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Freund will mich nicht seinem Cousin vorstellen

16. April 2016 um 5:58

Hallo ihr Lieben,
ich würde gerne eure Meinungen und Erfahrungen zu folgender Situation hören:
Ich bin mit meinem Freund seit 1.5 Jahren in einer festen Beziehung.
Umso merkwürdiger finde ich sein gegenwärtiges Verhalten. Sein Cousin, der in einem anderen Land lebt und zu dem er ein gutes Verhältnis pflegt, ist seit über zwei Wochen in unserer Stadt und wird noch einige Wochen bleiben. Er wohnt für die Zeit bei der Schwester meines Freundes.
Aus irgendeinem Grund weigert er sich, mich seinem Cousin vorstellen oder mich mitzunehmen, wenn er etwas mit ihm (und seiner Schwester und deren Mann) unternimmt.
Die ersten Tage habe ich mich bewusst zurückgezogen, damit die Familie (inkl. seiner Eltern) unter sich und in Ruhe Zeit miteinander verbringen kann. Als ich dann vorgeschlagen habe, dass wir am Wochenende alle etwas zusammen unternehmen könnten, wich mir mein Freund aus. Auf konkrete Nachfragen bekomme ich keine Antwort, sondern nur ein "Ich liebe dich so sehr".
Ich habe vor einigen Tagen versucht, ein offenes Gespräch mit ihm darüber zu führen und ihm gesagt, dass ich mir zumindest eine ehrliche Erklärung wünsche, warum er diese zwei Welten (ich auf der einen Seite, seine Familie auf der anderen) voneinander getrennt hält. Dieses Gespräch hat fast zum Ende der Beziehung geführt.

Wir haben uns am Endes des Streites vertragen, mein Freund hat mich mit Komplimenten überhäuft, aber einen richtigen Grund hat er mir dennoch nicht genannt. Seine Komplimente erscheinen mir momentan auch fast schon wie eine Art Ablenkungsmanöver nach dem Motto: "Wenn ich mir viel Zeit für sie nehme und aufmerksam bin, wird ihr nicht auffallen, dass ich sie nicht einlade mitzukommen". Ich bekomme also auch weiterhin Sätze zu hören wie "ich fahre jetzt zu meinem Cousin, ach ja, ich liebe und vermisse dich so sehr, mein Schatz". Da ich ihn weder zwingen kann noch möchte, dass wir etwas zusammen unternehmen und ich auch nicht weiß, wie ich ihn zu einer Erklärung bewegen könnte, sage ich momentan nichts.
Aber ich weiß nicht mehr, wie ich darauf reagieren soll, dass eine "Liebeserklärung" nach der anderen von ihm kommt und er von einer gemeinsamen Zukunft spricht, auf seine Worte gleichzeitig aber keine Tagen folgen. Dass er mich nie zu seinen Eltern mitnimmt, habe ich noch verstanden. Aber ein Cousin in seinem Alter?

Meine einzige Erklärung wäre, dass ich ursprünglich aus Serbien komme und er aus Bosnien. Ich weiß, dass seine gesamte Familie sehr muslimisch und patriotisch ist. Mein Freund diktiert auch gerne die Richtlinien unserer Beziehung.

Was interpretiert ihr diese Situation? Und was würdet ihr an meiner Stelle machen?

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16. April 2016 um 13:19

Seine Schwester...
habe ich kennengelernt. Allerdings nur zwischen Tür und Angel, als ich mal bei ihm war und sie was abgeholt hatte.

Ja, mir erscheint es momentan auch, als würde er mich verheimlichen oder die Beziehung zumindest trivialisieren. Ich denke halt, dass sein Verhalten in der Vergangenheit und seine Aussagen -wie z.B. über eine gemeinsame Zukunft- im direkten Widerspruch zur aktuellen Situation stehen. Für mich war es eine derartige Selbstverständlichkeit, meinen Freund den Eltern und Geschwistern vorzustellen oder ihn bei Freizeitaktivitäten mit besuchenden Cousins und Cousinen mit einzubinden, dass mir nicht einmal in den Sinn gekommen ist, er würde mir ausweichen, wenn ich sage "Hey, lass am Samstag mit deinem Cousin in die neue Cocktailbar gehen". Ich war so verdutzt über sein Rumgeeiere, als wäre ein Schwein an meinem Fenster vorbeigeflogen.

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16. April 2016 um 13:49

Die Sache ist,
dass ich das Thema bereits vor über einem Jahr angesprochen habe. Er ist in meiner Familie jederzeit willkommen und irgendwann fragte ich ihn -zwar beiläufig, aber direkt-, ob das ein Problem sei, dass wir aus (ehemals) verfeindeten Lagern stammen. Er versicherte mir sofort -fast ebenso beiläufig-, dass das alles eben kein Problem sei und wir ja eigentlich ursprünglich aus demselben "Land" kommen. Ich weiß, dass es auf allen drei Seiten immer noch genügend Menschen gibt, deren Hass so tief sitzt, dass sie mit "den anderen" absolut nichts zu tun haben wollen.

Bei ihm hatte ich keinen Grund daran zu zweifeln, dass er ehrlich mit mir war (zumindest war das damals mein Glaube), da er 1. ja mit mir zusammen ist und 2. serbische Freunde hat, die ihn auch, als er noch bei den Eltern wohnte, besuchen konnten ohne dass diese auf die Barrikaden gegangen sind. Aber vielleicht unterscheidet seine Familie und entfernte Verwandtschaft zwischen "er bringt einen serbischen Kumpel nach Hause" und "er bringt eine serbische PARTNERIN nach Hause". Aber warum dann eine Beziehung mit mir eingehen und eine gemeinsame Zukunft vorgaukeln?

Wie gesagt, diese Gedanken sind mir wirklich erst in den letzten Tagen gekommen, weil ich keine andere auch nur halbwegs plausible Erklärung für sein Verhalten finden kann. Es kann auch sein, dass ich wirklich falsch liege. Aber selbst wenn....es bleibt die Frage, warum ein nettes Zusammensein mit dem Cousin nicht stattfindet. Das macht man ja eigentlich nur, wenn man sich 1. für die Familie schämt (in seinem Fall ausgeschlossen) oder 2. die Beziehung nicht ernst nimmt. Oder?
Übertreibe vielleicht ICH? Projiziere ich meine eigenen Vorstellungen darüber, was ich in einer festen Beziehung für selbstverständlich halte, auf ihn?

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16. April 2016 um 22:18

Ach
ist weil du serbin bist. würde ich mit einem serben ankommen... oh mann.. was bosnier wegen serben erlebt haben das vergisst man nicht. auch wenn du nichts gegens bosnier hast, vlt ist dein vater oder dein opa einer der serbischen krieger gewesen oder haben dies unterstützt und ja.. ist kompliziert. der krieg ist eigentlich nicht lange her. die spuren sind noch da ...

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17. April 2016 um 5:30

Liebe bissfest,
doch, ich ziehe den Krieg in Betracht. Ich kann mir nur eben, solange er behauptet, es sei ja alles kein Problem, nicht sicher sein. Aber ich habe nach weiteren Überlegungen mittlerweile den Eindruck, dass seine Eltern vielleicht "differenzierten Hass" betreiben. Das sieht man ja z.B. manchmal in deutschen Familien: Da ist es kein Problem, wenn die Tochter türkische Freundinnen hat, aber wenn sie mit Ahmet nach Hause käme, wäre die Kacke am dampfen, um es salopp auszudrücken. So ähnlich stelle ich mir das auch bei ihm vor.

Sein Vater scheint mir -zumindest laut Erzählungen- relativ gelassen zu sein. Seine Mutter ist allerdings -zumindest laut ihres FB Profils- eine muslimische Bosnierin vor dem Herrn. 99% ihrer "Gefällt mir" Angaben setzen sich aus "I love Islam", Koran, Ramadan, Moscheen, Bosnien und ähnlichen Gemeinschaften zusammen. Das lässt zwar nicht automatisch darauf schließen, dass sie Hass oder Vorurteile gegen andere hegt, aber es bestätigt zumindest das, was ich bereits über den Rest seiner Familie wusste: Alle sind übertrieben patriotisch und ihrem Glauben tief verbunden. Seine Schwester hat zwar einen Deutschen geheiratet, der jedoch zum Islam übergetreten ist (inkl. Beschneidung) und sowohl ihren Nachnamen als auch einen muslimischen Vornamen angenommen hat. Die Schwester ist angeblich nicht gläubig, aber mir kann niemand erzählen, dass ihr Mann solche Hürden auf sich nehmen würde, wenn Religion in der Familie unwichtig wäre.

Es enttäuscht mich, dass er bei meiner Familie, wie auf einem Jahrmarkt, ein und ausgegangen ist, auf unzähligen Geburtstagen getrunken und gegessen hat und von allen mit Herzlichkeit und Wärme empfangen wurde. Ich bin nicht mal von ihm enttäuscht, sondern von mir selber. Vielleicht war ich zu gutgläubig davon auszugehen, seine Familie sei genauso frei von nationalistischen Ressentiments wie meine, ohne Beweise einzufordern. Wenn ich die Diskussionen in unserer Beziehung Revue passieren lasse, fallen mir plötzlich unzählige Warnsignale auf. Er hat mir z.B. -vermeintlich scherzhaft- vorgeworfen, meine Familie sei zu "deutsch" und nicht ausreichend den eigenen Wurzeln verbunden. Das war ein wichtiger Unterschied zwischen uns: er bezeichnet sich als Bosnier, ich bezeichne mich als Deutsche mit serbischen Wurzeln. Er ist also definitiv in einem komplett anderen Umfeld aufgewachsen und entsprechend geprägt worden. Als Balkaner muss man leider manchmal erfahren, dass es auf allen drei Seiten solche und solche gibt: Menschen, die ihren Verstand nutzen und Liebe und Toleranz predigen und Menschen, deren Vorurteile von Generation zu Generation weitergereicht werden.

Das ist letztendlich auch der Knackpunkt für mich: Ich bin nicht mit seiner Mutter oder seinem Cousin oder seinem Schwippschwager 5. Grades zusammen, sondern mit IHM. Und wenn ER nicht in der Lage ist, vor seiner Familie zu mir zu stehen, spielt es keine Rolle, ob ER persönlich kein Problem mit Serben oder Kroaten hat.
Nochmals lieben Dank für deine guten Ratschläge, bissfest! Wir sind heute verabredet und ich werde den Rat aus deiner ersten Antwort an mich befolgen: Ich werde mit ihm offen reden und die Diskussion knallhart zu Ende führen. Es bringt nichts mehr, die Augen zu verschließen und meine Zeit in einer Beziehung zu vergeuden, wenn diese vielleicht eh zum Scheitern verurteilt ist.

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