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Die gewollten opfer oder warum bin ich martyrerin?

2. März 2003 um 19:52

hallo zusammen,

ich lese nun seit einigen wochen hier mit und wundere mich noch immer, wieviel "sanfte gewalt" hier täglich erduldet, ertragen und erlitten wird. hm, ich dachte damals, als es bei mir so war, ich wäre eine der wenigen.

inwieweit sind die "neuen starken frauen", wie es uns täglich von den medien suggeriert wird, wirklich stark? sind wir so stark, dass wir verhalten, welches wir bei fremden männern nicht mehr tolerieren, vom eigenen partner leidend in kauf nehmen? wollen wir es vielleicht sogar? dieses vermeintlich still vorsichhinleiden garantiert doch schliesslich bewundernde aufmerksamkeit. nun, ich war selbst jahrelang in dieser situation. eduldete, litt und sonnte mich in der bewundernden aufmerksamkeit anderer, die mir mit guten ratschlägen wirklich zur seite stehen wollten. aber: ich nahm sie nicht an. warum nicht? ich hätte ja etwas ändern müssen, die verantwortung für mein tun und handeln alleine tragen und auch auffangen müssen. da war es mir lieber, wenn ich jemanden hatte, der die mitschuld trägt.

ich akzeptierte schliesslich seine "unzulänglichkeiten". somit trage ich 50% mitschuld. zu deutsch: ich liess es mit mir machen. selber schuld. jawohl. nein, nicht er trug die 100%. ich spielte sein s....spiel mit.

nun, als es mir klar wurde, dass ich gar nicht das opfer bin, und auch nicht vorhatte es zu werden, überraschte ich ihn am hochzeitstag mit der scheidung. seine dümmlichen tränen interessierten mich nicht mehr. sein rumgejaule ging mir sonstwo vorbei und über seine versprechen sich zu ändern, lachte ich nur noch. ich hatte mich befreit. befreit von ihm. befreit von meiner sucht, bewundert zu werden für meine unfähigkeit ,situationen, die weder meinen kindern, noch mir guttaten, zu ändern. und letztendlich hatte ich mich befreit opfer zu werden.

warum erduldet frau bedeutend mehr, als sie eigentlich hinzunehmen bereit sein sollte? warum spielt man diese spiele mit und macht sich mitschuldig?

existenzängste? sorry, aber das argument, dass man materielle einbussen hat, zieht nicht. in deutschland ist jeder finanziell abgesichert. klar, in den urlaub geht es voerst nicht mehr und man muss sich dann schon sehr einschränken. geht mir heute noch so mit drei kindern. ich bin verschuldet bis ich in die grube fahre.

ist es die angst vor dem alleine sein? ja, man ist danach alleine. zumindest so alleine, dass man nicht des ex degradierende schmutzberge entsorgen muss und sich noch dabei anhören darf, dass es zeit für das essen ist. nun, aber doch lieber alleine und mit klarheit, wie der tag etwa verlaufen wird, morgens aufzuwachen, als abends gemeinsam einzuschlafen und sich morgens wieder auf übellaunigkeit einzustellen. also ist das eigentlich eher ein pluspunkt...

den kindern zuliebe ausharren? nein, das kann es auch nicht sein. meine drei atmeten erleichtert auf, als wir ihnen die trennung mitteilten. wir hatten doch immer heimlich unsere nichtendenwollenden grundsatzdiskussionen geführt... nicht eine streitigkeit vor ihnen ausgetragen....immer gute miene zum bösen spiel gemacht. und trotzdem: sie hatten es gespürt....die roten augen von mir gesehen, seine launenhaftigkeit, die auch vor ihnen nicht haltmachte, ertragen. sie freuten sich, dass nun endlich eine änderung eintritt.

was macht uns vermeintlich starke frauen schwach? sind die erwartungshaltungen der gesellschaft an uns zu hoch? immer strahlend lächeln, den job, den haushalt und die familie in griff zu haben...
sind es die erwartungshaltungen der männer, denen vorgegaukelt wird, dass eine frau auch noch supersexy aussieht, wenn sie mal eben den haushalt, den job und die kinder versorgt hat? ja, die werbung ist es. davon bin ich mittlerweile überzeugt.

zwischenzeitlich finden wir frauen männer klasse, die auch weinen können. ach wie süüüüüüüß. und wir? wann dürfen wir es, ohne gleich hören zu müssen, wir wären überfordert....oder auch, dass das letzte kind doch schliesslich auf den wunsch der frau gezeugt wurde.

nun, ich beendete dieses spektakel der unerfüllten erwartungen. ich habe mich nicht in abhängigkeit begeben und gehe arbeiten. das macht mich stolz, auch wenn in absehbarer zeit kein urlaub in sicht ist. fabrikverkäufe sind mein standard. und wir sind glücklich. meine kinder und ich haben spass. wir geniessen uns.
inzwischen habe ich auch einen neuen partner. wir achten einander und wir leben eine sehr befriedigende partnerschaft. es kann also doch funktionieren. aber man muss bereit sein, das leben und auch sich selbst zu ändern...

ich bin nicht stärker dadurch geworden - aber meine prioritäten bestimmen mein herz.

huch, was wollte ich nun eigentlich damit sagen? ich weiss es nicht mehr....aber vielleicht kann ich einigen von den leidenden frauen etwas mut geben

schöne gruesse

diefrau

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2. März 2003 um 19:59

Bitte nicht hier antworten...
....nun ist dieses posting zum zweiten mal hier erschienen. wie das passieren konnte, weiss ich auch nicht

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