Forum / Liebe & Beziehung

gehen oder bleiben?

24. Dezember 2020 um 0:14 Letzte Antwort: 24. Dezember 2020 um 21:33

Hallo ihr,

ich hoffe, dass ihr mir ein bisschen mit Perspektive weiterhelfen könnt - und wenn nicht, dann habe ich zumindest einen Ort gefunden, an dem ich wenigstens ein bisschen meine Gedanken loswerden kann.

Das grundsätzliche Problem: ich weiß nicht, ob ich mich von meinem Freund trennen sollte. Ja klar, dass ich überhaupt hier sowas schreibe ist auch irgendwie eine Antwort, aber so einfach finde ich es leider doch nicht.

Wir sind seit bald 11 Jahren zusammen. Sowas passiert nicht "aus Versehen". 
Wir wussten den größten Teil über unserer gemeinsamen Zeit über, was wir aneinander haben. Wir haben uns unsere Freiräume gelassen und uns gegenseitig akzeptiert, wie wir sind und haben uns glücklich geschätzt, den Menschen getroffen zu haben, mit dem genau das möglich ist.

Das heißt nicht, dass immer alles perfekt war, wirklich nicht.

Er hat mir z.B. nie gesagt, dass er mich liebt. Genauso, wie er überhaupt so gut wie nie über Gefühle spricht - es sei denn, ihm geht etwas wirklich, wirklich gegen den Strich und er will sich dagegen wehren. Aber so etwas wie "Pillow-Talk"...lass uns die Nächte durchreden, ich erzähl dir von meinen Träumen, meinem ersten großen Liebeskummer und wie ich mir die Zukunft mit uns beiden vorstelle, das hat es bei uns nie gegeben. Dass ich ihm fehle, hat er mir glaube ich zum letzten Mal gesagt, als wir frisch zusammen gekommen waren und uns dann mal 3 Wochen gar nicht gesehen haben. Seitdem gilt: muss man ja nicht wiederholen. (Übrigens auch der Hauptgrund, warum ich jetzt hier bin - wenn ich mit ihm reden will, blockt er komplett ab)

Wir haben seit einer Weile höchstens noch 1-2 mal pro Jahr Sex und der ist dann miserabel. Es liegt nicht daran, dass ich keine Lust auf Sex hätte, ich hab nur halt keine Lust auf ihn. Und wenn es dann doch mal soweit ist, bereue ich es ziemlich, weil er im wahrsten Sinne des Wortes lieblos mit mir und meinem Körper umgeht und im Endeffekt ich für meinen eigenen Höhepunkt "zuständig" bin. 

Ich bin vor vier Jahren zu ihm gezogen, er hat es bis heute nicht geschafft, mal seinen Kram vernünftig auszumisten und Platz für mich zu machen. Weil er sich während Corona total in seine Arbeit zurückgezogen hat, strampelt er den Stress im wahrsten Sinne des Wortes im Schlaf ab - ich kriege das ab, kann daher nicht mehr in unserem gemeinsamen Bett schlafen, liege also regelmäßig auf unserer Gästeluftmatratze im "Rümpelzimmer", das mal mein Zimmer hätte werden sollen, damit ich überhaupt Schlaf kriege. Er zieht zwar auch ab und zu mal auf die Luftmatratze um, aber öfter als 1-2mal pro Woche ist mir das auch nicht vergönnt. 

So. Jetzt habe ich mir mal so richtig die Wut aus den Fingern getippt, mir würde auch noch deutlich mehr Nörgelei einfallen und jede*r von euch wird vermutlich fragen "warum bist du noch da?!" - und das ist eben der Punkt, an dem es kompliziert wird.
Ich fühle mich nach wie vor wohl in seiner Gesellschaft und ich bin mir sicher, für jede Verletzung/Enttäuschung, die ich hier hintippen könnte, fällt ihm min. eine Sache ein, durch die ich ihn auch verletzt/enttäuscht habe. 
Ich will nicht wieder Single und alleine sein. Ich denke mit Horror an all die Idioten, die ich daten müsste, bis wieder jemand von Interesse dabei ist. Und ich weiß, das ist kein Argument, aber mit 37 fällt mir "ex und hopp" eben auch nicht mehr so leicht wie mit 22.

Ein Teil von mir würde wirklich verdammt gerne an diesen Problemen arbeiten und dieser Teil hofft auch, dass ich ihm trotz allem wichtig genug bin, um mitzuarbeiten und sich mir zuliebe auch ein wenig zu verändern, genauso wie ich mich ihm zuliebe ein wenig verändern würde. Aber erstens bin ich mir nicht sicher, ob er bereit wäre, diese Art von Beziehungsarbeit zu leisten und zweitens: wenn wir uns gegenseitig komplett umkrempeln müssen, um im Alltag so etwas wie eine glückliche, erfüllte Beziehung zu führen - haben wir dann nicht ohnehin genau das verloren, was uns mal als Paar ausgemacht hat?

Und selbst wenn wir es schaffen sollten, unseren Alltag (nach Corona, mit ein bisschen gesundem Abstand zueinander, ist alles nicht so einfach zur Zeit, schon klar) wieder so zu gestalten, dass er für uns beide funktioniert und wir beide uns in dieser Beziehung wieder wohl fühlen: möchte ich wirklich den Rest meines Lebens mit miesem Sex und so ganz ohne Süßholz verbringen?

Unterm Strich: ich kann mir ein Leben ohne ihn einfach nicht vorstellen. Aber mit ihm eben auch nicht mehr. 

Ich danke euch für eure Zeit, eure Meinungen und eure Ratschläge.
 

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24. Dezember 2020 um 0:33

Nun ist Routine und selbstverständlichkeit in der beziehung eingekehrt. Man könnte auch Langeweile sagen. 
Aber was hast du denn aktiv getan um die Verhältnisse zu ändern?
Weiss er wie du dich fühlst?
Hast du ihm beim Sex mal gesagt was er anders machen kann? 

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24. Dezember 2020 um 0:38

Sry aber wenn man sich das so durchliest fragt man sich ob du primär aus Mangelndem Willen zu Veränderung dagegeblieben bist.

Die Frage ist fühlst du dich wohl bei Ihm oder hast du Angst wie es sich anfühlt alleine zu sein?

Ein Neustart ist immer eine Herausforderung. ich würde tippen das du dir bisher eher über die negativen als über die möglichen positiven Folgen Gedanken gemacht hast.

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24. Dezember 2020 um 0:49
In Antwort auf

Nun ist Routine und selbstverständlichkeit in der beziehung eingekehrt. Man könnte auch Langeweile sagen. 
Aber was hast du denn aktiv getan um die Verhältnisse zu ändern?
Weiss er wie du dich fühlst?
Hast du ihm beim Sex mal gesagt was er anders machen kann? 

klar hab ich das. beim ersten Mal: "heyheyhey mach langsamer, ich will dich überhaupt mal spüren können" - 2,3 Stöße später hat er wieder stumpf gerammelt.
Wenn er mich befriedigt, dann nur als "Zwischenstation" während des Vorspiels. Direkt nach dem Höhepunkt finde ich intime Berührungen unangenehm - ich hab ihm schon ein paarmal fast die Nase gebrochen, weil er direkt danach noch an mir "rumgeleckt" hat und ich vor Schmerz zusammengezuckt bin. Hab ich ihm auch schon mehr als einmal erklärt. Hat nur dazu geführt, dass ich jetzt nicht mal mehr während des Vorspiels befriedigt werde - und danach, na da ist er einfach zu müde, um jetzt noch was für mich zu tun. Solobetrieb. 

Ich habe stark abgenommen in den letzten Jahren, weil ich mich in seiner Messi-Bude nicht wohlfühle und er immer wieder neue Gründe vorschiebt, nicht aufräumen zu müssen. Ich habe Schlafstörungen, weil er nachts um sich tritt. Als ich ihm neulich gesagt habe, dass es mir jetzt während Corona endgültig so mies geht, dass ich mir professionelle Hilfe suchen will, hat er mir erklärt, dass er das für Bullshit hält.

Wenn wir über die "Schlafsituation" reden, hat er null Verständnis. Er tut so, als würde ich mir das mit den nächtlichen Tritten von ihm nur einbilden. Und wenn ich ihn dann völlig übernächtigt darauf aufmerksam mache, dass ein eigenes Bett - also ein Ort, den man nicht mit ner Luftpumpe aufpusten muss, der warm und kuschelig ist, an dem man bequem schlafen kann und nicht getreten wird - auch an mehr als 1-2 Tagen in der Woche wichtig für mich wäre, geht er direkt in "Passiv-Agressiv", motzt mich an, als ob ich ihn dauerhaft aus seiner eigenen Wohnung schmeißen wollen würde und mir fliegt nur eine knallende Tür entgegen. Und die nächste Nacht verbringe ich wieder auf der Luftmatratze...und die nächste...und die nächste...und er rümpelt die Bude weiter mit Fahrrädern, 3D-Druckern und anderem Scheiß, der nur Staub fängt, zu....

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24. Dezember 2020 um 1:05

Ok aber warum machst du das mit? Wenn einem der Partner auf den Nerv geht und keine Besserung in Sicht ist, dann muss man halt Schluss machen.
Wir leben nicht ewig und man sollte versuchen sich die Zeit so schön zu machen wie es geht.
Jahrelang sich mit einem schlechten Partner herum zu ärgern macht doch keinen Sinn. 

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24. Dezember 2020 um 21:33
In Antwort auf

Hallo ihr,

ich hoffe, dass ihr mir ein bisschen mit Perspektive weiterhelfen könnt - und wenn nicht, dann habe ich zumindest einen Ort gefunden, an dem ich wenigstens ein bisschen meine Gedanken loswerden kann.

Das grundsätzliche Problem: ich weiß nicht, ob ich mich von meinem Freund trennen sollte. Ja klar, dass ich überhaupt hier sowas schreibe ist auch irgendwie eine Antwort, aber so einfach finde ich es leider doch nicht.

Wir sind seit bald 11 Jahren zusammen. Sowas passiert nicht "aus Versehen". 
Wir wussten den größten Teil über unserer gemeinsamen Zeit über, was wir aneinander haben. Wir haben uns unsere Freiräume gelassen und uns gegenseitig akzeptiert, wie wir sind und haben uns glücklich geschätzt, den Menschen getroffen zu haben, mit dem genau das möglich ist.

Das heißt nicht, dass immer alles perfekt war, wirklich nicht.

Er hat mir z.B. nie gesagt, dass er mich liebt. Genauso, wie er überhaupt so gut wie nie über Gefühle spricht - es sei denn, ihm geht etwas wirklich, wirklich gegen den Strich und er will sich dagegen wehren. Aber so etwas wie "Pillow-Talk"...lass uns die Nächte durchreden, ich erzähl dir von meinen Träumen, meinem ersten großen Liebeskummer und wie ich mir die Zukunft mit uns beiden vorstelle, das hat es bei uns nie gegeben. Dass ich ihm fehle, hat er mir glaube ich zum letzten Mal gesagt, als wir frisch zusammen gekommen waren und uns dann mal 3 Wochen gar nicht gesehen haben. Seitdem gilt: muss man ja nicht wiederholen. (Übrigens auch der Hauptgrund, warum ich jetzt hier bin - wenn ich mit ihm reden will, blockt er komplett ab)

Wir haben seit einer Weile höchstens noch 1-2 mal pro Jahr Sex und der ist dann miserabel. Es liegt nicht daran, dass ich keine Lust auf Sex hätte, ich hab nur halt keine Lust auf ihn. Und wenn es dann doch mal soweit ist, bereue ich es ziemlich, weil er im wahrsten Sinne des Wortes lieblos mit mir und meinem Körper umgeht und im Endeffekt ich für meinen eigenen Höhepunkt "zuständig" bin. 

Ich bin vor vier Jahren zu ihm gezogen, er hat es bis heute nicht geschafft, mal seinen Kram vernünftig auszumisten und Platz für mich zu machen. Weil er sich während Corona total in seine Arbeit zurückgezogen hat, strampelt er den Stress im wahrsten Sinne des Wortes im Schlaf ab - ich kriege das ab, kann daher nicht mehr in unserem gemeinsamen Bett schlafen, liege also regelmäßig auf unserer Gästeluftmatratze im "Rümpelzimmer", das mal mein Zimmer hätte werden sollen, damit ich überhaupt Schlaf kriege. Er zieht zwar auch ab und zu mal auf die Luftmatratze um, aber öfter als 1-2mal pro Woche ist mir das auch nicht vergönnt. 

So. Jetzt habe ich mir mal so richtig die Wut aus den Fingern getippt, mir würde auch noch deutlich mehr Nörgelei einfallen und jede*r von euch wird vermutlich fragen "warum bist du noch da?!" - und das ist eben der Punkt, an dem es kompliziert wird.
Ich fühle mich nach wie vor wohl in seiner Gesellschaft und ich bin mir sicher, für jede Verletzung/Enttäuschung, die ich hier hintippen könnte, fällt ihm min. eine Sache ein, durch die ich ihn auch verletzt/enttäuscht habe. 
Ich will nicht wieder Single und alleine sein. Ich denke mit Horror an all die Idioten, die ich daten müsste, bis wieder jemand von Interesse dabei ist. Und ich weiß, das ist kein Argument, aber mit 37 fällt mir "ex und hopp" eben auch nicht mehr so leicht wie mit 22.

Ein Teil von mir würde wirklich verdammt gerne an diesen Problemen arbeiten und dieser Teil hofft auch, dass ich ihm trotz allem wichtig genug bin, um mitzuarbeiten und sich mir zuliebe auch ein wenig zu verändern, genauso wie ich mich ihm zuliebe ein wenig verändern würde. Aber erstens bin ich mir nicht sicher, ob er bereit wäre, diese Art von Beziehungsarbeit zu leisten und zweitens: wenn wir uns gegenseitig komplett umkrempeln müssen, um im Alltag so etwas wie eine glückliche, erfüllte Beziehung zu führen - haben wir dann nicht ohnehin genau das verloren, was uns mal als Paar ausgemacht hat?

Und selbst wenn wir es schaffen sollten, unseren Alltag (nach Corona, mit ein bisschen gesundem Abstand zueinander, ist alles nicht so einfach zur Zeit, schon klar) wieder so zu gestalten, dass er für uns beide funktioniert und wir beide uns in dieser Beziehung wieder wohl fühlen: möchte ich wirklich den Rest meines Lebens mit miesem Sex und so ganz ohne Süßholz verbringen?

Unterm Strich: ich kann mir ein Leben ohne ihn einfach nicht vorstellen. Aber mit ihm eben auch nicht mehr. 

Ich danke euch für eure Zeit, eure Meinungen und eure Ratschläge.
 

...vielleicht hätte ich in einem Anfall von Wut drastisch entrümpelt..

Ich finde es respektlos Dir gegenüber,diesen Müll zu belassen und Dir das zuzumuten.
Nur..war das schon immer so,Du machst es 11Jahre schon mit?

Vielleicht bräuchte er therapeutische Hilfe,wenn er traumatisiert Alpträume hat und nachts um sich tritt.

Mir würde das Gerümpel und die Luftmatratze als absolutes NO GO vorkommen,ich würde es nicht mitmachen.
Vom miesen Sex mal abgesehen...

Es macht beinah den Eindruck,es ist ihm egal,ob Du noch da bist oder weg.

Ich würde gehen.

Deine beste Zeit ist jetzt.37 ist ein tolles Alter,Du kannst auch noch Mutter werden irgendwann,sofern Du einen geeigneten Partner findest und es möchtest.
Mit DEM Teilzeitmessie wohl eher nicht..
 

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