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Fernbeziehung-schwanger-selbstständ...

9. April 2015 um 3:10

Liebe Gemeinde.
Meine Freundin und ich sind seit gut neun Monaten zusammen.
Sie hat einen 13-jährigen Sohn, ich eine sechsjährige Tochter.
Ich bin direkt nach meiner Ausbildung selbstständig geworden, und habe mir seit 2008 ein Standbein mit verschiedenen festen Auftraggebern in meiner Region aufgebaut.
Es ist ein kreativer Beruf, und es ist relativ schwer in einer völlig neuen Umgebung auf Anhieb Fuß zu fassen.
Momentan verdiene ich relativ gut.
Meine Freundin ist angestellt im Gesundheitswesen.
Wir wohnen gut 100 km voneinander entfernt.
Meine Tochter sehe ich etwa zweimal in der Woche. Für Die Mutter meiner Tochter Bin ich und meine Familie noch immer ein wichtiger Bezugspunkt- allein aufgrund der Tatsache, dass ihre Eltern 800km entfernt wohnen.

Und dann passierte es:Meine Freundin ist schwanger.

Ich würde wirklich vieles für meine neue Beziehung und das Baby aufgeben.
Wahrscheinlich würde ich sogar direkt zu ihr ziehen und mir irgendwie versuchen dort ein neues Standbein aufzubauen.. Allerdings ist das finanzielle Risiko doch sehr hoch. 95 % meines Umsatzes mache ich in meiner unmittelbaren Umgebung. Wenn die Beziehung scheitert, sitze ich dort, 100 km entfernt, ohne irgendwelche Perspektiven - da ich dort keine Bezugspunkte habe. Und in meiner alten Umgebung meine Kunden dann wahrscheinlich schon verloren habe. Ein zurück ist also auch nicht möglich.
Das ist ein Grund weshalb ich mit der Entscheidung hadere. Auch ist es so, Das für meine Tochter und für die Mutter meiner Tochter der wichtigste Bezugspunkt in dieser Umgebung wegfällt, und sie dann wohl zu ihren Eltern (800 km) ziehen wird. Das wird mir das Herz brechen.

Zu einem Umzug in die Mitte, wäre ich aber auf jeden Fall bereit, da ich dann zum einen regelmäßig meine Tochter sehen könnte, und auch meinem Beruf wie gehabt nachgehen könnte und mir gleichzeitig etwas Neues aufbauen könnte.

Soviel zu mir.

Wie gesagt meine Freundin hat einen 13-jährigen Sohn, und ist bisher angestellt im Gesundheitswesen.
Und sie ist jetzt schwanger.
Es ist nicht zu 100 % sicher, dass sie später wieder in ihren alten Job zurückkehren wird. Da ihre Stelle zuletzt auch nicht mehr sicher war.
Momentan wohnt ihre Schwester bei ihr und ihr Sohn. Sie hat oft Besuch dort und wenn ich dort bin haben wir fast nie Ruhe. Freunde kommen und angekündigt, und ich habe keinen Rückzugsort. Wobei ich den in der Zeit in der ich sie sehe auch nicht will! Sondern die Zeit mit Ihr verbringen möchte.
Sie hat mir klar zu erkennen gegeben, dass ich zu ihr ziehen soll. Sie hat auch bereits nach Wohnungen in Ihrer Umgebung geschaut. Es darf allerdings nicht weiter entfernt sein als 20 km von ihrem Heimatort, da ihr die Bindung zu ihren Eltern und zu ihren Freunden sonst fehlt. Sie hat mit Sicherheit einen größeren Freundeskreis als ich.
Außerdem möchte sie ihrem Sohn einen Schulwechsel nicht zumuten. Dazu muss ich sagen dass ihr Sohn einige Probleme in letzter Zeit hatte. Schulische Probleme, und zwei epileptische Anfälle vor drei Jahren.
Wäre aber dann nicht genau dann einen Neuanfang nötig?
Sein Papa kommt ihn vielleicht einmal im Monat besuchen.

Andererseits "verlasse" ich meine Tochter, die ich bis jetzt zweimal in der Woche betreue, sogar.
Und auch ich habe Familie und Freunde die ich hier zurücklasse.

Ich habe mittlerweile ein Riesenproblem damit wie sie mit der ganzen Sache umgeht. So kompromisslos. Klar leidet man unter einer Fernbeziehung beziehungsweise wenn man zusammen zieht muss man zurückstecken, aber müssen das nicht beide?
Seit sie schwanger ist, geht es ihr auch nicht mehr so gut (gesundheitlich) und sie fährt nur noch ganz ganz selten zu mir. Sie ist nun seit einigen Wochen krankgeschrieben. Sie möchte unbedingt das ich zu ihr ziehe, aber von ihr kommen momentan einfach keine Anstrengungen dass es weitergeht. Ich bin quasi allein dafür verantwortlich, die Weichen zu stellen. Um das finanziell überhaupt irgendwie zu schaffen, habe ich mich für den Sommer mit Jobs voll gestopft, obwohl das letztes Jahr gründlich schief ging und ein fetter Burn out folgte.

Das ist etwas viel für mich als einzelnen Menschen. Verlust der Tochter, Verlust des seit über sieben Jahren aufgebauten Arbeitsumfeldes, Verlust der Familie, Der Aufbau einer neuen Zukunft in einem neuen Umfeld mit dem sofortigen Druck die neue Familie zu ernähren. Ist das nicht ein wenig zu viel verlangt? In meinem neuen Umfeld müsste ich als selbstständiger weiter arbeiten, da ist Festanstellungen in meinem Beruf kaum gibt. (Und diese dann ganz schlecht bezahlt sind).

Sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr? Bin ich so vermessen in meinem glauben dass man auch Kompromisse eingehen sollte?



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