Forum / Liebe & Beziehung

Emotionale Abhängigkeit

22. November 2020 um 23:05 Letzte Antwort: 23. November 2020 um 14:21

Guten Abend, 

ich habe ein sehr großes Problem. 

Zunächst beschreibe ich mich kurz. Ich bin 24 Jahre alt, wohne alleine und bin berufstätig. Ich habe keine Geschwister und meine Eltern sind beide verstorben. Ich habe nur meine Großeltern. Seit mehreren Jahren bin ich in einer Beziehung. Er ist 25 und hat eine große Familie. Die Familie weiß von mir aber aus kulturellen Gründen kann ich nicht mit zu ihm nach Hause (wenn dies jemand verurteilt bringt es mir wirklich nichts wenn das erwähnt wird denn ich habe mich trotzdem für diese Beziehung entschieden). Er ist mein erster Freund sowie ich auch seine erste Freundin. Eigentlich lieben wir uns sehr allerdings kommt es immer wieder zu großen Streitigkeiten. Es geht darum, dass er der Meinung ist ich setze ihn unter Druck lasse ihm keinen Freiraum und enge ihn ein. Das Resultat daraus ist, dass er sich komplett zurück gezogen hat und wir uns seit fast zwei Monaten nicht gesehen haben. Wir schreiben zwar regelmäßig aber es geht immer nur darum das ich ihn endlich sehen möchte. Er ist überfordert mit mir. Ich klammere aufgrund extremer Verlustängste. Bei jeder Kleinigkeit werde ich panisch. Es reicht schon wenn alles gut ist sich aber seine Stimme etwas genervt anhört, ich nehme dies sofort persönlich und denke ich habe etwas falsch gemacht auch wenn es meistens gar nicht an mir liegt. Zur Zeit geht es mir sehr schlecht ich schaffe es nichtmal zur Arbeit zu gehen weil er sich so von mir distanziert hat. Ich weine den ganzen Tag aber ändere mich auch nicht. Ich rufe ihn 20 mal hintereinander an schreibe ihm etliche Nachrichten und er ist nur genervt davon. Durch mein Verhalten mache ich die ganze Beziehung kaputt aber wenn mich meine verlustangst überkommt terrorisiere ich ihn regelrecht. Ich habe kaum Ablenkung und alles dreht sich bei mir um ihn was ihm einfach zu viel ist. Jetzt habe ich große Angst das schon alles zu spät ist und ich ihn verliere. Wie komme ich von der emotionalen Abhängigkeit und der verlustangst weg und kann mich für mich selbst und für die Beziehung ändern? Habt ihr Tipps? Vielen Dank. 

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22. November 2020 um 23:23

So tief sitzende Verlustängste kannst du nur mit einem Therapeuten aufarbeiten.

Auch wenn er überfordert ist, ist es alles andere als normal, sich zwei Monate nicht zu sehen.

Für mich klingt es eher nach einer Trennung auf Raten. Er scheint sich aufgrund deiner instabilen Persönlichkeit nicht zu trauen sich zu trennen.

Das ist oft so, das einer unglücklich ist aber sich verantwortlich fühlt, weil der Partner nur ihn hat.

Lass dich auf die Warteliste bei einem Therapeuten setzen und dann solltet ihr das mal erwachsen klären.

Setzt euch zusammen und klärt, wie ihr das handhaben wollt, bis du zur Therapie gehen kannst.

Und so lange reiß dich mal am Riemen und lass den armen Jungen in Ruhe. Er hat die Nase gerade voll von dir und mit jedem Anruf und jeder Nachricht, steigen seine negativen Gefühle für dich und am Ende bleibt kein Gutes mehr für dich übrig und dann ist er schneller weg, als du gucken kannst.

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23. November 2020 um 2:45

Ich möchte mich BeautifulMind vollinhaltlich anschließen.

Abhängig von den Corona-Regeln solltest du deinen Focus verlagern, damit deinem Freund nicht auf die Nerven gehst mit zu viel Klammern. Treffe dich öfter mit Freundinnen oder Arbeitskollegen, oder nimm dir etwas Konkretes vor, das du auch allein machen kannst. Das Internet ist voller Dinge, die man machen kann (eine Sprache lernen, Handarbeiten oder Fotografieren lernen, )

Wenn du deine Freizeit mit Grübeln und Sinnieren verbringst, bleibst du auf "nichts" hocken. Und gefährdest deine Freundschaft.

Werde klug und aktiv,

Pi

 

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23. November 2020 um 7:33
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Ich möchte mich BeautifulMind vollinhaltlich anschließen.

Abhängig von den Corona-Regeln solltest du deinen Focus verlagern, damit deinem Freund nicht auf die Nerven gehst mit zu viel Klammern. Treffe dich öfter mit Freundinnen oder Arbeitskollegen, oder nimm dir etwas Konkretes vor, das du auch allein machen kannst. Das Internet ist voller Dinge, die man machen kann (eine Sprache lernen, Handarbeiten oder Fotografieren lernen, )

Wenn du deine Freizeit mit Grübeln und Sinnieren verbringst, bleibst du auf "nichts" hocken. Und gefährdest deine Freundschaft.

Werde klug und aktiv,

Pi

 

Danke für die Hilfe, es fällt mir leider nur sehr schwer aus diesem Trott herauszukommen. Wenn ich von ihm nicht bestätigt bekomme dass er mich liebt und bei mir bleibt bin ich quasi alltagsuntauglich. Ich schaffe es auch nicht zur Arbeit zu gehen. Meist sitze ich dann den ganzen Tag auf meinem Bett und grübel und komme davon nicht los. Die Ideen sind da, mal spazieren gehen oder ein Buch lesen um mich abzulenken aber die Umsetzung klappt nicht da ich mich kaum auf andere Dinge konzentrieren kann. Durch mein Verhalten riskiere ich meine Gesundheit, meine Beziehung und auch noch meinen Job. 

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23. November 2020 um 7:39
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Ich möchte mich BeautifulMind vollinhaltlich anschließen.

Abhängig von den Corona-Regeln solltest du deinen Focus verlagern, damit deinem Freund nicht auf die Nerven gehst mit zu viel Klammern. Treffe dich öfter mit Freundinnen oder Arbeitskollegen, oder nimm dir etwas Konkretes vor, das du auch allein machen kannst. Das Internet ist voller Dinge, die man machen kann (eine Sprache lernen, Handarbeiten oder Fotografieren lernen, )

Wenn du deine Freizeit mit Grübeln und Sinnieren verbringst, bleibst du auf "nichts" hocken. Und gefährdest deine Freundschaft.

Werde klug und aktiv,

Pi

 

Ergänzend muss ich noch sagen, dass sich das ganze bereits negativ auf meine Freundschaften auswirkt. Es geht bei mir immer nur noch um meinen Freund und ständig heule ich meine Freundinnen voll. Sie geben mir Tipps die ich nicht umsetze. Ich merke, wie sie mittlerweile genervt von dem Thema sind und oftmals auch gar nichts mehr sagen oder meinen Anruf gar nicht mehr annehmen. In mir steckt kaum noch etwas positives und ich denke ich belaste damit alle einschließlich mich selbst. 

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23. November 2020 um 7:48

Wie alt warst du als deine Eltern verstarben? Wie alt sind deine Großeltern jetzt? Wie waren sie zu dir, überbehütend oder warst du dir selbst überlassen? 

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23. November 2020 um 8:18
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Danke für die Hilfe, es fällt mir leider nur sehr schwer aus diesem Trott herauszukommen. Wenn ich von ihm nicht bestätigt bekomme dass er mich liebt und bei mir bleibt bin ich quasi alltagsuntauglich. Ich schaffe es auch nicht zur Arbeit zu gehen. Meist sitze ich dann den ganzen Tag auf meinem Bett und grübel und komme davon nicht los. Die Ideen sind da, mal spazieren gehen oder ein Buch lesen um mich abzulenken aber die Umsetzung klappt nicht da ich mich kaum auf andere Dinge konzentrieren kann. Durch mein Verhalten riskiere ich meine Gesundheit, meine Beziehung und auch noch meinen Job. 

Da hilft nur ein kalter Entzug. Handy ausschalten, sim Karte aus dem Handy nehmen und in eine andere Schublade legen. Schau filme/Serien, ließ Bücher, es gibt auf Social Media noch mehr Foren wie dieses wo man Internet Freunde finden kann, spiel online Spiele und Versuch den Kontakt zu deinen Freunden wieder langsam herzustellen. Schreib ihnen einfach mal wie's denn so geht und interessiere dich für ihr Leben oder was sie so die Tage vorhaben. Schreib ihnen dann wieder und frag wie's gelaufen ist. Damit zeigst du nachhaltiges Interesse. 

Geh wieder zur Arbeit. In den du dich einigelst besteht deine Existenz ja wirklich nur noch durch deinen Freund. Hol dir das wieder zurück was dich ausgemacht hat. Deine Arbeit, hobbies, Ziele. Du brauchst wenigstens ein halbwegs strukturierten Alltag. Geh jeden Tag um 15 Uhr zb spazieren. Überleg dir was du nächstes Jahr alles machen willst: vielleicht einen kleinen Kräutergarten auf dem Balkon anlegen? Plane etwas, das umsetzbar ist.

Wegen Handy aus und Freund: also der Kerl weiß ja wo du wohnst. Wenn er sich sorgen macht kann er vorbei schauen wenn er's nicht tut noch besser, du brauchst jetzt Zeit für dich, du machst jetzt mal bisschen Selbstfindung. Und wenn es dich so stresst dann such dir eine Uhrzeit aus am Tag an der du dein Handy einschaltest. Nachrichten beantwortest aber keine neuen Nachrichten verschickst. Handy dann wieder aus, sim Karte raus. Wenn du mit deinen Freunden schreibst mach es auch so: Handy an, aus. Es ist wichtig, dass du da eine Barriere schaffst, dann bleiben auch die 20 anrufe am Tag aus!

Viele Menschen haben keine Familie mehr - und schau mal was du alles geschafft hast! Du hast eine Wohnung, eine Arbeit, du bist deinen Weg gegangen. Mag sein, dass dein Freund mal eine Bereicherung oder Stütze war, aber du brauchst das nicht mehr. Du stehst kurz davor deine stützräder abzulegen und dein Leben so unabhängiger zu verbringen. Die Beziehung ist längst vorbei, auch wenn es weh tut und es ist ganz natürlich dass du Angst hast, du erlebst das, was gerade passiert, als lebensbedrohlich, das hängt mit deinen Erfahrungen und den urängsten des Menschen zusammen. Ein Mensch mit einer ausgebildeten Resilienz (Google das mal sehr hilfreich) übersteht solche lebensverändernden Situationen und ein anderer baut sich genau durch diese Situation seine resilienz langsam auf. Du bist stärker als du glaubst, du kannst mehr als du dir zutraust und du bist viel mehr, als das, was du gerade bist!

Du schaffst das!

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23. November 2020 um 10:02
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Guten Abend, 

ich habe ein sehr großes Problem. 

Zunächst beschreibe ich mich kurz. Ich bin 24 Jahre alt, wohne alleine und bin berufstätig. Ich habe keine Geschwister und meine Eltern sind beide verstorben. Ich habe nur meine Großeltern. Seit mehreren Jahren bin ich in einer Beziehung. Er ist 25 und hat eine große Familie. Die Familie weiß von mir aber aus kulturellen Gründen kann ich nicht mit zu ihm nach Hause (wenn dies jemand verurteilt bringt es mir wirklich nichts wenn das erwähnt wird denn ich habe mich trotzdem für diese Beziehung entschieden). Er ist mein erster Freund sowie ich auch seine erste Freundin. Eigentlich lieben wir uns sehr allerdings kommt es immer wieder zu großen Streitigkeiten. Es geht darum, dass er der Meinung ist ich setze ihn unter Druck lasse ihm keinen Freiraum und enge ihn ein. Das Resultat daraus ist, dass er sich komplett zurück gezogen hat und wir uns seit fast zwei Monaten nicht gesehen haben. Wir schreiben zwar regelmäßig aber es geht immer nur darum das ich ihn endlich sehen möchte. Er ist überfordert mit mir. Ich klammere aufgrund extremer Verlustängste. Bei jeder Kleinigkeit werde ich panisch. Es reicht schon wenn alles gut ist sich aber seine Stimme etwas genervt anhört, ich nehme dies sofort persönlich und denke ich habe etwas falsch gemacht auch wenn es meistens gar nicht an mir liegt. Zur Zeit geht es mir sehr schlecht ich schaffe es nichtmal zur Arbeit zu gehen weil er sich so von mir distanziert hat. Ich weine den ganzen Tag aber ändere mich auch nicht. Ich rufe ihn 20 mal hintereinander an schreibe ihm etliche Nachrichten und er ist nur genervt davon. Durch mein Verhalten mache ich die ganze Beziehung kaputt aber wenn mich meine verlustangst überkommt terrorisiere ich ihn regelrecht. Ich habe kaum Ablenkung und alles dreht sich bei mir um ihn was ihm einfach zu viel ist. Jetzt habe ich große Angst das schon alles zu spät ist und ich ihn verliere. Wie komme ich von der emotionalen Abhängigkeit und der verlustangst weg und kann mich für mich selbst und für die Beziehung ändern? Habt ihr Tipps? Vielen Dank. 

Hallo,

du Arme, das klingt sehr bedrückend. 
Deine übergroße Angst vor einem drohenden Verlust versetzt dich regelrecht in Panik. Angst kann einen ganz schön lähmen und macht einen auch handlungsunfähig. Wende dich bitte an einen Therapeuten, der dir hilft diesen Kreislauf aus Angst, Abhängigkeit und möglicherweise Depression zu durchbrechen. 

Liegt der Beginn eurer Beziehung zeitlich in der Nähe des Verlustes deiner Eltern. Es ist sehr gut möglich, dass es hier eine Verbindung gibt, die deine Ängst und panisches Verhalten erklärt. Vielleicht spielen alter Schmerz und Trauer eine große Rolle. 

Etwas für dich selber tun könnte ein erster Schritt sein. 
Wenn du es nicht schaffst zu arbeiten ist das in Ordnung, lass dich bitte krank schreiben. Versuche jeden Tag aufzustehen und gehe nach draußen für Bewegung an der frischen Luft. 

LG Sis

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23. November 2020 um 11:13
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Danke für die Hilfe, es fällt mir leider nur sehr schwer aus diesem Trott herauszukommen. Wenn ich von ihm nicht bestätigt bekomme dass er mich liebt und bei mir bleibt bin ich quasi alltagsuntauglich. Ich schaffe es auch nicht zur Arbeit zu gehen. Meist sitze ich dann den ganzen Tag auf meinem Bett und grübel und komme davon nicht los. Die Ideen sind da, mal spazieren gehen oder ein Buch lesen um mich abzulenken aber die Umsetzung klappt nicht da ich mich kaum auf andere Dinge konzentrieren kann. Durch mein Verhalten riskiere ich meine Gesundheit, meine Beziehung und auch noch meinen Job. 

Ich finde Du hast das schon sehr gut reflektiert und weißt wo das Problem ist.

Was bleit also als eins und eins zusammen zu zählen.
Wenn Du ihn weiter auf die Nerven gehst, dann bist ihn nach Deiner Aussage ohnehin los.
Das willst Du nicht---ALSO LASS IHN IN RUHE---du solltest froh sein das er noch da ist.

Das Du ohne Dich ohne ihn als alltagsuntauglich beschreibt ist furchtbar, Du solltest dringend zu ner Therapie. Geh zum Pyschologen und lass Dich in psyschosomatische Klinik einweißen, so bekommst Du kurzfristig Hilfe.
Für mich hört sich das ganze überhaupt nicht gut an, wobei Du immerhin weißt wo dein Problem ist. Das muss der Ansatz sein.

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23. November 2020 um 12:14
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Wie alt warst du als deine Eltern verstarben? Wie alt sind deine Großeltern jetzt? Wie waren sie zu dir, überbehütend oder warst du dir selbst überlassen? 

Als meine Mutter verstorben ist war ich 16 bei meinem Vater 20. Meine Großeltern sind 80 und 84. Also meine Eltern haben mir selten liebe gezeigt und ich war viel auf mich allein gestellt.

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23. November 2020 um 14:21
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Als meine Mutter verstorben ist war ich 16 bei meinem Vater 20. Meine Großeltern sind 80 und 84. Also meine Eltern haben mir selten liebe gezeigt und ich war viel auf mich allein gestellt.

Als du dir selbst überlassen warst, hast du dich ähnlich wie heute abhängig und hilflos gefühlt? Niemand war damals für dich da, oder waren deine Großeltern für dich doch eine Stütze? ... vielleicht hilft dir die Erkenntnis etwas weiter zu wissen, das deine Eltern dich im Rahmen "ihrer Möglichkeiten" geliebt haben oder du versuchst zu akzeptieren dass es nicht selbstverständlich ist von den eigenen Eltern geliebt zu werden, und vor allem das nicht alle Menschen (Eltern) liebesfähig sind. Diesen Umstand zu erkennen und zu akzeptieren kann erleichternd sein. Für die Unfähigkeit deiner Eltern kannst du nichts, es war nicht deine Schuld....du musst nichts wiedergutmachen, weil es nicht in deiner Verantwortung und Macht stand. Damals.

Nun aber bist du erwachsen und trägst Verantwortung für dich. Schau mal darauf was alles gelungen ist bisher...vernichte nicht das, was du heute bist und erreicht hast mit Selbstzweifel und Pessimismus. 

Hast du therapeutische Unterstützung über einen Psychologen? 
 

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