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Eigene Psychofalle entlarvt

8. Oktober 2011 um 9:06 Letzte Antwort: 8. Oktober 2011 um 18:49

Hallo! ich bin neu hier und froh, dieses Forum gefunden zu haben, denn ich habe ein großes Problem, über das ich mit Freunden nicht sprechen kann. Ich würde mich sehr freuen, eure ehrlichen Meinungen zu hören, da ich sehr verwirrt bin.

Wo fange ich an?

Ich habe im Internet einen Mann kennengelernt, mit dem ich online sexuelle Fantasien ausgetauscht habe, die sehr schnell in eine Richtung gingen, die ich nie erwartet hätte, die mich aber sehr heiß gemacht haben - so wie nie etwas zuvor. Eigentlich kann man sagen, dass er mich schlichtweg als Sexobjekt benutzt hat, sehr dominant und versaut war. Es ging so weit, dass er mir Aufgaben für den Tag stellte, wie mindestens 3 x täglich auf die und die Art zu kommen, mit einem Sextoy in mir tagsüber herumzulaufen und dergleichen mehr. Und glaubt mir, ich lief auf Hochtouren! Und oblwohl ich im wirklichen Leben sehr selbstbewusst und Männern eher überlegen bin, habe ich das total genossen. Dieser Widerspruch brachte mich zum Nachdenken. Ich frage mich, ob ich in meinem tiefsten Inneren einen Mann suche, der mich führt, der sich einfach nimmt was er will, ohne wenn und aber. Und ja, ich denke das ist so. Diese Intetnetgeschichte ist recht abstrakt ... auch und gerade weil ich in einer Beziehung lebe. Diese hat zwar momentan eine Krise, da ich nicht weiß wo meine Gefühle ihm gegenüber abgeblieben sind, ich kann sie nicht mehr spüren, aber sie besteht. Die Erfahrung mit dem Inet-sex hat mir bezüglich meiner Beziehungskrise insoweit geholfen, als dass ich feststellen konnte, wie ich eigentlich ticke und weshalb meine Beziehungen nicht funktionieren. Sie funktionieren schlichtweg deswegen nicht, weil ich mir immer Partner suche, die mir in irgendeiner Weise unterlegen sind und Schwächen haben.
Ich ziehe da Parallelen zu meiner Kindheit. Mein Vater war schwach, liebte meine Mutter abgöttisch aber wurde für seine Schwächen von ihr verachtet, was letztlich dazu führte, dass sie sich trennte. Für mich war das als Kind eine Katastrophe. Ich konnte nichts tun, Kontrollverlust. Nun wiederhole ich dieses Szenario auf eine Art in meinen eigenen Beziehungen und versuche wahrscheinlich irgendwie das damalige Gefühl von Kontrollverlust zu kompensieren, indem ich meine Partner so wähle, dass sie mir unterlegen sind, ich dadurch Kontrolle habe, sie aber für ihre Schwächen strafe und zum Schluss verlasse, was wiederum ein kontrollierter Akt von Trennung ist.
Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich beschlossen habe, dass das so nicht weitergehen kann, da ich Menschen verletze. Ich habe das nie vorsätzlich getan, aber nun, da ich dieses psychologische Muster erkannt habe, will ich so nicht weitermachen.
Ich habe all das meinem Partner offenbart. Er ist bereit, mit mir daran zu arbeiten, er ist bereit, anders mit mir umzugehen, mir sozusagen Grenzen zu setzen.

Nun stellt sich für mich die Frage, was tue ich. Soll ich mich darauf einlassen, auf die Gefahr hin, dass es nicht funktioniert und ich ihn noch mehr verletze. Kann ich mit seinen Schwächen trotzdem umgehen. Oder sollte ich die Beziehung beenden, ihn gehen und mit einer anderen glücklich werden lassen. Soll ich mir einen Partner suchen, der in seiner Persönlichkeitsstruktur so ist, dass er sich diese Dinge schlichtweg nicht bieten lässt?
Versteht mich nicht falsch, ich schätze meinen Partner sehr, er ist ein wirklich toller Mensch, doch ich fürchte er ist einfach zu weich und liebevoll. Es klingt verrückt, aber ich denke es wäre besser gewesen, irgendeiner meiner Partner hätte mir einfach eine gescheuert und dem Psychospiel ein Ende gesetzt anstatt sich all das von mir gefallen zu lassen (Anschuldigungen wegen Schwächen, Respektlosigkeit, etc.) Oh Mann .... ich fühle mich wirklich wie ein schlechter Mensch, aber ich bin wirklich entschlossen, das zu ändern. Nur wie?

Ganz lieben Dank fürs Lesen und hoffentlich ernst gemeinte Antworten.

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8. Oktober 2011 um 18:13

Danke
.... für die teils doch recht ausführlichen Antworten, die so unterschiedlich sind und dennoch alle helfen, meine Gedanken zu sortieren.

Ich habe mich dazu entschlossen erst mal 4 Tage von beiden Männern "frei zu nehmen", um mich gedanklich auf die Reihe zu bekommen. Am dringendsten brauche Abstand zu Plan B , der lässt mich nämlich nicht mehr klar denken.

Momentan favorisiere ich Plan A, also an mir und meiner Beziehung zu arbeiten, denn Weglaufen ist immer einfacher. Und ich weiß, dass ich mir da eine Hammeraufgabe gestellt habe, mir und meinem Freund. Die Psyche ist findig und immer versucht, ihre gewohnten Muster umzusetzen, manchmal auch durch Hintertüren. Aber dennoch, ich denke ich werde es versuchen, schließlich bin ich mit nem Pädagogen zusammen, das könnte klappen . Definitiv entscheiden werde ich es nach den 4 Tagen. Und dabei möchte ich niemanden der mir wie ein Vater sagt, was ich zu tun und zu lassen habe, sondern einen Mann, der mich mit meinen Allüren einfach gegen eine Wand laufen lässt - thats it. Und tatsächlich funktioniere ich da so, dass es mich da rausholt. Vielleicht wehre ich mich in dem Moment, aber wenn man klar und konsequent ist, höre ich auf damit und habe Respekt.

Was die sexuelle Schiene angeht, ...... hm, ich weiß nicht, ob die auf einem Ungleichgewicht beruht. Ich kann nur aus Erfahrung sprechen, was welche körperlichen Reaktionen bei mir auslöst. Ja, ich bin selbstständig, sowohl beruflich als auch im Alltag - sehr sogar. Vielleicht sucht sich das seinen Ausgleich im Sexuellen, wer weiß. Alles was ich sagen kann, ist, dass es so ist wie es ist. Männer, mit denen ich mir im Alltag den Kopf stoßen würde, machen mich sexuell echt an. Fordernd, nehmend, bestimmend .... eigentlich die klassische Männerporno-Fantasie (und schlimmer ). Ich denke "devot" wäre der Ausdruck der in die richtige Richtung geht.
Ob ich das meinem Freund so abnehme, weiß ich noch nicht, denn eigentlich ist er ein sehr weicher, zurückhaltender Mensch. Wichtig ist, dass er es will, ich habe keine Lust ihn zu verbiegen - er sieht es als Beziehungsarbeit und hat Lust drauf ..... wir werden sehen, was es mit uns macht und wie es sich entwickelt, wenn wir es tun.

Plan B würde sogar nach Deutschland fliegen, um die Theorie in die Praxis umzusetzen. Aber ich bin ja nun schon lange erwachsen und weiß, dass die virtuelle Welt nicht unbedingt die reale widerspiegelt. Insofern würde ich mich auf Plan B nur dann experimentell einlassen, wenn Plan A definitiv nicht umgesetzt wird und ich mich trenne.

Was bleibt, ist die Unsicherheit über meine Gefühle .... ich kann die Liebe nicht mehr fühlen.

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8. Oktober 2011 um 18:31

Psyche umkrempeln
Ich konnte sehr viel mit deiner Antwort anfangen, danke!

Die Sache mit der Sexualität ist schon sehr interessant, zumal ich in all meinen Partnerschaften nie sehr sexuell orientiert war. Mit der Internetgeschichte ist irgendwie ein Hebel umgelegt worden .... ich denke nur noch an Sex
Insofern glaube ich, dass dem schon irgendein Muster zugrunde liegt, dass tiefer verankert ist und schon lange besteht, aber verdrängt war. Denn es war ziemlich leicht abrufbar
Was ich sicher weiß, ist, dass sich dies nicht auf den Alltag übertragen ließe, da wäre es bei mir ähnlich wie bei deiner Bekannten. Ich würde den Umgang auf gleicher Ebene in liebevoller, umsichtiger Manier haben wollen. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass der dominante Umgang mit mir "im Schlafzimmer" für einen wesentlich respektvolleren und liebevolleren Umgang mit meinem Partner im Alltag sorgen würde .... so wie man es sich eigentlich vorstellt.
Insofern könnte man annehmen, die Umsetzung von Plan B wäre einfacher. Und genau das ist es, ich will es mir nicht einfach machen, ich will nicht einfach eine mehrjährige Beziehung wegwerfen, ich will nicht einfach jemandem wehtun (habe ich eh schon zur Genüge). Ich bin bereit etwas zu tun, vorausgesetzt die Liebe ist noch da ..... irgendwo....

Ob ich das alleine hinbekomme weiß ich nicht ... zu einer Therapie bin ich noch nicht bereit, nicht ohne vorher gescheitert zu sein. Und ich habe auch irgendwie Angst vor einer Therapie ....

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8. Oktober 2011 um 18:40

.... eine Phase....?
Ich bin mir nicht so sicher, ob das nur eine Phase ist. Es gibt da einen klaren Einschnitt bezüglich meiner sexuellen Gelüste seit ich das entdeckt habe. Von 0 auf 180 sozusagen

Leider ist das Ausleben dieser "Phase" für mich an eine Entscheidung geknüpft, nämlich Beziehung aufarbeiten oder Beziehung beenden. Die Idee, es in meine Beziehung zu integrieren ist da .... ich fürchte nur, es wird nicht das Gleiche sein. Aber vielleicht reicht auch der Kompromiss

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8. Oktober 2011 um 18:49

...
Genau das ist ja das Problem, ich weiß eben nicht, ob ich ihn noch liebe

Hätte man mir eine gescheuert, wäre ich sauer, aber ich würde trotzdem sagen "das war mal nötig"

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