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Drei Jahre Beziehung gespielt???

7. Januar 2006 um 16:30

Ich bin Mitte 30 und habe eine fünf Jahre jüngere Partnerin. Wir haben uns vor 3 Jahren kennen gelernt. Damals war sie gerade dabei, in ein Kloster eintreten zu wollen. Sie hat es mir aber erst verraten, nachdem wir bereits "Händchen" gehalten haben, ruderte dann ein paar Tage später zurück und bat sich Bedenkzeit aus. Nach ein paar Wochen hat sie sich aber aus freien Stücken für die Beziehung und gegen das Kloster entschieden.

Sie gestand mir eine besonders "verklemmte" Beziehung zur Sexualität, nachdem sie als Teenager einmal negative Erfahrungen machte. Ein Grund auch, warum sie vor ihrem Entschluss, in ein Kloster zu gehen, nur eine platonische Beziehung mit einem Mann geführt hatte. Wir ließen es langsam angehen, jeweils so weit wie sie wollte und zuließ. Und sie war glücklich, mit mir ganz vorsichtig, die alten Komplexe zu überwinden. Und nach ein, zwei Monaten waren wir wie ein normales Paar, lebten fast jede freie Minute zusammen - mal in ihrer Wohung, mal in meiner; nur eben, dass für uns aus religiösen Gründen feststand, dass sie unberührt bleibt, bis wir heiraten würden. Auch wenn viele das hier im Formum nicht verstehen - man kann sexuell trotzdem viel Spaß miteinander haben, auch wenn man sich nicht komplett vereinigt.

Nach dem ersten gemeinsamen halben Jahr offenbarten sich dann die ersten Schwierigkeiten in der Beziehung. Man entdeckt die Macken des anderen, hat unterschiedliche Ansichten und Geschmäcker und man zankt sich auch mal. Das ist eigentlich normal. Und wir haben uns immer wieder schnell vertragen oder Kompromisse gefunden.

Aus zwei Problemen entwickelt sich aber nun ein plötzliches Ende unserer Beziehung, jedenfalls stehen wir kurz davor: Das eine ist ihre Hang an materiellen Dingen. Sie hat bis zuletzt als Studentin in einem 30qm Appartment gewohnt, was komplett zugestellt ist mit Gegenständen. Es sieht eher aus, wie in einem Keller, als wie in einer Wohnung. Während ich ihr meine Wohnung und meine Sachen ganz frei zur Verfügung stelle und relativ unempfindlich bin, wenn mal was kaputt gehen sollte, darf ich ihre Sachen eigentlich nur unter Aufsicht benutzen. Jede Unachtsamkeit wird mir als Unachtsamkeit gegen meine Freundin selbst ausgelegt, wobei es wirklich nur um Alltagsgegenstände geht (Bücher, Töpfe, Auto). Für sie ist es wichtig, zu wissen: das ist Meins, das ist Deins. Während ich mich nach einem: das ist Unseres sehne. Fast grotesk, dass sie sich mit dieser Einstellung in ein Kloster begeben wollte, wo sie gar nichts Eigenes besitzen darf.

Das andere Problem ist offenbar mit dem ersten verknüpft. Natürlich möchte ich gerne mit ihr zusammenziehen. Es ist recht umständlich, immer auszukarteln, wo man die Nacht verbringt. Zwei Wohnungen sind teuer und man muss nicht den ganzen Hausstand doppelt haben, während sie allen Ernstes für uns nach zwei Wohnungen im selben Haus sucht (auch hier: Meins, Deins). Auf mein völliges Entsetzen über diesen Wunsch reagiert sie geradezu allergisch. Wir hatten es in abgeschwächter Form schon einmal, aber jetzt, wo es wegen ihrer neuen Stelle in eine andere Stadt akut wird, wird es ganz arg:

- sie behauptet, sie war nie in mich verliebt (wobei sie mit verliebt meint, sie hatte keine Schmetterlinge im Bauch, als wir uns kennengelernt haben, fühlte sich aber geschmeichelt, dass jemand sich in sie verliebt hat - wo sie sich sonst immer ungeliebt gefühlt hatte).

- das, was sie für mich empfindet, sei nur wie einem allerbesten Freund gegenüber.

- meine Liebkosungen (kein Sex, wohlgemerkt!) gingen ihr zu weit oder seien allenfals gut gewesen, um zu wärmen.

- ihre Liebkosungen mir gegenüber kann wären nur Gewohnheit oder sollten etwas anderes bedeuten, als ich hineininterpretiere, gelten bei ihr aber nicht als Liebesbeweise.

- sie kann mich daher auch nicht heiraten und will auch nicht mit mir zusammenziehen, weil es dann wie eine Scheinehe wäre.

- wir seien so verschieden und würden es auf einem Fleck ohnehin nicht lange miteinander aushalten.

Ich komme mir vor, wie im (falschen) Film: der Regisseur schreit: Stop! Und plötzlich ist alles nur gespielt? Drei Jahre Beziehung gespielt??? Klar, dass wir Männer manchmal schwer von Bergiff sind, aber so schwer? Da läuft eine völlig normale Beziehung, mit Eifersüchteleien, wenn der eine zu wenig Zeit oder Aufmerksamkeit für den anderen bringt; jeder fordert Zärtlichkeit ein und gibt sie auch: und dann ist alles nur Affekt, Reiz-Reaktion, keine tiefen Gefühle dahinter? Könnt Ihr Frauen tatsächlich so sein?

Normalerweise wären solche Aussagen die absolute Bankrotterklärung an eine Beziehung und man müßte sie sofort beenden, aber ich bin mir nicht sicher, wegen der Vorgeschichte und wegen einiger anderer Ängste (z.B. vor Schwangerschaft), ihre Furcht vor dem Tag, an dem ich sie nicht mehr lieben könnte usw. , ob es nur die Holzhammermethode ist, um mich in Panik vor der gemeinsamen Wohnung und meinem Familienwunsch zur Raison zu bringen? Im Sinne von "Halte Abstand, Du gehst mir im Moment zu weit".

Ich habe das Problem, zu wissen, wo ich dran bin. Entweder bin ich einfach tatsächlich der Falsche und hab' "leider verloren", oder es ist ein psychisches Problem, mit dem sie kämpft und wegen dem ich nicht weglaufen, sondern gerade bei ihr bleiben sollte. Aber wie kann ich verhindern, dass diese Methode dann auch in Zukunft immer wieder benutzt wird, um mich gefügig zu machen? Andererseits kann ich schwer jemanden lieben, von dem ich mich nicht ebenso geliebt weiß.

Was meint Ihr?

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8. Januar 2006 um 11:17

Nicht schlecht
@acecat & fendigirl

Danke für Eure guten Antworten. Gar nicht schlecht, die Vermutung mit dem Einzelkind stimmt sogar - aber auch das Sicherheitsbedürfnis. Sie versucht alle Eventualitäten immer im Voraus abzuwägen und für Notfälle vorzusorgen (deshalb vermutlich auch der Sammeltrieb), während ich eher aus der Situation heraus lebe und Problme meist erst löse, wenn sie entstanden sind. Damit kann ich ihr Sicherheitsbedürfnis natürlich nicht befriedigen, denn sie sieht in ihrem Leben weitaus mehr Gefahren und Probleme als ich in meinem. Ich dachte, vielleicht ergänzt sich das, weil ich den gelasseneren, ruhigeren Pol geben könnte, aber offenbar setzt sie mein Verhalten stark unter Druck und belastet sie zunehmend, weil sie meint, für mich immer mitdenken zu müssen. Daraus wird ihr Leben durch die Partnerschaft nicht entlastet, wie sie sich erhofft hat, sonden belastet. So meint sie jedenfalls selbst.

Wir haben gestern noch einmal gesprochen und die Sache ist noch nicht ausdiskutiert. Im Augenblick glaube ich eher, war es der Holzhammer. Ich weiß aber trotzdem noch nicht, wie ich ihr entgegenkommen kann, ohne mich selbst zu verstellen.

LG

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8. Januar 2006 um 12:17

Kloster nicht vergessen
Hallo Promito

Ich weiss nicht, ob Dir mein Beitrag was bringen wird, aber diese Kloster-Sache solltest Du Dir meiner Meinung nach auch noch einmal überlegen.

Wenn sie tatsächlich nahe dran war, ernsthaft und mit voller Absicht in ein Kloster zu gehen, dann wäre sie dort symbolisch mit Gott verheiratet geworden.
Und nun, da 'Heirat' auch im Leben mit Dir ein Thema wird, erträgt sie vielleicht den Gedanken nicht, sich jemandem zu geben, der nicht göttlich ist. Weisst Du, was ich meine?

Vielleicht geht es hier gar nicht um Meins-Deins, sondern um die viel tiefere Ebene von Gott-Mensch. Vielleicht flüchtet sie sich aber auch nur in diese Ebene, um sich nicht mit dem normalen Mensch in sich auseinandersetzen zu müssen.

Jedenfalls finde ich, Du solltest Dich noch einmal gründlich mit ihr zusammen mit dem Thema Religion auseinandersetzen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.


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8. Januar 2006 um 23:11

Schöne Zeit
o.k., aber wird die "schöne Zeit" nicht völlig entwertet, wenn man so lange Zeit nur einseitig geliebt hat?

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8. Januar 2006 um 23:40
In Antwort auf onora_11914576

Kloster nicht vergessen
Hallo Promito

Ich weiss nicht, ob Dir mein Beitrag was bringen wird, aber diese Kloster-Sache solltest Du Dir meiner Meinung nach auch noch einmal überlegen.

Wenn sie tatsächlich nahe dran war, ernsthaft und mit voller Absicht in ein Kloster zu gehen, dann wäre sie dort symbolisch mit Gott verheiratet geworden.
Und nun, da 'Heirat' auch im Leben mit Dir ein Thema wird, erträgt sie vielleicht den Gedanken nicht, sich jemandem zu geben, der nicht göttlich ist. Weisst Du, was ich meine?

Vielleicht geht es hier gar nicht um Meins-Deins, sondern um die viel tiefere Ebene von Gott-Mensch. Vielleicht flüchtet sie sich aber auch nur in diese Ebene, um sich nicht mit dem normalen Mensch in sich auseinandersetzen zu müssen.

Jedenfalls finde ich, Du solltest Dich noch einmal gründlich mit ihr zusammen mit dem Thema Religion auseinandersetzen. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.


Gottes und Menschenzehiehung
Hallo Babotschka,

das Thema ist heikel. Gottesbeziehung ist etwas, was (falls vorhanden) immer über jeder menschlichen Beziehung steht - mit Kloster oder ohne - und es ist gefährlich, hier etwas in den anderen hineinzuinterpretieren und die Gottesbeziehung als Mittel zum Zweck umzufunktionieren. Aber ich denke so ein bißchen wie Du: Gott ist bequemer, er stellt zu Lebzeiten wenig Forderungen, akzepiert einen mit all den Fehlern, die man hat, und er ist nachsichtig (zumindest ist das die Ansicht der meisten Christen heute). Menschen dagegen sind fordernd, nicht immer nachsichtig und erwarten Kompromisse. Es gibt einige Gründe, die zumindest dafür sprechen, dass tatsächlich auch dieser Aspekt bei ihr eine Rolle gespielt haben mag - und die Beziehung zu mir war der Versuch, diesen Komplex zu überwinden. Was sie tatsächlich belastet, ist das Gefühl, von den Mitmenschen nicht geliebt zu werden. Respektiert, aber eben nicht gemocht. Das liegt an den zwei Gehirnwindungen, die sie mehr besitzt als normale Menschen. Hochbegabte haben es von Natur aus schwerer, weil ihre Intelligenz oft als Angeberei interpretiert wird. Das ist ein Punkt, den ich noch nicht erwähnt hatte. Nur möchte ich sie da ungern auf halber Stecke stehenlassen.

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9. Januar 2006 um 23:03

Wie wärs mit...
zur Paarberatung? oder Familienaufstellung bei Bert Hellinger. Das hat schon sehr vielen geholfen. Da ist bestimmt etwas belastendes in ihrer Familie oder ihrem Leben gewesen, und deswegen benimmt sie sich so. Lasst euch da mal professionell beraten, dann habt ihr beide viel davon. Ich denke nicht, dass man eine dreijährige Beziehung einfach nur spielen kann.

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10. Januar 2006 um 0:23

Oh
das wusste ich nicht. danke für die info

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