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ER zieht sich bei persönlichen Schwierigkeiten zurück

11. März 2015 um 0:43

Wünsche mir Unterstützung, Hilfe durch Sichtweise von aussen auf die Entwicklung unserer Beziehung, indem ich hier die Probleme und den Verlauf der letzten Wochen schildere.
Ich lebe seit einiger Zeit mit meinem Lebenspartner in einer gefühlt sehr vertrauensvollen, innigen Beziehung, in der "alles" zu stimmen schien.
Seit Jahresbeginn haben wir uns nach gemeinsamen Wohnmöglichkeiten umgesehen, beabsichtigten, zusammen zu ziehen, miteinander alt werden zu wollen. Diesem Entschluss sind viele Gespräche vorausgegangen, und wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht.
Wir sind beide in den 60ern, haben Ehen und gescheiterte Beziehungen hinter uns und, wie ich glaube, unsere Entscheidung für einander sehr gut durchdacht. Unsere Beziehung hat schon einige Tiefs, aber auch sehr viele Hochs durchlaufen; wir hatten bisher beide das Gefühl, und blind aufeinander verlassen zu können.
Es ist ein Gefühl tiefer Liebe zwischen uns gewachsen.
Vor einigen Wochen haben diverse massive Veränderungen in den finanziellen Verhältnissen meines Mannes zu einer massiven Veränderung in unser beider Leben geführt; ER fiel in ein tiefes Loch, Probleme mit dem Finanzamt, sicher zu einem grossen teil selber verursacht, und zum ersten Mal im Leben zumindest von ihm so empfunden eine ausweglose Zukunft, zumindest für einige Jahre - bis hin zu Kontensperrung, nicht Wissen, wie er seinen Alltag bewältigen soll.
Nur soviel - er teilte mir die Zuspitzung der Situation telefonisch mit, weiss zur Zeit nicht, wie "es weiter gehen soll", fühlt nurmehr eine grosse Leere und hat momentan überhaupt keinen Kopf für unsere Liebe, wie er sagt.
Er erbat sich Zeit, um sein Leben zu ordnen, will sich bei mir melden, kann mir aber "nichts versprechen", was auch immer er damit sagen will.
Ich weiss, dass diese Angaben durchaus der Wahrheit entsprechen, habe die Anfänge mitbekommen, Einblick in Unterlagen und Dokumente von ihm bekommen, kann mir vorstellen, dass er sich vom Selbstbild des Machers, Versorgers, Kümmerers verabschieden muss, was ihm wahrscheinlich ebenso grosse Probleme verursacht wie die Bewältigung seines neuen Alltags.
Habe versucht, ihm Unterstützung anzubieten und ihm klar zu machen, dass ich keinerlei Erwartungen an ihn hege, zumal ich durchaus mit schwierigen finanziellen Situationen in meinem eigenen Leben schon umgehen musste und für mich entschieden habe, dass dies nicht das Wichtigste in meinem zukünftigen Leben, nicht bestimmend sein kann und soll. ... möchte ihm die gewünschte Zeit geben und habe doch sehr grosse Probleme damit, dass ich nunmehr seit Wochen nichts von ihm gehört habe.
Weiss nicht, wie ich weiter verfahren soll. Will ihn nicht bedrängen und möchte doch Klarheit haben, auch, wie es in meinem Leben weitergehen wird. "Hänge" irgendwie.
Und würde ihn so gern auffangen und ihm zur Seite stehen. Wie kann, wie sollte ich mich verhalten - gibt es jemanden hier, der Erfahrung hat mit einer solchen Situation?

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11. März 2015 um 7:00

Du hast seit wochen nichts von ihm gehört?
er hat dich einfach am ausgestreckten arm hängen lassen?

das würde mir zeigen, wie tragfähig eure beziehung ist. gar nicht, nämlich. es mag ja sein, dass sein ganzes lebenskonstrukt zusammengebrochen ist, aber sollte man nicht in einer funktionierenden partnerschaft gemeinsam durch solche schlechten zeiten gehen?

es tut mir sehr leid für dich.

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11. März 2015 um 8:10

Antwort
Naja, ich weiß, warum er in solchen Situationen so reagiert, will daran nicht unbedingt die Tragfähigkeit unserer Beziehung messen.
Ich hatte gehofft, dass jemand antwortet, die ähnliche Verläufe schon erfahren hat. Ich denke, es hat auch etwas mit unserem / seinem Alter zu tun - jüngere Männer haben eine sehr andere Sichtweise, was die Auswirkungen eines solchen Desasters auch auf die Partnerin/Beziehung anbetrifft.
Seine erste Bemerkung war : " wie soll ich Dich denn versorgen, wovon sollen wir leben?"
Derartige Ansprüche Habe ich nie an ihn gestellt, weiß aber, dass er von Anfang an immer wieder in jene Richtung gedacht hat. Für ihn ( seine Generation ? ) ist es fast selbstverständlich , für die Frau, die er liebt, sorgen zu können, sie zu beschützen.
Dies ist natürlich momentan nicht möglich, meint er.
Dass emotionale "Versorgung" mir viel wichtiger ist, kann er glaube ich, zumindest in der jetzigen Situation nicht realisieren. Danke Euch beiden aber durchaus für den "Blick auf die Dinge" ......

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11. März 2015 um 9:16

Schwierig
dass man sich völlig zurück zieht, wenn einem so grundsätzlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird, kann ich nachvollziehen - dass man sich auch vor dem Partner zurück zieht, ist in Anbetracht der Umstände auch noch nachvollziehbar. Wer sich auf einmal völlig selbst in Frage stellt, stellt auch eine Beziehung in Frage (bzw. die eigene Fähigkeit dazu), bei der das gar nicht notwendig wäre.

Aber die Frage ist, ob er da allein überhaupt wieder herauskommt. Auch wenn mir recht klar ist, dass er da den übermächtigen Wunsch hat, das "mit sich selbst auszumachen", ist eher die Frage, ob er das "mit sich selbst ausmachen" KANN. Ich fürchte, es ist fast wahrscheinlicher, dass er sich auf die Art einfach nur noch weiter und weiter abwärts bewegt.

Ich kann Dir leider nicht sagen, ob Du eine Chance hast, da jetzt an ihn heran zu kommen, aber ich würde Dir schon raten, da jetzt auf ihn zu zu gehen. Kann genauso gut sein, dass er Dich völlig abblockt, aber vielleicht möchtest Du es versuchen (wenn Du nicht wirklich (!) möchtest - lass es sein!).
Ich würde Dir raten, geh auf ihn zu, sage ihm, dass sich für Dich nichts geändert hat, dass eine Beziehung für Dich "in guten wie in schlechten Zeiten" bedeutet und Du da mit ihm gemeinsam hindurch gehen willst.

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11. März 2015 um 11:50
In Antwort auf avarrassterne

Schwierig
dass man sich völlig zurück zieht, wenn einem so grundsätzlich der Boden unter den Füssen weggezogen wird, kann ich nachvollziehen - dass man sich auch vor dem Partner zurück zieht, ist in Anbetracht der Umstände auch noch nachvollziehbar. Wer sich auf einmal völlig selbst in Frage stellt, stellt auch eine Beziehung in Frage (bzw. die eigene Fähigkeit dazu), bei der das gar nicht notwendig wäre.

Aber die Frage ist, ob er da allein überhaupt wieder herauskommt. Auch wenn mir recht klar ist, dass er da den übermächtigen Wunsch hat, das "mit sich selbst auszumachen", ist eher die Frage, ob er das "mit sich selbst ausmachen" KANN. Ich fürchte, es ist fast wahrscheinlicher, dass er sich auf die Art einfach nur noch weiter und weiter abwärts bewegt.

Ich kann Dir leider nicht sagen, ob Du eine Chance hast, da jetzt an ihn heran zu kommen, aber ich würde Dir schon raten, da jetzt auf ihn zu zu gehen. Kann genauso gut sein, dass er Dich völlig abblockt, aber vielleicht möchtest Du es versuchen (wenn Du nicht wirklich (!) möchtest - lass es sein!).
Ich würde Dir raten, geh auf ihn zu, sage ihm, dass sich für Dich nichts geändert hat, dass eine Beziehung für Dich "in guten wie in schlechten Zeiten" bedeutet und Du da mit ihm gemeinsam hindurch gehen willst.

Antwort
Liebe(r?) avarrassterne, dies ist mit Abstand der hilfreichste Kommentar für mich. Ich merke, dass Du Dich einfühlen kannst. Und sehe, dass Du nachvollziehen kannst, wo ich durchaus auch Schwierigkeiten habe.
Ich sehe auch, dass das Haauptproblem für ihn sein könnte, das allein zu bewerkstelligen - nur : wie könnte er dazu bewegt werden, evtl. professionelle Hilfe anzunehmen?
Die Unterstützung einer sehr vertrauten, sehr liebenswerten und taffen Freundin lehnt er vehement ab .... das sei der "letzte Ausweg" . Mache mir große Sorgen.
Ja, ich denke, so werde ich vorgehen. Habe auch schon meine Gedanken dazu aufgeschrieben, eine Art Brief an ihn verfasst, möchte aber lieber im Gegenüber agieren.
Briefe sind oder können zumindest so dramatisch (sein) .... Danke Dir.

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11. März 2015 um 12:17
In Antwort auf declan_12729340

Antwort
Liebe(r?) avarrassterne, dies ist mit Abstand der hilfreichste Kommentar für mich. Ich merke, dass Du Dich einfühlen kannst. Und sehe, dass Du nachvollziehen kannst, wo ich durchaus auch Schwierigkeiten habe.
Ich sehe auch, dass das Haauptproblem für ihn sein könnte, das allein zu bewerkstelligen - nur : wie könnte er dazu bewegt werden, evtl. professionelle Hilfe anzunehmen?
Die Unterstützung einer sehr vertrauten, sehr liebenswerten und taffen Freundin lehnt er vehement ab .... das sei der "letzte Ausweg" . Mache mir große Sorgen.
Ja, ich denke, so werde ich vorgehen. Habe auch schon meine Gedanken dazu aufgeschrieben, eine Art Brief an ihn verfasst, möchte aber lieber im Gegenüber agieren.
Briefe sind oder können zumindest so dramatisch (sein) .... Danke Dir.

Ähm...
professionelle Hilfe annehmen? Als Mann in den 60ern, der gerade die Basis seiner Lebenseinstellung und seines Selbstwertgefühls verloren hat und für den Psychologen etwas für Menschen sind, die sich für Napoleon halten oder Dr. Jekyll und Mr. Hyde spielen? Nicht ohne Gottes Eingriff fürchte ich...

Aber was Du machen kannst: lass Dich selbst beraten, wie ihm zu helfen ist und wie Du ihm helfen kannst - und vielleicht wissen die Profis selbst, wie er dazu bewegt werden könnte. professionelle Hilfe anzunehmen.

Ja, ich kann es nachvollziehen, in meinem Leben ist schon verdammt oft der Boden unter meinen Füssen verschwunden und ich habe gelernt, dass ich, auch wenn ich selbst falle, nicht das Recht habe, den Menschen in meiner Umgebung auch den Boden unter den Füssen wegzuziehen und es irgendwie auch dann, wenn ich selbst restlos am Boden bin, noch hinkriegen muss, darauf zu achten, was das mit anderen macht und das ggf. abzufangen - und mir auch helfen zu lassen. Aber ich habe es auch erst gelernt und ziemlich auf die harte Tour und ganz und gar nicht auf Anhieb und wie soll ich sagen... auch nicht erst, nachdem ich schon über 60 Jahre Leben und Selbstbild auf meiner ach so tollen Eigenständigkeit aufgebaut habe.

Briefe sind nicht nur dramatisch, man kann sie auch prima ignorieren und nach 5 min rückstandslos vergessen.

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