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Forum / Liebe & Beziehung

Freund in Untersuchungshaft - mit ihm teilen, was mich belastet, oder nicht?

Letzte Nachricht: 15. Mai 2022 um 20:37
T
teenieagain
15.05.22 um 20:18

Guten Abend,

mein Freund sitzt seit fast einer Woche in U-Haft. Wir waren zusammen unterwegs, als er verhaftet wurde und ich wurde am Tag darauf auch von seiner Anwältin kontaktiert, die mich seitdem laufend über alles informiert. Er muss wohl sicher einmal bleiben, bis die Ermittlungen abgeschlossen sind, wie lange das dauert, kann man nicht sagen. 

Ich möchte ihm gerne einen Brief schreiben, ich habe auch die Adresse und alles, was ich brauche, aber das inhaltliche macht mir Probleme. Text hätte ich mehr als genug, aber ich weiss nicht, was ich schreiben soll und was nicht.
Mir ist klar, dass alles gelesen wird und ich nichts über Tat oder so schreiben darf, das will ich auch gar nicht, ich werde da ja irgendwie schon ausreichend informiert. 
Es geht mehr um andere Dinge.

Ich habe ihm natürlich geschrieben, wie sehr ich ihn vermisse, das ich bei ihm bleibe und da ich mich irgendwie auch um alles kümmern muss ausserhalb, ihn quasi nach ganz vielem gefragt, ob das so in Ordnung ist oder wie ich es denn regeln soll. 
Es ist nur so unglaublich anstrengend und überfordernd für mich, mich um alles zu kümmern und ständig irgendwelche Telefone von irgendwem zu erhalten. Nicht falsch verstehen, ich bin froh, dass es so ist, so weiss ich wenigstens was läuft und kann mich um etwas kümmern, während ich quasi nur Däumchen drehen kann, aber es ist halt auch ein unglaubliches Wechselbad der Gefühle. 
Ich habe ihm bisher zwei Briefe geschrieben und versucht, nur Positives oder Süsses oder so zu schreiben und ihm zu versichern, dass ich draussen alles im Griff habe. Nichts davon, das ich teilweise total überfordert und wütend bin. Und traurig und leer und die Situation für mich gerade einfach ziemlich beschissen ist. Und jetzt höre ich auch noch von allen Seiten immer mehr Geschichten über ihn, die mir nicht sonderlich gefallen. Nichts illegales, vielleicht sogar Kleinigkeiten, für mich aber genug, dass ich mir darüber Gedanken machen.
Ich würde ihn nicht nur gerne auf die Dinge ansprechen, sondern auch etwas Trost von ihm erhalten, weil das ganze doch ziemlich an meinen Grenzen zerrt oder und es emotional eine enorme Belastung ist. Aber ich weiss nicht, ob ich ihm diese Dinge überhaupt mitteilen kann.
Er fühlt sich da bestimmt schon schlecht und beschissen genug, da will ich ihn eigentlich lieber aufbauen und ihm Mut machen. Und hier draussen das Beste für ihn irgendwie regeln. Es ist ein Zwiespalt, bei dem ich nicht weiter weiss.

War schon einmal jemand hier in U-Haft oder mit jemandem zusammen, der es war? Wie habt ihr das gehabt? Oder wie hättet ihr es gewünscht? 
Vielleicht kann mir ja jemand nachfühlen und mir Tipps geben, wie ich damit umgehen soll. Ich fühle mich ziemlich allein und überfordert mit allem, kann ihn aber auf keinen Fall einfach so im Stich lassen, solange er eingesperrt ist. Eigentlich bin ich sogar der Meinung, dass unsere Beziehung funktionieren kann, trotz U-Haft. 
Vielen lieben Dank schon jetzt.

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bissfest
bissfest
15.05.22 um 20:37

Ich hatte das nie bei Partnern, aber zweimal bei Freunden und jedesmal hat es mich sehr mitgenommen. 

Ich kann deine Gefühle verstehen. 

Ich denke, längerfristig wäre es sogar besser und realistischer, auch die negativen Gefühle anzusprechen. Es ist nicht gut, nicht echt zu sein und sich zu verbiegen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass du irgendwann keine Lust hast zu schauspielen und sehr ernüchtert bist und dich möglicherweise abwendest, ist groß. Insofern würde ich auch zu den negativen Gefühlen stehen und sie ansprechen. Ich denke, eure Beziehung hat dann viel eher eine Chance. Es ist legitim, enttäuscht und wütend zu sein. Das darfst du auch ansprechen. 

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