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Erst Depressionen, dann Trennung? Gibt es noch Hoffnung?

21. Dezember 2006 um 16:31

Hallo,

ich bin neu hier im Forum und hoffe, hier Rat zu finden. Mein Freund (29) und ich (31) sind nun seit 11 Jahren ein Paar. Seit 4 Jahren leben wir zusammen. Mein Freund ist eher ein ruhiger, introvertierter Typ, der manchmal Probleme hat sich durchzusetzen und im täglichen Leben etwas chaotisch ist. Ich bin wohl eher der starke Part in unserer Beziehung, regle alle Finanzen und kümmere mich auch sonst um vieles allein. Mein Freund ist ein Träumer und ich bin diejenige, die ihn wieder runter holt. In unserer Beziehung gab es immer mal wieder Höhen und Tiefen. Vor etlichen Jahren waren wir auch schon mal kurzzeitig getrennt. Vor ca. 2,5 Jahren steckte unsere Beziehung noch mal in der Krise. Meine beste Freundin hatte sich nach 7 Jahren Beziehung von ihrem Freund getrennt. Dadurch kam bei mir plötzlich auch die Frage auf Will ich mit diesem Mann den Rest meines Lebens verbringen?. Es hat ein paar Wochen gedauert, aber danach war ich mir sicher. Ja, ich will! Danach lief alles super. Wir wollten ein Haus kaufen, ich hab die Pille abgesetzt, es wurde übers Heiraten gesprochen.... Und dann erkrankte mein Freund an Depressionen. Der Auslöser dafür war wohl der Tod seiner Großmutter. Es folgte ein stationärer Klinikaufenthalt von fast 4 Wochen und anschließend noch mal 6 Wochen Tagesklinik. Das war eine schwere Zeit für uns beide, aber wir haben das gemeinsam durch gestanden. Seit 4 Wochen geht mein Freund nun wieder arbeiten. Seit 3 Wochen bin ich mir sicher, dass er sich von mir trennen will. Er hat es bisher noch nicht ausgesprochen, aber er sendet überdeutliche Signale. Er möchte nun kein Haus mehr kaufe. Das Thema Kinder blockt er ab. Statt einem familientauglichen PKW möchte er jetzt lieber noch mal etwas flottes mit viel PS. Die Urlaubsplanung wird erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Er möchte noch mal in die Stadt ziehen. Er weiß, dass ich nicht mehr in die Stadt möchte und zieht die Möglichkeit getrennter Wohnung ernsthaft in Betracht.
Wir wohnten bereits für 1 Jahr in einer Kleinstadt. Damals fühlte er sich dort so unwohl, dass wir wieder zurück auf Land mussten. Ursprünglich war für diese Jahr der Umzug in den Nachbarort geplant. Dort habe ich von meiner Oma ein Haus übernommen. Nachdem wir schon mit der Renovierung begonnen hatten, stoppte er plötzlich die Aktion mit der Begründung aus seinem Heimatort nicht weg zu wollen. Das ist gerade mal 5 Monate her. Vor 8 Wochen haben wir noch ein Kaufangebot für ein anderes Haus abgegeben. Er war schon immer etwas wankelmütig. Damit habe ich mich arrangiert. Aber jetzt betrifft das Sachen über die wir uns eigentlich schon seit langem im Klaren waren. Alle Gespräche, die unsere gemeinsame Zukunft betreffen, blockt er ab. Vor 2 3 Wochen hat er es nicht mal geschafft beim Spazierengehen meine Hand zu nehmen oder mir einen Kuss zu geben. Er war tief in Gedanken versunken, wollt mit mir aber nicht darüber reden. Mittlerweile hat sich die Situation schon wieder ein wenig entspannt.
Die Depressionen hat er überstanden. Sein Verhalten kann damit eigentlich nicht direkt zusammenhängen. Allerding denke ich schon, dass es mit seinem Aufenthalt / Therapie dort zu tun hat. Er hat in der Tagesklinik eine Frau kennen gelernt und hat dort viel Zeit mit ihr verbracht. Ich habe den Verdacht, dass sie etwas damit zu tun hat. Vielleicht hat er sich in sie verliebt. Er behauptet zwar immer noch mich zu lieben und das er nicht an Trennung denkt, aber ich glaube ihm nicht. Zwei Freundinnen von mir haben (unabhängig voneinander) gesagt, dass er nach einem bequemen Weg sucht mich zu verlassen. Ich hoffe, es ist nur eine Phase (die hatte ich ja vor 2 Jahren auch) und er merkt recht bald was er an mir hat.
Ich kann hier nicht alles aufzählen was in den letzten Wochen gesagt wurde oder passiert ist. Ich hoffe, Ihr könnt Euch auch so ein Bild machen.
Ich weiß nicht wie ich weiter reagieren soll. Soll ich mein Leben weiterleben, als sei alles in Ordnung? Soll ich mir besonders viel Mühe geben, damit er sieht wie toll ich bin? Soll ich mit ihm in die Stadt ziehen, obwohl ich da eigentlich nicht hin will? Fragen, Fragen, Fragen. Ich möchte ihn ja nicht weiter von mir wegtreiben. Ich liebe ihn und möchte an der Beziehung festhalten. Ich will mich aber auch nicht an etwas klammern, was zum Scheitern verurteilt ist. Damit würde ich es mir ja nur noch schwerer machen.
Ich bin nicht die einzige, die unter seinem neuen Ich zu leiden hat. Er hat den Kontakt zu seinen Eltern fast gänzlich abgebrochen. Vor einen Jahr hatte er noch täglich Kontakt mit ihnen.

Verzweifelte Grüße

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21. Dezember 2006 um 22:34

Kommt mir sehr bekannt vor!
Komisch, die Geschichte von deinem Mann hört sich genauso an wie meine,fast könnte man glauben, du beschreibst mich (aber ich bin eine Frau). Ist dein Mann auch Fische? - war nur ein Scherz.
Ich hatte nach der Geburt meines Kindes auch Depressionen, die sich leider über 2 Jahre hingezogen haben. Gut, daß dein Mann sich so schnell hat behandeln lassen!
Die Reaktion von deinem Mann kommt mir auch bekannt vor, habe im Moment das selbe Problem. Ich weiß nicht, ob das darauf hindeuten muß, daß er eine Affäre hat - bei mir ist das jedenfalls nicht so gewesen.
Ich hatte eher das Gefühl, daß ich nach der überwundenen Depression - die dich ja fesselt und völlig Entscheidungsunfähig macht - nun endlich mein Leben wiederhatte und es nicht gleich total verplant sehen wollte. Ich brauchte Zeit, meine eigenen Bedürfnsse und Wünsche wieder kennen zu lernen. Am Anfang erschien mir jede Laune unheimlich wichtig, aber das war wohl nur, das plötzlich wieder andere Gefühle als nur Traurigkeit da waren.
Ich habe mich extrem von meinem Mann entfernt und auch ans Ausziehen gedacht, weil ich befürchtete, die Gefühle eines anderen Menschen halen mich jetzt nur auf, wo ich endlich selber wieder welche habe.
Ich wollte einen kompletten Neuanfang und war nicht sicher, ob die durch die Depression belastete Beziehung mich nicht runterziehen würde.

Ich kann dir leider auch kein Paptentrezept anbieten, denn ich bin aus dieser Phase noch nicht wieder raus und überlege immer noch, ob ich meinen Ehemann verlassen soll.
Vielleicht hätte sich dieser Gedanke nicht so verfestigt, wenn mein Mann mich nicht dauernd hätte spüren lassen, daß er mich für die chaotische und lebensuntüchtige von uns beiden hält und auf ein paar meiner Spinnereien wenigstens im Gespräch mal eingestiegen wäre und mir vermittelt hätte, daß er mich ernst nimmt, auch wenn wir am Ende dann nicht nach Timbuktu auswandern. Einfach nur ernst genommen werden hätte gut getan.
Aber mein Mann hielt mich nach wie vor für

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21. Dezember 2006 um 22:43

Kommt mir sehr bekannt vor 2
Aber mein Mann hielt mich nach wie vor für die "Kranke", die "Unberechenbare", die "Verrückte".

Ernst genommen zu werden wäre wirklich gut gewesen.

Vielleicht will dein Mann auch einfach nur ein bißchen "laufen", eine Woche Urlaub mit den Kumpels oder auch alleine. Vielleicht weiß er dann, was er will. Ich bitte seit bestimmt 4 Jahren um so eine Auszeit (und zwar nicht, um in der Einsamkeit große Entscheidungen zu treffen, sondern einfach nur, um mal durchzuatmen und mein neues Leben in den Kopf zu kriegen).
Mein Mann wollte das aber nicht. Jetzt ist es wahrscheinlich zu spät. Ich kann in unserer Beziehung nicht Fuß fassen, weil er das alte Bild von mir nicht aus dem Kopf kriegt.

Hoffentlich macht ihr zwei es besser, laß ihn das doch einfach lesen, vielleicht liegst bei ihm an der selben Sache, dann kann er es dir ja gleich sagen.
Auf jeden Fall viel Glück!

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22. Dezember 2006 um 8:21

Danke...
Zu zylinderhut

Leider ist das mit dem "offen reden" einfacher gesagt, als getan. Mein Freund entzieht sich mir sobald die Themen ernster werden. Er leugnet eine Affäre zu haben (das würde ich ihm auch nicht zutrauen) und versichert mir immer wieder, dass er mich noch liebt. Bei Themen wie heiraten, Kinder, Hauskauf sagte er nur Kann ich Dir nicht sagen, weiß ich im Moment nicht. Ich renne gegen eine Wand.

Zu ykenai

Was Du schreibst kann ich mir sehr gut vorstellen. Meine ersten Gedanken gingen auch in diese Richtung. Er muss nach der Erkrankung ja erstmal in sein Leben zurückfinden, oder ein neues Leben gestalten. Ich habe das Gefühl, mein Freund hat seine Mitte noch nicht gefunden. Ich nehme jede seiner Ideen ernst. Vielleicht zu ernst? Seinen Umzugswunsch setze ich gleich mit einer Trennung. Er sagt, er hätte Angst dafür es irgendwann einmal zu bereuen, nie in der Stadt gewohnt zu haben. Gestern hat er mir verkündet, dass er auf der Suche nach einem Boxverein ist. Er war schon immer ein Fan von Sylvester Stallone und jetzt wo Rocky VI in die Kinos kommt... Es ist nicht leicht für mich seine Spinnereien ernst zu nehmen und gleichzeitig ruhig zu bleiben und nichts davon über zu bewerten.
Vielleicht zeige ich ihm was Du geschrieben hast.

Danke.

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