Home / Forum / Liebe & Beziehung / Freundschaften, Intensität.

Freundschaften, Intensität.

2. Mai 2016 um 20:09

Bei mir ist es so, dass ich hin und wieder mal unter dem "unsicheren Bindungen" Syndrom leide. Das heißt, dass ich mich streckenweise total vereinsamt fühle, obwohl ich eigentlich einen großen Kreis um mich rum habe.

Es ist so, dass ich in diesen Zeiten nichts mehr fühle, keine Bindung zu meinen Freunden, ich spüre nur noch nicht geliebt zu sein, keinen Stellenwert mehr für sie zu haben.

Und dann versuche ich mal sachlich und nüchtern zu überprüfen wie es eigentlich um meine Bindungen zu Freunden steht. Das Ergebnis ist total ernüchternd und unzufridenstellend.

Erstmal zur Intensität. In allen möglichen Fernsehserien scheinen Menschen ständig von Freunden umgeben zu sein. Kaum schließt jemand die Türe, schon lauert die Freundin vor der Tür, warten drei Einladungen von Freundinnen zum Kaffee. Sind es Mütter, warten eben gefühlt achzehn Mütterfreundinnen mit Kindern.

Auch im realen Leben sehe ich irgendwie immer nur Mädels, die mit Freundinnen whattsappen ohne Ende, immer Verabredungen haben. Jeden Tag scheinen die Leute in intensiver Verbindung zu stehen. Gruppen an Freundinnen. Überall.

Bei mir treten diese Unzufriedenheitsgefühle und Einsamkeitsgefühle besonders dann auf, wenn ich in einer neuen Beziehung bin. Denke, weil sich dann alles auf den Neuen konzentriert. Auch wenn ich mich anstrenge Kontakte aufrecht zu halten und sich real ja gar nicht so viel ändert fühle ich mich total einsam. allein mit meinem Neuen. Je enger die Bindung wird, desto schlimmer wird es.

Und nun zu meinen Freunden: Ich habe drei, die weit weg wohnen und die ich schon ewig kenne. Bei einer bin ich mir sicher, dass wir alt miteinander werden und sie gibt mir schon seit Jahrzehnten ein sicheres Gefühl. Ein Geben und Nehmen. Ein Leben ohne sie: Unvorstellbar. Aber auch innerhalb dieser Bindung leide ich sehr daran, dass wir manchmal lange nicht in Kontakt sind. Ich wünsche mir so sehr eine Freundin, mit der ich täglich in Kontakt bin. Von der ich täglich weiß wie es ihr geht. Und umgekehrt.

Alle Bindungen die erst einige Jahre alt sind, alle so cirka drei Jahre alt wegen Umzug haben zwar in gewisser Weise eine Tiefe, Qualität, aber obwohl die Leute in der Nähe wohnen, fühle ich mich ihnen nicht nah.

Ich weiß nicht, wie ich mehr Nähe aufbauen kann. Ich habe das Gefühl, dass immer ich diejenige bin, die mehr schreibt, mehr Nähe will, mehr Anteil. Dann denke ich immer ich sollte einfach nicht so rechnen, sondern einfach weiter ranpreschen, mich für Treffen, Vorschläge verantwortlich fühlen. Solange ich das mache laufen die Bindungen. Mache ich das nicht, verlaufen sie anscheinend im Sande. Ich krieg irgendwie diese Ausgewogenheit nicht hin.

Und was ich auch total vermisse ist dieses spontane, dass mal jemand, wie früher an der Tür klingelt zum Kaffee. Alles muss immer so weit vorausgeplant, verabredet sein.

Ach ich weiß nicht, ich fühle, dass ich kaum mehr eine Freundin habe, die sehr nah ist, mit der ich tiefgründig sprechen kann und mit der ich einfach nur eine regelmäßige Bindung habe.
Die Menschen, die mir am nähsten stehen, sind weit weg und oft denke ich, dass die ganz ganz oft keine Ahnung haben wie es mir geht und ich von Ihnen auch nicht. Diese Menschen liebe ich und doch haben wir so selten Anteil aneinander.

Und die Zahl derer, die weit weg wohnen und mal wirklich gute Freunde waren hat sich auch erschreckend minimiert. Eigentlich ist es nur noch eine und die andere reagiert irgendwie kaum noch auf meine vielen Gesuche sich mal wieder zu sehen. Und ich habe auch keine Lust mehr ihr weiterhin hinterhherzulaufen.

Bin irgendwie traurig darüber.

Mehr lesen

3. Mai 2016 um 9:37

Die Intensität von Freundschaften
ist nicht äquivalent zur Kontakthäufigkeit. Da gaukeln die Medien einem ein Ideal vor, das gar nicht so ideal ist.

Erst einmal würde ich mich an deiner Stelle fragen, wie viel Kontakt du wirklich brauchst und wann es dir auch zu viel wird. Meine ich ganz ernst: Neben Job, Freizeitverpflichtungen, evtl. Partnerschaft, evtl. Kinder und Hobbies braucht es ja auch mal Zeit für sich allein. Das ist bei jedem unterschiedlich, aber wenn du aus Unsicherheit heraus eine Kontaktfrequenz aufbaust, die dir eigentlich nicht liegt, wird es dich irgendwann nerven.

Und dann ist, wie schon geschrieben, die Häufigkeit der Kontakte nicht unbedingt das Kriterium für die Tiefe der Freundschaft. Ich genieße sehr die Leichtigkeit der Freundschaften, bei denen man im Alltag aufgrund der oben beschriebenen "Zeitfresser" eher wenig Kontakt hat, aber dann, wenn man sich sieht oder hört, wieder voll "drin" ist. Keiner nimmt es dem anderen übel, wenn man mal eine Zeitlang nichts voneinander hört, aber das Vertrauen ist so groß, dass man gut aneinander anknüpfen kann, wenn man wieder in Kontakt ist. Das entspannt alles sehr.

Will sagen: Wenn du unsicher in deinen Bindungen bist, dann solltest du besonders sensibel mit dir umgehen und alles auch daraufhin überprüfen, ob es gerade wirklich DIR dienlich ist oder lediglich deinem Wunsch nach Sicherheit entsprechen soll.

Wenn du wirklich mehr mit Freunden machen willst, lerne welche vor Ort kennen, dann ist das einfacher.

Ich habe auch viele Freundinnen, die weiter entfernt wohnen, einfach weil ich sie schon teilweise Jahrzehnte kenne und uns Arbeit, Liebe o.a. räumlich voneinander weggebracht haben. Eine sehr liebe Freundin von mir wohnt sogar in einem anderen Land. Das ändert nichts an der Intensität der Freundschaften, auch wenn wir manchmal wochenlang nichts voneinander hören. Dann glühen aber die Telefonleitungen oder Zungen und Ohren sind bei einem Treffen dauerbeansprucht von allem, was wir uns zu erzählen haben. Auch mit meiner besten Freundin habe ich zwar meistens täglich Whatsapp-Kontakt, manchmal hören wir aber auch eine Woche gar nichts voneinander, wenn der Alltag einfach über einem zusammen schlägt. Das ist doch egal. Wenn Freunde dann für einem da sind, wenn es nötig ist und wenn man selbst dieselbe Bereitschaft dazu mitbringt, ist doch alles gut.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

3. Mai 2016 um 20:25

Ich
empfinde das so rein sachlich auch so wie du. Ist ja auch nicht so, dass ich niemanden habe.
Aber emotional fühle ich mich oft einsam, wünsche mir mehr Nähe, Intensität, Spontanität und kann das irgenwie nicht umsetzen.
Eigentlich bin ich diejenige, die mitgeschliffen werden will. Anders kann ich es nicht so gut oder fühle mich schnell entmutigt, wenn nach mehren Verabredungsgesuchen die Reaktionen so kalt bleiben.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !

Frühere Diskussionen
Er meldet sich selten , ende ?
Von: sweetdreamer4
neu
3. Mai 2016 um 18:43
Wir machen deinen Tag bunter!
instagram