Home / Forum / Liebe & Beziehung / Egoismus - Trennen oder Kämpfen - emotionale Zwickmühle

Egoismus - Trennen oder Kämpfen - emotionale Zwickmühle

30. August um 11:49

Hey ihr Lieben,

ich war immer stille Mitleserin, habe jetzt jedoch selbst etwas, dass mich ziemlich belastet. Ich weiß ihr könnt mir die Entscheidung nicht abnehmen, kennt nie die ganze Geschichte und jede Seite hat seine eigene Sicht, aber ich würde gerne eure Meinungen zu meiner Sicht hören.

Mein Partner und ich sind seit knapp 2 Jahren zusammen. Wir hatten von Anfang an so unsere Schwierigkeiten unter anderem weil wir beide aus wirklich blöden Familiensituationen kommen und so unsere kindlichen Ängste und Probleme mit uns rumschlagen. Das führt dazu dass er in Streitsituationen oder wenn er sich angegriffen fühlt sofort eine komplette Mauer hochzieht, egoistisch ist, kalt, distanziert und gerne mal für mehrere Tage schweigt, abhaut und die Liebe entzieht. Während ich hingegend total Harmoniebedürftig bin, gerne alles sofort klären möchte und schrecklich Angst davor habe wegen Fehlern oder menschlich sein verlassen zu werden und mit Liebesentzug bestraft zu werden.

Somit prallen also genau die beiden Ängste komplett aufeinander. Während er sich also gerne verpisst, bräuchte ich emotionalen Beistand und das Gefühl dass es ihm nicht egal ist. Diesen Punkt haben wir mittlerweile etwas verbessert. Er hat nicht mehr ab, sondern verkriecht sich dann halt zu Hause. aber auch nicht mehr jedes Mal tagelang. Und ich hingegen steck meine immer während Wunsch nach sofortiger Klärung und Nähe zurück und gebe ihm Zeit die er braucht. Nicht immer, aber oft.

Nun habe ich jedoch das Problem dass ich das Gefühl habe dass ich in dieser Beziehung mehr gebe als er. Bzw. dass er haupsächlich nimmt. Ich habe das Gefühl ich soll für ihn da sein, wenn es ihm schlecht geht, Verständnis haben wenn er schlecht drauf ist wiel sein Tag anstrengend war, mich nicht angegriffen fühlen wenn er deswegen mal einen unpassenden Ton an den Tag legt, wenn er ausschlafen möchte soll ich ruhig sein, wenn er Zeit für sich brauch, soll ich es akzeptieren, wenn er nicht reden möchte im Streit soll ich halt hinnehmen dass er weder ans Telefon geht noch auf ne Nachricht antwortet und mich eiskalt abblitzen lässt wenn ich vor ihm stehe.  Doch wenn ich etwas habe, fühle ich mich schlecht, bin ich gereizt, brauche ich Ruhe, akzeptiert er es nicht. So auch vorgestern.

Ich hatte einen Migräneanfall nach Arbeit, war fix und fertig, kam nach Hause und wollte einfach nur ins Bett. Also ging ich ins Bett nachdem ich meine 10 jährige Tochter soweit versorgt hatte. Da war es 18:30 Uhr. Er kam vom joggen, stürmte ins Schlafzimmer und maulte mich an was ich denn hier mache und dass ich genau weiß dass er Sport machen will und ich könnte ja auch im Wohnzimmer warten bis er fertig ist usw. ( Dabei konnte er den Sport auch im Wohnzimmer machen. ) Mehrmals kam er reingestürmt obwohl ich ihm sagte dass es mir nicht gut geht und er mich bitte, wenn er schon keine Rücksicht nehmen oder Mitgefühl haben kann, wenigstens in Ruhe lassen soll. Nachdem er mir mehrmals einen Vortrag hielt worauf ER denn jetzt verzichten müsse weil es mir schlecht geht, ging er denn auch endlich mal. Ich war schockiert. Über diesen Egoismus, das fehlende Verständnis. Dieses Mann der da vor mir stand. Alles was ich mir gewünscht habe war Ruhe. Rücksicht auf mein Gefühl in dem Moment. Ihm ging es jedoch nur um sich. Das hat mich so getroffen, diese ganze Situation, dass ich am nächsten Tag nicht von ihm hlren wollte, nicht mit ihm reden konnte. Ich war sauer, ich war enttäuscht, geschockt. Denn diese Art von Egoismus holt er in letzter Zeit öfter hervor. Also ging ich nicht ans Telefon, schrieb nicht zurück ( ich war auf Arbeit, er wusste ich wäre abends normal zu Hause). Denn ich konnte es in dem Moment einfach nicht. Ich brauchte kurz Abstand und Zeit für mich. Auch dafür durfte ich mir zu Hause denn total was vorwerfen lassen. Als ich denn Abends bereit war mit ihm darüber zu reden, wollte er nicht mehr, denn ICH hätte ja den ganzen Tag die Möglichkeit gehabt mit ihm über MEIN falsches Verhalten zu reden. Ich habe ja dafür gesorgt dass wir jetzt in dieser Situation sind und er hätte es ja angeblich versucht.

Ständig dreht er alles um, ständig bin ich schuld, immer, selbst wenn ich nur verletzt reagiere weil er vorhergehend etwas verletzendes getan hat. Nie gibt er Fehler zu. Frage ich ob er nicht auch findet dass sein Verhalten zumindest nicht ganz in Ordnung war kommt nur "Findest du denn das dein Verhalten in Ordnung war?". Nie kann er einfach nur zugeben dass er falsch reagiert hat, oder zumindest anmerken lassen dass er weiß dass das so vielleicht nicht ganz in Ordnung war. Macht er etwas, ist es ok, mach ich EINMAL das gleiche weil ich einfach nicht mehr kann, bin ich die die die Beziehung zerstört, alles kaputt macht, etwas falsch gemacht hat etc. Dafür gibt es so viele Beispiele.

Ich fühl mich so einsam. So emotional ausgehungert. In diesen SItuationen. Wenn zwischen uns alles gut ist, ist er ein toller Mann, rücksichtsvoll, liebevoll, kein bisschen egoistisch. Aber hat er irgendwas, oder ist zwischen uns was, dann verwandelt er sich in etwas vollkommen anderes. Er bestraft mich mit Liebesentzug, mit Stille, lässt mich emotional ausbluten, obwohl er weiß dass ich es ab und zu brauchen könnte wenn wir Dinge auch mal klären wenn ICH bereit bin, nicht immer nur wenn er es ist. Kompromisse halt.

Es ist als könnte er mich nur lieben wenn ich stark bin, wenn ich wie eine Maschine funktionere und glücklich bin. Wenn ich aber einen schweren Tag hatte, ich ko bin, ich eine Schulter zum anlehnen bräuchte, Halt oder ähnliches, dann kann er nicht da sein. Dann geht es nur um ihn. Obwohl ich immer für ihn  da bin andersrum. Es ist als dürfte ich nicht menschlich sein, keine Fehler machen, wie jeder andere auch, ohne dass ich dafür solch heftige Konsequenzen erwarten muss.

Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. Ich spiele mit dem Gedanken diese Beziehung zu beenden um mich selbst zu schützen.  Es ist eine Sache ihn tagelang in Ruhe zu lassen wenn er wieder meint er muss freidrehen, mitlerweile stört mich das nicht mehr so, da ich diese Zeit komplett für mich nutze, mir gutes tue und mich von seiner Masche gar nicht mehr beeinflussen lasse. Er schadet sich da derzeit immer mehr als mir. Doch was mich belastet ist tatsächlich diese fehlende Selbstreflektion. Das IMMER ich schuld bin, egal ob klar ist dass er sich vorher falsch verhalten hat. Dieses nicht entgegen kommen, komm ich nicht an, ist es so, dann bleiben wir halt im Streit. Tage werden verschwendet weil er nicht in der Lage ist mir gegenüber zuzugeben dass etwas nicht in Ordnung war an seinem Verhalten. Weil er nicht in der Lage ist Verständnis aufzubringen wenn ich mal menschlich bin und etwas habe.

Mache ich Fehler, entschuldige ich mich, ranze ich ihn an weil ich gereizt bin, bitte ich ihm danach um Verzeihung. Doch er kann tun was er will, ich bin schuld, Entschuldigt wird sich nie, ersten Schritt gehen ist nicht.

Das führt vor allem zu einem, dass es Kraft kostet und Zeit verschwendet. Und so schön die Momente dazwischen auch sind, langsam frag ich mich ob es das wert ist. Ob ich mir eigentlich nicht mehr wert bin als einen Mann, der nicht kommunizieren kann wenn etwas ist sondern lieber Liebe entzieht und tagelang im Streit lebt mit dem unterbewussten Ziel den anderen zu bestrafen und sich selbst zu schützen. Nie für die Beziehung zu handeln, sondern nur für sich in dem Moment.

Ich frage mich was ich tun kann. Kann ich was tun außer zu gehen oder es zu akzeptieren?
Den Spiegel vor halten? Nicht mehr den ersten Schritt machen? Ihn in seiner Mauer lassen und mich abkapseln in der Hoffnung dass er merkt dass das so nicht geht? Gibt es eine Alternative? Ich möchte diese Beziehung eigentlich nicht aufgeben, da nur diese Situationen ein Problem sind. Ich möchte es aber auch nicht wie bisher weiter führen weil ich mich SO nicht behandeln lassen will. Ich möchte auch meine Bedürfnisse durchsetzen. Kann ich aber nur Grenzen setzen in dem ich mich trenne oder kann ich ihm anders zeigen dass sein Verhalten so nicht von mir akzeptiert und hingenommen wird?

Habt ihr Ideen? Tipps? Meinungen? Etwas ähnliches erlebt?

Mehr lesen

30. August um 13:42

Ihr seid nun grad mal 2 Jahre zusammen. So wie es klingt, besteht dieses Problem nun aber offenbar schon seit langem - seit Anbeginn Eurer gemeinsamen Zeit bereits, oder?

Hast du dir mal Gedanken darüber gemacht, dass er eine narzisstische Persönlichkeitsstörung haben könnte? Für Dich zum Nachlesen - tönt, als hätte da einer Deinen Partner beschrieben:

https://www.netdoktor.de/krankheiten/narzisstische-persoenlichkeitsstoerung/partnerschaft/


 

Gefällt mir

Frühere Diskussionen

Beliebte Diskussionen

Long4Lashes

Teilen
Du willst nichts mehr verpassen?
facebook

Das könnte dir auch gefallen