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Es muss etwas passieren...

19. September 2016 um 15:38 Letzte Antwort: 19. September 2016 um 20:46

In meinem Beziehungsleben ist seit drei Jahren so richtig der Wurm drin und wir wissen nicht weiter... was nach so langer Zeit einfach nur ermüdend und lebensraubend ist. Ich hätte gern Meinungen, Erfahrungsberichte, Tipps von Euch Außenstehenden.

Meinen Mann habe ich vor 17 Jahren kennen gelernt. Er war Teil einer Gruppe von Internetbekannschaften und wir trafen uns freundschaftlich. Er holte mich als Weithergereiste vom Bahnhof ab. Und da war sofort ein Gefühl von Vertrautheit. Ich spürte, dass er ein ganz Lieber war, einer, dem nicht viel an "Baggern" lag, sondern der einfach für alle nur das Beste wollte. So dachte ich auch, dass er der große Bruder sein könnte, den ich mir immer gewünscht hatte. Er muss wohl ebenso für mich empfunden haben. Jedenfalls kamen wir zusammen.

In der ersten Zeit hielten wir die Beziehung über weite Ferne aufrecht und sahen uns über Monate nicht. Dann zog ich zu ihm. Nach ein, zwei Jahren merkte ich, dass wir kaum gemeinsame Interessen oder Gesprächsthemen hatten. Dazu kam, dass er Schwierigkeiten mit dem Essen hatte (und diese immer noch hat): Zu jeder Tages- und Abendmahlzeit nur Nudeln mit Reibekäse, dazu höchstens Hühnchenfilet. Ohne Soße, ohne Gewürze... Und obwohl ich ihn sehr mochte, fehlten mir gemeinsame Unternehmungen unheimlich. Zudem waren wir isoliert, denn auch er hatte wegen der Arbeit seine heimatliche Umgebung verlassen. Ich selbst war zu dieser Zeit noch sehr schüchtern und schaffte es nicht, mir einen Freundeskreis aufzubauen. Auf einem Heimatbesuch lernte ich dann in meinem alten Freundeskreis jemanden kennen, der mich "inspirierte", mit dessen Vorlieben ich etwas anfangen konnte. Und verliebte mich in ihn... ohne ihn es jedoch wissen zu lassen.

Nach einiger Überlegung beschloss ich jedoch, bei meinem Mann zu bleiben. Vor ihm hatte ich kaum Beziehungen und er war der Erste, mit dem ich so weit gekommen war und eine gemeinsame Wohnung hatte. Er hielt immer zu mir, war immer ruhig und ausgeglichen, immer lieb. Aber das Problem mit den fehlenden gemeinsamen Unternehmungen und Projekten war nun auf dem Tisch.

Wir zogen um, die Jahre vergingen, ich hatte meinen ersten Job und auch er hatte gut im Beruf Fuß gefasst. Und ich hatte weiterhin dieses Loch. Und bildete mir ein, dass uns ein Kind näher zusammen bringen könnte. Endlich etwas Gemeinsames. Wir bekamen zwei Kinder. Ich blieb zu Hause und wir heirateten. Nach dem Erziehungsurlaub begann ich eine einjährige Weiterbildung... und da war es auf einmal, als ob mir der Himmel auf den Kopf fiel. Das war vor dreieinhalb Jahren.

Das erste Mal, seitdem ich meine Heimat und meinen Freundeskreis verlassen hatte, lernte ich Leute kennen, mit denen ich auf einer Wellenlänge war. Mit denen ich über alles und nichts und vor allem über Anspruchsvolleres diskutieren konnte. Wir aßen mittags zusammen, genossen das gemeinsame Essen. Trafen uns zum gemeinsamen Kaffeetrinken und Plaudern - ich war seit Jahren nicht mehr weggegangen, außer mit alten Freunden in der Heimat. Es war für mich wie eine Rückkehr in die Vergangenheit, wo ich ständig mit Freunden aktiv war, auf Konzerte ging, spielte, wegfuhr...

Und da war dieser Eine, der von allen die meisten Gemeinsamkeiten mit mir hatte und mit dem ich aus dem Reden nicht mehr herauskam. Einmal gingen wir beide zusammen ins Kino, auf freundschaftlicher Basis, wohlgemerkt... und auf dem Heimweg ging mir auf einmal auf, dass all das nach der Weiterbildung wieder zu Ende sein würde und fiel ein erstes Mal wie in ein großes Loch. Zudem merkte ich, wie ich mich in ihn verliebte. Und wollte nicht, dass es passiert. Ich hatte doch meinen Mann, und vor allem die beiden Kinder!! Ich wurde todunglücklich und wusste nicht, wie ich dort herauskommen sollte. Am liebsten wäre ich gestorben.

Durch die Weiterbildung sah ich den Mann jeden Tag. Und jeden Tag freuten wir uns, Zeit miteinander zu verbringen. In einer Praktikumsphase fingen wir dann schließlich an, uns lange E-Mails zu schreiben... unter dem Vorbehalt der Ausbildung, aber immer privater. Wir gingen gemeinsam in die Bibliothek zum Lernen. Mein Mann wusste von ihm, weil ich offen über unsere Unternehmungen sprach, nicht jedoch über die Gefühle, die sich entgegen meines Willens in mir anstauten. Und dachte, diese Gefühle würden irgendwann wieder weggehen und es würde Freundschaft bleiben. Es tat so unheimlich gut, endlich jemanden zu kennen, mit dem man sich über die gleichen Interessen austauschen konnte.

Mein Mann sah, dass es mir nicht gut ging, aber ich traute mich nicht, mit ihm darüber zu reden. Denn das hätte bedeutet, den Kontakt abbrechen zu müssen. Und ich wäre noch tiefer in das Loch gestürzt...

Irgendwann wurde es aber so unerträglich, dass ich mit dem Ausbildungskollegen über meine Gefühle sprechen musste und es kam heraus, dass er sich ebenso in mich verliebt hatte... und er küsste mich. Ich stand einfach nur neben mir.

Von da an ging der Strudel nur noch abwärts. Mein Mann bekam relativ schnell heraus, dass es jemanden gab, mit dem mich mehr als nur Freundschaft verband und wollte sich sofort scheiden lassen. Und ich war mir völlig im Unklaren über die gesamte Situation, meine Gefühle zu dem Einen und zu dem Anderen, und darüber, wie es weitergehen sollte. Zumal ich diese Ausbildung unbedingt zu Ende bringen wollte und das hieß, den anderen jeden Tag weiterhin zu sehen!

Ich fuhr dann mit den Kindern einige Zeit zu meinen Eltern, was mir ein wenig Raum zum Nachdenken gab. Aber ich stand die ganze Zeit wie unter Strom und konnte meine Gedanken nicht von dem Anderen lösen.

Als ich wieder heimkam, hatte mein Mann in der Zwischenzeit auch viel nachgedacht, und entschlossen, mit mir zusammen bleiben zu wollen. Aber ich war schon zu weit gegangen und kam im Kopf nicht von dem Anderen los Und es wurde einfach grässlich. Meinem Mann ging es superschlecht. Ich bat ihn, es wenigstens bis zum Ende der Ausbildung durchzuhalten (damals blieben noch vier Monate...) und dass ich den Anderen dann ja nicht mehr sehen würde. Ich wollte so gern den Kindern die Familie erhalten. Hatte andererseits Angst zu gehen, weil mein Mann damit drohte, die Kinder nicht mehr sehen zu wollen, um ihnen nicht seinen Hass mir gegenüber zu übertragen. Dazu muss ich sagen, dass ich außerhalb der Kindergarten- und Schulzeiten immer für die Kinder da war und darauf bedacht war, sie nicht in die Erwachsenengeschichten hineinzuziehen.

Andererseits erkannte mich selbst nicht wieder. ... Ich log, um mit dem Anderen zusammen sein zu können. Wir machten sogar kleine Ausflüge, gingen spazieren, machten Picknick... alles, worauf mein Mann nie Lust hatte. ... Und auch nach der Ausbildung sahen wir uns weiter, weil es aufgrund unserer Arbeitszeiten passte... Gleichzeitig gab mir der Andere immer wieder zu verstehen, nicht die Rolle eines Liebhabers haben zu wollen.

Wenn ich jedoch auf eine Trennung von meinem Mann zu sprechen kam, war es ihm unangenehm, denn er wollte auf keinen Fall an einer Trennung Schuld sein. Ich sollte mich auf keinen Fall wegen ihm trennen. Dazu kamen Äußerungen wie: er müsse mir dann doch wohl nicht helfen, eine Küche aufzubauen... Ich müsse die Trennung allein bewerkstelligen, denn er wolle auf keinen Fall weder daran Schuld sein, noch dazu beitragen. Mehrmal versuchte er, den Kontakt abzubrechen, aber wir kamen immer wieder zueinander.

Vor einem Jahr dann wechselte er die Arbeitszeiten und wir sahen uns nur noch selten bis gar nicht mehr. Wenn wir es doch nicht mehr aushielten, blieb immer der unangenehme Beigeschmack des Seitensprungs... und die Frustration und die Traurigkeit.

Seit zwei Jahren bin ich in Therapie und wegen Depression in Behandlung, weil ich an einem Punkt, als die Weiterbildung schon beendet war, nicht mehr weiterkam und nur noch geweint habe, selbst auf Arbeit kamen mir die Tränen. Ich wollte einfach, dass alles aufhört, habe nur noch geschlafen und konnte nicht mehr. Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich eine kleine Wohnung gemietet, weil mein Mann mich immer wieder fragte, wann ich denn auszöge... und mir dann doch wieder zu verstehen gab, mit mir zusammen bleiben zu wollen. Ich habe noch nicht eine Nacht in dieser Wohnung verbracht...

Mit meinem Mann habe ich in der Zeit viel geredet. Die Lage hat sich beruhigt, die Aggressivität hat sich gelegt (ein kleines Loch an seiner Arbeitszimmertür zeugt noch davon...). Wir haben beide große Anstrengungen unternommen. Eine Paartherapie hatten wir angefangen, jedoch nach einigen Sitzungen abgebrochen. Wir unternehmen mehr mit den Kindern, nur so kommen wir zusammen und zueinander. Ich habe ehrlich versucht, mich von dem Anderen zu lösen, habe ihn seit Monaten nicht mehr getroffen.

Der Alltag ist entspannter, aber die Einsamkeit bleibt. Dabei gehe ich aus mir heraus, unternehme etwas mit Freundinnen, die ich nun endlich gefunden habe. Aber auch viel allein, weil diese auch nicht alles teilen... Sachen, die ich mit dem ehemaligen Kollegen teilen konnte.

Mein Mann fühlt sich nicht mehr geliebt, so sehr ich mich auch anstrenge.
Ich fühle mich einsam, und habe mich, mangels gemeinsamer Interessen, nicht wieder in ihn verliebt. Mag ihn aber von ganzem Herzen, denn er ist lieb wie eh und je.
Als Eltern funktionieren wir gut, als Paar gar nicht mehr.
Ich möchte den Kindern den Vater nicht vorenthalten und selbst nicht ohne sie sein.

Zu all dem kommt, dass ich seit kurzer Zeit nicht mehr arbeite... und mir der Andere nun wieder um so mehr fehlt. So sehr, dass ich ihn schließlich angerufen habe. Aber ich möchte meinen Mann nicht mehr betrügen und er immer noch nicht in der Rolle des Liebhabers sein.

Als Außenstehende fasst Ihr Euch sicher an den Kopf... Aber wir kommen nicht weiter.

Ich, für meinen Teil, schwanke grob zwischen zwei Linien:

Der Vernunft: Mit meinem Mann zusammen bleiben, das nehmen, was ich an ihm habe (und das ist sehr viel!): Geborgenheit, Sicherheit. Aber auch Starre: Er kommt nicht aus sich heraus, hat zu allen meinen Vorschlägen Vorbehalte und sitzt am liebsten in Ruhe zu Haus vor seinem Rechner. Ich musste ihn zehn Jahre lang dazu überreden, mit mir zusammen verschmutzte Wände in der Wohnung zu überstreichen... Die Male davor half mir meine von weither angereiste Mutter dabei.

Das Gefühl: Das Leben genießen, mich verändern, mich umschauen, mich nicht mehr bremsen lassen, wegfahren, rausgehen, normal essen (nein, ich esse nicht nur Nudeln, aber wenn ich koche, fallen die Kinder auf die Nudeln meines Mannes zurück und ich esse wieder allein)... und das am allerliebsten in Begleitung.

Ich weiß, dass allein ich über mein Leben entscheiden kann. Aber ich möchte gern wissen: Welche Wege seht Ihr?

Viele, vielen Dank... falls überhaupt jemand das alles liest und nicht Kopfschmerzen bekommen hat

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19. September 2016 um 20:46

Iana7813xx
Danke für Deine Antwort!

Er wäre wohl nicht mehr als ein "Spielkamerad" für die schönen Seiten des Lebens, für viel mehr scheint er sich nicht engagieren zu wollen. Ein Typ, der einfach abhaut, wenn es Probleme gibt.

Die Frage ist: Ist es das wert, dass ich meine Kinder allein groß ziehe (und mein Mann also auch)?

Die Momente, die wir zusammen verbracht haben, waren echt schön und die Beziehung voller Dynamik. Auch in der Weiterbildung und später bei der Arbeitssuche etc.. haben wir uns unterstützt. Mein Mann hat kaum mit mir darüber reden wollen.

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