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Es fehlt uns nur das räumliche Näherkommen...

3. September 2016 um 11:05

Hallo
Mir wächst momentan alles über den Kopf. Ich bin normalerweise kein Mensch, der sich lange mit Gefühlen aufhält, aber Ausnahmen bestätigen leider die Regel.
Ich möchte euch kurz erzählen, was innerhalb des letzten Jahres passiert ist:
Durch Bekannte habe ich einen Jungen im Internet kennen gelernt. Das war kurz nach einem meiner vielen Schulwechsel, denn aufgrund von starkem Mobbing habe ich es bisher nirgendwo lange ausgehalten. Ich steckte Ende letztens Jahres daher in einer sehr schwierigen Phase, denn das mehr als acht Jahre andauernde Mobbing an vielen Schulen hat dazu geführt, dass ich seelisch eher tot war als lebendig. Ich hatte damals schon jahrelang die Auffassung, dass man niemandem trauen und schon gar nicht vertrauen darf und war viel alleine.
Also lernte ich diesen Jungen, ich will ihn hier Luca nennen, nicht gerade unter viel Optimismus kennen. Ich habe sehr viele Macken und Probleme, die es mir schwierig machen, Menschen auseinander zu halten (zB. erkenne ich weder Stimmen noch Gesichter), aber Luca sah da einfach drüber hinweg. Wir redeten stundenlang und Nächte durch und lernten uns immer besser kennen. Er war (und ist) immer noch die Person, die mir in irgendeiner Weise gezeigt hat, dass ich nicht nur der Mülleimer meiner Bekannten bin.

Dann kam es, wie es kommen musste - er verliebte sich in mich, damals noch ohne zu wissen, aus welchem tiefen Loch er mich gerettet hatte. Wir waren fast jeden Tag über Videochat miteinander verbunden und ich merkte, wie sich seine Art gegenüber mir veränderte. Er mochte meine direkte Art, also fragte ich direkt nach, ob er sich verliebt hat - er antwortete mit Ja, er habe sich total in meinen Charakter verliebt, sogar noch bevor er mich regelmäßig gesehen hat. Das war ungefähr 3 Monate nach unserem Kennenlernen.
Das war für mich völlig neu. Ich habe in den meisten Jahren meines Lebens gelernt, meine Gefühle irgendwo hinter einer riesigen Betonmauer zu verstecken, damit sie niemand mehr verletzt. Da kam plötzlich Luca mit Hammer und Meißel und begann, diese Mauer einzureißen.
Vor Panik, ausgelöst durch seinen Optimismus, tatsächlich eine Beziehung mit mir führen zu können, schwankte unsere Freundschaft häufig hin und her. Ich dachte, eine Beziehung hätte keinen Sinn, schließlich war das damals ungefähr einen Monat vor meinem 16. Geburtstag, er ist ein Jahr älter und wohnt im Süden von Deutschland mit über 400km Entfernung ziemlich weit von mir weg. Ich verletzte ihn mehrmals ziemlich stark mit einem "Freund", in der Hoffnung, er würde aufhören, mich zu lieben und unsere Freundschaft könnte so werden wie früher - völliger Schwachsinn, weiß ich heute.
Irgendwann habe ich ihm erzählt, dass ich mir keine Beziehung vorstellen kann, da Gefühle für mich völlige Fremdwörter sind. Er schaffte es daraufhin, seine Eltern zu einem Besuch zu überreden - der musste abgebrochen werden, weil meine Eltern kurzerhand einen Urlaub geplant hatten.

Was folgte, war eine sehr schmerzhafte Phase. Natürlich war er verletzt, wie ich auch, aber ich wollte nicht, dass er traurig ist. Obwohl ich merkte, wie wichtig er mir war, begann ich, ihm zu sagen, er solle sich jemanden in seiner Nähe suchen, er würde schon jemanden finden, er sollte mich vergessen und so weiter. Er wollte das alles nicht, und ich wollte ihn nicht traurig sehen, weil wir uns nicht treffen konnten. Der Kontakt brach fast ab, wurde sehr selten, weil ich tatsächlich sehr gemein wurde, und schließlich war ich im Sommer einen Monat im Urlaub, in dem ich mit ihm nicht reden konnte. In diesem Urlaub habe ich über eine Freundin erfahren, dass er jetzt eine Freundin habe - ein Schock für mich, auch wenn es genau das war, was ich für ihn wollte.
Kurzerhand brach der Kontakt vollständig ab. Ich wollte nicht mehr mit ihm reden, weil er mir plötzlich wie denjenigen erschien, die mich früher schon dermaßen zugrunde gerichtet haben.

Und dann kam das, womit wir beide nicht mehr gerechnet hatten: Ich war mit einer Freundin in der Stadt, als sie mir erzählte, dass auch Luca hier war. Da merkte ich, dass meine Wut irgendwie verraucht war, und überredete sie, ihn zu besuchen - vielleicht der größte Fehler, denn Luca und ich verstanden uns prächtig. Es waren nur zwei Tage, an denen wir uns sahen, aber ich hatte noch nie einen so kurzen Zeitraum, in dem so viel passierte. Es knisterte gewaltig zwischen uns, und noch mehr, als wir uns am zweiten Tag ohne meine Freundin trafen. Er sagte mir, wegen seiner Freundin bräuchte ich nicht mehr zu denken, er will etwas von mir, aber da hat er sich wohl sehr getäuscht.. Wir küssten uns, standen eine Ewigkeit eng umschlungen da und wünschten uns, dass solche Tage doch ewig dauern könnten. Das war der Moment, in dem realisiert habe, dass ich verliebt bin. Das habe ich ihm auch gesagt - und er hat es erwidert. Er bereut es, eine Freundin zu haben. Wir sehen uns wieder täglich, und ich sehe seine Blicke - es ist alles wie früher, doch jetzt hat er eine Freundin, von der er selbst sagt, er möchte sie nicht, weil es mich gibt.
Wir sind mittlerweile so weit, dass wir zusammen an einer Lösung feilen, die uns räumlich zusammenbringt. Von meinen Eltern aus kann ich zu ihm, das ist kein Problem, aber seinen Eltern kann er nichts erzählen, eben weil er eine Freundin hat. Er kann sowieso selten mit ihnen reden, das habe ich auch schon gemerkt. Später (in ungefähr einem Jahr) wird er in eine Stadt ziehen, die zwar immer noch weit von mir entfernt ist, in der ich aber Familie habe und demnach gut dorthin kann. Es ist reiner Zufall, dass auch mein späterer Wohnort höchstwahrscheinlich dort liegen wird.
Wir sagen uns immer wieder, dass wir glauben, alles könnte gut werden, schließlich sind wir nach einem Jahr ständigem Auf und Ab viel enger zusammengeschweißt als vorher. Ich wollte seine Beziehung nicht zerstören, er hat genauso wenig wie ich damit gerechnet, dass eine Begegnung von uns so abläuft wie sie dann nun mal abgelaufen ist. Aber jetzt sagt er selber, es hat keinen Sinn mit seiner Beziehung. Er müsse immer an mich denken, er hat keine Gefühle mehr für seine Freundin und will unbedingt so schnell wie möglich noch einmal zu mir, aber bis dahin will er sich von seiner Freundin getrennt haben.
Das Problem: Er traut sich nicht. Er hat Angst vor der Reaktion seiner Eltern, seine erste Freundin gegen ein Mädchen "einzutauschen", das am anderen Ende von Deutschland wohnt. Und ich weiß selber, wie bescheuert es ist, in meinem/unserem Alter eine Fernbeziehung zu wollen... Aber momentan halten wir uns gegenseitig über Wasser. Er will unbedingt den Mut zusammenbekommen, seinen Eltern die Wahrheit zu erzählen und sich zu trennen, damit es sein - und mein - "Happy End" gibt.

Ich möchte euch fragen, was ihr tun würdet. Wie könntet ihr den Mut aufbringen, euren Eltern eine Hiobsbotschaft zu überbringen? Oder habt ihr irgendeine Idee, was uns in dieser Situation helfen könnte?
Ich möchte bitte keine Vorwürfe, weil ich vermutlich eine Beziehung zerstört und mich sehr bescheuert verhalten habe.. Ich weiß selber, wie dämlich ich war und vermutlich immer noch bin. Aber ich kann die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Wir können nur das Jetzt ändern, und das sieht leider so aus, dass wir uns ziemlich in die Scheiße hinein geritten haben auf gut Deutsch... Ich bin dankbar für jede Hilfe.

Lina

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3. September 2016 um 12:06

Wie alt ist der denn ?
Sex ist immer die ureigenste eigene zuständigkeit.
Das heißt:
Eltern, Staat, weiß der Kuckuck was für welche , haben da nichts zu sagen, garnichts.
es ist falsch daß er da Eltern was einräumt, was nicht sein darf.
Das ist keine "Hiobsbotschaft".
Die eltern haben sich da zurückzuhalten.
Du mußt ihm das mal klarmachen.

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3. September 2016 um 12:50

Es dauert gar nicht so lange
Es ist halt möglich, dass wir uns öfter sehen, Vielleicht nicht jeden Tag oder jede Woche, aber zumindest jeden Monat.

Ich gehe noch zur Schule, bin aber nächstes Jahr fertig. In ungefähr anderthalb Jahren bin ich volljährig, er in ein paar Monaten.

Aus meiner Familie habe ich bisher die Erfahrungen gemacht, dass sowas immer relativ gut geklappt hat, so haben meine Geschwister alle Freunde/Freundinnen, die früher teils über 600km weit weg gewohnt haben.. Mittlerweile wohnen sie allerdings zusammen.

Ich danke dir für deine Antwort!

Lina

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