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Eheprobleme: unterschiedliche Lebensvorstellungen

22. August 2009 um 10:28

Hallo,
mein Mann und ich haben vor 3,5 Jahren geheiratet und haben eine 2jährige Tochter. Soweit so gut. Mit der Zeit (v.a. seit unsere Tochter geboren wurde) sind wir aber in eine Krise geraten, die jetzt langsam überhand nimmt. Nachdem fast jedes Gespräch in letzter Zeit in weinen und schreien geendet hat, haben wir vorgestern mal ein sehr gutes, ruhiges Gespräch gehabt. Dabei kam heraus, dass sich mein Mann in fast allen Aspekten von mir zurückgewiesen fühlt, emotional, körperlich und sonst auch. Er sagt, er sei sehr traurig, dass wir beide nicht die gleichen Ziele und Wünsche im Leben haben. Bevor er mich gefragt hatte, ob ich ihn heiraten wolle, fragte er mich, ob ich auch eine große Familie (sprich mindestens 2 Kinder) will, für einige Zeit im Ausland (Asien) leben will und mal ein Haus auf dem Land will. All diese Dinge konnte ich mir damals wirklich vorstellen, aber ich hatte wohl die rosarote Brille auf, denn mit der Zeit bin ich durch Erfahrung immer mehr von diesen Zielen abgerückt (außer dem Haus auf dem Land).

Als unsere Tochter geboren wurde, war das wirklich eine schwere Erfahrung für mich, ich kam mit diesem schreienden Säugling, der auf mich angewiesen war überhaupt nicht klar. Das erste Jahr war sehr schwer für mich und ich begann auch eine Psychotherapie. Mein Mann unterstützte mich am Anfang (etwa die ersten 3 Monate) sehr, dann wurde es graduell weniger. Er kehrte mehr oder weniger in sein altes Leben zurück. Zum Glück ist er keiner, der ständig mit seinen Kumpels um die Häuse zieht, aber er schlief wieder aus, verbrachte sehr viel Zeit am PC, machte seine Handwerkersachen. Und wenn wir zusammen am Wochenende zuhause waren, überließ er sie größtenteils mir, ging z.B. auch so gut wie nie mal alleine mit ihr spazieren, damit ich auch mal eine ruhige Minute hatte. Bzgl. Erziehung (v.a. als sie älter wurde) gab er mir mehr oder weniger Anweisungen, was ich tun oder lassen sollte und kritisierte mich auch ganz gerne. Das hat mich psychisch ganz schön fertig gemacht. Das zusammen hat mich zu der Entscheidung gebracht, dass es bei einem Kind bleiben wird. Ich habe oft mit ihm darüber geredet, aber es hat nicht gefruchtet. Er hat mir auch mal gesagt, dass er sich gewünscht habe, dass wir zuerst ein Mädchen bekommen (was ja auch eingetreten ist), die für mich sein sollte, und als zweites einen Sohn, mit dem er was unternehmen könnte. Tja, und das verwehre ich ihm nun auch.

Thema Ausland: Als unsere Tochter wenige Monate alt war, begleiteten wir meinen Mann für 3 Monate ins Ausland (Asien). Einerseits war es toll, diese Erfahrung zu machen, und am Wochenende haben wir immer viel unternommen. Aber in der Woche, wenn ich mit Tochter tagsüber alleine war, habe ich mich soooo schrecklich einsam gefühlt. Ich kannte ja niemanden und die Telefonleitung war oft so schlecht, dass ich noch nicht mal telefonieren konnte. Einfach so raus auf die Straße o.ä. ging alleine auch nicht. Nach den 3 Monaten war ich so erleichtert, dass wir wieder nach Hause konnten. Inzwischen arbeite ich auch wieder und liebe meine wiedergewonnene Unabhängigkeit und das ich Geld verdiene. Ich würde schon mit meinem Mann nochmal ins Ausland gehen, aber eben nicht mit voller Begeisterung, weil ich eben das alles wieder aufgeben müsste. Aber das reicht ihm nicht, er will, dass ich es auch unbedingt will und das kann ich ja nicht erzwingen. Eine Fernbeziehung kommt für ihn nicht in Frage (für mich schon, wenn zeitlich begrenzt).

Thema Haus: Er möchte am liebesten ein renovierungsbedürftiges Haus, in dem er alles nach seiner Vortsellung machen kann. Aber ich bin keine Handwerkerin und mache natürlich mit, aber eher nur widerwillig. Deshalb habe ihm auch die Renovierung unserer Wohnung keinen Spaß gemacht, weil ich immer nur gejammert und gemeckert habe, weil alles so dreckig sei.Mir macht es ja nichts aus, wenn etwas dreckig wird, weil ein Job erledigt wird, aber bei uns war es dauerdreckig, er fing alles an, machte nichts zuende und heute, nach über drei Jahren in der Wohnung, gibt es immer noch einige Baustellen.

Wir waren vor der Hochzeit bereits 10 Jahre zusammen und kannten uns sehr gut, daher kommen diese unterschiedlichen Lebensvorstellungen nicht so überraschend (wenn man anführen will, dass ich eigentlich "Schuld" sei, weil ich damals ja zu seinen Zielen sagte. Aber damals hatte ich irgendwie die rosarote Brille auf).

In den 10 Jahren war bestimmt 5x Schluss, weil mein Mann (damaliger Freund) nicht sicher war, dass ich die Richtige sei. Damals hat uns aber auch der Sex zusammen gehalten. Wir hatten damals ein sehr erfülltes Sexualleben, das hat sich mit der Geburt unserer Tochter geändert. Ich möchte ja wirklich gern, aber ich habe seltenst Lust, manchmal zwinge ich mich dazu, aber so ein richtiges gefühl wie damals habe ich nicht.

Mein Mann sagt selbst, er weiß nicht genau, warum er noch mehr Kinder will. Er sagt "Gier", ich sage eher, er stellt sich vor, dass für ihn dann alles besser wird.

Oh mann, das ist eine schlimme Situation. Ich grüble die ganze zeit, kann aber ja nichts ändern. Er ist die ganze Zeit über melancholisch, wie er sagt. Er muss sich entscheiden, ob er bei mir bleibt, trotzdem, oder versucht, sich seine Träume anderswie zu realisieren. Dabei lieben wir uns immer noch sehr.

Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll, abwarten?

Was sagt ihr dazu? ich glaube, ich brauche ein bisschen Zuspruch

Gruß,
Cerys

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22. August 2009 um 11:54

Hallo...
Zwei Sätze, bzw Aussagen habe mich irgendwie geschockt:

1. "Er hat mir auch mal gesagt, dass er sich gewünscht habe, dass wir zuerst ein Mädchen bekommen (was ja auch eingetreten ist), die für mich sein sollte, und als zweites einen Sohn, mit dem er was unternehmen könnte. Tja, und das verwehre ich ihm nun auch."

&

2. "Mein Mann sagt selbst, er weiß nicht genau, warum er noch mehr Kinder will. Er sagt "Gier", ich sage eher, er stellt sich vor, dass für ihn dann alles besser wird."

Zu 1.) Irgendwie seltsam, aber ich kenne viele Männer, die meinen, dass sie mit Mädchen nichts anfangen können, mit Jungen hingegen schon. Deine Tochter ist 2 Jahre alt und ich denke, dass gerade in diesem Alter von 0-3 sich die Interessen von Kindern kaum unterscheiden. Egal ob Mädchen oder Junge:
Nach Draußen zum Spiele, Spazieren oder sonstiges ist jeder für zu haben. Da spielt das Geschlecht keine Rolle. Was hat dein Mann denn für eine Einstellung? Mädchen und Jungen spielen mit Puppen und Autos, spielen Fußball, fahren Bobbycar.. Wir leben doch schon lange nicht mehr in der typisch Frau- und typisch Mannwelt!
Wir reden hier von Kindern, die es schön finden, wenn Mama und Papa sich Zeit für sie nehmen. Für die Erziehung sind beide Rollen der Eltern sehr wichtig. Ich arbeite in einem Kindergarten und da ist mir in den Jahren ganz besonders aufgefallen, dass Kinder, deren Elter geschieden sind und sie nur bei Mama aufwachsen oder Kinder, in deren Familienumfeld (u.a. auch der Papa oder Onkel) fehlt, dass die sich immer auf unsere männlichen Praktikanten stürzen und sie die am liebsten nur für dich beanspruchen. Ganz egal ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Wenn ich mich an die Zeit erinnere, als ich noch ein kleines Mädchen war und gleichzeitig an meinen Vater zurückdenke, der starb, als ich 12 Jahre alt war, dann denke ich immer an das, was er mit uns gemacht hat, auch als ich noch 4 oder 6 Jahre alt war:

- wir waren zusammen Fußballspielen
- Fütterten die Enten an einem nahen Teich
- Haben neue Spielplätze in derUmgebung erkundet
- Haben Stöcker gesammelt und sie mit einem Taschenmesser bearbeitet
- Sind oft am See schwimmen gewesen
- Ich durfte auf seinem Schoß sitzen und "Autofahren" auf Rastplätzen oder leeren Parkplätzen
- haben in seiner Werkstatt geschraubt, gebort und geleimt, Sachen bemalt usw.
- haben unsere Namen in Bäume geritzt

Das war eine sehr schöne Zeit, obwohl er Werktags auf Montage war.

Ich denke eher deinem Mann fehlt die Lust und die Verantwortung sich um ein Kind zu kümmern und benutzt die Ausrede, dass ja das nächste Kind (was ja auf jedenfall ein Junge wird, weil man das ja auch beeinflussen kann *lach*) für sich beansprucht?! Warum fängt er nicht bei seinem jetzigen Kind an, damit du siehst, dass du mit dem zweiten nicht wieder alleine bleibst? Was macht dein Mann, wenn das zweite Kind auch ein Mädchen wird? Zieht er sich dann mit dem gleichen Spruch aus der Affaire? Ich glaube ihm ist nicht bewusst, was es heißt Vater zu sein und er sollte mal lieber eine Therapie und einen Kurs belegen, in dem ihm verdeutlicht wird, dass es kein Rollenklischeé zum Spielen mit Kindern gibt.

Zu 2.) "Gier"? Er ist gierig auf ein zweites Kind? Was hat er denn von einem zweiten Kind? Er kümmert sich doch nicht mal um das Kind, welches er schon hat. Mehr, mehr, mehr? Ich muss da jetzt irgendwie an meine Schuhsammlung denken, doch Kinder kann man doch nicht einfach so in den Schrank stecken, wenn man gerade keine Lust auf sie hat. Und dann bleibt wieder alles an die kleben.

Zu euren damaligen Zukunftsplänen:
Ich glaube er sieht das alles zu verbissen. Er hat sich früher mal Ziele gesteckt, was ja an sich nicht verkehrt ist, doch mit dem Alter und den Erfahrungen, die man dann sammelt, ereignen sich dann auch wieder andere Ziele. Ihr seid jetzt eine Familie, das tut dem Kind auch nicht gut alle paar Monate wieder ins Ausland zu fahren, dann bleibt das geschützte zu Hause voll auf der Strecke. Klar finde ich es Ok, wenn man im Urlaub für 6 Wochen die Verwandten im Ausland besucht, weil die Kinder ja auch Oma, Opa und co kennenlernen sollen und umgekehrt auch. Aber so?

Denke viel mehr, dass ihr euch zusammen neue Ziele stecken solltet, die ihr auch möglich machen könnt. Da sollte dann auch jeder seine Meinung dazu haben, wenn die Ziele des Partners für einem selbst zu hoch gesteckt sind oder völliges Desinteresse besteht. Das hat ja keine Zukunft dann.

Das mit dem Haus ist an und für sich eine schöne Sache. Aber wollt ihr das ganz alleine machen? Also du mit eurem Kind auf ner Baustelle? Mit der Begründung, dass er dann alles so verwirklichen kann, wie er es selbst möchte, wobei in eurem jetzigen zu Hause noch Baustellen vorhanden sind? Er muss dich doch auch überzeugen, dass du mitziehst. Und das tut er am besten damit, dass er sich um die jetzigen baustellen kümmert. Nicht nur die in eurem Haus, sondern auch die in eurer Beziehung bzw die in eurer Familie.

Ich könnte nie mit einem uneinsichtigen Menschen zusammen leben.

Ich weiß auch nicht wie ich dir damit helfen kann, dein Problem in den Griff zu bekommen. Ich denke aber, so wie er dich überzeugen muss, musst du ihn auch überzeugen.
Mach ihm deine Ziele klar und bewusst und lass ihn ruhig meckern, aber erkläre es ihm so, dass er es dann auch versteht.
Wenn ihr allederings beide nicht auf einen Nenner kommen solltet, dann bleibt wohl nix anderes übrig, als das jeder seinen eigenen Weg geht. Kompromisse gibt es in Zielen leider nicht. Die kann man nicht nur halb beenden, sonst wären es ja keine Ziele, sondern nur kleine Schritte.
Wobei ich es bei euch anebracht finde, dass ihr zusammen kleine Schritte macht, als euch große Ziele zu setzten, die eben nicht erreichbar sind.

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22. August 2009 um 12:28

Alles menschlich...
ich finde, dass alles was du beschreibst allzu menschlich ist. Nach der Geburt eures Kindes kamen die Probleme. Das Problem ist allerdings nicht das Kind, sondern die geänderten Lebensverhältnisse. Man verändert seine Ansichten, verschiebt Prioritäten und entdeckt neue Perspektiven im Leben. Manch einer kommt sehr gut damit klar, dass das Leben nun anders läuft. Andere haben ein Problem damit die Perspektive zu ändern. Für Frauen stehen nun Familie und Sicherheit im Vordergrund. Auch wenn die Zeit nach der Geburt sehr schwierig ist, steht das Mutterglück an erster Stelle. Männer neigen dazu, Angst um ihre Freiheit zu haben. Wollen ausbrechen und ihr altes Leben zurück.
Daraus resultiert dann auch die fehlende Aufmerksamkeit gegenüber der Partnerin. Es ist nicht einfach, wenn man vorher ein sorgloses Leben geführt hat und nun ständig mit Problemen konfrontiert wird. Viele Paare setzen einen Kreislauf in Kraft, der nicht so schnell zu durchbrechen ist. Jeder beschuldigt den anderen, dass die Luft raus ist aus der Beziehung und die Gefühle immer weniger werden. In Wahrheit sind ässere Umstände dafür verantwortlich.
Gut ist es dann, wenn man einen gemeinsamen Weg erarbeitet, Kompromisse macht und dann als erstes nicht am Lebensweg, sondern an der Beziehung arbeitet. Macht mal eine Auszeit ohne Kind. Muss ja nur für zwei Tage sein. Plant was schönes, etwas was ihr schon lange nicht mehr getan habt. Dies solltet ihr dann so locker wie möglich gestalten. Ohne Zwänge und Vorgaben, was alles zu tun ist. Versucht eure Liebe zueinander neu zu entdecken. Sprich mit deinem Mann sehr offen über deine Gefühle und Gedanken. Versuche herauszufinden wie kompromissbereit er ist. Daran erkennst du dann, ob ein gemeinsamer Lebensweg möglich ist. Wenn er keine Kompromisse machen will, frag ihn wie er sich fühlen würde, wenn du diesen Weg nicht mit ihm gehen wirst. Das regt ihn zum Nachdenken an. An Hand der Antwort kannst du dann weitere Schlussfolgerungen ziehen.

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