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Es ist kompliziert

11. Januar um 15:02

Hallo!
Ich habe schon öfter still mitgelesen und verfasse hiermit meinen ersten eigenen Post.

Ich bin mit einer Frau zusammen, bei der ich mich nicht mehr sicher bin, ob sie mich noch liebt.

Wir sind beide 28, seit 4 Jahren ein Paar und wohnen seit 2 Jahren zusammen. Sie ist meine erste Freundin, ich bin ihr vierter. Kennen gelernt haben wir uns auf der Uni bei einer Vorlesung und nach längerem Hin und Her (sie hatte sich gerade erst von ihrem vorherigen Freund getrennt) haben wir uns ineinander verliebt.

Das ging 2 Jahre lang gut, wir hatten regelmäßig (auch überregelmäßig) Sex, unternahmen viel und die Hormone machten vieles leichter. Dann plötzlich vor etwa 1,5 Jahren war es auf einmal ganz anders: Kein Kuscheln mehr, immer weniger Sex bis zu diesem Zeitpunkt, wo wir das letzte Mal vor einem Jahr Sex hatten.

Das klingt jetzt vielleicht nach einem einfachen Fall "Trennt euch!" aber es gibt dabei seeeehr viele ABERS:

Ich bin stark neurotisch, introvertiert (zuviele soziale Kontakte machen mich müde), kämpfe seit Jahren mit immer wieder kehrenden Depressionen (ist bei mir genetisch bedingt aufgrund eines Serotoninmangels) und hab trotz der Tatsache, dass ich aus einem guten Elternhaus komme (nie finanzielle Probleme hatte) immer wieder Probleme mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Ich gehe seit 3 Jahren regelmäßig in Psychotherapie und arbeite generell viel an mir selbst, auch wenn es nur langsam besser wird. Mein Studium habe ich gut beendet, arbeite saisonal im Kulturbereich (Projektmanagement) und bin dazwischen auf der Suche nach einer Fixanstellung.

Sie selbst hat auch depressive Phasen (nicht so stark wie bei mir), geht damit aber besser oder reifer um. Sie kommt aus einer sehr zerrütteten Familie (sie ist Osteuropäerin, ich Österreicher, wir leben in Wien), kämpft seit Jahren damit etwas (ohne jegliche Unterstützung oder Rückhalt) aus sich zu machen und hat sich vor 2 Jahren entschlossen, eine Ausbildung als Grafikerin anzufangen (wie sie sagt ihre letzte Chance).

Wir haben uns gegenseitig im Laufe der Zeit stark unterstützt. Als sie am Anfang unserer Beziehung vom einen Stimmungstief ins nächste gestolpert ist, war ich für sie da, habe zugehört und mich auch mal um 4 am Morgen "anjammern lassen" weil ich wusste, sie braucht das jetzt. Ebenso hat sie mir auch schon oft aus Tiefs geholfen. Ich hatte leider schon mehrere Male auf Parties und Festen Nervenzusammenbrüche (ich habe wahnsinnige Angst vorm Tanzen) Sie hat mich aber nicht stehen gelassen auch wenn ich noch so hysterisch war, sondern ist bei mir geblieben und hat versucht mir zu helfen.

Ohne zu übertreiben würde ich sagen wir sind zusammen schon durch ziemlich viel schlechte Zeiten gegangen.

Aber vor ca. 1,5 Jahren wurde es schlechter als vorher. Ich hatte eine Zeit ein unangenehmes körperliches Problem, was unser Sexleben total abgewürgt hat. Dazu kamen weitere Schwierigkeiten: Ich bekam für sie unangenehmen Mundgeruch, den ich schwer wieder wegbekam. Außerdem begann ich, mitten in der Nacht zu zucken und den Kopf zu bewegen (tue ich nicht mehr), was sie aus dem Schlaf riss. Ich brauchte lange Zeit, um das in den Griff zu bekommen und reagierte auch sehr frustriert darauf.

Es folgte immer weniger Sex (erst nur mehr 1 mal im Monat, dann nur mehr alle 2 Monate etc.), wir begannen heftig zu streiten und uns anzuschreien. Über Wochen gab es eigentlich nur mehr Geschrei und Weinen. Es waren dazu sehr destruktive Streits, die ohne Grund entstanden und auch nichts bewirkten. Ich war sexuell extrem frustriert und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Sie verlor ihren Schlafrythmus, wurde immer genervter und begann sogar einmal in der Schule vor den anderen zu heulen. Und sie kann sehr direkt und wirklich verletzend sein, wenn sie will.

Stress > nächtliche Zuckungen > Schlafmangel > Streit > Stress

Es war ein Teufelskreis. Wir waren damals kurz davor uns zu trennen, taten es aber nicht. Wir wollten beide nicht aufgeben, auch wenn es sehr schlecht aussah.

Nun zu heute: Wir streiten nicht mehr und wenn dann diskutieren wir sachlich. Sie konzentriert sich auf die Schule (sagt sie will sich mit mir eine gemeinsame Zukunft aufbauen), ich darauf an mir selbst zu arbeiten. Es wird besser, wirklich, aber seeehr langsam. 

Sex hatten wir leider immer noch keinen, aber ich weiß nicht ob es an mir oder an ihr liegt. Wahrscheinlich an beiden, da wir beide keine einfachen Menschen sind. Ich bin kein mutiger, selbstbewusster Mensch und nehme mir zwar immer wieder vor, einfach auf sie zuzugehen und sie zu verführen, mache es aber dann trotzdem nicht. Ich weiß, dass das auf Frauen nicht attraktiv wirkt und arbeite daran. Sie wiederum hat sich nach dem ganzen Stress leider sehr zurückgezogen, zeigt ihre Zuneigung nur selten und beschäftigt sich mehr mit sich selbst als mit mir.

Ich will nicht übermäßig bedürftig wirken, aber das Kuscheln und die körperliche Nähe fehlen mir sehr (die sind ursprünglich wegen meinen körperlichen Problemchen verloren gegangen). Wenn ich sie darauf anspreche, dann sagt sie sie muss sich bei mir erst wieder sicher fühlen, um das zuzulassen. Jetzt kommen wir aber zur Krux: Ohne körperliche Nähe fühle ich mich nicht wohl oder sicher, also ist es schwierig für mich, dass sie sich wohlfühlt.

Ich bin schon ein Stück weit stolz auf uns, da wir den Abwärtsstrudel beenden konnten. Aber das was jetzt danach kommt (und sie ist mir das alles wert) wird wie ich weiß sehr hart. Es ist nicht einfach eine kaputte Beziehung zu flicken und erfordert die Arbeit von beiden Partnern.

Nun habe ich aber das Problem: Sie ist sehr verschlossen mir gegenüber. Sie bietet mir zwar immer wieder Sex an (weil sie sieht, dass mich das fertig macht), aber ich lehne das prinzipiell ab. In meinem Gefühlszustand möchte ich keinen Mitleidssex und ich will sie vor allem nicht zu etwas zwingen, das sie eigentlich nicht will.

Liebe ist immer noch da zwischen uns, es gibt Momente in denen verstehen wir uns wunderbar und es knistert vielleicht sogar etwas, aber da lasse ich das oft auch nicht zu (ich habe ein Stück weit Angst, selbst verletzt zu werden). Es kann auch sein, dass sie will aber ich ihre Signale nicht kapiere und sie selbst sexuell frustriert ist. Ich weiß von mir, dass ich sehr schlecht darin bin, Frauen zu verstehen.

Ich bin mir sicher, dass der Sex wieder kommt wenn der Rest wieder stimmt (das Sexuelle war nie wirklich im Zentrum bzw. auch nicht der Grund, warum wir zusammen gekommen sind), aber WIE wir den Rest wieder in Ordnung bringen sollen, ist mir nicht ganz klar.

Ich weiß ich muss sehr geduldig sein, ohne untätig zu bleiben. Ich erwarte von ihr (das habe ich ihr auch gesagt) dass sie mir sagt wenn sie etwas braucht und nicht wartet, bis ich von allein draufkomme. Das ist vielleicht nicht besonders romantisch, aber das geht momentan nicht anders.

Mir ist klar, dass sie sehr viel Stress hat (was sich bei ihr auch körperlich ausgewirkt hat, denn sie hat Neurodermitis) und dass ich rücksichtsvoll sein muss (und nicht ständig Dinge persönlich nehmen, nur weil ich meine Gedanken nicht im Griff habe) ABER: ich darf meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr vernachlässigen.

Darum die Frage an die Frauen hier: Wie kann ein schüchterner, aber einfühlsamer Mann wie ich seiner Angebeteten zeigen, dass alles OK ist und dass sie auf mich zukommen kann, wenn sie es braucht, OHNE bedürftig zu wirken?

Sie sagt selbst ich soll mehr ausprobieren, um das zu finden was ihr gefällt, also es ist nicht so, dass sie nicht will. Sie zeigt es nur nicht offensichtlich. Ich habe nur leider sehr wenig Ahnung von soetwas, also wären ein paar Tipps wie ich ihr Herz zurückerobern kann, sehr hilfreich. Was kann ich zum Beispiel zu ihr sagen, dass nicht zu geschwollen klingt?

Ich weiß, dass ich nicht der Traummann bin und viele Schwächen habe, aber ich weiß auch, dass ich diese Frau immer noch liebe und gerne ein schlechtes Jahr in kauf nehme, wenn es zu einer glücklichen Zukunft führt.

Das liest sich vielleicht schräg, aber ich bin auch kein einfacher Mensch 

Danke im Voraus für die Hilfe!
 

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11. Januar um 15:30

Laut ihren Aussagen bedeutet diese Phase vor allem Stress, auch jetzt noch. Sie muss vieles von der Schule nachholen (macht mir aber keine Vorwürfe deswegen)

Für mich bedeutet es derzeit vor allem das Gefühl trotz Partnerin irgendwie allein zu sein. Ich fühle mich nicht wie in einer vollwertigen Beziehung, aber ICH WEISS wenn ich mich auf dieses Gefühl konzentriere, anstatt was damit zu machen, dann gibts nur wieder Probleme.

Sie sagt vor allem wir brauchen Zeit bzw. es müssen einfach mal ein paar Wochen vergehen, um uns wieder an uns zu gewöhnen. Das ist nur sehr schwierig für mich zu verdauen, auch wenn ich glaube, dass sie recht hat.

Es ist vor allem wichtig die Schuldgefühle auszuklammern. Keiner hat alleine an etwas schuld. Ich meine, sie hat mich aus einer meiner schwersten Depressionen gebracht damals, ich fühle mich deswegen immer noch etwas schuldig.

Aber genau das ist Gift für eine gleichwertige Partnerschaft, und genau das muss aufhören.

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11. Januar um 16:00

Ja nicht Denken ist für mich am schwersten...

Ich probiere es jetzt mit Meditation etc.

Es würde mir nur wohl helfen, ein paar Techniken zu kennen, um nicht ratlos im Dunkeln zu tappen und mich noch nervöser zu machen.

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11. Januar um 16:41

Es ist ein langer Text, aber irgendwo da drin steht, dass ich seit 3 Jahren regelmäßig in Therapie gehe. Danke aber für den Tipp. Ich habe diese Probleme seit der Kindheit und hab bis 21 gebraucht, um Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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13. Januar um 15:56

Naja so wie das bei Menschen ist, gibt es da nicht nur einen Grund:

-Ich habe lange gebraucht, bis ich meine körperlichen Probleme wieder im Griff hatte und sie hat die Geduld verloren
-Sie reagiert sehr empfindlich auf Stress (von dem sie nicht zu wenig hat)
-Sie nimmt Medikamente (nicht die Pille), die das Lustempfinden verringern, nicht nur im sexuellen Bereich
-Ich versuche zu selten bei ihr zu landen, aber kann mich schwer überwinden aus Angst, abgelehnt zu werden

Und sie würde es tun, aber sagt mir dann auch, dass sie das nur für mich tut und damit kann ich nicht umgehen. Ich will wie gesagt keinen Mitleidssex.

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13. Januar um 18:21

Das ist eine sehr einfache Betrachtungsweise

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14. Januar um 3:44

@bretwalda
Ich schlage vor, direkter mit ihr umzugehen.
Sprich: Ihr deutlicher von deinen Gedanken und Plänen erzählen.
Nicht günstige Momente bei erhaschen wollen - sondern mit ihr darüber reden, was du willst. 
Hast du Lust auf Eisessengehen mit ihr, dann sagst du ihr das so; und nicht darauf hoffen, dass sie nach dem Eisessengehen bereit für Nähe wäre.

Prüfe erstmal dich selbst, ob du sie anfassen und dabei jegliches sexuelles Verlangen unterdrücken/zurückstecken kannst.
Aber ich denke, das ist bei dir schon so, denn du schreibst, seit 1 Jahr willst du keinen Mitleidssex. Dann sagst du zu dir selbst: Ja ich kann mich mit Sex zurückhalten.

Dann sagst du ihr direkt, dass dir Körperkontakt/Zärtlichkeit fehlen würde und du nicht an Sex denkst.
Sage ihr direkt, dass du mit ihr Kuscheln willst, was aber garantiert nicht in Sex enden soll und auch keinesfalls wird. Nicht jetzt und auch nicht später. Und du beabsichtigst auch nicht, dir damit den Weg für "mehr" zu ebnen. Sie kann jederzeit Stop sagen, egal bei was.
Das ganze natürlich nur, wenn ihr Interesse geweckt ist.
Wenn du sie gerne hast,  dann sage es ihr.
 

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14. Januar um 4:11

@bretwalda
Komme weg von 'schüchtern' und 'Angebetete'.
Stattdessen: Paar-sein ist eine Herausforderung, wenn beide wegen psychischer Sachen in Behandlung sind, und beide auch Medikamente einnehmen.


Versuche mal das Einschlafen mit ihr wobei ihr euch mit irgendeinem Körperteil berührt. Fuss, Hand, Po, usw.
Ihr werdet euch am nächsten Morgen zwar noch im selben Bett wiederfinden; aber dann halt nicht mehr mit Berührung. Im Schlaf dreht man sich -zig Mal um. Es ist alles ok! 
Guten-morgen, und der Mann hat nun eine Aufgabe: Der jungen Frau Kaffee kochen.

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14. Januar um 13:48

@greta
Ich verstehe es voll, dass du beim Lesen meines Textes doch das Gaspedal zärtlich streicheln würdest.
Aber ich sehe da ein grosses Problem: Sie wird nicht verhütet sein. Das ist so bei denen wegen dem Medikament.
Für dich und mich ist sowas schon fast unvorstellbar; und logo, wir würden im Normalfall gegenseitig Hand anlegen.
Aber das alles ist mit Antidepressiva nur noch verzerrt. Und, wie du sicher weisst, die kleinen Fischleins sind seehr agil. Die kennen ihr Ziel sogar dann, wenn mit der Hand nachgeholfen wird. Ich habs noch nicht in Text gepresst - aber das wäre so ungefähr mein Folgebeitrag: Die Verhütungsfrage lösen. Und eigentlich auch mit diesem Wunsch an den medikamentverschreibenden Arzt herantreten; ob der das absegnen kann. Dann noch zur FA, obs was für die junge Frau ohne Hormone gibt.
Ist das alles geschafft und keine "Gefahr" in Sicht, dann müssen beide erstmal sich selbst neu kennenlernen. Ein für uns unvorstellbarer Aufwand
Ich habe eine Cousine, in ähnlicher Situation; wenn er nur mal 2 Tage sein Medikament nicht nimmt, ruft er gleich laut nach Suizid...

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3. Februar um 14:12

Erstmal: Danke für die Antworten.
Zur Klarstellung: Sie ist nicht in Behandlung und nimmt auch keine Antidepressiva (das mache ich). Sie hat eine Überfunktion der Schilddrüse und nimmt deswegen Tabletten.

Zum anderen: Ich merke immer stärker, dass das Problem darin liegt, dass ich mich einfach nicht traue etwas zu tun bzw. zu probieren.

Es ist nicht so sehr, dass ich Angst habe, dass es nicht funktioniert, als dass ich in der Situation derart nervös werde und so extrem unattraktiv wirke. Ich kann das auch nicht unterdrücken oder kontrollieren. Wenn ich mich ihr so nähere, beginne ich zu schwitzen, werde wortkarg und wirke überhaupt nicht selbstbewusst. Das ist dann wie eine self-fullfilling prophecy.

Nochmal: Ich denke mir nicht, dass ich versagen werde, aber ich fühle mich als "Initiator" einfach unwohl. Ich habe mein ganzes bisheriges Leben nicht im Vordergrund gestanden und mag das auch heute noch nicht. Deswegen habe ich auch schüchtern geschrieben.

Ich weiß ja sogar, was ich sagen würde etc. also ein Plan ist da, aber mein Kopf reagiert darauf als ob ich in eine Kampfsituation gehen würde und das ist nicht sexy. Ich arbeite mit meinem Therapeuten daran, aber ich bin anscheinend nicht soweit über meinen Schatten springen zu können.

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