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Freund übernimmt keine Aufgaben

2. August 2015 um 19:58

Hallo ihr Lieben,

ich würde mich freuen, wenn jemand hierzu vllt etwas beitragen kann, der gleiches erlebt und erfolgreich bewältigt hat.

Mein Freund (32) und ich (27) sind nun seit drei Jahren zusammen. Wir sind ziemlich schnell zusammengezogen, vor einem Jahr haben wir ein Haus gekauft.

Wir beide sind sehr verschieden.
Mein Freund ist sehr entspannt, ruhig und hat wenig Ziele im Leben, wenn man es so negativ darstellen möchte. Er selbst sagt, er ist halt genügsam. Er möchte irgendwann mal heiraten, Kinder und einen Hund haben, das wars. Er hat eine große Clique, die sich in unregelmäßigen Abständen (ich würde sagen alle drei Monate einmal) zum Feiern trifft. Ansonsten gibt es da nicht viel, was ihn interessiert. Er hasst es Entscheidungen zu treffen und schiebt dies immer wieder auf.

Ich selbst bin eigentlich das genaue Gegenteil dazu. Ich habe oft das Gefühl mein Leben ist zu kurz für all die Sachen, die man unternehmen kann. Ich bin tendenziell unentspannt, stehe immer unter Strom und bin gerne aktiv. Ich habe zuhause immer mehrere größere Projekte gleichzeitig am Laufen, was mir Freude bereitet, bin gerne unterwegs und probiere neue Sachen aus. Entscheidungen, auch sehr wichtige, treffe ich sehr schnell und oft impulsiv. Manchmal ärgere ich mich im Nachhinein ein wenig über mich, richtig bereut habe ich aber noch nichts.


Nun war dies bis zum Hauskauf eigentlich eine Kombi, die sich recht gut ausgleicht. Ich hab ihn angetrieben, er hat mich runtergeholt.
Der Hauskauf hat jedoch eine Vielzahl an Entscheidungen von uns verlangt. Die Verantwortung war riesengroß. Die Handwerker haben sehr viel Mist gebaut, viel lief falsch.
Meinem Freund fiel es schwer, Entscheidungen zu treffen, vor allem unter Zeitdruck. Und so habe ich alle Entscheidungen getroffen, denn Schockstarre hilft ja nicht.

In dem letzten Jahr stand unsere Beziehung regelmäßig kurz vorm Absturz, denn auch wenn es sich herrlich liest, wenn der Partner zu allem Ja und Amen sagt: Wer will das schon? Außerdem war die Belastung mit den tausenden zu bewältigenden Aufgaben auch für mich zu groß. Bat ich ihm, mir zu helfen, etwas abzunehmen sagte er stets: Ich versuchs ja. Aber gab ich ihm dann konkrete Aufgaben wie "Ruf einen Tischler an und gib ein Regal in Auftrag" musste ich wochenlang hinterher und hab es im Endeffekt selbst erledigt. Und das obschon sowohl hier beispielsweise die Maße als auch das Material des Regals bereits fest stand.
Erschwerend kam hinzu, dass ich seinerseits überhaupt keine Wertschätzung bekam für all die Aufgaben, die ich bewältigte.


Ich weiß nicht wie, wir haben viel geschrien, geweint und immer wieder hat jemand die Koffer gepackt. Aber wir haben es irgendwie gepackt. Wir sind nun enger zusammen, als vorher und mein Herz sagt mir jeden Tag, dass ich mit diesem Mann alt werden möchte. Dennoch habe ich Angst vor der Zukunft.


Ich habe mich damit abgefunden, dass ich diejenige bin, die organsiert. Er sagt selbst auch immer, dass ich einfach schneller bin in vielen Dingen.
Es gibt mittlerweile Aufgaben, die wir uns teilen. Wie Katzen füttern, Spülmaschine ein- und ausräumen, Wäsche aus dem Trockner holen und weghängen. Und es gibt Aufgaben, die nur er übernimmt, ohne dass ich jemals etwas dazu sagen muss. So achtet er immer darauf, dass die Mülltonnen an die Straße kommen. Er mäht den Rasen, wenn er gemäht werden muss. Er holt die Post aus dem Briefkasten. Und er bewässert jeden Abend die Pflanzen.

Vor einigen Wochen haben wir eine Radtour zu seinen Eltern unternommen und ich war das Wochenende davor nicht da. Da hat er einfach, ohne dass ich etwas sagen musste, eine Route zusammengestellt, wo wir langfahren können. Ich musste mich um gar nichts kümmern, nur ihm hinterherfahren. Ich war so platt und froh, dass ist seit Ewigkeiten nicht mehr passiert.

Dies liest sich vielleicht lächerlich, für mich ist das ein riiiiiiesen Fortschritt.


Nichtsdestotrotz bin ich mit dem Ist-Zustand nicht glücklich. Beispiel: Er möchte sich ein neues Auto kaufen, einen Kombi. Den können wir auch gut gebrauchen. Ich erinnere ihn mehrmals wöchentlich daran. Wir haben uns bereits auf ein ganz bestimmtes Modell einer ganz bestimmten Marke eingeschossen. Er weiß wie viel km das Auto haben sollte, wie viel es maximal kosten soll, in welchem Umkreis es stehen sollte und so weiter. Alle Randdaten sind fix. Dennoch sucht er nun seit etwa drei Monaten. Und sein altes Fahrzeug muss dringend verkauft werden. Wenn ich ihn frage, warum er nicht richtig schaut, sagt er: "Das richtige war bisher nicht dabei." Wenn ich dann schaue und ihm eins zeige, sagt er: "Ja, das hab ich auch schon längst gesehen. Aber ich hab den Verkäufer noch nicht angeschrieben." Wenn ich dann frage, warum nicht (im Nachtdienst hat er zB mehrere Stunden freie Zeit, daran scheitert es also nicht), dann sagt er, weiß ich nicht.
Ich werde schier wahnsinnig.

Anderes Beispiel. Unser Garten muss bepflanzt werden. Anmerken muss man hier, dass ich sehr gerne im Garten bin und mir die Gestaltung Spaß macht, ihm nicht.
Vor etwa zwei Monaten haben wir ein riesiges Beet ausgehoben. Obschon er eine Abneigung gegen Gartenarbeit hat, sagt er, dass er gerne ein pflegeleichtes großes Beet, das Sichtschutz bietet, haben möchte. Er ist mit mehr oder weniger bereitwillig zu einer Gartenschau gefolgt. Ich habe ihm gesagt: Schau diese und diese Pflanze finde ich gut. Er sah dies ebenfalls so.
Die Pflanzen, die wir uns aussuchten, hätten eigentlich im Juli gepflanzt werden müssen. Ich spreche regelmäßig an, dass wir zum Gärtner müssen, um die Pflanzen zu besprechen und zu bestellen. Er spricht dies und ähnliche Dinge NIEMALS von selbst an.
Wir entscheiden gemeinsam - dieses und jenes möchten wir kaufen / möchten wir unternehmen. Für die Umsetzung der Pläne bin dann ich verantwortlich.

Dies betrifft Dinge wie den Garten, ein Auto, Freizeitgestaltung. Insgesamt ist es mir einfach zu wenig. Wenn ich mit ihm darüber spreche, sagt er, dass er es weiß, dass solche Dinge nicht so gut laufen und dass er sich Mühe geben wird. Aber es ändert sich nichts!!!!!

Wenn ich ihn frage, ob es was mit seinem Problem Entscheidungen zu treffen zu tun hat, dann sagt er: "Wenn mir etwas wirklich wichtig ist, dann kann ich mich auch entscheiden." Ich weiß jedoch genau, dass dies nicht so ist. Er würde das nur nie zugeben. Es gab bereits ein zwei wichtige Situationen, wo eine Entscheidung dringend notwendig war. In der einen Situation habe ich ihm täglich "in den Arsch getreten" bis er aktiv wurde. In der anderen Situation hat er sich einfach nicht entschieden, und dass hatte verheerende Auswirkungen.

Was mache ich nun, wenn ich einmal heiraten möchte? Seine Problematik Entscheidungen zu treffen betrifft nämlich auch uns. Er sagt er möchte unbedingt heiraten und das glaube ich ihm auch. Wenn ich ihn frage wann, sagt er, keine Ahnung, in ein paar Jahren. Gleichzeitig sagt er, dass er NACH der Hochzeit Kinder haben möchte und ein junger Vater sein möchte. Halte ich ihm den Widerspruch vor, sagt er Dinge wie: "Ja ist dann so."


Ich weiß einfach nicht mehr, was ich tun soll.
Um den Konflikt beizulegen, gibt es entweder die Möglichkeit, dass ich meine Erwartungshaltung anpasse. Das habe ich bereits getan, weiter runterschrauben kann ich es nicht mehr. Bleibt also nur die andere Möglichkeit: Er muss sein Verhalten ändern. Mehr Eigeninitiiative ergreifen. Dinge, auf die er eigentlich keine Lust hat, an denen er jedoch nicht vorbeikommt (wie zb zum Gärtner gehen), erledigen. Wie schaffe ich das?

HILFE!

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3. August 2015 um 0:39

Schreib du doch
am besten gar nichts mehr in dieses Forum...
Das was du von dir gibst, ist echt zum lachen.

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4. August 2015 um 2:51

Hm....
Vielen Dank für all die Antworten!

Was ich direkt mal los werden muss: Aktiv zu sein ist ein typisch männlicher Charakterzug? Machismus, ick hör dir trapsen. Mehr braucht man dazu glaube ich nicht sagen.

Jetzt zu den restlichen Hilfestellungen:
Ich bin mir bewusst, dass ich mich einfach mal entspannen könnte und meinen Freund so nehmen sollte, wie er ist. Ich bin aber bereits ordentlich vom Gas gegangen. Ich erwarte lange lange nicht mehr so viel wie damals und freue mich über Kleinigkeiten. Aber weiter runterschrauben kann ich meinen Erwartungshaltung einfach nicht, denn ich bin eben auch so wie ich bin.

Ich habe teilweise das Gefühl habe eine Mutterrolle einzunehmen. Dies stellt doch so keine gesunde, gleichwertige Beziehung dar. Wenn ich eine schnelle Problemlösungshilfe brauche, rufe ich meinen Vater an, nicht meinen Freund. In Maßen ist es ok und harmonisiert dann ja auch gut. Aber nicht so.

Ich bin unzufrieden mit der Situation, ja. So kann man doch keine gemeinsame Zukunft planen. Wie soll ich mit jemandem Kinder in die Welt setzen, dem ich nicht mal die Verantwortung für einen Autokauf übertragen kann. Wenn mir was zustößt, ist mein Kind aufgeschmissen.
Und den Termin für eine Hochzeit soll ich selbst festlegen? Ich möchte schon einen Antrag bekommen. Die Sicherheit, dass mein Partner sich bewusst und mit ganzem Herzen für mich entschieden und an entscheidender Stelle nicht nur "Ja ok" gesagt hat.

Ich liebe meinen Freund. Er hat andere wundervolle Charakterzüge, die ich schätze. Und jeder hat seine Macken. Aber es gibt eben auch Macken, die dich begrenzen.
So wollte er zB seit er 16 Jahre alt ist einmal nach Irland reisen. Er ist mittlerweile 32 und hat in den letzten 10 Jahren Zeit und Geld satt gehabt. Ebenso hat er reisefreudige Freunde. Aber hat er jemals für sich die "Anstrengung" unternommen dies konkret anzugehen? Nein. Er war dort nach wie vor noch nie.

Dann gibt es ein bestimmtes Oldtimermodell, das er anbetet. Sein großer Traum ist es, dieses einmal zu besitzen. Das hat er mir damals schon bei unserem ersten Treffen erzählt. (Dies wäre dann im Übrigen doch ein Ziel, das er hat.)
Dies Auto kostet unfassbar viel Geld, das er sich jahrelang zusammengespart hat. Der Betrag würde seit etwa 5 Jahren für solch ein Auto reichen. Es gibt bei uns in der Gegend immer mal wieder Inserate mit diesen Fahrzeugen. Seit ich mit ihm zusammen bin, gab es zwei bombastische Schnäppchen in exakt der Lackierung UND Sitzfarbe, die er wollte.
Hat er sich eines der Fahrzeuge nur einmal angeguckt? Nein. Er war immer wieder auf der Internetseite, hat den Verkäufer jedoch weder angerufen noch angeschrieben. Und dennoch fällt immer wieder mal - so auch heute - die Aussage: Wie gern hätte ich doch so ein Auto.

Der Mann hat ein Entscheidungsproblem. Und das hat nichts mit mir zu tun. Ich bin mir bewusst, dass ich durch meinen Charakter vllt nicht unbedingt dazu beitrage, dass er sich dort "schneller" ändert. Aber die Hände in den Schoß legen und auf die Sintflut warten kann ich auch nicht. Denn die kommt.

Mittlerweile sind wir ja an einem Punkt angekommen, an dem wir sehr gut, ehrlich und reflektiert über dieses Problem reden können. Wenn ich ihn darauf anspreche, sagt er, dass er mich in meiner Unzufriedenheit versteht und dass es ihm leid tut. Dass er weiß, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Und dass er es sich selbst nicht erklären kann, wieso es so ist. Und dann verspricht er, dass er sich Mühe geben wird. Was er vielleicht auch tut, aber es ändert sich ja nun mal zu wenig.

Ich glaube auch, dass das, was ein anderes Mitglied hier geschrieben hat, stimmt. Ich beraube ihn schon ein Stück weit seiner Männlichkeit. Denn er führt nur aus und alles läuft nach meiner Pfeife. Und das ist sicher nicht gut für das Selbstwertgefühl. Und wenn man in einer Beziehung kein gutes Selbstwertgefühl entwickeln kann, na dann kann man sich ja ausmalen, wohin der Weg führt.

Und er ist schon jemand, der sehr auf seine Männlichkeit bedacht ist. Er wirkt nach außen hin auch wie ein Macher. Weil seine Optik ihm da zugute kommt und weil er sich vor anderen Leuten so gibt. Würde seine Familie und seine Freunde wissen wie bei uns die tatsächliche Rollenverteilung ist - die würden vom Glauben abfallen.

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4. August 2015 um 3:01
In Antwort auf hero_12117507

Hm....
Vielen Dank für all die Antworten!

Was ich direkt mal los werden muss: Aktiv zu sein ist ein typisch männlicher Charakterzug? Machismus, ick hör dir trapsen. Mehr braucht man dazu glaube ich nicht sagen.

Jetzt zu den restlichen Hilfestellungen:
Ich bin mir bewusst, dass ich mich einfach mal entspannen könnte und meinen Freund so nehmen sollte, wie er ist. Ich bin aber bereits ordentlich vom Gas gegangen. Ich erwarte lange lange nicht mehr so viel wie damals und freue mich über Kleinigkeiten. Aber weiter runterschrauben kann ich meinen Erwartungshaltung einfach nicht, denn ich bin eben auch so wie ich bin.

Ich habe teilweise das Gefühl habe eine Mutterrolle einzunehmen. Dies stellt doch so keine gesunde, gleichwertige Beziehung dar. Wenn ich eine schnelle Problemlösungshilfe brauche, rufe ich meinen Vater an, nicht meinen Freund. In Maßen ist es ok und harmonisiert dann ja auch gut. Aber nicht so.

Ich bin unzufrieden mit der Situation, ja. So kann man doch keine gemeinsame Zukunft planen. Wie soll ich mit jemandem Kinder in die Welt setzen, dem ich nicht mal die Verantwortung für einen Autokauf übertragen kann. Wenn mir was zustößt, ist mein Kind aufgeschmissen.
Und den Termin für eine Hochzeit soll ich selbst festlegen? Ich möchte schon einen Antrag bekommen. Die Sicherheit, dass mein Partner sich bewusst und mit ganzem Herzen für mich entschieden und an entscheidender Stelle nicht nur "Ja ok" gesagt hat.

Ich liebe meinen Freund. Er hat andere wundervolle Charakterzüge, die ich schätze. Und jeder hat seine Macken. Aber es gibt eben auch Macken, die dich begrenzen.
So wollte er zB seit er 16 Jahre alt ist einmal nach Irland reisen. Er ist mittlerweile 32 und hat in den letzten 10 Jahren Zeit und Geld satt gehabt. Ebenso hat er reisefreudige Freunde. Aber hat er jemals für sich die "Anstrengung" unternommen dies konkret anzugehen? Nein. Er war dort nach wie vor noch nie.

Dann gibt es ein bestimmtes Oldtimermodell, das er anbetet. Sein großer Traum ist es, dieses einmal zu besitzen. Das hat er mir damals schon bei unserem ersten Treffen erzählt. (Dies wäre dann im Übrigen doch ein Ziel, das er hat.)
Dies Auto kostet unfassbar viel Geld, das er sich jahrelang zusammengespart hat. Der Betrag würde seit etwa 5 Jahren für solch ein Auto reichen. Es gibt bei uns in der Gegend immer mal wieder Inserate mit diesen Fahrzeugen. Seit ich mit ihm zusammen bin, gab es zwei bombastische Schnäppchen in exakt der Lackierung UND Sitzfarbe, die er wollte.
Hat er sich eines der Fahrzeuge nur einmal angeguckt? Nein. Er war immer wieder auf der Internetseite, hat den Verkäufer jedoch weder angerufen noch angeschrieben. Und dennoch fällt immer wieder mal - so auch heute - die Aussage: Wie gern hätte ich doch so ein Auto.

Der Mann hat ein Entscheidungsproblem. Und das hat nichts mit mir zu tun. Ich bin mir bewusst, dass ich durch meinen Charakter vllt nicht unbedingt dazu beitrage, dass er sich dort "schneller" ändert. Aber die Hände in den Schoß legen und auf die Sintflut warten kann ich auch nicht. Denn die kommt.

Mittlerweile sind wir ja an einem Punkt angekommen, an dem wir sehr gut, ehrlich und reflektiert über dieses Problem reden können. Wenn ich ihn darauf anspreche, sagt er, dass er mich in meiner Unzufriedenheit versteht und dass es ihm leid tut. Dass er weiß, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist. Und dass er es sich selbst nicht erklären kann, wieso es so ist. Und dann verspricht er, dass er sich Mühe geben wird. Was er vielleicht auch tut, aber es ändert sich ja nun mal zu wenig.

Ich glaube auch, dass das, was ein anderes Mitglied hier geschrieben hat, stimmt. Ich beraube ihn schon ein Stück weit seiner Männlichkeit. Denn er führt nur aus und alles läuft nach meiner Pfeife. Und das ist sicher nicht gut für das Selbstwertgefühl. Und wenn man in einer Beziehung kein gutes Selbstwertgefühl entwickeln kann, na dann kann man sich ja ausmalen, wohin der Weg führt.

Und er ist schon jemand, der sehr auf seine Männlichkeit bedacht ist. Er wirkt nach außen hin auch wie ein Macher. Weil seine Optik ihm da zugute kommt und weil er sich vor anderen Leuten so gibt. Würde seine Familie und seine Freunde wissen wie bei uns die tatsächliche Rollenverteilung ist - die würden vom Glauben abfallen.

...und was ich noch vergessen hab
Ich lobe ihn! Ich lobe ihn den delben Tag. Wenn ich sehe, dass er die Spülmaschine ausgeräumt hat. Wenn er mir aufmerzsam zuhört. Wenn er daran gedacht hat, tatsächlich das zu erledigen, was er erledigen sollte. Bei großen Dingen spreche ich noch Wochen später immer mal wieder davon, wie super ich es zB finde, dass ER (und nicht mein Vater) mein Rad repariert hat. Dass ich ihn drei Wochen lang quasi täglich daran erinnern musste, verkneif ich mir.

Dreht man den Spieß mal um: Ich kümmere mich um unsere Differenzen mit dem Bauunternehmer, besorge ein Geschenk für seine Mutter von uns, backe einen Kuchen für seine Mutter, zahle unsere Rechnungen, gehe einkaufen, buche die Flüge für den nächsten Urlaub, fahre zum Gärtner... an EINEM Tag, nicht in drei Wochen, dann fällt ein "Danke, dass du meine Lieblingsbonbons vom Einkaufen mitgebracht hast.". Das wars. Hört sich jetzt sehr böse an, auch damit habe ich mich aber eigentlich so gut es geht arrangiert.

Aber unsere Beziehung ist einfach in einem ungesunden Ungleichgewicht.

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4. August 2015 um 19:42

Nachricht von Prinzessin an Ritter:
Interessante Argumentationsketten. Irgendwie finde ich die Verknüpfung These-Argument recht selten.

"Aktivität ist männlich. Passivität ist weiblich. Das ist deshalb so, weil die Mehrheit der Männer gern Macher sind."

Hier ist das Wort "wären" am Satzende wohl treffender, denn in meiner (ach so kleinen) Welt ist es in der Tat eher so, dass die Männer durch die Bank weniger aktiv sind und die Frauen das Zepter in der Hand halten. Ich habe aber noch nie eine empirische Studie über den Charakterzug "Engagement" gelesen, daher möchte ich mir an dieser Stelle nicht anmessen dies EHER einem Geschlecht zuzuordnen geschweige denn die Kühne besitzen diesen Charakterzug einem Geschlecht ganz abzusprechen.
Ich hätte aber großes Interesse eine entsprechende Studie zu diesem Thema zu lesen, wenn du mir also deine Wissensquelle verraten möchtest?


"Ein Mann, der liebt, ist großzügig im Geben."

EIn Mann, der nicht großzügig im Geben ist, liebt also nicht?

Mein Freund liebt mich und er ist sehr großzügig im Geben. Er holt mir auf seine Art und Weise die Sterne vom Himmel, sonst wäre ich mittlerweile wohl auch schon weg. Er tut sich nur schwer Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Hier sollte unbedingt unterschieden werden.


"Nein, Chefin bist du nicht, sondern eine sich selbst überfordernde Dienerin, die Schwierigkeiten hat, ihren Freund zu beeinflussen, weil er bereits so verwöhnt ist, eben passiv und nehmend."

Du solltest als Wahrsager auf dem Jahrmarkt arbeiten! Ich bin nicht überfordert und verstehe diese Einschätzung nicht. In der Zeit unseres Hauskaufs bzw. Umbaus war ich es, aber ich denke in dieser Zeit gerät jeder an seine Grenzen.
Des Weiteren ist mein Freund nicht verwöhnt und leider viel zu leicht zu beeinflussen. Genau darum geht es mir ja. Es geht all zu oft nach meiner Pfeife. Schön wäre es, wenn es mal nach seiner Pfeife gehen würde. Aber die will er nicht benutzen, denn dann könnte es ja sein, dass er in die falsche Richtung pfeift.



" "Wie soll ich mit jemandem Kinder in die Welt setzen, dem ich nicht mal die Verantwortung für einen Autokauf übertragen kann. Wenn mir was zustößt, ist mein Kind aufgeschmissen." Bemerkenswerte Worst-case-Szenarien."

Ich denke, wenn man Kinder in die Welt setzen möchte, sollte man sich als verantwortungsbewusster Mensch viele Gedanken machen, auch um so etwas. Und nicht jeder von uns hat einen eight-to-five-Job, arbeitet als Kassiererin oder Bankangestellte und geht in der Freizeit Volleyballspielen. Einige Menschen leben gefährlicher als andere. Und ich glaube nicht, dass ich diesbezüglich hier irgendetwas zu meiner Person geäußert habe.

Insofern sind die im Anschluss folgenden Vergleiche auch vollkommen abwegig (und unlogisch - verarmen?). Egal.


Meine Lieblingsstelle habe ich mir mal für den Schluss aufgehoben:


"Rollen, Typen oder sonstige Verallgemeinerungen interessieren dich offenbar nicht, weil du in irgendeiner Zeitung gelesen hast, dass das "nicht mehr in" ist. Mag schon sein, dass Deutschlands Weiblichkeit inzwischen medial geschrumpft wurde, weil sie überall Männerbilder serviert bekommt, wie etwa die Rolle der "Austauschmutter" mit dem Titel "Siegerin der Deutschlandkonkurrenz im Kloputzen"."


Wie ist das so in deiner Welt: Ein Mann, der seiner Frau bewusst "die Hosen" lässt und sich zuhause um Kinder und Haushalt kümmert, während die Frau die Brötchen verdient - ist der unmännlich? Eine Frau, die ihren Alltag ohne männliche Hilfe alleine wuppt, niemals heiraten und erst recht keine Kinder möchte - ist die unweiblich? Ein Mann, der seiner Frau bewusst "die Hosen" lässt und sich zuhause um Kinder und Haushalt kümmert, während die Frau die Brötchen verdient - ist der unmännlich?


Herrlich auch, dass du hier ein Klischee nach dem nächsten raushaust und anderen Menschen (in diesem Fall mir) reflektiertes Denken absprichst.
Ganz abgesehen davon bezweifel ich auch mal, dass es Zeitungen gibt, in denen zu lesen ist: "Verallgemeinerungen sind nicht mehr in."
Lasse mich aber gerne eines besseren belehren, denn Medien wie die "Bild" sind mir leider nicht so bekannt.


"Du erwartest aber, dass dir hier irgendjemand etwas aus seinen Erfahrungen verrät, das du dann auf dich übertragen kannst. Und das ist nichts anderes als mehr oder weniger konkrete Verallgemeinerung."

Eine konkrete Verallgemeinerung, wie schön. Ich liebe stilistische Mittel und Oxymorons mag ich besonders, verstehen tu ich es an dieser Stelle jedoch nicht.

Ich möchte hier nichts lesen, was ich dann eins zu eins auf mich übertragen kann. Das wird wohl auch kaum gehen, denn keine Beziehung ist wie die andere und mein Freund hat mehr Facetten als fehlendes Engagement und vielleicht auch andere Beweggründe für sein Verhalten als der Partner einer anderen Frau, die ähnliches schildert.
Ich suche Hilfestellungen, aus denen ich für mich passende Dinge ziehen kann.


Dafür sind Foren doch da, oder nicht?
Der Stammtisch und der Club der Wahrsager trifft sich glaub ich woanders.

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