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Eine Frau nimmt Rache!

10. Mai 2007 um 17:10

Sie betrachtete die Waffe in ihrer Hand. Der Lauf des Sechsschüssers war schlank, elegant. Phallusähnlich. Schön. Silbern glitzerte die Waffe im Schein der Straßenbeleuchtung, die durch das Fenster ihres Autos schien, und sie fuhr mit ihrer rechten Hand am Lauf der Waffe entlang, langsam, fast zärtlich, als handele es sich tatsächlich um das Glied eines Liebhabers und nicht um eine todbringende Waffe.
Liebhaber. Das Wort weckte Trauer, Wut und Zorn in ihr.

Er hatte ihr Liebe geschworen. Er hatte ihre Hoffnungen und ihre Seele genährt mit seinen Zärtlichkeiten und seinen schönen Worten. Seine Augen, himmelblau, die treuherzig und liebevoll in die ihren blickten. Die sich lustvoll verschleierten, wenn sie miteinander schliefen und er seinen Blick dabei nicht eine Sekunde von dem ihren löste. Eine einzelne Träne lief aus ihrem rechten Auge, suchte sich ihren Weg über ihre glatte, alabasterne Wange nach unten, erreichte ihr Kinn. Dort hing die Träne sekundenlang, zitternd, gegen die Schwerkraft kämpfend, um dann herabzufallen und auf dem schlanken Lauf der Sig Sauer zu zerplatzen.

Ein schmerzvoller Gedanke an eine seiner SMS flammte in ihr auf. "Ich wünschte, ich wäre eine Träne...Dann würde ich in deinen Augen geboren, würde auf deinen Wangen leben und auf deinen Lippen sterben." Die Agonie durchzuckte sie, der Schmerz wurde körperlich, und sie krümmte ihren zierlichen Körper leidvoll stöhnend über dem Lenkrad ihres Ford Cougar, mitternachtsblau, zusammen. Sie umklammerte die Waffe fest, haltsuchend, bis deren Konturen sich tief in ihre Haut gruben.
Der Schock, als er sie grundlos und ohne mit der Wimper zu zucken, verließ. Die Zeit danach. Die tiefe Dunkelheit, die sie umgab, während sie verzweifelt versucht hatte, die Scherben ihrer hoffnungslos zersplitterten und verstümmelten Seele aufzulesen und wieder zu einem Ganzen zu fügen. Die Versuche, den innerlichen Schmerz mit äusserem zu bekämpfen. Sie betrachtete ihre schmalen, filigranen Handgelenke, über die sich ein Geflecht kreuzweise verlaufender Narben zog. Die immer wieder aufs Neue enttäuschten Hoffnungen. Seine Herzlosigkeiten, sein Spott, wie er das Messer, das er in ihr Herz gestossen hatte, immer wieder genüsslich herumdrehte und sich an ihrem Leid weidete. Seine Augen, plötzlich kalt wie Eis, als ob niemals etwas zwischen ihnen gewesen wäre. Er wolle sie niemals wiedersehen.

Ein Schluchzen stieg in ihrer Kehle auf.

Dann der Hass. Er kam schleichend. Wie ein tückischer, kalter Nebel, der sich seinen Weg unter der Tür hindurch suchte. Der Hass- eigentlich war es nicht Hass, sondern HASS- war es dann, der sie aufrecht erhielt. Nicht länger war es Liebe, die sie nährte. Die Liebe hatte sie verraten, aber der Hass war zuverlässig, er stützte sie, stärkte sie.

Die Waffe in ihrer Hand war warm geworden, und ihre Hände rochen nun leicht nach Metall. Sie blickte durch das Fenster auf sein Haus. Licht in seinem Zimmer. Sein Wagen auf seinem üblichen Parkplatz- und IHRER direkt daneben. Der Wagen des kleinen Miststücks, welches er ihr nun vorzog. Die Neue konnte ihr das Wasser nicht reichen, sie war weder so schlank, noch so hübsch. Dennoch zog er sie ihr vor.

Kalte Wut brandete in ihr auf, bildete eine Welle, gischtete, überschlug sich.

Entschlossen stiess sie die Autotür auf und setzte ihre in Schuhen von Prada steckenden kleinen Füße auf den Asphalt. Sie schritt auf das Haus zu, liess ihren Ford Cougar, mitternachtsblau, im Schatten gegenüber stehen, ohne einen Blick zurückzuwerfen. Das Geräusch ihrer Schritte klang auf der abendlichen Straße des ruhigen Wohngebiets erschreckend laut. Dann stand sie vor seiner Tür. Streckte die Hand aus, klingelte. Sie war alleine mit der Waffe in ihrer Handtasche und dem Klopfen ihres Herzens, bis sie im Milchglasfenster der Tür Licht aufflammen und eine Gestalt auftauchen sah. Unwillkürlich straffte sie ihre elegante, zierliche Gestalt. 50 Kilo auf 1,70 Meter, ihr ganzer Stolz.

Das erstaunte Gesicht der Person, die die Tür öffnete. Aber sie fasste sich schnell. "Er ist oben". Sie nickte, betrat das Haus, ging auf die Treppe zu.

Eiswasser in ihren Adern. Auf der hölzernen Treppe klackten ihre Absätze noch lauter als auf der Straße. Nur 5 Schritte vom oberen Treppenabsatz zu seiner Tür. Ohne zu klopfen, stieß sie entschlossen die Tür auf, stand mit einem weiteren Schritt im Zimmer und schloss die Tür hinter sich.
Die beiden im Zimmer starrten sie erstaunt an. Er mit seinen himmelblauen Augen und sie- ein unscheinbares Geschöpf mit kinnlangem, braunem Haar- mit braunen. Instinktiv, als ahne sie die Gefahr, löste sich ihre Nachfolgerin von seinem Schoß, stand auf und entfernte sich etwas von ihm.

Die Waffe in ihrer Hand. Tröstlich.
Er, immer noch auf seinem Stuhl sitzend.
Keiner sagte ein Wort. Langsam kam die Waffe hoch. Suchte sich ihr Ziel. Die braunen Augen weiteten sich in namenlosem Entsetzen, der Mund öffnete sich zu einem Schrei, die Hände hoben sich in einem Schutzreflex. Ein leises, schadenfrohes Klicken, als die schmalen Hände die Waffe entsicherten.
Dann der Knall. Blut spritzte in bizarren Mustern an Wände, die Decke, IHN. Grauweiße Gehirnmasse klebte dazwischen wie eine Art Pilze. Der Kopf dessen, was einmal ihre Nachfolgerin gewesen war, war verschwunden.
Zufriedenheit, Genugtuung, geradezu orgasmische Gefühle durchströmten sie, als sie sein zu Tode entsetztes Gesicht sah. Seine schönen, weichen Lippen öffneten sich. "Bitte..."

Kurz zögerte sie. Sah seine Augen. Fühlte ein letztes Aufflackern der Liebe, die sie einst für ihn empfunden hatte, ehe der Hass Einzug gehalten hatte. Doch nur kurz währte ihr Zaudern, zu schnell setzte die Erinnerung daran ein, wie oft sie "Bitte..." gesagt hatte.

Die Waffe kam erneut hoch. Suchte ihr Ziel. Und löschte mit einem scharfen prägnanten Knall das zweite Leben in diesem Zimmer aus. Keine himmelblauen Augen mehr. Keine Parties mehr, kein Sex am See, keine Billardabende mit Kumpels, keine Autobasteleien. Alles das ausradiert mit einem einzigen, nur den Bruchteil einer Sekunde dauernden Knall. Reduziert auf Blutspritzer, Gewebefetzen und Knochensplitter.

Sie sah auf die Waffe. Zögerte erneut, bevor sie sie zum dritten Mal hob. Den Lauf in ihren Mund gleiten liess. Absurderweise musste sie an Oralsex denken. Sie schmeckte Metall, es schmeckte ähnlich wie Blut. ("Mama Mama Snoopy hat mich in den Finger gebissen, es blutet!") Kindheitserinnerungen zuckten, Blitzen gleich, durch ihr Gehirn, in den Sekunden, bevor sie abdrückte und ihren Schmerz tötete.

savanna

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10. Mai 2007 um 17:49

Wenn sowas gemacht wird...
... dann meistens von Männern...

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10. Mai 2007 um 18:06

Ja sicher...
... weil es da sicher 99 zu 1 stehen würde - aber Hauptsache man hat mal wieder was geschrieben...

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10. Mai 2007 um 18:17

Ich bin keine Männerfeindin...
... eher ganz im Gegenteil...

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