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Frage zu Masochismus

26. März 2011 um 21:01

Masochismus im Rahmen sexueller Befriedigung ist ein Thema. Aber wie verhält sich das, wenn die Grenzen darüber weit hinausgehen?

Also, ich habe z.B. im Fernsehen Dokus gesehen in denen es ganz klar z.B. Frauen auch irgendwie seelisch befriedigte ihrem Freund das Essen aufzutischen (er erniedrigte sie dabei, Essen war nicht gut genug, warm genug...).

Ok, versteh ich.

Aber wie sieht es aus: Gibt es Lebensmodelle in denen ein Partner gänzlich seine Identität aufgibt, um seinem Partner zu gehorchen? Also ich meine in ALLE Lebensbereiche hineingehend? Soweit, dass man z.B. den Respekt vor sich selbst verliert, sich VOLLKOMMEN dem Partner unterwirft und dabei die eigene Persönlichkeit total draufgeht?

Gut aus religiösen Motiven heraus müssen sich da wohl einige unterwerfen,
aber gibt es das auch freiwillig? Und wenn ja, was sind das für Menschen? Steckt da eine Persönlichkeitsstörung hinter?

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26. März 2011 um 22:16

Hallo Mareike,
zuerst mal eine Begriffsklärung: Masochismus im Rahmen sexueller Befriedigung beschreibt das Phänomen, dass jemand durch das Hinzufügen von Schmerz sexuelle Lust empfinden kann. Was du meinst, also was in deinen Augen weit über die Grenzen hinaus geht, ist etwas anderes. Es nennt sich Submission, Unterordnung.

Das Lebensmodell, nach dem du fragst, nennt sich 24/7 oder TPE (für "total power exchange") und ist speziell in sadomasochistischen Subkulturen ein gerne favorisiertes Modell, mit dem eine besonders innige Liebe durch völlige Selbstaufgabe dokumentiert werden soll. So, wie es in BDSM Kreisen propagiert wird, funktioniert es allerdings in den wenigsten Fällen auf Dauer.

Eine größere "Erfolgsaussicht" haben ganz normale Ehen oder auf Dauer angelegte Beziehungen, wo der submissive Partner über die Jahre immer tiefer in ein hündisch ergebenes Sklavendasein abrutscht, weil er/sie denkt, durch stets erneute Hingabe und einen nie versiegenden "will to please" eine im Grunde auch von ihm/ihr selbst als krankhaft empfundene Beziehung endlich wieder in liebevollere Bahnen zurück lenken zu können.

Leider gibt es in so gut wie keinem dieser Fälle, sei es die normale Ehe oder die hochglanz schwarz lackierte Muster-BDSM Beziehung, ein wirkliches Happy End. Außer natürlich, du erachtest ein nervlich kaputtes Wrack am Ende einer lieblosen Ehe oder die brave Sklavin, die ihren Herrn und Meister ergebenst um Erlaubnis zum Suizid bittet, als ein gutes und stimmiges Ende.

Wenn also Unterwerfung, dann bitte als SPIEL im Rahmen einer BDSM Inszenierung, da mags ja noch Spaß machen, aber als Lebensplan endet es regelmäßig in Leid, Tränen und Verlust.

Freundliche Grüße,
Christoph

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