Aber irgendwer muss den ersten Schritt machen. Das Ganze bietet zwar Verletzungsgefahr, aber ein wenig Risiko muss man auch eingehen im Leben.

Man kann ja auch sehr viel zurückbekommen und nicht nur verletzt werden. Wenn du eine Beziehung möchtest, in der man offen über alles reden kann, dann erwarte nicht einfach vom Partner, dass er offen über alles redet. Mach es selbst.

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13. Juli 2014 um 14:23

Naja
also ich denke es wird dann schwierig, wenn man eben die Gefühle nicht ausschalten kann und Sex/Beziehung voneinander trennen kann. Für manche Leute funktioniert das, aber die sind meist von vornherein so veranlagt und haben die Beziehung nicht unter monogamen Gesichtspunkten angefangen.

Ich stelle mir das schon recht hart vor einfach meine Grundvorstellungen einer Beziehung über Board zu werfen, damit es weiter funktionieren kann. Allerdings ist es auch klar, dass eine so lange Beziehung irgendwann eine Entwicklung oder Wendung nötig hat....ob das dann so drastisch aussehen muss ist jedem selbst überlassen.

Die Freundin allerdings jetzt so hinzustellen finde ich nicht ok...sie hat dieses Problem lange einfach geschluckt und vielleicht gehofft, dass sie diese Bedürfnisse unterdrücken kann, damit sie ihn nicht verletzen / verlassen muss. Und anstatt dann einfach fremd zu gehen hat sie auch noch den Arsch in der Hose offen darüber mit ihrem Freund zu sprechen, um ihm einfach nicht diese Option zu nehmen, wie er jetzt darüber denken soll.

Was hier wahrscheinlich etwas blöd gelaufen ist, ist die Tatsache, zu schnell zugestimmt zu haben und sich keine Zeit zu lassen, dass tatsächlich zu überdenken. Sie war innerlich mit dem Thema vertraut, aber ihr Freund noch nicht. Und bei so einer heiklen Geschichte ist es ein bisschen fahrlässig einfach abzunicken. Vielleicht solltet ihr trotzdem nochmal drüber reden?? Scheint ja für euch kein Problem zu sein.

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13. Juli 2014 um 15:18

Beziehung im ....


Natürlich habe ich mich gefragt, ob die Beziehung im A... ist. Und wenn sie das wäre, dann wäre das auch OK. Dinge enden. Dafür beginnen andere Dinge. Ich habe keine Angst davor, loszulassen. Wenn ich spüre, dass die Zeit dafür da ist, dann ist es so.

>>Warum, zum Donnerwetter, noch mal tut, Ihr nichts für >>EURE Beziehung IN EURER Beziehung????????

Es gibt manche Dinge, die nichts mit "in" der Beziehung zu tun haben. Wenn jemand sich wünscht, sexuelle Erfahrungen zu machen mit neuen, anderen Menschen, dann gibt es für diesen Wunsch keine Lösung, die man innerhalb der Beziehung zu zweit finden kann. Man kann höchstens ersatzweise an anderen Dingen innerhalb der Beziehung arbeiten (was auch nie schlecht ist).

Wir wissen mittlerweile genug über das menschliche Verlangen. Es lässt sich nicht wegdiskutieren. Der Mensch wird nicht als monogames Wesen geboren. Es kommt darauf an, in welchem Kulturkreis man aufwächst, welche Werte einem wichtig sind.

Sich davor zu verschließen, hilft ja auch nicht. Natürlich kann man in einem Fall wie unserem sagen: Schluss machen, weiterleben, neue Beziehung beginnen.

Können wir ja immer noch. Aber ich fange an, es so zu sehen: Wie oft bekommt man denn im Leben mal die Möglichkeit, eine offene Beziehung auszuprobieren?

Offene Beziehung: Das ist etwas, das in meinen Ohren noch nie anrüchig oder schlimm klang. Und wenn man die Möglichkeit hat, kann man genausogut versuchen, das beste daraus zu machen. Man lebt nur einmal, und man kann doch eigentlich erst hinterher wissen, ob das was für einen ist oder nicht.

Der Sprung ins kalte Wasser ist auch mal erfrischend.

>>Wer so etwas ohne Eifersucht leben kann, hat einiges an >>Defiziten in seiner Vita.

Zu dieser Einsicht gelangst du, weil unser doch recht kirchlich geprägtes Kultursystem uns vermittelt, dass die Beziehung zu einem Menschen monogam ablaufen sollte. Dass Monogamie die höchste Erfüllungsform für Beziehungen ist. So wird es einem in fast allen Bereichen unseres Daseins vorgelebt.

Ich bin allerdings ein Zweifler. Es gibt so viele Beziehungen, vor allem auch Ehen, in denen die Partner sich betrügen. Und falls so eine Betrügerei auffliegt, dann wird halt versucht, an der Beziehung zu arbeiten, sie wieder zu kitten.

Man arbeitet hierdran, dann dortdran. Geht mal zu einem Eheberater, der einem sagt, was man alles falsch gemacht hat und wie es besser ginge.

Nur: Woher die fixe Idee, dass manche Dinge "falsch" seien?

Das sind doch alles nur Kulturwerte, die man beim Erwachsenwerden automatisch aufgesammelt hat, weil man sich ihnen nicht verschließen kann. Gedankenkonstrukte, die in einer anderen Kultur ganz anders aussehen können - und dennoch auch Menschen glücklich machen.

Es ist schon verständlich, wenn du denkst, jemand habe Defizite in seiner Vita, wenn er das ohne Eifersucht hinbekommt. Weil du dein eigenes Wertesystem als Schablone benutzt.

>>Und: Es bleibt dabei immer einer auf der Strecke!

Falls es so ist, dann war's das eben. Dann muss man den Mut haben, es zu beenden, und fertig. Ich sehe hier nicht das Problem, keiner von uns beiden zwingt den anderen zu etwas.

Es ist mir auch egal, ob sie "mehr Möglichkeiten" hat als ich - oder andersrum. Qualität ist mir mehr Wert als Quantität. Ich habe lieber einmal richtig guten Sex als zehnmal nicht so guten. Warum sollte man sich da hetzen lassen? Und so Spielchen anfangen wie "Sie hat jetzt fünf Kerle gevögelt, ich muss mindestens fünf Frauen flachlegen"?

Ich würde das in einer Beziehung in keiner Angelegenheit so handhaben. Kein Mensch ist genau gleich. Man hat teils ganz unterschiedliche Bedürfnisse, und für mich ist Liebe auch, dass man dem anderen zugesteht, andere Bedürfnisse zu haben, als man selbst. Hauptsache beide können dabei glücklich sein. Leiden darf keiner. Ansonsten kann man es in die Tonne kippen.

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13. Juli 2014 um 15:51

Dann
sind wir ja nahezu einer Meinung Das Gleiche wollte ich damit sagen, dass es eben Menschen gibt, die das generell reizvoll finden und welche, die das eben nicht tun. Ich denke es ist nur schwer sich von seinen "alten Mustern" zu lösen...tolerieren kann man vieles, aber deswegen muss man damit innerlich nicht übereinstimmen.

Allerdings kann natürlich auch die Zeit Ansichten ändern, zum jetztigen Zeitpunkt könnte ich mir das zu 0% vorstellen, aber das konnten sich der TE und seine Freundin am Anfang ja auch nicht.

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15. Juli 2014 um 10:27

Reflexion eines Riesenarschs
Meine Güte. Ich hätte nie gedacht, dass ich das, was ich jetzt schreibe, mal schreiben müsste. Es gibt Dinge, die lässt man im eigenen Kopf nicht zu. Weil man sich selbst nie auf diese Weise gesehen hat, weil man schon immer wusste, dass man *SO* nicht ist. Dass man *SO* nicht wird - nie werden wollte. Und dadurch hat man eine Schranke im Kopf. Die immer dann runtergeht, sobald es passieren könnte, dass man mit seinem tatsächlichen Ich konfrontiert wird.

violetluna hat mich dafür gelobt, wie reflektiert ich mit Dingen umgehen kann. Aber - es ist so leicht, über Dinge zu reflektieren, solange sie nur immer schön das Grundproblem verschleiern. Man kann sich darauf stürzen, weil es auf einmal einen Schuldigen gibt. Die Freundin schlägt eine offene Beziehung vor? Super, da kann ich mich richtig austoben und alle meine Gedanken nur in diese Richtung lenken. Man nimmt das Ding auseinander, man analysiert jegliche damit in Zusammenhang stehende Problematik. Und das ist perfekt, weil es so richtig schön vom Wesentlichen ablenkt.

Ich habe vor zwei Tagen etwas gemacht, das schwerer ist, als sich so nüchtern wie möglich mit einer offenen Beziehung auseinander zu setzen. Unglaublich viel schwerer. Ich habe ... meine Art und Weise, über Dinge zu reflektieren ... auf mich selbst angewandt.

Ich habe eine Möglichkeit in den Raum gestellt, die wohl kein Mensch gern an sich heranlässt. Zumindest nicht ... ehrlich.

Ich habe die Möglichkeit bedacht, dass ich ein Riesenarsch bin. Geworden bin. Ich war vielleicht nicht immer einer. Und meine Freundin hat sich damals sicherlich nicht in jemanden verliebt, der ein Riesenarsch ist. Aber allein die Möglichkeit, dass man sich im Laufe so vieler Jahre so sehr verändert (und zwar zum Schlechteren hin) ... allein diesen Gedanken gegenüber sich selbst zuzulassen. Das ist hart.

Aber wenn man erstmal damit anfängt, wenn man die geistige Schranke, die man als Schutz für sich selbst aufgestellt hat, einmal kaputt macht und beginnt, sich ganz objektiv zu betrachten, dann sieht man jemanden, der es schon länger mal nötig gehabt hätte, so richtig eine drauf zu bekommen.

Ich bin so ein Vollidiot. So ein dummer, egoistischer, sich selbst verleugnender Vollidiot.

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin: Meine Freundin hätte mich schon vor einem Jahr verlassen sollen, sich jemand Neuen suchen. Vielleicht sogar schon vor zwei. Sie hätte mich schon seit langer Zeit betrügen sollen mit anderen Männern, und es wäre nachvollziehbar gewesen.

Ich weiß nicht, warum sie so lange an mir festgehalten hat, obwohl ich mit ihr umgegangen bin, wie ich nun mal mit ihr umgegangen bin.

Ich habe irgendwann ... mein Ego über sie gestellt. Ich weiß nicht, wann ich das zum ersten Mal getan habe, vor fünf, vor sechs Jahren? Wann sie erstmals etwas mit mir hätte machen wollen, und ich dachte: Meine Hobbies und Eigentinteressen dürfen in der Beziehung nicht zu kurz kommen. Ich muss auch mal an mich denken. Und sie stehen ließ, um mich meinen eigenen Hobbies zu widmen.

Und dann schleicht sich das ein. Es passiert einmal, es passiert öfter. Irgendwann (nämlich so die letzten ein, zwei Jahre) passiert es ständig. Anstatt mich auf sie einzulassen, gehe ich meinen eigenen Hobbies nach, unternehme etwas mit Kumpels oder ner guten Freundin.

Und hinterher: Ja, hinterher erzählt man sich alles, was man so gemacht hat. Und das muss dann als Ersatz herhalten. Dafür, dass man nicht mal wieder zusammen etwas Tolles macht.

Und immer ist da diese Stimme im eigenen Kopf, die sagt: Es ist gut, sich nicht selbst zu verlieren in einer Beziehung. Aber man muss da eine Balance finden, zwischen den Dingen, die man für sich selbst tut, und allem anderen.

Ich bin so dumm. Wirklich unglaublich dumm. So im Nachhinein betrachtet, wenn ich mich selbst ansehe: Ich kann gar nicht glauben, wie DUMM ich mich verhalten habe, und nicht zugelassen habe, es selbst zu erkennen.

Ja, natürlich habe ich in den letzten Monaten versucht, mit Romantik und mal nem tollen selbstgekochten Essen, Kerzenlicht und guter Musik eine Atmosphäre zu schaffen, die sie "in Stimmung" bringt.

Aber so funktioniert das doch nicht! Ich kann doch nicht tagein, tagaus mit mir selbst und meinen eigenen Interessen beschäftigt sein, ständig was mit Freunden unternehmen, und wenn ich dann unbedingt Bock auf Sex habe, einmalig eine schöne Situation herbeiführen und denken: So, jetzt sollte sie aber mal Lust haben auf mich.

So ... so läuft das doch nicht!

Und das Schlimmste: Wenn man so ein tolles Candlelight-Dinner vorbereitet, mit allem drum und dran, und da vier Stunden Arbeit reinsteckt - und sie dann dennoch nicht mit einem schlafen will ... dann hatte mein ach so tolles Hirn sogleich noch einen Schuldigen. Ja. Sie. Genau. Meine Freundin ist Schuld. Nicht ich, und die Gesamtheit der Dinge, wie ich mich ihr gegenüber verhalte, nein, oh nein, bestimmt nicht ich. So einen Gedanken lässt man nicht zu.

Ich habe ... den Gedanken nicht an mich herangelassen, dass es ein ... Verhalten ist, sich zum Großteil der Zeit wie ein Egoschwein zu verhalten und dann, wenn *ICH* es will, mal kurz auf sie einzugehen, mich für sie zu interessieren, und dann auch noch Sex zu wollen.

Wenn ich das jetzt im Nachhinein betrachte, erscheint mir ihr Wunsch nach einer offenen Beziehung wie ein Witz. Sie hätte längst mit mir Schluss machen sollen. Es wär vermutlich besser für sie gewesen. Sie hätte längst mit anderen Kerlen in die Kiste steigen sollen, statt an einem wie mir hängen zu bleiben, der so blind ist, dass er sich selbst nicht mehr erkennen kann. Und mir dann auch noch treu zu bleiben. Wahnsinn. WAHNSINN. Der reine Wahnsinn.

Ich habe immer schön nach Schuldigen gesucht, Hauptsache, ich musste nicht bei mir selbst suchen. Da kam ihr Wunsch nach einer offenen Beziehung mir natürlich gerade Recht.

BÄMM! Sie will mit andern Kerlen vögeln? BÄMM! Das isses! DAS ist der Grund, warum sie keinen Bock mehr hat, mit mir zu schlafen. Und jetzt: Los! Zehntausend neue Möglichkeiten warten auf mich, die Schuld woanders zu suchen als bei mir selbst. Und rein in's Vergnügen!

Und sobald ich die Situation "offene Beziehung" analysiert habe, fällt mir nichts Besseres ein, als mit ihr drüber reden zu wollen. Ihr zeigen zu wollen, wie toll und erwachsen ich mit dieser Sache umgehen kann, was für ein toller, toller, toller Freund ich doch bin. Wie unegoistisch, wie reflektiert.

Ja, ich bin echt bemerkenswert. Ein wirklich bemerkenswertes Exemplar Riesenarschloch.

Seit ich es geschafft hab, diesen Gedanken mir selbst gegenüber zuzulassen, hab ich nicht übel Lust, jede freie Sekunde damit zuzubringen, mir eine reinzuhauen. Ich hab's verdient. Ich hab's schon lange, lange mal verdient.

Sie hat zwischenzeitlich mit jemand anderem geschlafen. Ja, und da rege ich mich drüber auf? Da mache ich mir Gedanken, ob es richtig war, ihr das zu "erlauben"?

Ich bin schon lange nicht mehr in der Position, mich da einzumischen, ihr sowas "erlauben" zu können. Ich weiß nicht, was sie so lange dazu bewegt hat, mir treu zu sein. Das einzig Gute, was ich momentan daran erkenne, ist, dass ich wohl niemals den Mumm gehabt hätte, die Schuld bei mir selbst zu suchen, wenn sie mich betrogen hätte. Dann wären alle Schranken für immer unten geblieben. Dann wäre sie FÜR IMMER die Schuldige für mich gewesen, und ich hätte das nie so sehen können wie jetzt im Moment.

Puh. Ich kotze gleich, wenn ich daran denke, wie ich sie behandelt habe. Denn wenn's so gekommen wär, wenn sie mich betrogen hätte: Dann hätte ich nicht nur alle Schuld auf sie geschoben. Ich denke, sie hätte sogar selbst geglaubt, dass sie mit Schuld ist.

Wie beschissen, wie abgrundtief ... beschissen ist das denn?

Mann! Ich guck mich im Spiegel an und seh nicht das, was mein ach so brillanter Verstand mir immer sagte, wer dort steht, sondern ich sehe, wer wirklich dort steht. Und ... I'm not amused.


Ich bin nicht wütend auf sie, ich bin nicht traurig. In mir tobt immer noch ein Sturm. Aber dieser Sturm ist hausgemacht und geht hauptsächlich mich selbst etwas an.

Wenn unsere Beziehung kaputt geht / kaputt ist, dann nicht, weil sie keinen Bock hat, mit mir zu schlafen, oder weil sie eine offene Beziehung wollte. Kaputt ist sie, weil ich sie - ganz großes Tennis, echt - offenen Auges habe kaputtgehen lassen.

Ich war so immun gegen offene, ehrliche Selbstkritik, dass es für mich wirklich sinnvoll erschien, was ich all die Zeit über dachte. Als ich jünger war, war ich so voller Ideale und guten Ideen. Ich hätte nie, nie, nie gedacht, dass mir selbst so etwas passieren könnte. Dass ich so blind gegenüber mir selbst bin, dass ich es mir gar nicht gestatte, mal ehrlich zu mir zu sein. Es war keine Option. So eine Scheiße wie die, die ich gemacht habe, *mache ich nicht*. Punkt. Und wenn man daran glaubt, dass man so eine Scheiße zu tun gar nicht im Stande ist - dann hat man keinen Ansatzpunkt, an dem man beginnen könnte, sich selbst ehrlich und erfolgreich zu analysieren.


Ich muss mich jetzt erstmal selbst auf die Reihe bekommen. Das ist die Hauptsache. Wenn ich ihr von all dem da oben erzähle - vielleicht ist sie sogar geneigt, mir dabei zu helfen.

Wenn ich das geschafft habe. Wenn ich mich selbst auf die Reihe bekommen habe ... dann, ich hab so ein Gefühl, wird es kein allzu weiter Weg mehr sein, dass WIR uns wieder auf die Reihe bekommen. Und ich hab sogar die seltsame Ahnung, dass sie dann sogar wieder Lust haben könnte, mit mir zu schlafen.

Gut, das steht alles in den Sternen. Kann sein, dass es so läuft, kann aber auch ganz leicht anders laufen.

Aber ... mal angenommen, dass es so läuft: Das allerbeste kommt dann ja noch. Wir hätten, wenn wir uns auf die Reihe kriegen, dann wieder eine funktionierende Beziehung. Und wir hätten noch immer ... eine OFFENE BEZIEHUNG. Wow.

Wir würden miteinander schlafen, weil das etwas Tolles ist. Aber zugleich dürfte auch jeder von uns, wenn er mal nen Menschen trifft, mit dem er wirklich gern in die Kiste steigen würde, das auch tun. Ohne Gewissensbisse. Ohne Angst, dass der andere vielleicht davon erfährt. Es ist dann kein Fehlverhalten, es ist nichts Böses. Man muss nichts verheimlichen, vor niemandem. Man kann es dem anderen sagen, weil man weiß, dass der andere einen so sehr liebt, dass man sich gegenseitig gönnt, auch mal mit anderen Menschen Spaß zu haben.

Ach, ... wäre das geil!

Aber bis dahin ... wird es ein langer Weg.

Nun, zumindest sehe ich den Weg jetzt. Auch dank euch. Dank euren Denkanstößen. Auch dank dir, Fritz, der du mich gefragt hast, ob ich mal überlegt hätte, ob unsere Beziehung nicht seit Jahren im Arsch ist. Im Arsch war sie nicht, glaube ich - aber nahe dran, ganz, ganz nahe dran.

Ich fühle mich gut. Ich fühl mich zum ersten Mal seit ... recht langer Zeit ... wirklich komplett gut. Kann sein, dass die Beziehung mit meiner Freundin hoffnungslos verloren ist. Ja, dann ist es so. Der Gedanke macht mir nun keine Angst mehr.

Krass, was es ausmachen kann, wenn man endlich mal Klartext redet - und zwar mit sich selbst.

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17. Juli 2014 um 21:40
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Reflexion eines Riesenarschs
Meine Güte. Ich hätte nie gedacht, dass ich das, was ich jetzt schreibe, mal schreiben müsste. Es gibt Dinge, die lässt man im eigenen Kopf nicht zu. Weil man sich selbst nie auf diese Weise gesehen hat, weil man schon immer wusste, dass man *SO* nicht ist. Dass man *SO* nicht wird - nie werden wollte. Und dadurch hat man eine Schranke im Kopf. Die immer dann runtergeht, sobald es passieren könnte, dass man mit seinem tatsächlichen Ich konfrontiert wird.

violetluna hat mich dafür gelobt, wie reflektiert ich mit Dingen umgehen kann. Aber - es ist so leicht, über Dinge zu reflektieren, solange sie nur immer schön das Grundproblem verschleiern. Man kann sich darauf stürzen, weil es auf einmal einen Schuldigen gibt. Die Freundin schlägt eine offene Beziehung vor? Super, da kann ich mich richtig austoben und alle meine Gedanken nur in diese Richtung lenken. Man nimmt das Ding auseinander, man analysiert jegliche damit in Zusammenhang stehende Problematik. Und das ist perfekt, weil es so richtig schön vom Wesentlichen ablenkt.

Ich habe vor zwei Tagen etwas gemacht, das schwerer ist, als sich so nüchtern wie möglich mit einer offenen Beziehung auseinander zu setzen. Unglaublich viel schwerer. Ich habe ... meine Art und Weise, über Dinge zu reflektieren ... auf mich selbst angewandt.

Ich habe eine Möglichkeit in den Raum gestellt, die wohl kein Mensch gern an sich heranlässt. Zumindest nicht ... ehrlich.

Ich habe die Möglichkeit bedacht, dass ich ein Riesenarsch bin. Geworden bin. Ich war vielleicht nicht immer einer. Und meine Freundin hat sich damals sicherlich nicht in jemanden verliebt, der ein Riesenarsch ist. Aber allein die Möglichkeit, dass man sich im Laufe so vieler Jahre so sehr verändert (und zwar zum Schlechteren hin) ... allein diesen Gedanken gegenüber sich selbst zuzulassen. Das ist hart.

Aber wenn man erstmal damit anfängt, wenn man die geistige Schranke, die man als Schutz für sich selbst aufgestellt hat, einmal kaputt macht und beginnt, sich ganz objektiv zu betrachten, dann sieht man jemanden, der es schon länger mal nötig gehabt hätte, so richtig eine drauf zu bekommen.

Ich bin so ein Vollidiot. So ein dummer, egoistischer, sich selbst verleugnender Vollidiot.

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin: Meine Freundin hätte mich schon vor einem Jahr verlassen sollen, sich jemand Neuen suchen. Vielleicht sogar schon vor zwei. Sie hätte mich schon seit langer Zeit betrügen sollen mit anderen Männern, und es wäre nachvollziehbar gewesen.

Ich weiß nicht, warum sie so lange an mir festgehalten hat, obwohl ich mit ihr umgegangen bin, wie ich nun mal mit ihr umgegangen bin.

Ich habe irgendwann ... mein Ego über sie gestellt. Ich weiß nicht, wann ich das zum ersten Mal getan habe, vor fünf, vor sechs Jahren? Wann sie erstmals etwas mit mir hätte machen wollen, und ich dachte: Meine Hobbies und Eigentinteressen dürfen in der Beziehung nicht zu kurz kommen. Ich muss auch mal an mich denken. Und sie stehen ließ, um mich meinen eigenen Hobbies zu widmen.

Und dann schleicht sich das ein. Es passiert einmal, es passiert öfter. Irgendwann (nämlich so die letzten ein, zwei Jahre) passiert es ständig. Anstatt mich auf sie einzulassen, gehe ich meinen eigenen Hobbies nach, unternehme etwas mit Kumpels oder ner guten Freundin.

Und hinterher: Ja, hinterher erzählt man sich alles, was man so gemacht hat. Und das muss dann als Ersatz herhalten. Dafür, dass man nicht mal wieder zusammen etwas Tolles macht.

Und immer ist da diese Stimme im eigenen Kopf, die sagt: Es ist gut, sich nicht selbst zu verlieren in einer Beziehung. Aber man muss da eine Balance finden, zwischen den Dingen, die man für sich selbst tut, und allem anderen.

Ich bin so dumm. Wirklich unglaublich dumm. So im Nachhinein betrachtet, wenn ich mich selbst ansehe: Ich kann gar nicht glauben, wie DUMM ich mich verhalten habe, und nicht zugelassen habe, es selbst zu erkennen.

Ja, natürlich habe ich in den letzten Monaten versucht, mit Romantik und mal nem tollen selbstgekochten Essen, Kerzenlicht und guter Musik eine Atmosphäre zu schaffen, die sie "in Stimmung" bringt.

Aber so funktioniert das doch nicht! Ich kann doch nicht tagein, tagaus mit mir selbst und meinen eigenen Interessen beschäftigt sein, ständig was mit Freunden unternehmen, und wenn ich dann unbedingt Bock auf Sex habe, einmalig eine schöne Situation herbeiführen und denken: So, jetzt sollte sie aber mal Lust haben auf mich.

So ... so läuft das doch nicht!

Und das Schlimmste: Wenn man so ein tolles Candlelight-Dinner vorbereitet, mit allem drum und dran, und da vier Stunden Arbeit reinsteckt - und sie dann dennoch nicht mit einem schlafen will ... dann hatte mein ach so tolles Hirn sogleich noch einen Schuldigen. Ja. Sie. Genau. Meine Freundin ist Schuld. Nicht ich, und die Gesamtheit der Dinge, wie ich mich ihr gegenüber verhalte, nein, oh nein, bestimmt nicht ich. So einen Gedanken lässt man nicht zu.

Ich habe ... den Gedanken nicht an mich herangelassen, dass es ein ... Verhalten ist, sich zum Großteil der Zeit wie ein Egoschwein zu verhalten und dann, wenn *ICH* es will, mal kurz auf sie einzugehen, mich für sie zu interessieren, und dann auch noch Sex zu wollen.

Wenn ich das jetzt im Nachhinein betrachte, erscheint mir ihr Wunsch nach einer offenen Beziehung wie ein Witz. Sie hätte längst mit mir Schluss machen sollen. Es wär vermutlich besser für sie gewesen. Sie hätte längst mit anderen Kerlen in die Kiste steigen sollen, statt an einem wie mir hängen zu bleiben, der so blind ist, dass er sich selbst nicht mehr erkennen kann. Und mir dann auch noch treu zu bleiben. Wahnsinn. WAHNSINN. Der reine Wahnsinn.

Ich habe immer schön nach Schuldigen gesucht, Hauptsache, ich musste nicht bei mir selbst suchen. Da kam ihr Wunsch nach einer offenen Beziehung mir natürlich gerade Recht.

BÄMM! Sie will mit andern Kerlen vögeln? BÄMM! Das isses! DAS ist der Grund, warum sie keinen Bock mehr hat, mit mir zu schlafen. Und jetzt: Los! Zehntausend neue Möglichkeiten warten auf mich, die Schuld woanders zu suchen als bei mir selbst. Und rein in's Vergnügen!

Und sobald ich die Situation "offene Beziehung" analysiert habe, fällt mir nichts Besseres ein, als mit ihr drüber reden zu wollen. Ihr zeigen zu wollen, wie toll und erwachsen ich mit dieser Sache umgehen kann, was für ein toller, toller, toller Freund ich doch bin. Wie unegoistisch, wie reflektiert.

Ja, ich bin echt bemerkenswert. Ein wirklich bemerkenswertes Exemplar Riesenarschloch.

Seit ich es geschafft hab, diesen Gedanken mir selbst gegenüber zuzulassen, hab ich nicht übel Lust, jede freie Sekunde damit zuzubringen, mir eine reinzuhauen. Ich hab's verdient. Ich hab's schon lange, lange mal verdient.

Sie hat zwischenzeitlich mit jemand anderem geschlafen. Ja, und da rege ich mich drüber auf? Da mache ich mir Gedanken, ob es richtig war, ihr das zu "erlauben"?

Ich bin schon lange nicht mehr in der Position, mich da einzumischen, ihr sowas "erlauben" zu können. Ich weiß nicht, was sie so lange dazu bewegt hat, mir treu zu sein. Das einzig Gute, was ich momentan daran erkenne, ist, dass ich wohl niemals den Mumm gehabt hätte, die Schuld bei mir selbst zu suchen, wenn sie mich betrogen hätte. Dann wären alle Schranken für immer unten geblieben. Dann wäre sie FÜR IMMER die Schuldige für mich gewesen, und ich hätte das nie so sehen können wie jetzt im Moment.

Puh. Ich kotze gleich, wenn ich daran denke, wie ich sie behandelt habe. Denn wenn's so gekommen wär, wenn sie mich betrogen hätte: Dann hätte ich nicht nur alle Schuld auf sie geschoben. Ich denke, sie hätte sogar selbst geglaubt, dass sie mit Schuld ist.

Wie beschissen, wie abgrundtief ... beschissen ist das denn?

Mann! Ich guck mich im Spiegel an und seh nicht das, was mein ach so brillanter Verstand mir immer sagte, wer dort steht, sondern ich sehe, wer wirklich dort steht. Und ... I'm not amused.


Ich bin nicht wütend auf sie, ich bin nicht traurig. In mir tobt immer noch ein Sturm. Aber dieser Sturm ist hausgemacht und geht hauptsächlich mich selbst etwas an.

Wenn unsere Beziehung kaputt geht / kaputt ist, dann nicht, weil sie keinen Bock hat, mit mir zu schlafen, oder weil sie eine offene Beziehung wollte. Kaputt ist sie, weil ich sie - ganz großes Tennis, echt - offenen Auges habe kaputtgehen lassen.

Ich war so immun gegen offene, ehrliche Selbstkritik, dass es für mich wirklich sinnvoll erschien, was ich all die Zeit über dachte. Als ich jünger war, war ich so voller Ideale und guten Ideen. Ich hätte nie, nie, nie gedacht, dass mir selbst so etwas passieren könnte. Dass ich so blind gegenüber mir selbst bin, dass ich es mir gar nicht gestatte, mal ehrlich zu mir zu sein. Es war keine Option. So eine Scheiße wie die, die ich gemacht habe, *mache ich nicht*. Punkt. Und wenn man daran glaubt, dass man so eine Scheiße zu tun gar nicht im Stande ist - dann hat man keinen Ansatzpunkt, an dem man beginnen könnte, sich selbst ehrlich und erfolgreich zu analysieren.


Ich muss mich jetzt erstmal selbst auf die Reihe bekommen. Das ist die Hauptsache. Wenn ich ihr von all dem da oben erzähle - vielleicht ist sie sogar geneigt, mir dabei zu helfen.

Wenn ich das geschafft habe. Wenn ich mich selbst auf die Reihe bekommen habe ... dann, ich hab so ein Gefühl, wird es kein allzu weiter Weg mehr sein, dass WIR uns wieder auf die Reihe bekommen. Und ich hab sogar die seltsame Ahnung, dass sie dann sogar wieder Lust haben könnte, mit mir zu schlafen.

Gut, das steht alles in den Sternen. Kann sein, dass es so läuft, kann aber auch ganz leicht anders laufen.

Aber ... mal angenommen, dass es so läuft: Das allerbeste kommt dann ja noch. Wir hätten, wenn wir uns auf die Reihe kriegen, dann wieder eine funktionierende Beziehung. Und wir hätten noch immer ... eine OFFENE BEZIEHUNG. Wow.

Wir würden miteinander schlafen, weil das etwas Tolles ist. Aber zugleich dürfte auch jeder von uns, wenn er mal nen Menschen trifft, mit dem er wirklich gern in die Kiste steigen würde, das auch tun. Ohne Gewissensbisse. Ohne Angst, dass der andere vielleicht davon erfährt. Es ist dann kein Fehlverhalten, es ist nichts Böses. Man muss nichts verheimlichen, vor niemandem. Man kann es dem anderen sagen, weil man weiß, dass der andere einen so sehr liebt, dass man sich gegenseitig gönnt, auch mal mit anderen Menschen Spaß zu haben.

Ach, ... wäre das geil!

Aber bis dahin ... wird es ein langer Weg.

Nun, zumindest sehe ich den Weg jetzt. Auch dank euch. Dank euren Denkanstößen. Auch dank dir, Fritz, der du mich gefragt hast, ob ich mal überlegt hätte, ob unsere Beziehung nicht seit Jahren im Arsch ist. Im Arsch war sie nicht, glaube ich - aber nahe dran, ganz, ganz nahe dran.

Ich fühle mich gut. Ich fühl mich zum ersten Mal seit ... recht langer Zeit ... wirklich komplett gut. Kann sein, dass die Beziehung mit meiner Freundin hoffnungslos verloren ist. Ja, dann ist es so. Der Gedanke macht mir nun keine Angst mehr.

Krass, was es ausmachen kann, wenn man endlich mal Klartext redet - und zwar mit sich selbst.

Uhi,
damit habe ich nicht gerechnet. Schöner Text! Ich hoffe du schaffst es was zu verändern und ich wünsche dir von Herzen eine tolle Beziehung. Bitte halte uns auch weiter auf dem laufenden

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31. Juli 2014 um 14:55

Update
Hallihallo - ich schreibe diesmal nur kurz, anstatt ganze Flutwellen von Gedanken hier hinein zu packen. Es tut sich momentan sehr, sehr viel in meinem (unserem) Leben.

Nachdem ich meiner Freundin das alles mitgeteilt hatte, was ich doch für ein Riesenarsch war und so weiter, sind wir relativ schnell darauf gekommen, dass ich die Schuld nicht zu 80 % bei mir suchen muss.

Sie sagte zwar, dass ich insgesamt den Nagel auf den Kopf getroffen habe - aber dass sie bestimmt genauso Schuld ist an allem wie ich.

Wir haben uns beide über den andern gestellt. Haben uns beide egoistisch verhalten. Unsere Hobbies und Interessen und uns selbst ernster genommen als die Beziehung. Und wir haben vor allem beide offenen Auges zugesehen, wie wir auseinander gedriftet sind. Aber in einer so langen Beziehung passiert das so langsam wie Kontinentaldrift.

Wenn man realisiert, dass sie stattgefunden hat, ist bereits ein neuer Ozean zwischen einem.

Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir mit viel Kraft und Mühe versuchen wollen, die Beziehung zu kitten. Und nach zwei Wochen gemerkt: Es ist so gut wie unmöglich, die Beziehung zu kitten und gleichzeitig das mit der offenen Beziehung zu bewältigen.

Das sind zwei unterschiedliche Baustellen, und jede für sich ist schon eine gewaltige Aufgabe für ein Paar. Beides gleichzeitig anzugehen ... ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Denn das auf die Reihe bringen der Beziehung erfordert Offenheit, Ehrlichkeit, unglaublich viel zu investierende Zeit und Gespräche, Gespräche, Gespräche.

Und die offene Beziehung wiederum macht das Verhältnis zwischen uns kühler, unoffener, nimmt uns Zeit, die wir für uns investieren sollten. Und unsere Gespräche, Gespräche, Gespräche kreisen um Themen, die wenig mit dem Richten unserer Beziehung zu tun haben.

Beides gleichzeitig ist eine Aufgabe der Unmöglichkeit. Aber die offene Beziehung zu beenden und nur noch an der Beziehung selbst zu arbeiten, ist keine Option. Ich habe das als Möglichkeit in den Raum gestellt, und meine Freundin sagte, dass das auf keinen Fall geht, weil das Austoben das ist, was sie jetzt will. Und braucht.

Deshalb habe ich vor einer Woche den Stecker gezogen. Unsere Liebe lag auf der Intensivstation, und wir selbst waren die Herz-Lungen-Maschine, mit denen sie beatmet wurde. Vielleicht weniger aus Liebe, als viel mehr aus Gewohnheit. Weil es so unglaublich schwer ist, etwas aufzugeben, das vierzehn Jahre lang da war. Das auch dreizehn Jahre lang wirklich etwas Gutes war.

Es ist so unglaublich schwer, loszulassen.

Aber ich möchte, dass sie glücklich ist. Sie war mal sehr glücklich mit mir - und das ist cool. Sie war in der letzten Zeit nicht mehr glücklich mit mir - und das ist nicht cool. Das ist etwas, was geändert werden muss. Aber ich bin nicht die Person, die sie glücklich machen kann.

Und daraus folgt, dass sie nicht die Person sein kann, die mich glücklich machen kann, denn ich mache mein Glück stark davon abhängig, ob meine Partnerin glücklich ist. Wenn meine Freundin nicht mehr glücklich ist ... wie sollte ich da selbst noch wirklich glücklich sein? Das geht nicht.

Deshalb war es das Richtige. Das einzige, was uns beiden wirklich etwas bringt. Und uns nicht noch mehr in negative Gedanken und Gefühle treibt.

Es fühlt sich momentan noch unwirklich an. Ich kann es nicht ganz begreifen. Dass sie nicht mehr meine Freundin ist. Dass ich nicht mehr ihr Freund bin.

Habe gestern unsere Wohnzimmercouch quasi ruiniert, so sehr hab ich Rotz und Wasser in die Kissen geheult, als ich alleine daheim war. Und das Schlimme ist: Ich glaube, so richtig richtig begriffen habe ich es immer noch nicht, dass es das nun war. Dass es aus ist.

Dass ich loslassen muss. Für uns beide. Dass ich sie gehen lassen muss, damit jeder von uns eine Chance hat, wieder glücklich zu sein. Das ist so verschissen ... fuck ... hart. Und es fühlt sich so mies und falsch an. Aber gleichzeitig weiß ich, dass es richtig ist.

Wir hätten noch drei Monate so verharren können. Gemeinsam einsam. Jeder das tun, was er jetzt braucht oder will oder was auch immer. Oder auch ein halbes Jahr.

Und es hätte niemandem gut getan. Weder uns selbst, noch den anderen Menschen, in denen wir das gesucht hätten, was uns fehlt.

Es hätte die Beziehung nicht wieder gekittet.

____________________________________

Jetzt kommt möglicherweise die Zeit, die ich fürchte. Sobald ich die Lage komplett begriffen habe. Realisiert habe, dass ich nicht mehr ihr Freund bin. Dass sie nicht mehr meine Freundin ist. Das war ... lange Zeit wie ein Naturgesetz. Ich muss lernen, dass manche Naturgesetze falsch sind.

Dennoch will ich nicht, dass das passiert, was ich befürchte.

Diese dumme, verhasste, trübsinnige Dunkelheit. Diese Sinnlosigkeit, die man in allem entdeckt, was man auch tut. Wie alle Farbe aus der Welt genommen wird. Wie selbst Sachen, die einem Spaß machen, profan und gleichgültig werden.

Aber noch sehe ich sie nicht. Die Dunkelheit. Vielleicht kommt sie überhaupt nicht. Ich hoffe es wirklich.

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31. Juli 2014 um 17:20

Gut beobachtet
Ihr bekommt ja hier auch nur eine Essenz abgeliefert. Wenn ich anfangen würde, hier jeden Gedanken reinzuschreiben, würde niemand überhaupt mehr anfangen, das zu lesen.

Aber ich sehe, wie du zu deiner Schlussfolgerung kommst. Sie liegt sehr nahe.

Ich seh's allerdings nicht ganz so. Ich habe aus den ganzen Gedankengängen durchaus viel gelernt. Zumindest über mich selbst. Denke ich.

Ich habe meine Einstellung zur Monogamie ziemlich stark verändert. Und das bleibt mir erhalten. Ich nehme was davon mit in ... na ja, wohin auch immer mein Leben jetzt verläuft.

Ja, ich weiß, dass das Leben nicht aufhört jetzt. Dass ich sicherlich noch mal eine neue Beziehung führen werde. Und die wird am Anfang auch ganz bestimmt monogam ablaufen, weil man in den ersten Monaten oder Jahren ganz einfach niemand anderen will als den Partner. Völlig natürlich und evolutionstechnisch so bedingt.

Aber gesetzt den Fall, dass ich nochmal eine längere Beziehung haben werde, und dass man da nach ein paar Jahren merkt, dass ... un-monogame Gedanken auftauchen. Dann habe ich jetzt einen ganz anderen Blick darauf als vorher.

Ich denke, dass ich mit einer eventuellen neuen Partnerin auch vorab schon in Gesprächen über sowas reden würde. Ich würde zum Beispiel zu keiner Frau mehr sagen "Wenn du fremdgehst, ist die Beziehung für mich tot".

Ich hab also was gelernt und viel mitgenommen. Und nicht alle meine Gedanken über den Haufen geworfen. Es ist ja nicht so, dass ich jetzt das Gegenteil behaupte.

Die Sache mit dem "Ich bin ein Riesenarsch" - tja, war ich teilweise schon auch. Ich hab nur erst noch rausfinden müssen, dass das nicht nur mich betroffen hat, sondern meine Freundin sich nicht viel anders verhalten hat als ich selbst.

Aber ich bin anscheinend jemand, der Fehler zuerst bei sich selbst sucht. Und so bin ich eben auf der Riesenarsch-Schiene gelandet. Finde ich im Nachhinein auch nicht mehr so tragisch, denn durch Gespräche klärt sich das dann alles ganz schnell wieder.

Ich seh das weniger als "ich behaupte jetzt dies und schmeiße meine Meinung dann komplett über den Haufen", sondern viel mehr als eine Entwicklung.

Ich hab (denke ich) aus allen diesen Gedankengängen etwas für mich selbst mitgenommen.

Und zur Dunkelheit: Ich würde sie nicht fürchten, wenn ich sie nicht kennen würde. Als ich 19 war, war ich für drei sehr schlimme Monate in ihr gefangen. Ich habe Grund, ein bißchen Angst davor zu haben, weil ich weiß, wie sie sich anfühlt.

Auf der anderen Seite bin ich jetzt deutlich älter als damals. Ich hab deutlich mehr Erfahrungen und hoffe, dass ich auch charakterlich gefestigter bin. Ich bin mir ... schon sehr sicher, dass ich in keine dreimonatige Depression hineinrutsche.

Aber ein bißchen Vorsicht kann ja nicht schaden. Nicht, dass sie sich von hinten anschleicht, um mich zu überraschen. Also halte ich lieber Ausschau nach ihr und stelle mich.

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31. Juli 2014 um 17:33
In Antwort auf

Gut beobachtet
Ihr bekommt ja hier auch nur eine Essenz abgeliefert. Wenn ich anfangen würde, hier jeden Gedanken reinzuschreiben, würde niemand überhaupt mehr anfangen, das zu lesen.

Aber ich sehe, wie du zu deiner Schlussfolgerung kommst. Sie liegt sehr nahe.

Ich seh's allerdings nicht ganz so. Ich habe aus den ganzen Gedankengängen durchaus viel gelernt. Zumindest über mich selbst. Denke ich.

Ich habe meine Einstellung zur Monogamie ziemlich stark verändert. Und das bleibt mir erhalten. Ich nehme was davon mit in ... na ja, wohin auch immer mein Leben jetzt verläuft.

Ja, ich weiß, dass das Leben nicht aufhört jetzt. Dass ich sicherlich noch mal eine neue Beziehung führen werde. Und die wird am Anfang auch ganz bestimmt monogam ablaufen, weil man in den ersten Monaten oder Jahren ganz einfach niemand anderen will als den Partner. Völlig natürlich und evolutionstechnisch so bedingt.

Aber gesetzt den Fall, dass ich nochmal eine längere Beziehung haben werde, und dass man da nach ein paar Jahren merkt, dass ... un-monogame Gedanken auftauchen. Dann habe ich jetzt einen ganz anderen Blick darauf als vorher.

Ich denke, dass ich mit einer eventuellen neuen Partnerin auch vorab schon in Gesprächen über sowas reden würde. Ich würde zum Beispiel zu keiner Frau mehr sagen "Wenn du fremdgehst, ist die Beziehung für mich tot".

Ich hab also was gelernt und viel mitgenommen. Und nicht alle meine Gedanken über den Haufen geworfen. Es ist ja nicht so, dass ich jetzt das Gegenteil behaupte.

Die Sache mit dem "Ich bin ein Riesenarsch" - tja, war ich teilweise schon auch. Ich hab nur erst noch rausfinden müssen, dass das nicht nur mich betroffen hat, sondern meine Freundin sich nicht viel anders verhalten hat als ich selbst.

Aber ich bin anscheinend jemand, der Fehler zuerst bei sich selbst sucht. Und so bin ich eben auf der Riesenarsch-Schiene gelandet. Finde ich im Nachhinein auch nicht mehr so tragisch, denn durch Gespräche klärt sich das dann alles ganz schnell wieder.

Ich seh das weniger als "ich behaupte jetzt dies und schmeiße meine Meinung dann komplett über den Haufen", sondern viel mehr als eine Entwicklung.

Ich hab (denke ich) aus allen diesen Gedankengängen etwas für mich selbst mitgenommen.

Und zur Dunkelheit: Ich würde sie nicht fürchten, wenn ich sie nicht kennen würde. Als ich 19 war, war ich für drei sehr schlimme Monate in ihr gefangen. Ich habe Grund, ein bißchen Angst davor zu haben, weil ich weiß, wie sie sich anfühlt.

Auf der anderen Seite bin ich jetzt deutlich älter als damals. Ich hab deutlich mehr Erfahrungen und hoffe, dass ich auch charakterlich gefestigter bin. Ich bin mir ... schon sehr sicher, dass ich in keine dreimonatige Depression hineinrutsche.

Aber ein bißchen Vorsicht kann ja nicht schaden. Nicht, dass sie sich von hinten anschleicht, um mich zu überraschen. Also halte ich lieber Ausschau nach ihr und stelle mich.

Sich selbst was einreden
Ich bin mir nicht sicher, ob "sich selbst was einreden" den Kern der Sache bei mir trifft. Aber ich kann mich ganz extrem nur auf eine Sache konzentrieren und diese dann bis zum Erbrechen durchdenken.

Ein guter Freund hat mich dahingehend mal analysiert und mir gesagt: "Deine größte Stärke ist gleichzeitig auch deine größte Schwäche. Du kannst dich zu 100 % auf was konzentrieren und dich so auf etwas einschießen, dass nur noch das für dich wichtig ist. Einerseits ist das eine Stärke, Aber daraus kommt gleichzeitig auch die Schwäche, dass du dich schnell in eine Sache verrennst und gar nicht merkst, dass du in die falsche Richtung läufst."

Ich glaub, er kennt mich ganz gut. OK, wir kennen uns auch seit wir elf sind. Er hatte ein bißchen Zeit, um mich so gut kennenzulernen.

Das beste Gegenmittel hierfür sind aber Gespräche mit anderen Menschen. Auch mit euch, hier im Forum. Das öffnet neue Blickwinkel. Ich bin nämlich durchaus kritik- und lernfähig. Und ich kann einsehen, wenn ich mich verrannt habe, und den Rückweg antreten. Aber man muss halt erstmal erkennen, dass man sich verrannt hat.

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7. Mai 2015 um 11:37

Update
Ich wollt euch nur mal informieren, wie die ganze Geschichte ausging.

Und danke sagen, dass ihr euch den Riesentext angetan habt. Aber es hat mir geholfen damals, mit euch zu reden. Und auch solche Sätze wie "Hast du dich mal gefragt, ob eure Beziehung einfach komplett im @rsch ist?" waren hilfreich. Weil ich da zum ersten Mal (ernsthaft) in Betracht gezogen hab, dass es so sein könnte.


Ich hab letzten August Schluss gemacht, bin im Oktober in eine eigene Wohnung gezogen. Mittlerweile verstehe ich mich mit meiner Ex wieder richtig gut, wir können über alles reden, tun das auch.

Und ich bin glücklich. Als Single. Und frei. Und genieße mein Leben (und die Frauen ...) gerade total.

Manche Wracks sollte man nicht restaurieren, sondern versenken.

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