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Gefühls-Behindert ?

15. September 2005 um 19:02

Irgendwie machen mich manche Sachen nachdenklich und ich würde gerne wissen, was ihr dazu geht bzw. ob es jemanden von euch so ähnlich geht...
(Sorry, wenn der Text zu lang geraten ist... )


Alles fing damals vor knapp 2 Jahren an, als ich mit meinem Ex zusammen kam. Die Beziehung war einfach die Hölle. Nicht, dass er und ich nicht zusammen gepasst haben und mir das nicht ins Hirn wollte und er zu schwach war, um die Beziehung zu beenden - Man bleibt auf Krampf zusammen, zerstört sich selbst, den anderen... eine bittere Zeit, die eigentlich nur aus Streit, Kampf um Selbstbehauptung und Verlust der eigenen Persönlichkeit (meinerseits) endete und ich am Ende sozusagen auf einer Couch bei einem Psychiater lag, um damit fertig zu werden und mich selbst wieder zu finden.
Das eigentliche "Problem" ist eher... ich habe damals "gelernt", leise zu weinen. Alleine zu weinen. Wenn ich spürte, dass er mich wieder zum Weinen brachte, dann flüchtete ich entweder auf die Toilette oder woanders.. und wenn ich wusste bzw. er drohte, er würde schluß machen, wenn ich wieder flüchte, dann halt für mich alleine weinte, ruhig weinen, weil ich wusste, dass es von ihm kein Mitgefühl gab und er eh sagen würde, dass es ihm schlechter geht als mir und ich kein Recht hätte, in Selbstmitleid zu schwelgen.

Inzwischen bin ich seit über nem Jahr von ihm getrennt, bald fast n Jahr mit meinem jetzigen Freund, ziemlich glücklich, zusammen. Klar, "oberflächliche Probleme" wie Streit mit Eltern, Stress mit Freunden oder in der Schule oder andere Sachen, die mich ärgern und manchmal zum Weinen bringen, die kann ich problemlos nach aussen hin zeigen. Aber wenn ich mit meinem Freund in einer etwas unglücklichen Situation bin (Und zur Beruhigung: Es ist keineswegs so psychopathisch wie bei meinem Ex!!) und ich spüre, dass mich das zum Weinen bringt, dann kann ich das einfach nicht zeigen. Er merkt das meistens nicht und ich weiß nicht mal, ob ich möchte, dass er mich tröstet oder es nicht mitbekommt. Das hört sich hier alles so selbstmitleidig an und auch irgendwie egozentrisch, aber ich frage mich ernsthaft, ob das "krank" von mir ist, dass ich das nicht kann, überhaupt ob das gesund ist.

Ich meine klar, wenn man sich beruhigt hat, wird das Problem durch Reden gelöst und wenn mich was ärgert, kann ich mit meinen Freunden darüber reden. Aber das ist dann alles so... emotionslos.

Auch neulich erst... ich habe festgestellt - obwohl mir das mein Psychiater schon vor einem Jahr gesagt hat, es wurde mir erst neulich noch mal richtig bewusst - dass ich irgendwie keinen richtigen Vater habe. Biologischer Vater war nie da und als er sich nach 16 Jahren meldete, war er auch kein besserer Mensch als vorher. Mein Stiefvater tut zwar gerne so, als wäre er mein Vater und freut sich, eine "Tochter" zu haben, aber mir wird in letzter Zeit oft bewusst, wie überflüssig ich hier eigentlich bin und er eh nur seinen Lieblingssohn (Er hat drei Söhne, der Jüngste ist zwar das Schwarze Schaf, aber sein Liebling - Versteh mal einer die Männer!) im Auge hat... als ich das meinem Freund über ICQ erzählt habe und mir dabei so richtig bewusst wurde, wie bitter die Erkenntnis ist, irgendwie keinen richtigen Vater zu haben, da musste ich auf einmal richtig weinen. Aber kurz darauf, als meine Freundin anrief, war ich dann wieder "gechillt", ruhig. So tun, als hätte man keine Probleme. Aber nur, wenn es richtig - für mich - gravierende Probleme sind.

Mann, wir sind doch nicht in Amerika, wo man immer so tun muss, dass alles prima ist und man mit niemanden über seine Sorgen reden kann, ohne als Aussenseiter zu enden (Daher wird man als Therapeut dort auch ziemlich reich... ironisch, aber wahr. - Anmerkung: Ich bin nicht rassistisch, aber das war das erstbeste Beispiel, was mir für eine Kultur, wo man richtige Emotionen nur zeigen darf, wenn sie positiv sind, einfiel.. )

... ich frage mich, was mit mir los ist, ob das nur eine Phase ist (Die dann aber seit 2 Jahren anhält) oder ob ich gestört bin. Es sagt sich jetzt sicher leicht, dass es doch soo einfach wäre, aus sich raus zu kommen, so zu sein, wie man wirklich ist. Verdammt, ich bin eigentlich immer direkt und zeige allen meine Laune, ob sie nun schlecht oder gut ist, da habe ich keine Hemmungen. Es geht hier nur um das Weinen an sich. Weinen ist doch auch eine Art, Gefühle zu zeigen....

Tut mir leid, wenn ich so viel geschrieben hab...

Für eure Antworten bedanke ich mich schon mal im voraus....

Liebe Grüße

Stehlampe

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15. September 2005 um 20:20

Du bist nicht gestört...
denn die Menschen sind verschieden! Ist doch völlig o.k., wenn Du erst ein Problem halb verdauen willst( und das mit Dir allein) bevor Du drüber sprechen möchtest. Du kannst Dich ja mitteilen, schlimm wär's, Du könntest gar nicht über Schwierigkeiten/Probleme reden.
Es geht Dir doch nicht schlecht dabei, oder?

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16. September 2005 um 15:10

...
Hallo Stehlampe,

mir geht es ähnlich mit dem Gefühle zeigen. Wenn ich früher als kleines Kind weinte, wurden mir von meiner Mutter schläge angedroht. Mit der Zeit habe ich gelernt auch nur noch alleine unter der Bettdecke zu weinen. Es fällt mir heute immernoch wahnsinnig schwer Gefühle vor anderen Menschen zu zeigen, obwohl ich weiß, dass dabei nichts Schlimmes ist. Erst gestern beim Streit mit meinem Freund habe ich wieder gemerkt, was für Hemmungen ich habe, es ist schon erstaunlich, was ein einziger Mensch alles in einem kaputt machen kann.
Ich hoffe, du kannst irgendwann zu einem Menschen wieder volles Vertrauen fassen und alle Emotionen vor ihm zeigen, ich arbeite auch hart dran... kopf hoch...

Gruß
Kikki

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