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Die Bilanz einer Jugendliebe...

31. März 2012 um 19:44

Kurz nach meinem letzten Geburtstag (in den Zwanzigern) geworden bin, habe ich angefangen über mein derzeitiges Leben nachzudenken. Ich stehe kurz vor dem Eintritt in das Berufsleben, was mich natürlich nervös macht. Wo wird man arbeiten, wird einem der Job Spaß machen?
Aber viel wichtiger ist die Frage, wie mein persönliches Leben in den nächsten Jahren aussehen soll. Ich habe seit vielen Jahren einen Freund, seit einigen Jahren leben wir auch zusammen. Wir sind zusammen gekommen, als ich noch sehr jung war und waren einmal für ein Jahr getrennt. Ich habe also eine vage Vorstellung, wie das Leben als Single aussieht- die guten und die schlechten Seiten. Es ist der Lauf des Lebens, dass man sehr viele gemeinsame Erinnerungen an schöne Zeiten, aber auch an schwere Zeiten hat. Mein Freund ist sehr gutaussehend, sehr nett, lustig und was für viele Frauen wohl das Wichtigste ist: eine treue Seele. Ein perfekter Mann, ein perfektes Leben und eine gute Zukunftsprognose, mag man meinen. Doch von einem Tag auf den anderen tauchte ein Gefühl auf, ein bohrender Zweifel. Es gibt viele Dinge, die mich sehr stören und ich habe auch schon oft versucht, darüber zu sprechen. Heraus kamen dabei die üblichen Diskussionen, in denen Frau sich hysterisch und missverstanden vorkommt. Was für Männer unwichtige Kleinigkeiten sind, scheint uns Frauen viel wichtiger zu sein. Oder nur mir? Wie Frau Probleme nun mal so angeht, habe ich eine Liste erstellt. Eine? Tausende. Da diese Listen zu nichts führten, außer, dass ich mich selbst für bescheuert halte, über was ich mich aufrege, versuche ich, die Dinge etwas abstrakter zu formulieren:
Ich vermisse meine Freiheiten (nicht die sexuellen). Ich vermisse meine Unabhängigkeit. Den Luxus, in erster Linie nur für mich selbst und meine Probleme sorgen zu müssen. Sowohl auf den Haushalt bezogen, als auch auf alle anderen alltäglichen Stationen. Ich vermisse, dass mir jemand einmal alles abnimmt, jemanden, der mir durch seine Tatkräftigkeit und Stärke importiert. Ich vermisse die Ungezwungenheit, dass die Dinge einfach laufen. Ich mag nicht für zwei sorgen und denken. Ich mag nicht um Aufmerksamkeit und Interesse kämpfen. Ich habe das Gefühl, dass das Management der Beziehung weitestgehend an mir hängen bleibt und das ist so anstrengend geworden. Was nicht heißen soll, dass ich mir nicht bewusst bin, dass eine Beziehung Arbeit bedeutet und lange Zeit war ich auch mehr als bereit für die meine zu arbeiten.
Aber dann kam dieser eine Abend. Nichtsahnend stand ich an einer Bar und diskutierte mit einer Freundin den ... Faktor ihres Expartners, der, nebenbei erwähnt, sehr hoch ist. Abschließend folgte das obligatorische Gespräch über den Glauben an die große, ewige Liebe, deren glühendster Verfechter natürlich ich als Vertreter der -gemeinhin verhassten- Fraktion Jugendliebe bin. Da sprach ich die magischen Worte Natürlich haben wir auch Probleme, aber ich weiß wir gehören zusammen. Ich hab ihn gesehen, damals, als ich XY Jahre alt war und ich wusste das einfach!- da drehte ich mich zu meinem Glas um, nahm einen theatralischen Schluck und alles hat sich -zumindest bis zum heutigen Stand, das sind jetzt T plus zwei Wochen- verändert. Da stand jemand. Jemand mit wahnsinnig fesselnden Augen, der lose zur Gruppe gehörte. Groß, schlank, durchtrainiert. Kein Schönling, sondern eher der Typ kanadischer Holzfäller, nur ohne dieses Flanellhemd. Man stellte sich vor und kam sofort ins Gespräch. Das Gespräch war derart unterhaltsam, dass ich als Raucher das Rauchen vergaß- trotz Alkoholkonsum. Die gegenseitige Sympathie wurde irgendwann bekundet und der Vertreter der Fraktion Jugendliebe zog es wohlweißlich vor, an diesem Abend nicht in einen bestimmten Club zu gehen, um keine Probleme zu verursachen.
Nicht aus der Distanz betrachtet, war ich natürlich schon mitten im Problemstrudel und, wie das der durchschnittlich verrückte Mensch nun einmal so tut, habe ich mir den Verursacher des Problems noch einmal angeschaut, natürlich absolut im Glauben, das würde die Probleme lösen. Ich habe echt gehofft, dass ich am Freitag zu betrunken war und mir am Samstag auffallen würde, dass mein Gesprächspartner von gestern hässlich und langweilig sei. Ich bin an diesem Abend wieder nicht zum Rauchen raus gegangen und habe mich stundenlang äußert gut unterhalten. Nach harmlosen Schreiben im Internet gab es nur noch eine einzige Chance, sich noch einmal zu sehen, bevor meine Bekanntschaft für einige Zeit an das andere Ende des Globus (natürlich, was auch sonst) nach Hause flog. Rückkehr fraglich, zumindest an den Ort, an dem ich lebe. Ich habe mich heimlich mit einem Mann, der nicht mein Freund ist, in einer Bar verabredet. Und das größte Knistern seit Jahren erlebt, was nicht durch die verbotene Situation verursacht wurde. Nichts ist passiert- weil ich das so wollte. Ich spiele seit diesem Exempel meiner Willenskraft ernsthaft mit dem Gedanken, ein hauptberuflicher Fakir zu werden- oder zumindest mit dem Rauchen aufzuhören. Scherz beiseite, es kostete mich größte Kraft, diesem Knistern nicht zu erliegen. Und ich habe meinen Freund noch nie betrogen und auch nie überlegt, es zu tun, weil das einfach nichts für mich ist. Wie alle Frauen bin ich Freund von Bilanzen. Der Wert von Dingen, oder in diesem Fall von einem Menschen, kann nämlich sehr wohl anhand von Kriterien eingeschätzt werden und das Ergebnis beim weiteren Handeln helfen. Die Bilanz des Holzfällers ist denkbar schlecht: Nicht die gleiche Staatsbürgerschaft, nicht die gleiche Sprache (zumindest bin ich der seinen mächtig), er war nie auf der Uni (das soll nicht oberflächlich klingen, sondern ist einfach ein Bilanzpunkt), sein Beruf ist das absolute K.O.-Kriterium (Profisportler: häufige Ortswechsel, was kommt danach) und achja- auch er hat eine Freundin. Und dennoch ist die Faszination so groß, dass ich momentan gar nicht weiß wohin mit mir und schon gleich gar nicht weiß, was mit meinem alten Leben werden soll. Die Gegenseite denkt ähnlich.
Das Dilemma in dem ich nun stecke ist, dass meine Freundinnen, aber auch männliche Freunde oder Arbeitskollegen mich für meine besonnene Art schätzen. Meine Meinung wird eingeholt, weil ich mir Dinge gründlich überlege und auch vor Selbstkritik nicht zurückschrecke.
Kann ich hier so falsch liegen? Haben wir eigentlich keine Beziehungsprobleme? Bilde ich mir das alles ein? Weil ich ein tiefergehendes Problem habe, mit dem Zwang mein Glück zu zerstören? Bin ich vielleicht sogar ein schlechter Mensch und überheblich und suche immer nach etwas Besserem, weil ich in irgendeiner gestörten, verborgenen Region meines Unterbewusstseins aus unerfindlichen Gründen der Meinung bin, ich hätte noch nicht das Beste? Und was zur Hölle ist dann mit dem Holzfäller? Ist der ein Zeichen dafür, dass meine Beziehung in einer Krise steckt, aus der sie vielleicht nicht mehr herauskommt? Oder ist es normal, dass man sich Mitte Zwanzig fragt, ob der Lebensplan, den man sich ausgemalt hat, wirklich der richtige für einen ist?
Und wie bekommt man das dann hin?
Ich freue mich über knallharte, ehrliche Meinungen.

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31. März 2012 um 20:33

Nagut.
Du hast einen genialen Schreibstil schonmal daran gedacht Autorin zu werden? ^^
Aber du wolltest knallharte Meinungen.
In einer langjährigen Beziehung plötzlich einen anderen Menschen furchtbar anziehend zu finden, sich zu verlieben und zu träumen: Das passiert wohl jedem mal. Völlig normal. Und auch sehr große Gefühle die einen so richtig umhauen, sind erstmal kein Grund, sein altes Leben völlig stehen und liegen zu lassen.
Was dein Freund übrigens so auch nicht verdient hat. Eine Kurzschlusshandlung zu machen... nun das fände ich ziemlich unfair deinem Freund gegenüber.
Das Ganze ist jetzt zwei Wochen her, sagst du. Eigentlich brauchst du Zeit, die du aber einfach nicht hast.
Lass dir jetzt erstmal Adresse, Email, etc von deinem Holzfäller geben, einfach in die Ungewissheit verschwinden lassen musst du ihn ja auch nicht.

Ganz ehrlich: Würde dein Freund es aushalten wenn du ihm die ganze Geschichte einfach erzählst?
Ich frage, weil ich so etwas selber erlebt habe. Ich bin seit bald mal fünf Jahren mit meinem Freund zusammen, ok, wahrscheinlich ist es bei dir länger, aber trotzdem: große Jugendliebe. Plötzlich kam da ein Mann daher (der zu allem Überfluss auch noch ein sehr guter Freund von meinem Freund ist, wenn nicht sein Bester). Und ich war fast ein Jahr lang furchtbar in ihn verliebt.

Ich habe das ganze folgendermaßen gelöst: Ich habe es meinem Freund erzählt, zwar nicht alles (z.B. nicht die Identität verraten, erst ein Jahr nachdem das alles vorbei war). Habe ihm das erklärt, dass ich wohl Dinge in dem Anderen sehe die ich bei ihm vermisse...
Es gab zwar eine mittelgroße Beziehungskrise, aber für ihn war es schlussendlich auch der Auslöser, endlich voll und ganz zu mir zu stehen (was ich so vermisst habe an unserer Beziehung) und im Endeffekt hat sich alles zum Besseren gewandt. Früher war ich immer selbstverständlich für ihn, nachdem er gemerkt hat dass ich nicht hündisch an ihm hänge und soweiso keine anderen Männer wahrnehme... Da war ich plötzlich nicht mehr selbstverständlich und er hat es auch mal geschafft, mir zuzuhören, wirklich etwas produktives zu Beziehungsgesprächen (in denen ich mir sonst verdammt hysterisch vorgekommen bin und so als würde ich gegen eine Wand reden) beizutragen.

So, und nochmal ganz ehrlich: Dein lieber Holzfäller hat 99prozentig keine Zukunft.
Verdaue das erstmal alles, warte ein paar Monate, rede mit deinem Freund darüber. Auch wenn deine Prioritäten schlussendlich wirklich woanders liegen, bei einem Holzfäller der ewig weit weg wohnt und eine Freundin hat liegen sie sicher nicht

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31. März 2012 um 21:26

Der Holzfäller
Hey,

ich kann dich so gut verstehen! Ich bin auch mit meiner Jugendliebe zusammen und der Gedanken an Ehe, Kinder und dem Aufbau eines gemeinsames Leben ist da (sind auch Mitte/Ende 20). Er ist mein erster und einziger
Wenn man schon so lange zusammen ist, muss irgendwann eine Entscheidung her: nimmt man Rücksicht auf den Partner - beruflich , will man ein gemeinsames Leben. Gerade wenn es darum geht, nach dem Studium einen Beruf zu finden und man durchaus auch in eine andere Stadt ziehen muss oder auch mal ins Ausland gehen muss (für den Beruf), stellt sich die Frage: und nun: was ist mit uns beiden?
Vor 2 Jahren ungefähr war ich in der gleichen Phase wie du jetzt bist, irgendwie stand eine Entscheidung an... und auch wenn ich meinen Freund liebe, er ist mein einziger und der Gedanke, was wäre wenn? spukt im Kopf herum.
Bei mir war es ein amerikanischer Austauschstudent, der sich brennend für mich interessiert hat ... in der Zeit hat mich alles an meinem Freund genervt ohne wirklich sagen zu können, WAS genau es denn ist. Ich hab ein bischen mit dem Ami geflirtet - absolut harmlos (!) und mich mit ihm verabredet - um dann nicht hinzugehen. Ich hab mich mit meinem Freund zusammen gesetzt und hab ihm ansatzweise gesagt, was ich fühle (also dass ich harmlos geflirtet habe und zu jemanden hingezogen gefühlt hab), er war natürlich verletzt und hat sich distanziert. Und als die Distanz da war, ist mir aufgefallen, was für einen Dachschaden ich doch hatte: da ist er mein Traummann und bringt alles mit was ich möchte, liebt mich und wir haben so etwas kostbares, so viel zeit so viel durchgemacht und sich immer geliebt, immer für einander da gewesen. Mir war schon klar, als er zur Tür raus gegangen ist, was für ein Depp ich doch war. Ich hab das gebraucht, denn bisher kam das gefühl, was verpasst zu haben nicht wieder. Denn ich hab was, was mir viel wichtiger ist, als ein paar Flirtereien. Aber das muss man erstmal verstehen und meistens versteht man das erst - wenn man den anderen fast verliert.
Übrigens hatte mein Freund auch, hat das aber mit sich selbst ausgemacht.
Ich denke es ist also normal, kalte Füße zu bekommen, gerade wenn man so lange unter den Umständen zusammen war.

Ich denke, ehrlich, der Holzfäller ist vielleicht nur eine Träumerei in deinem Kopf, ein "was-wäre-wenn".
Um das herauszufinden, würde ich erstmal auf Distanz gehen - zu beiden. Bei mir wars gut, meinem Freund zu sagen was los ist, aber ich weiß nicht, wie ihr damit umgehen könnt. Nimm Abstand und Ruhe und denk drüber nach. Überleg dir was dir in der Beziehung wichtig ist und was dich glücklich mach.
Ganz oft nerven einem Kleinigkeiten, die nicht für die Beziehung wichtig sind. Was hilft, auf den Boden zu kommen und nicht wegen jeder Kleinigkeit immer genervter zu werden in Ruhe nachzudenken: ist das was, was ich an ihm einfach akzeptieren muss? Kann man es ändern? Ist das relevant für mich oder für unsere Beziehung? Ist das relevant für mein Glück`?

Dir wird auffallen : viele Dinge kannst du von deiner Liste streichen und an einigen müsst ihr arbeiten, wenn ihr wollt.
Ich wünsch euch viel Glück und ich drück dir die Daumen, dass dein Freund dich erstmal abserviert - sorry- man kapierts manchmal nur so, was gut für einem ist.

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2. April 2012 um 20:09
In Antwort auf noele_12700300

Nagut.
Du hast einen genialen Schreibstil schonmal daran gedacht Autorin zu werden? ^^
Aber du wolltest knallharte Meinungen.
In einer langjährigen Beziehung plötzlich einen anderen Menschen furchtbar anziehend zu finden, sich zu verlieben und zu träumen: Das passiert wohl jedem mal. Völlig normal. Und auch sehr große Gefühle die einen so richtig umhauen, sind erstmal kein Grund, sein altes Leben völlig stehen und liegen zu lassen.
Was dein Freund übrigens so auch nicht verdient hat. Eine Kurzschlusshandlung zu machen... nun das fände ich ziemlich unfair deinem Freund gegenüber.
Das Ganze ist jetzt zwei Wochen her, sagst du. Eigentlich brauchst du Zeit, die du aber einfach nicht hast.
Lass dir jetzt erstmal Adresse, Email, etc von deinem Holzfäller geben, einfach in die Ungewissheit verschwinden lassen musst du ihn ja auch nicht.

Ganz ehrlich: Würde dein Freund es aushalten wenn du ihm die ganze Geschichte einfach erzählst?
Ich frage, weil ich so etwas selber erlebt habe. Ich bin seit bald mal fünf Jahren mit meinem Freund zusammen, ok, wahrscheinlich ist es bei dir länger, aber trotzdem: große Jugendliebe. Plötzlich kam da ein Mann daher (der zu allem Überfluss auch noch ein sehr guter Freund von meinem Freund ist, wenn nicht sein Bester). Und ich war fast ein Jahr lang furchtbar in ihn verliebt.

Ich habe das ganze folgendermaßen gelöst: Ich habe es meinem Freund erzählt, zwar nicht alles (z.B. nicht die Identität verraten, erst ein Jahr nachdem das alles vorbei war). Habe ihm das erklärt, dass ich wohl Dinge in dem Anderen sehe die ich bei ihm vermisse...
Es gab zwar eine mittelgroße Beziehungskrise, aber für ihn war es schlussendlich auch der Auslöser, endlich voll und ganz zu mir zu stehen (was ich so vermisst habe an unserer Beziehung) und im Endeffekt hat sich alles zum Besseren gewandt. Früher war ich immer selbstverständlich für ihn, nachdem er gemerkt hat dass ich nicht hündisch an ihm hänge und soweiso keine anderen Männer wahrnehme... Da war ich plötzlich nicht mehr selbstverständlich und er hat es auch mal geschafft, mir zuzuhören, wirklich etwas produktives zu Beziehungsgesprächen (in denen ich mir sonst verdammt hysterisch vorgekommen bin und so als würde ich gegen eine Wand reden) beizutragen.

So, und nochmal ganz ehrlich: Dein lieber Holzfäller hat 99prozentig keine Zukunft.
Verdaue das erstmal alles, warte ein paar Monate, rede mit deinem Freund darüber. Auch wenn deine Prioritäten schlussendlich wirklich woanders liegen, bei einem Holzfäller der ewig weit weg wohnt und eine Freundin hat liegen sie sicher nicht

Immer diese Holzfäller
Danke für die Blumen, bisher hab ich noch nicht daran gedacht und danke für deine Antwort.
Du hast richtig angedeutet, dass ich Zeit bräuchte, die ich nicht habe. Ich glaube ich werde nach den Prüfungen mal ein paar Tage allein verreisen. Vielleicht ist es nicht schlecht, wenn man sich seinen Problemen mal ganz alleine stellt und nicht begleitet von Freundinnen, die aus unterschiedlichen Gründen meistens eine voreingenommene Meinung bei Beziehungsfragen haben.
Nein, ich glaube nicht, dass er es aushalten würde. Zum einen ist er nicht der Typ für solche Manöver und zum anderen gab es letztes Jahr so einen Vorfall mit einem Kerl, der sich in mich verguckt hatte und ziemlich nervig wurde und das war ein Schuss vor den Bug, der nicht spurlos an uns vorbeiging. Kurze Zeit war dann übrigens mal alles super- es wollte mich ihm jemand wegnehmen, da macht man auf einmal alles.
Du beschreibst deinen Freund vor eurer Krise so, als wäre es meiner... Wie kam es, dass du bei ihm geblieben bist, wenn die Verliebtheit mit dem anderen so lange angehalten hat? Wusste der andere von seinem Glück?
Nein, mit dem Holzfäller hat es sicherlich keine Zukunft, da gebe ich dir recht. Aber hat es eine Zukunft, bei einem Mann zu bleiben, der sich zwar phasenweise "bessert", aber gerne wieder in die alten Muster zurückfällt und bei mir ein wiederkehrendes Gefühl von Enttäuschung in vielerlei Hinsicht verursacht?
Ich bin übrigens überrascht, dass noch keine Hate-Antwort kam. Ich wollte nur nochmal klar stellen, dass es niemand verdient hat, so zu behandelt werden, wie ich ihm das gerade tue. Nur darf man nicht vergessen, dass eigentlich niemand freudestrahlend in so eine Situation reinrennt und gerade für mich, die ich eigentlich immer sehr vernünftig und geradlinig durch das Leben gehe, ist das echt nicht leicht. Zu wissen was man hat, wegen einiger Dinge trotzdem sehr unglücklich zu sein, die Veränderung nicht hinbekommen und einen Holzfäller treffen... Grausigst!

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2. April 2012 um 20:23
In Antwort auf mooneysuzuki

Der Holzfäller
Hey,

ich kann dich so gut verstehen! Ich bin auch mit meiner Jugendliebe zusammen und der Gedanken an Ehe, Kinder und dem Aufbau eines gemeinsames Leben ist da (sind auch Mitte/Ende 20). Er ist mein erster und einziger
Wenn man schon so lange zusammen ist, muss irgendwann eine Entscheidung her: nimmt man Rücksicht auf den Partner - beruflich , will man ein gemeinsames Leben. Gerade wenn es darum geht, nach dem Studium einen Beruf zu finden und man durchaus auch in eine andere Stadt ziehen muss oder auch mal ins Ausland gehen muss (für den Beruf), stellt sich die Frage: und nun: was ist mit uns beiden?
Vor 2 Jahren ungefähr war ich in der gleichen Phase wie du jetzt bist, irgendwie stand eine Entscheidung an... und auch wenn ich meinen Freund liebe, er ist mein einziger und der Gedanke, was wäre wenn? spukt im Kopf herum.
Bei mir war es ein amerikanischer Austauschstudent, der sich brennend für mich interessiert hat ... in der Zeit hat mich alles an meinem Freund genervt ohne wirklich sagen zu können, WAS genau es denn ist. Ich hab ein bischen mit dem Ami geflirtet - absolut harmlos (!) und mich mit ihm verabredet - um dann nicht hinzugehen. Ich hab mich mit meinem Freund zusammen gesetzt und hab ihm ansatzweise gesagt, was ich fühle (also dass ich harmlos geflirtet habe und zu jemanden hingezogen gefühlt hab), er war natürlich verletzt und hat sich distanziert. Und als die Distanz da war, ist mir aufgefallen, was für einen Dachschaden ich doch hatte: da ist er mein Traummann und bringt alles mit was ich möchte, liebt mich und wir haben so etwas kostbares, so viel zeit so viel durchgemacht und sich immer geliebt, immer für einander da gewesen. Mir war schon klar, als er zur Tür raus gegangen ist, was für ein Depp ich doch war. Ich hab das gebraucht, denn bisher kam das gefühl, was verpasst zu haben nicht wieder. Denn ich hab was, was mir viel wichtiger ist, als ein paar Flirtereien. Aber das muss man erstmal verstehen und meistens versteht man das erst - wenn man den anderen fast verliert.
Übrigens hatte mein Freund auch, hat das aber mit sich selbst ausgemacht.
Ich denke es ist also normal, kalte Füße zu bekommen, gerade wenn man so lange unter den Umständen zusammen war.

Ich denke, ehrlich, der Holzfäller ist vielleicht nur eine Träumerei in deinem Kopf, ein "was-wäre-wenn".
Um das herauszufinden, würde ich erstmal auf Distanz gehen - zu beiden. Bei mir wars gut, meinem Freund zu sagen was los ist, aber ich weiß nicht, wie ihr damit umgehen könnt. Nimm Abstand und Ruhe und denk drüber nach. Überleg dir was dir in der Beziehung wichtig ist und was dich glücklich mach.
Ganz oft nerven einem Kleinigkeiten, die nicht für die Beziehung wichtig sind. Was hilft, auf den Boden zu kommen und nicht wegen jeder Kleinigkeit immer genervter zu werden in Ruhe nachzudenken: ist das was, was ich an ihm einfach akzeptieren muss? Kann man es ändern? Ist das relevant für mich oder für unsere Beziehung? Ist das relevant für mein Glück`?

Dir wird auffallen : viele Dinge kannst du von deiner Liste streichen und an einigen müsst ihr arbeiten, wenn ihr wollt.
Ich wünsch euch viel Glück und ich drück dir die Daumen, dass dein Freund dich erstmal abserviert - sorry- man kapierts manchmal nur so, was gut für einem ist.

Abserviert
Ok erst mal danke für deine Antwort und eine Gegenfrage, weil es mich interessiert: War es bei dir so, dass du selbst das Gefühl hattest, mehr Rücksicht zu nehmen als er? Ich weiß man denkt das immer schnell und dann ist es oft doch relativ ausgeglichen. Aber mich macht echt traurig, dass ich überwiegend die bin, zu deren Lasten ein Kompromiss geht. Beispielsweise hat er mit jeder meiner Freundinnen irgendein Problem. Das heißt, wenn wir zusammen OHNE vorherige Diskussion etwas machen wollen, schlage ich am besten NICHT meine Leute vor.
Vielleicht habe ich mit meiner Beschreibung der Holzfällerbegegnung den Fokus ein bisschen falsch gesetzt: Ich kann wirklich sehr gut auf Flirtereien verzichten. Das brauche ich weder für mein Ego, noch möchte ich das für meine Zwecke innerhalb der Beziehung instrumentalisieren- deshalb habe ich mich nicht mit dem Holzfäller (was für ein grandioses Codewort) getroffen und deshalb werde ich ihm auch nichts erzählen (obwohl mir dein Vorschlag nicht schlecht ist, so für die Selbsterkenntnis). Ich interpretiere den lieben Holzfäller eher als wandelnden Gedankengang: Kann es nicht sein, dass ich mich abmühe und eigentlich passen wir einfach nicht zusammen? Sind die charakterlichen Unterschiede zu groß? Die Ziele zu weit voneinander entfernt? Mit 19 hab ich mich von ihm getrennt, weil er mich einfach nicht für voll genommen hat. Irgendwie habe ich zur Zeit ein postpupertäres Déjavue! Und sicherlich sind einige Kleinigkeiten unter den Aufregern, aber in meinem Herzen bündeln die sich neben den Nicht-Kleinigkeiten zu einem Gefühl von Enttäuschung und "so habe ich mir das nicht vorgestellt!"- hattest du sowas auch?
Ist das einfach so? Steht man in Jugendliebebeziehungen einfach gelegentlich an dem Punkt, dass man gnadenlos genervt ist, nur um dann zu erkennen, dass man auf eine sehr schizophrene Art genau damit glücklich ist und aneinander hängt? Oder was wäre wenn..?

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3. April 2012 um 12:29
In Antwort auf camron_12147856

Abserviert
Ok erst mal danke für deine Antwort und eine Gegenfrage, weil es mich interessiert: War es bei dir so, dass du selbst das Gefühl hattest, mehr Rücksicht zu nehmen als er? Ich weiß man denkt das immer schnell und dann ist es oft doch relativ ausgeglichen. Aber mich macht echt traurig, dass ich überwiegend die bin, zu deren Lasten ein Kompromiss geht. Beispielsweise hat er mit jeder meiner Freundinnen irgendein Problem. Das heißt, wenn wir zusammen OHNE vorherige Diskussion etwas machen wollen, schlage ich am besten NICHT meine Leute vor.
Vielleicht habe ich mit meiner Beschreibung der Holzfällerbegegnung den Fokus ein bisschen falsch gesetzt: Ich kann wirklich sehr gut auf Flirtereien verzichten. Das brauche ich weder für mein Ego, noch möchte ich das für meine Zwecke innerhalb der Beziehung instrumentalisieren- deshalb habe ich mich nicht mit dem Holzfäller (was für ein grandioses Codewort) getroffen und deshalb werde ich ihm auch nichts erzählen (obwohl mir dein Vorschlag nicht schlecht ist, so für die Selbsterkenntnis). Ich interpretiere den lieben Holzfäller eher als wandelnden Gedankengang: Kann es nicht sein, dass ich mich abmühe und eigentlich passen wir einfach nicht zusammen? Sind die charakterlichen Unterschiede zu groß? Die Ziele zu weit voneinander entfernt? Mit 19 hab ich mich von ihm getrennt, weil er mich einfach nicht für voll genommen hat. Irgendwie habe ich zur Zeit ein postpupertäres Déjavue! Und sicherlich sind einige Kleinigkeiten unter den Aufregern, aber in meinem Herzen bündeln die sich neben den Nicht-Kleinigkeiten zu einem Gefühl von Enttäuschung und "so habe ich mir das nicht vorgestellt!"- hattest du sowas auch?
Ist das einfach so? Steht man in Jugendliebebeziehungen einfach gelegentlich an dem Punkt, dass man gnadenlos genervt ist, nur um dann zu erkennen, dass man auf eine sehr schizophrene Art genau damit glücklich ist und aneinander hängt? Oder was wäre wenn..?

Hmm...
Hi kaleidoskopeia,

"War es bei dir so, dass du selbst das Gefühl hattest, mehr Rücksicht zu nehmen als er?"

Ja manchmal hatte ich das schon, ich weiß, dass er das aber auch schon dachte. Dieses ich nehme mehr Rücksicht oder -übertrieben- ich lieb dich mehr als du mich, ist etwas, was man sehr subjektiv misst und deshalb schlecht drüber streiten oder auch nur diskutieren kann ohne alles gleich mit Detail vorzurechnen (was ja auch nicht klappen kann.) Wie man das Problem löst, weiß ich echt nicht. Vielleicht einfach mal aus einem anderen Blickwinkel das ganze sehen... sollten dann aber schon auch beide machen.
Das Thema mit den Freunden haben wir zum Beispiel auch gehabt. Er ist einfach nicht mit meinen Freundinnen auf einer Wellenlänge und ich kann ihn ja auch nicht zwingen, sie zu mögen - nur weil ich das tu. Ich seh das mittlerweile echt entspannter, denn eine Zeit nur mit Freundinnen ohne Freund tut auch echt gut. Wir haben uns dann halt mit anderen einen gemeinsamen Freundeskreis aufgebaut und wenn ich was mit den Mädels mache - dann halt allein.
Es freut mich, wenn mein Freund ab und zu zu einem Geburtstag meiner Freundinnen mitkommt - aber dass er sich jetzt nicht super toll mit ihnen versteht - da hat keine Auswirkungen auf meine Beziehung (mehr), weil es einfach andere Dinge gibt, die wichtiger sind. Es ist halt so, ich akzeptier das und ich sag auch, wenn mir einer seiner Kumpel nicht passt. Mittlerweile ist der ganze Druck aus der Situation auch raus - weswegen er auch mal ohne schlechter Laune mitkommt

Kann es nicht sein, dass ich mich abmühe und eigentlich passen wir einfach nicht zusammen? Sind die charakterlichen Unterschiede zu groß? Die Ziele zu weit voneinander entfernt?

hmm, also wenn du die Beziehung dauerhaft als "Mühe" verstehst - dann läuft sicherlich einiges falsch.
Welche Ziele habt ihr denn, hast du und hat er? Habt ihr mal ruhig darüber geredet oder läuft das nebenher, du denkst, was er will und er glaubt zu wissen, was du willst ohne dass darüber geredet wird.


"Und sicherlich sind einige Kleinigkeiten unter den Aufregern, aber in meinem Herzen bündeln die sich neben den Nicht-Kleinigkeiten zu einem Gefühl von Enttäuschung und "so habe ich mir das nicht vorgestellt!"- hattest du sowas auch?"
Klar, manchmal nach einem Streit ist man auch schonmal frustriert und denkt sich soetwas in der Art - aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich das über einen längeren Zeitraum gedacht habe.

Seit wann spitzt sich die Situation denn zu? Und hat er überhaupt gecheckt, dass du unglücklich bist? Sieht er das denn genauso? Vielleicht hat auch er die Beziehung etwas "einschlafen" lassen und sollte mal wachgerüttelt werden.

Die Dinge, die dich nerven: waren die schon immer da? Haben die dich schon immer genervt? Oder sind das Verhaltensweisen die erst in letzter Zeit entstanden sind?


"Ist das einfach so? Steht man in Jugendliebebeziehungen einfach gelegentlich an dem Punkt, dass man gnadenlos genervt ist, nur um dann zu erkennen, dass man auf eine sehr schizophrene Art genau damit glücklich ist und aneinander hängt?"

Das ist sicherlich eine gute Frage, denn ich bin mir sicher, dass sich in diesem Punkt eine Jugendliebe nicht von einer anderen längeren Beziehung unterscheidet.
Die glücklichen Momente sollten in einer Beziehung immer überwiegen und nicht das "genervte".

"Oder was wäre wenn..?"
Ja das ist sicherlich "ein Problem" der Jugendliebe. Das kann man nicht abstreiten. Das positive daran: es gibt keine "altlasten" von vorhergehenden Beziehungen.
Ich hab mit meinem Freund auch schon oft darüber geredet, aber es ist halt so, wir haben uns nicht "ausgetobt", nie wirklich das Bedürfniss danach gehabt (so sehr dass wir uns getrennt hätten) und es hat sich immer richtig angefühlt. Man kann einfach nicht beides haben. Das ist so. Das ist nicht schlecht und nicht gut sondern einfach eine Situation, die man so akzeptieren muss, wenn man mit dem Partner zusammen bleiben möchte.

Aber es fühlt sich richtig an und ich bin glücklich damit.
Ich denke nicht, dass ich später etwas bereuen werde, was sich heute "richtig" anfühlt.

Die Frage ist nun, ob es sich bei dir "richtig" anfühlt.
Ich denke du kommst um ein großes langes und intensives Gespräch mit deinem Freund über eure Beziehung nicht vorbei...

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3. April 2012 um 21:07
In Antwort auf camron_12147856

Immer diese Holzfäller
Danke für die Blumen, bisher hab ich noch nicht daran gedacht und danke für deine Antwort.
Du hast richtig angedeutet, dass ich Zeit bräuchte, die ich nicht habe. Ich glaube ich werde nach den Prüfungen mal ein paar Tage allein verreisen. Vielleicht ist es nicht schlecht, wenn man sich seinen Problemen mal ganz alleine stellt und nicht begleitet von Freundinnen, die aus unterschiedlichen Gründen meistens eine voreingenommene Meinung bei Beziehungsfragen haben.
Nein, ich glaube nicht, dass er es aushalten würde. Zum einen ist er nicht der Typ für solche Manöver und zum anderen gab es letztes Jahr so einen Vorfall mit einem Kerl, der sich in mich verguckt hatte und ziemlich nervig wurde und das war ein Schuss vor den Bug, der nicht spurlos an uns vorbeiging. Kurze Zeit war dann übrigens mal alles super- es wollte mich ihm jemand wegnehmen, da macht man auf einmal alles.
Du beschreibst deinen Freund vor eurer Krise so, als wäre es meiner... Wie kam es, dass du bei ihm geblieben bist, wenn die Verliebtheit mit dem anderen so lange angehalten hat? Wusste der andere von seinem Glück?
Nein, mit dem Holzfäller hat es sicherlich keine Zukunft, da gebe ich dir recht. Aber hat es eine Zukunft, bei einem Mann zu bleiben, der sich zwar phasenweise "bessert", aber gerne wieder in die alten Muster zurückfällt und bei mir ein wiederkehrendes Gefühl von Enttäuschung in vielerlei Hinsicht verursacht?
Ich bin übrigens überrascht, dass noch keine Hate-Antwort kam. Ich wollte nur nochmal klar stellen, dass es niemand verdient hat, so zu behandelt werden, wie ich ihm das gerade tue. Nur darf man nicht vergessen, dass eigentlich niemand freudestrahlend in so eine Situation reinrennt und gerade für mich, die ich eigentlich immer sehr vernünftig und geradlinig durch das Leben gehe, ist das echt nicht leicht. Zu wissen was man hat, wegen einiger Dinge trotzdem sehr unglücklich zu sein, die Veränderung nicht hinbekommen und einen Holzfäller treffen... Grausigst!

...
ich bin einerseits bei ihm geblieben weil ich genau wusste dass es keine Chanche auf eine Beziehung mit dem anderen gibt... Er wusste schon von seinem "Glück", aber er hätte nie meinen Freund so hintergehen können (etwa so hat er es ausgedrückt) ich war einfach "Tabu" für ihn.
Und andererseits, das war der wichtigere Grund, weil es von meiner Seite aus eben nur Verliebtheit war - keine schon lange dagewesene Liebe, wie bei meinem Freund.

Naja, wie auch immer: Mach das mit dem Wegfahren! Ein bisschen Alleinsein ist wahrscheinlich das Beste in der Situation... Vielleicht ist es ja dann doch dein Freund den du vermisst und nicht so einen dahergelaufenen Holzfäller

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