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Freundin bittet um Asyl, lange Geschichte, weiß nicht, was ich tun soll

12. Juni 2012 um 17:41

Hallo,
ich weiß grade absolut nicht, was richtig und was falsch ist, und wie ich mich verhalten soll. Würde mich riesig über Ratschläge oder auch einfach Denkanstöße von euch freuen!

Die Geschichte ist etwas kompliziert, und würde wohl auch ziemlich lang, wenn man versuchte, alle Aspekte zu erzählen... Ich versuche mich daher mal an einer Kurzfassung, die zumindest das Wesentliche enthält:

Lisa, so will ich sie mal nennen, war zu Schulzeiten meine beste Freundin, mit allem drum und dran.
Nach dem Abi haben sich unsere Wege zumindest räumlich getrennt, sodass der Kontakt weniger häufig wurde, aber nicht weniger intensiv.
Naja, wenigstens die erste Zeit.
Nach etwas mehr als einem Jahr fing es an, dass der Kontakt etwas abnahm, was ja wahrscheinlich auch nicht weiter unnormal ist.

Hm, ich merke grade, wenn ich in dem Stil weiter erzähle, wird es trotzdem ziemlich lang, also hier mal nur die Fakten:

-Lisa wurde magersüchtig

-unser Kontakt brach zwischenzeitlich komplett ab (mir war nicht klar, wie tief sie schon in der Scheiße steckte, und ihr fehlte, so sagte sie mir später, einfach die Kraft, sich auf irgendwelche Auseinandersetzungen einzulassen)

-irgendwann schrieb sie mir, dass sie eine Therapie mache und wir näherten uns wieder vorsichtig einander an

-eine zeitlang blieben wir auf dem Level "gute Bekannte" (erzählten uns von unserem Alltag, alberten rum, erzählten uns aber noch nicht wieder von "größeren" Problemen, über die man halt nur mit richtig guten Freunden spricht)

-mir wurde das irgendwann zu doof, weil wir eben mal wirklich gute Freunde waren, und die Zeit wunderschön war, also schrieb ich ihr, dass ich die Zeit vermisse und ich sie gern als "echte" Freundin wiederhaben wolle

-sie war sehr gerüht und meinte, dass es ihr genauso gehe
und ohne, dass wir uns groß "ausgesprochen" hätten oder ähnliches, war plötzlich wieder alles wie früher, die Vertrautheit war wieder da

-ich erzählte ihr dann auch (als einziger), dass ich mir mittlerweile ein Kind wünschte, aber mein Freund noch nicht so begeistert davon war, worauf sie aber nicht großartig reagierte; will heißen, sie nahm es zur Kenntnis, sagte aber nichts weiter dazu, was ich schon etwas komisch fand

-ein paar Wochen später sagte sie mir dann, dass sie wieder eine Therapie mache, weil ihr Gewicht wieder runter gegangen sei, und auch noch SVV dazu gekommen sei; und als wäre das nicht genug, war sie auch wieder bei ihren Eltern eingezogen, weil die Beziehung mehr oder weniger beendet war

-ich war natürlich geschockt, hab auch gefragt, ob sie möchte, dass ich für ein paar Tage zu ihr komme, und ihr gesagt, dass sie mich selbstverständlich zu jeder Tages- und Nachtzeit anrufen kann, wenn sie mich braucht; sie meinte aber, sie wolle das erstmal alleine versuchen

-wieder ein paar Wochen später schrieb sie dann, dass es ihr jetzt wieder besser gehe, sie wieder mit ihrem Freund zusammen ist und - was mich sehr überrascht hat - dass sie jetzt auch die Verhütung ausgesetzt hätten!
Sie schrieb selbst, dass sie nicht sicher sei, ob das jetzt das Richtige wäre, zumal sie sich wohl immer noch viel stritten, und sie meinte sogar, dass sie wohl bald wieder verhüten würde.

-ich schrieb ihr daraufhin, dass sie ja alles, was ich ihr eigentlich in der Situation hätte sagen können oder wollen, ja im Grunde schon selbst gesagt habe, und dass ich mich daher lieber mit weiteren Äußerungen zurück halte, und ihr einfach wünsche, dass sie die richtige Entscheidung trifft.
Zumal sie ja von meinem Kinderwunsch wusste und ich nicht wollte, dass sie denkt, dass ich ihr nur davon abrate, weil ich selbst noch verhüte...

-kurz darauf starb mein Onkel, an dem ich schon als Kind sehr hing, völlig überraschend; ich erzählte ihr natürlich davon, war erstmal wochenlang fix und fertig. Von ihr kam - nichts!

-dann wieder einige Wochen später eine E-Mail von ihr: sie sprach mir, recht lapidar, wie ich fand, ihr Beileid aus, und entschuldigte sich, dass sie das nicht früher geschrieben hat. Mehr sagte sie zu der Sache nicht, fragte auch nicht, wie es mir inzwischen gehe oder sonstiges.
Dafür der Knaller: sie ist schwanger!

-Tja, ich muss zugeben, ich konnte mich nicht offen und ehrlich für sie freuen. Ich überlegte lange hin und her, wie ich mich nun ihr gegenüber verhalten sollte, weil ich einerseits enttäuscht war, wegen ihrer Reaktion auf den Tod meines Onkels, und ja, ich gebe es zu, auch eifersüchtig darauf, dass sie schwanger war, obwohl die Voraussetzungen ja nicht so super günstig waren; andererseits wollte ich sie nicht vor den Kopf stoßen, schließlich hatten wir unsere Freundschaft nach längerer Pause erst wieder aufgebaut.
Ich entschied mich letztlich für die "halbe" Wahrheit: ich gratulierte ihr zu der Schwangerschaft, schrieb ihr aber auch, dass ich hoffe, dass sie Verständnis dafür hat, dass ich mich in meiner momentanen Situation nicht so für sie freuen kann, wie ich es gern würde

-von ihr: keine Reaktion.

-vor gut 3 Wochen hatte sie Geburtstag; ich schrieb ihr eine Glückwunsch-SMS und schrieb, dass ich hoffe, dass es ihr und dem Kind gut geht.
Zunächst keine Reaktion.

-jetzt der Oberhammer: Heute schrieb sie mir eine E-Mail, sie hat das Kind abtreiben lassen, weil ihre FÄ meinte, aufgrund ihrer Gewichtsschwankungen und dem damit verbundenen Nährstoffmangel sei es sehr wahrscheinlich, dass das Kind mit irgendwelchen Behinderungen zur Welt kommen würde. Keine Ahnung, was da im Detail abgelaufen ist!!
Jedenfalls hat sie ihrem Freund wohl erzählt, dass sie einen Abgang hatte, er hat's aber rausgekriegt und sie daraufhin aus der Wohnung geschmissen.
Tja, und jetzt weiß sie nicht, wo sie hin soll, und will für ein paar Tage oder Wochen (!!) zu mir.

Was soll ich denn jetzt tun??

Einerseits will ich sie als Freundin - grade in der Situation! - nicht allein lassen.
Andererseits war sie bei meinen beiden letzten "großen Krisen" (Tod meines Onkels und Freund will momentan kein Kind) auch nicht als Freundin für mich da. Davon mal ganz abgesehen, weiß ich auch gar nicht, wo ich sie, möglicherweise gleich für mehrere Wochen, in unserer 40qm-Wohnung unterbringen sollte.
Also, irgendwie sträubt sich alles in mir dagegen, sie aufzunehmen, aber ich kann sie doch jetzt nicht einfach in ihrem Elend hocken lassen, oder?!

Puh, ich weiß, es ist jetzt doch ziemlich lang geworden, entschuldigt, aber ich hoffe trotzdem, dass ihr ein paar kluge Tipps für mich habt!

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12. Juni 2012 um 18:38

Ruhig ruhig
also - da deine Freundin anscheinend krank ist (psychisch sehr angeschlagen) kann man von ihr eine normale Reaktion auch nicht erwarten.

Jemand der mit einem solch schweren Problem lebt und dazu noch diese mannigfaltigen privaten Probleme hat (Freund, Gesundheit, Schwangerschaft, Abtreibung ... wer weiss awas noch alles)... nunja, es ist schwierig, mit sojemandem auf gleicher Ebene und voller Augenhoehe und mit gleichem Einsatz befreundet zu sein.

Du hast es selber gemerkt. Ihr Verhalten war mal so und mal so.

Was Du jetzt machen kannst, ist ihr klare Ansagen machen. Ich denke, das versteht sie. Als beste (?) Freundin solltest Du fuer sie da sein und NICHTS von ihr erwarten. Du darfst Dich aber nicht uebernehmen. Du merkst ja jetzt schon, dass es zuviel fuer Dich ist.

Und bitte ueberfordere sie auch nicht, wenn Du ihr jetzt haarklein erzaehlst, wie verletzt Du Dich fuehlst. Das kannst Du spaeter mal machen - momentan ist ihre Situation einfach zu schlecht ....

Also hier zwei Vorschlaege von mir

- nimm sie auf und helfe ihr bei der Wohnungssuche, dass sie schnell auf eigenen Beinen steht.
- nimm sie nicht auf und helfe ihr bei der Wohnungssuche.

Denk daran - sie hat ein schwerwiegendes psychisches Problem. Sie ist krank. Sei eine gute Freundin aber pass auf Dcih auf, dass sie Dich nicht zu sehr vereinnahmt.

Viel Glueck.

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12. Juni 2012 um 18:52
In Antwort auf lunasol2011

Ruhig ruhig
also - da deine Freundin anscheinend krank ist (psychisch sehr angeschlagen) kann man von ihr eine normale Reaktion auch nicht erwarten.

Jemand der mit einem solch schweren Problem lebt und dazu noch diese mannigfaltigen privaten Probleme hat (Freund, Gesundheit, Schwangerschaft, Abtreibung ... wer weiss awas noch alles)... nunja, es ist schwierig, mit sojemandem auf gleicher Ebene und voller Augenhoehe und mit gleichem Einsatz befreundet zu sein.

Du hast es selber gemerkt. Ihr Verhalten war mal so und mal so.

Was Du jetzt machen kannst, ist ihr klare Ansagen machen. Ich denke, das versteht sie. Als beste (?) Freundin solltest Du fuer sie da sein und NICHTS von ihr erwarten. Du darfst Dich aber nicht uebernehmen. Du merkst ja jetzt schon, dass es zuviel fuer Dich ist.

Und bitte ueberfordere sie auch nicht, wenn Du ihr jetzt haarklein erzaehlst, wie verletzt Du Dich fuehlst. Das kannst Du spaeter mal machen - momentan ist ihre Situation einfach zu schlecht ....

Also hier zwei Vorschlaege von mir

- nimm sie auf und helfe ihr bei der Wohnungssuche, dass sie schnell auf eigenen Beinen steht.
- nimm sie nicht auf und helfe ihr bei der Wohnungssuche.

Denk daran - sie hat ein schwerwiegendes psychisches Problem. Sie ist krank. Sei eine gute Freundin aber pass auf Dcih auf, dass sie Dich nicht zu sehr vereinnahmt.

Viel Glueck.


Danke erstmal!

Ich glaube, dass sie psychisch krank ist, hat sich bei mir immer noch nicht so richtig festgesetzt.
Hängt möglicherweise damit zusammen, dass sie sich immer zurückgezogen hat, wenn sie in Therapie war (also, die zweimal...), und sich erst danach wieder gemeldet hat.

Ich hätte vielleicht auch dazu sagen sollen, dass wir seit dem Abi weit voneinander entfernt wohnen (aktuell gut 500km); deswegen hatten wir meistens nur über E-Mail und Telefon Kontakt, da ist es ja auch schwieriger, mitzukriegen, wie es ihr wirklich geht, und wo sie irgendwas schön redet.

Aber die Entfernung macht es auch schwierig, ihr bei der Wohnungssuche zu helfen, fürchte ich.
Ich hatte sie auch nicht so verstanden, dass sie das von mir wollte, sondern dass sie einfach einen Platz braucht, wo sie erstmal hin kann.
Sie ist jetzt wohl grade in nem Hostel, aber da kann sie natürlich nicht ewig bleiben.

Jedenfalls danke ich dir, dass du mir den Rat gegeben hast, ihr jetzt nicht alles aufzutischen, was das grade mit mir macht! Hatte nämlich schon darüber nachgedacht...
Aber ich denke, dass du absolut Recht hast damit, dass DAS Zeit hat!

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12. Juni 2012 um 19:05
In Antwort auf tamia_12871044


Danke erstmal!

Ich glaube, dass sie psychisch krank ist, hat sich bei mir immer noch nicht so richtig festgesetzt.
Hängt möglicherweise damit zusammen, dass sie sich immer zurückgezogen hat, wenn sie in Therapie war (also, die zweimal...), und sich erst danach wieder gemeldet hat.

Ich hätte vielleicht auch dazu sagen sollen, dass wir seit dem Abi weit voneinander entfernt wohnen (aktuell gut 500km); deswegen hatten wir meistens nur über E-Mail und Telefon Kontakt, da ist es ja auch schwieriger, mitzukriegen, wie es ihr wirklich geht, und wo sie irgendwas schön redet.

Aber die Entfernung macht es auch schwierig, ihr bei der Wohnungssuche zu helfen, fürchte ich.
Ich hatte sie auch nicht so verstanden, dass sie das von mir wollte, sondern dass sie einfach einen Platz braucht, wo sie erstmal hin kann.
Sie ist jetzt wohl grade in nem Hostel, aber da kann sie natürlich nicht ewig bleiben.

Jedenfalls danke ich dir, dass du mir den Rat gegeben hast, ihr jetzt nicht alles aufzutischen, was das grade mit mir macht! Hatte nämlich schon darüber nachgedacht...
Aber ich denke, dass du absolut Recht hast damit, dass DAS Zeit hat!

500km
sie will diese entfernung zuruecklegen ? wow

also - schick ihr links zu WGs oder Zeitwohnen. kann man alles im internet finden und so kann sie bei sich was finden.

oder biete ihr an, auf ein langes wochenende zu dir zu kommen, um den kopf freizu bekommen. halte ihr haendchen und mach ihr nen salat (weiss nicht wie magersuechtige so essen, aber nudeln und schoki werden es wohl nicht sein?)

wenn ich in solch einer krise auch ohne magersucht stecken wuerde, wuerde ich jemanden brauchen, der mich umarmt.

aber man sieht schon an deinen posts hier, dass du eine sehr liebe freundin bist! sie kann froh sein, dass du so denkst.

und ja, alles andere hat zeit, bis alles aeussere etwas zurrecht gerueckt ist. aber wie gesagt, pass auf, dass dich das alles nicht zu sehr vereinnahmt. nicht dass du ein helfersyndrom entwickelst und dich dann irgendwann selber daran kaputt machst........... hoer auf deine innere stimme, nachdem du tief durchgeatmet hast.

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13. Juni 2012 um 12:12

Erstmal
euch allen nochmal ein riesen Dankeschön für euren Zuspruch!

Das gibt mir doch ein wenig mehr Sicherheit, dass ich mich NICHT als die schlechte Freundin sehen muss, wenn ich ihr sage, dass sie nicht bzw nur bedingt zu mir kommen kann.

Wie ich ja gestern schon sagte, war für mich der Gedanke, dass sie wirklich krank ist, irgendwie nicht da, zumal sie ja nach dem Ende ihrer ambulanten Therapie wegen der Magersucht auch schrieb, dass sie jetzt wieder gesund sei und es ihr richtig gut gehe etc.
War vielleicht ein bisschen naiv von mir, das einfach so hinzunehmen.
Andererseits ist sie ja auch schwanger geworden, also zumindest die körperlichen Auswirkungen der Magersucht müssen ja überwunden gewesen sein.
Ach, keine Ahnung.

Ich hab ihr jetzt jedenfalls geschrieben, dass sie gerne für ein paar Tage herkommen kann, um den Kopf frei zu kriegen, und sich einen Plan zu machen, wie es weitergehen soll;
ich denke, ich werd dann auch noch versuchen, ihren Freund, bzw Ex zu erreichen und mal fragen, ob er zumindest bereit wäre, sie dann vor Ort auch nochmal ein bisschen zu unterstützen, dass sie nicht ganz allein da steht, oder ob er einen Kollegen damit beauftragen kann (er ist Sozialarbeiter).
Dann wäre mir auf jedenfall wohler, wenn ich sie dann hier wieder ziehen lasse.

Oh Mann, mein Freund wird begeistert sein...

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