Home / Forum / Liebe & Beziehung / Freund einer guten Freundin... und das Ende einer Freundschaft

Freund einer guten Freundin... und das Ende einer Freundschaft

16. Oktober 2015 um 3:38 Letzte Antwort: 16. Oktober 2015 um 21:12

Hallo,


Ich bin neue hier und habe bisher noch nie einen Beitrag über Erlebnisse geschrieben. Obwohl diese Sache schon etwas her ist und ich weiß daß ich nichts dagegen tun kann, kommen die Erinnerungen dennoch immer wieder hoch. Also erhoffe ich mir, indem ich meine Geschichte hier mit euch teile, daß mir das ein wenig Linderung verschafft.

Wie der Titel schon sagt geht es um eine frühere Freundin. Kennengelernt habe ich sie vor einigen Jahren, als sie von Kanada nach Deutschland zog. Wir mochten uns auf anhieb, wohnten als 2er WG zusammen. 3 Wochen nach ihrer Ankunft lernte sie ihren Freund kennen. Zurückhaltend und skeptisch wie ich nun einmal bin, war ich sehr zurückhaltend, zumal sie schon nach einer Woche quasi nur noch bei ihm übernachtete und ihre Sachen bei ihm ließ. Mich störte, daß sie immer so beziehungsfixiert war, quasi nie Single gewesen ist, nur von ihm redete usw. Mir fiel auch auf, daß er immer ein wenig genervt von ihr schien. Stets hatte ich infolge seiner Körpersprache das Gefühl, daß er sie ein wenig für dumm hält. Und das mochte ich als Freundin von ihr nicht.

Nach 6 Monaten trennten sich die beiden für einige Wochen. Zu dem Zeitpunkt erfuhr ich dann einige DInge über ihn, die mein mulmiges Gefühl, was ich von Anfang an hatte, bestätigte: sie erzählte, daß er ihr einmal offen gestanden hatte, Sexfantasien von mir und einer anderen Freundin zu hegen und daß er zu einem Zeitpunkt in seinem Leben so ein niedriges Selbstwertgefühl hatte, daß er als heterosexueller Mann in Schwulenclubs ging, um sich vergewaltigen zu lassen, daß er als Kind von seiner Mutter geshlagen wurde, etc. Das war schon ein ziemlicher Schock und ich fragte mich was sie denn mit so einem Kerl wolle.

Nach einigen Wochen kamen sie wieder zusammen, was mir sehr gegen den Strich ging. Aber mei, ich konnte ihr ja keine Vorschriften machen.

Nach einem Jahr zogen sie zusammen und irgendwann pendelte sich alles wieder ein und ich dachte alles wäre im Lot. Wir verstanden uns alle wieder, hatten schöne Abende unter Freunden mit guten Gesprächen usw. 2 Jahre ging das.

Letztes Jahr ging es mir aus beruflichen und persönlichen Gründen sehr schlecht. Sie war für 2 Wochen beruflich unterwegs und nicht in der Stadt. Da er nach 3 Jahren immer noch kein Deutsch sprach (er ist Engländer) und er nicht gerade viele Freunde hatte, lud ich ihn mit 2 anderen Freundinnen zum Frühstück in der Stadt ein. Seine Freundin wußte darüber bescheid. Danach gingen wir an den Fluß und ich kotzte mich über meine Probleme aus, während die beiden Mädels schwimmen gingen (eines der Mädels war die über die er fantasiert hatte).
Er spielte ab und zu an meinen sehr langen Haarspitzen, was ich schon sehr seltsam fand, ignorierte es aber, um weiter von meinen Problemen zu reden.
Dann geschah etwas, womit ich im Leben nie gerechnet hatte. Plötzlich kam er bis auf wenige Zentimeter an mein Gesicht, packte mich am Kopf und sagte "Küß mich!". Ich verfiel irgendwie in eine Art Schockstarre, wußte nicht was ich sagen oder tun sollte. Ich sagte verschüchtert "Nein". Dann packte er mich wieder, küßte meine Wange, meinen Hals, meine Schulter. Es ging alles sehr schnell. Ich drehte mein Gesicht zur Seite und sagte etwas energischer "Nein, ich will das nicht". Dann ließ er los und wir unterhielten uns als ob nichts gewesen wäre.
Die Mädels kamen zurück und merkten dass etwas komisch war. Sie gingen nachhause und wir beide schlenderten den Rest des Nachmittages durch die Gegend. Ich entschied mich bewusst dafür, weil ich ihn konfrontieren wollte. Weil ich aber Angst hatte, etwas falsch verstanden oder überreagiert zu haben, dauerte es viele Stunden bis ich meinen Mut zusammennehmen konnte. Bei den Unterhaltungen überkam mich das Gefühl, als ob er sie nötig hatte, weil er sich nicht mit seiner Partnerin darüber unterhalten konnte. Sie ist eben ein etwas oberflächlicher Mensch, der den Dingen nicht wirklich auf den Grund geht oder die hinterfragt, sondern immer nur die rosarote naive Seite der Dinge sieht und kaum etwas über Geschichte und Politik weiß wie er.

Als ich ihn auf die Aktion ansprach, war er total ausweichend, sagte es habe nichts mit seiner Freundin zu tun, es sei doch nichts schlimmes. War sehr seltsam das zu hören weil ich immer dachte die beiden wären so perfekt glücklich miteinander. Dann sagte er, daß er mich seit 3 Jahren toll fände, ich immer in seinem Hinterkopf war, ich attraktiv wäre. Das war echt zuviel. Wäre es nur bei dem Annäherungsversuch geblieben... ok. Aber das, war mir eine Stufe zu krass. Ich sagte daß er unbedingt mit seinen Gefühlen ins Reine kommen muß und mit seiner Freundin reden soll. Dann veränderte er sich vollkommen und fragte ob ich ihm drohe usw. Ich beschwichtigte ihn und dann ging jeder nach Hause.

Ich überlegte mir gut ob ich ihr das sagen sollte, da ich fürchtete, die Freundschaft könne daran zerbrechen. Ich tat es dennoch als sie wieder da war, da ich es sonst mit meinem Gewissen als Freundin nicht vereinbaren konnte. Sie war völlig aufgelöst und konnte nicht verstehen warum, da doch alles "perfekt" lief, gestand aber ein, daß er ein manipulativer Mensch sei.
Am selben Abend redete sie mit ihm, was ich dadurch herausfand, daß er mir eine SMS schrieb, in der er mir drohte, mich hoffentlich nie wiederzusehen, weil er mir sonst die Zähne ausschlagen würde. Und das aus dem Mund eines 36 Jahre alten Mannes.

Danach hörte ich nichts mehr von ihr. Nach 3 Monaten fragte ich nach, sie behauptete einen Brief geschrieben zu haben. Den bekam ich erst nach mehrmaligen Nachfragen. Als ich ihn bekam, stand die Reaktion drin, mit der ich gerechnet hatte: sie kündigte mir die Freundschaft, behauptete daß ich ihn nie gemocht habe (was nicht ganz stimmte), nie seine guten Seiten gesehen hätte, er mir gegenüber immer höflich gewesen sei und ich mich nicht wie eine Freundin verhalten hätte. Ich hätte die Situation bewußt gegen ihn ausspielen wollen um zu beweisen, daß ihre Beziehung nicht aufrichtig ist, er vor ihr seit langem etwas geheim hält.
Sie sagte er sei so geistesgegenwärtig gewesen ihr alles zu gestehen. Naja, ich habe es ihr erzählt also belügt sie sich da selbst. Er hätte es verschwiegen, das weiß ich. Er wollte nicht daß ich ihr es sage. Allerdings erklärte sie mir nicht wirklich warum sie den Kontakt abbricht. Ich schrieb ihr einen höflichen Brief zurück in dem ich die Vorwürfe zurückwies, die ich für unbegründet hielt und ihr sagte daß ich ihre Entscheidung respektiere.

Zwei Monate später machte er ihr einen Heiratsantrag. Kurz danach zog sie ohne ein Wort zu sagen in eine andere Stadt, was mich unheimlich verletzte.
6 Monate später, ca. 5 Monate vor der Hochzeit, kam eine Anfrage über LinkedIn von IHM! Sehr seltsam, da er in einem vollkommen anderem Berufsfeld arbeitet und ich niemals Kontaktvorschläge aus anderen Branchen erhalten habe. Ich blockte ihn sofort und schrieb ihm aber eine Email, in dem ich ihn aufrief damit aufzuhören, aus Rücksicht auf seine Zukünftige. Er sagte, er sei es nicht gewesen, das System sei automatisch alle seine Kontakte durchgegangen. Blablabla dachte ich nur. Irgendwie das selbe Schema, da ich wußte, daß sie zu dem Zeitpunkt mehrere Wochen nicht bei ihm war. Erzählt habe ich es ihr nicht.

Tja, und jetzt haben sie vor 2 Monaten geheiratet.

Diese ganze Sache, sein Annäherungsversuch und was daraus resultierte, vor allem ihre Reaktionen als Freundin, die die Lüge des perfekten Mannes aufrechterhalten will, haben mich unglaublich aus der Bahn geworfen und verletzt. Daß einer versucht mich ohne mein Einverständnis zu küssen, war eine absolut krasse Grenzüberschreitung. Auf männliche Nähe habe ich schon immer empfindlich reagiert.

Bis zum heutigen Tage fällt es mir schwer zu verstehen, warum alles so abgelaufen ist, daß sie eher zu ihm gehalten hat und mich als Freundin so schnell und eiskalt abgeschossen hat. Ich weiß daß sie eine total kitschige, naiv-romantische Vorstellung des Lebens bzw. der Liebe hat und ihren Freund absolut idealisiert. Das soll jetzt nicht so klingen als hätten wir uns nie verstanden oder alles an ihr hätte mich gestört. Obwohl wir in vielen Punkten sehr verschieden waren, schätzte ich sie dennoch sehr für ihre positive Art.
Ich hatte das Gefühl daß sie mich dafür bestraft, daß ich diese "perfekte Lebenslüge" aufgedeckt und ihren Kerl als nicht so bilderbuchhaft entlarvt habe. Durch dieses Ereignis, dachte ich daß er sich eigentlich seit 3 Jahren, seit den Sexfantasien, nicht geändert hat und mich mein Gefühl nicht getäuscht hat, daß mit ihm etwas nicht stimmt. Bei unserer Unterhaltung erzählte er auch von seiner gewalttätigen Mutter und von seinen Reaktionen und ich sah, was für ein psychisches (nicht physisches) manipulatives Gewaltpotential in ihm steckt. Außerdem fühlte ich, daß er zutiefst traumatisiert ist davon und das total verdrängt.

Irgendwie hege ich die Angst und böse Vorahnung, daß er sie in Zukunft betrügen wird.

Und nein, es soll keiner denken daß ich heimlich in ihn verliebt war oder so. Für den Typen habe ich nie und werde nie so etwas wie Anziehung, geschweige denn Gefühle empfinden.

Aber ich kann jetzt absolut nichts mehr machen. Ich habe alles getan was in meiner Macht stand, diese Situation zu regeln. Und es macht mich fertig daß diese Sache mich immer wieder heimsucht. Ich will begreifen weßhalb alles so passiert ist. Ob ich etwas falsch gemacht habe, ob ich etwas falsch betrachte und vor allem begreifen, warum es mich so fertigmacht, daß es mir schwer fällt, den beiden zu verzeihen. Ich habe u.a. auch mit einem Therapeuten darüber geredet als ich wegen einer anderen Sache in Therapie war und er meinte, meine Beobachtungen und Analysen ihm gegenüber seien recht plausibel.


Puh, ein viel zu langer Text... sorry!!!
Bitte teilt mir eure Meinungen und Gedanken mit, das würde mir sehr helfen..

Danke

Mehr lesen

16. Oktober 2015 um 11:42

Warum so ein Ton?
Ich weiß nicht warum so ein unverschämter Ton nötig ist um deinen Standpunkt zu vertreten. Redest du immer so mit Fremden?

Als die sich kurz getrennt hatten, hatte er Schluß gemacht, sie nicht gut behandelt, ihr diesen Fantasie- und Psychoscheiß erzählt... Wem würde das nicht gegen den Strich gehen?

Daß der Nachmittag nicht nötig war, weiß ich selbst. Aber ich hatte mir, wahrscheinlich aus dem Schock heraus, über Stunden zu mir selbst gesagt "Oh Gott, nein das ist gerade nicht passiert. Nein, das ist gerade nicht passiert". Ich habe das heruntergespielt weil ich nicht wahrhaben wollte dass er darüber ernsthaft nachdenkt seine Freundin zu betrügen und die goldene Regel bricht, sich nie an Freundinnen heranzumachen.
Und ich wollte nicht einfach gehen ohne ihn zu konfrontieren.

Zu keinem Zeitpunkt vorher sind wir je alleine gewesen, es gab in den drei Jahren die wir uns kannten nie irgendetwas zwischen uns oder Andeutungen.

Und ich mische mich nicht in ihr Leben ein! Seit ihrem Brief gab es keine Kontaktaufnahme mit ihr.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
16. Oktober 2015 um 11:46

Wozu eine...
Ohrfeige? Sorry, aber ich finde sowas nicht gerade angebracht. Es gibt keinen Grund handgreiflich zu werden. Das kann man anders regeln.

Wie ich mishiko2 erklärt habe, hab ich das was er getan hat über Stunden verdrängt weil ich es einfach nicht glauben konnte was er getan hat.
Ich sage nicht daß das besonders toll war, aber es war ein Resultat meiner Reaktion. Und konfrontiert habe ich ihn letzten Endes.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
16. Oktober 2015 um 11:55

Ich denke ich habe so Probleme damit abzuschließen...
, weil sie sich überhaupt nicht so verhalten hat, wie sonst. Sie war wie ein anderer Mensch.

Und es gab überhaupt kein klärendes Gespräch mit mir, in dem sie mir alles ins Gesicht sagt. Sie hat es noch nicht einmal gesucht.
Man schreibt doch keinen Brief um einer Freundin zu sagen daß man den Kontakt abbricht. Es tat sehr weh daß sie mich als Freundin so schnell eiskalt abserviert hat und mir vorwirft ich sei unaufrichtig gewesen, im Gegensatz zu ihm, der ihr nie etwas gesagt hätte. Das weiß ich weil ich 2 Wochen verstreichen ließ damit er von sich aus es ihr gestehen kann. Hat er aber nicht.

Es tat auch weh daß sie glaubte, sie müsse sich entscheiden und die Entscheidung auf ihn fiel. Eine Freundin auf die Art zu verlieren ist nicht schön. Auf der anderen Seite, wenn jemand einen so einfach fallen lässt, kann ihr anscheinend an der Freundschaft auch nicht so viel gelegen haben wie an der Beziehung.
Es tut einfach scheiße weh, auf die Art eine Freundin verloren zu haben.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
16. Oktober 2015 um 12:01

Das hat mit Scheinheiligkeit...
nichts zu tun. Was soll denn heuchlerisch oder unaufrichtig an meinem Verhalten gewesen sein?
Ja, für dich mag es im Affekt total klar gewesen sei. Aber ich hatte eben dieses total verknallte, glückliche Paar vor Augen und konnte in dem Moment einfach nicht verstehen bzw. glauben warum das gerade passiert.

Ich denke nicht wie du und reagiere deßhalb auch nicht wie du.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
16. Oktober 2015 um 15:48


Also ich kann dich absolut verstehen, dass du dir noch heute darüber den Kopf zerbrichst.

Ich habe durch was total blödes (und sinnloses) meine beste Freundin damals verloren. wir waren damals aber noch Kinder. Und es beschäftigt mich jetzt - 18 Jahre später- immer noch. Es gibt eben Dinge, die bereut man auch nach 18 Jahren noch (wäre ich doch mal über meinen eigenen Schatten gesprungen damals)

Manche sind hier echt herzlos. Ich hätte es der Freundin auch gesagt. Ich hätte auch nicht mit jemand befreundet bleiben können und was auf Dauer verheimlichen können.

Machen können wir aber beide nichts dagegen und müssen lernen damit umzugehen.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
16. Oktober 2015 um 21:12

Dass die Freundschaft
Vergangen ist, ist sehr traurig und wird dich wahrscheinlich bzw. eventuell lange beschäftigen. Ginge mir genauso.

Aber, auch wenn du dich da schwer abgrenzen kannst, es ist ihr Leben. Wenn sie meint ihn sich schön denken zu müssen, dann kannst du daran nichts ändern. Sie ist keine Puppe. Du hast getan was du für richtig hältst und das musst du dir sagen.
Wie du sagst, mehr kannst du nicht tun.
Vielleicht merkt sie es irgendwann und akzeptiert die Wahrheit. Vielleicht aber auch nicht. Mit der Zeit wirst du immer seltener dran denken. Vielleicht ist diese Freundschaft auch nur auf Eis gelegt. Lass ihr ihr leben wie sie es möchte und versuche deins nach deinen Interessen zu gestalten.

Gefällt mir Hiflreiche Antwort !
Wir machen deinen Tag bunter!
instagram