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Die Beziehungslosigkeit, die Henne und das Ei, die Macht und die Angst

3. September 2011 um 23:15

Manchmal finde ich meine missliche Lage so erdrückend, dass ich im Internet um Rat suche und die Google-Suchmaschine in Bewegung setze. Ich bin jetzt 24 und war niemals mit einer Frau zusammen. Das belastet mich jedoch nicht so sehr. Dazu unten mehr. Ich wollte wissen, wie andere Menschen in einer ähnlichen Situation mit dieser Tatsache umgehen. Als einen der obersten Suchbegriffe gab mir Google den folgenden etwas älteren Beitrag in diesem Forum zurück:



http://forum.gofeminin.de/forum/f98/__f549_f98-Mit-23-ohne-Beziehungserfahrung.html



Neben weiteren las ich dieses Thema. Nun gestehe ich unumwunden zu, dass auch mich meine vollständige Beziehungslosigkeit des Öfteren ziemlich belastet. Dabei erlebe ich das vollständige Gefühlsspektrum: Wut, Trauer, Selbsthass, Angst und manchmal fühle ich nichts. Ich wendete viel Kraft und Zeit auf, um meinem Problem auf den Grund zu gehen. Ich beschloss, mich in diesem Forum anzumelden, um ein paar Gedanken anzusprechen, die ich bisher nicht in diesem Zusammenhang in einem Forum oder dergleichen fand. Es sind drei Gesichtspunkte, die ich zur Diskussion stelle.



1. Ich glaube, dieses Thema treibt viele Menschen (und ausdrücklich auch mich) in den Wahnsinn, weil es sich dabei um ein Henne-Ei-Problem handelt:



Ich finde keine Frau, weil ich daran glaube, dass ich keine Frau finden werde. UND

Ich glaube daran, dass ich keine Frau finden werde, weil ich bisher keine Frau fand.



Dieses Wechselspiel in Form dieses Henne-Ei-Problems trage ich seit geraumer Zeit in mir. Ich weiß darauf keine Antwort. Ich bin bloß froh, dass ich deswegen nicht geisteskrank wurde. Es gelang mir bisher nicht, dieses Problem mit dem Verstand zu lösen. Mit dem menschlichen Herzen hat das freilich wenig zu schaffen. Das ist mir sehr wohl bewusst. Daher bin ich auch zurückhaltend insoweit, als eine intellektuelle Herangehensweise von Vornherein bei so einem Thema scheitern kann. Jedoch mag ich mich damit (noch) nicht abfinden, weil ich mir nur allzu im Klaren darüber bin, wie verkopft ich bin. Ich betrachte auch diese Verkopfung nicht als eine meiner Schwächen, sondern als eine meiner größten Stärken. Ob ich mit dieser Verkopfung ein erfülltes und glückliches Leben werde führen können, ist eine ganz andere Frage, um die es hier nicht geht.



2. Ich finde das, was in dem oben zitierten Beitrag geäußert wurde, extrem irreführend und wenig hilfreich. Denn ich behaupte: Es geht nicht darum, ob jemand mit dem und dem Alter mit einem anderen Menschen zusammen war und/oder mit einem anderen Menschen schlief. Ich dachte viel darüber nach und meines Erachtens geht es um etwas wesentlich Subtileres und Wichtigeres: Es geht um Macht. Bitte versteht den Begriff "Macht" nicht falsch. Ich meine damit weder politische noch wirtschaftliche Macht. Ich meine damit die Macht der menschlichen Gefühle und Fähigkeit derselben, wirkliches Erleben hervorbringen zu können. Mit "wirklichem Erleben" meine ich die Entfesselung desjenigen, wonach sich der Mensch am meisten sehnt. Dabei kann es sich nur um Lieben handeln: "Lieben ist ein produktives Tätigsein, es impliziert, für jemanden (oder etwas) zu sorgen, ihn zu kennen, auf ihn einzugehen, ihn zu bestätigen, sich an ihm zu erfreuen - sei es ein Mensch, ein Baum, ein Bild, eine Idee. Es bedeutet ihn (sie, es) zum Leben zu erwecken, seine (ihre) Lebendigkeit zu steigern. Es ist ein Prozess, der einen erneuert und wachsen lässt." (zitiert aus Erich Fromm, Haben oder Sein) Das ist eine wunderschöne poetische Umschreibung des Liebens.



Für mich ist eine Beziehung mit einer Frau völlig uninteressant, falls ich diese Frau nicht liebe. Wie hoch ist der Preis, wenn ich mich in eine Partnerschaft begäbe, nur zum nicht alleine zu sein? Ich will von der Frau meines Herzens ob des Klangs ihres Namens verzaubert werden und in Wallung geraten, wenn ich sie auch nur schemenhaft in der Ferne erblicke. Ich möchte erleben, was es bedeutet, wirklich zu lieben. Meine Seele schreit danach, endlich zu leben und zu erleben.



3. Es dauerte Jahre, bis ich in Begriffe fassen konnte, was alle meine Handlungen dominiert: Meine primäre Angst ist die Frage, ob ich wirklich fähig bin, zu lieben. Dazu war ich bisher unfähig. Für meine Mitmenschen empfinde ich Achtung und Respekt, allerdings wäre es zu weitgehend, dies als Nächstenliebe zu bezeichnen. Das Verhältnis zu meinen Eltern war und ist überaus kühl, sodass ich auch hier wirkliches Erleben entbehre. Was die erotische Liebe betrifft, so möchte ich schon behaupten, dass ich die ein oder andere Schwärmerei für die ein oder andere Frau empfand. Jedoch das, was ich mir unter Lieben vorstelle, kenne ich nicht. Ich weiß nicht, was es bedeutet, sich zu einer Person hingezogen zu fühlen. Ich weiß nicht, was es bedeutet, ob des bloßen Hörens des Namens dieser Person in einen Zustand des Hochgefühls zu geraten. Ich weiß nicht, was es bedeutet, sich auf diese Art und Weise machtvoll zu einem Menschen hingezogen zu fühlen, beim Anblick dieser Person zu erröten und von einer Woge der Glückseligkeit erfasst zu werden, auf der ich schier unendlich zu reiten scheine.



Alle meine Gedanken und Handlungen werden von der einen Frage überlagert und beherrscht, ob ich fähig bin, wirklich einen anderen Menschen zu lieben. Ich möchte in naher Zukunft erste Schritte unternehmen, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Jedoch fürchte ich mich davor extrem, denn: Was mache ich, wenn ich nach und nach feststelle, ich wäre zum Lieben außerstande? Sollte sich dies bewahrheiten, wäre es mir unmöglich, den wesentlichen Teil meines menschlichen Daseins zu verwirklichen, ist es doch das, was den Menschen zum Menschen macht. Diese Erkenntnis wäre vernichtend. Sie bedeutete meinen psychischen Tod insoweit, als es mir versperrt wäre, vollends Mensch zu werden. Ich wäre ein "entmenschter" Mensch oder kürzer: ein Monster.



Im Moment befinde ich mich in einem metastabilen Zustand der Ungewissheit. Ich vermag nicht redlich zu sagen, ob ich lieben kann oder nicht. Ich weiß es schlichtweg nicht. Dieser ungewisse Zustand war bisher erträglicher als die potenzielle Gewissheit, nicht lieben zu können. Gleichwohl ist es mir überragend wichtig, den Beweis anzutreten. Was dabei herauskommen wird, kann ich nicht wissen. Dafür ist es zu früh. Jedoch werde ich mein Leben bewusst in die Hand nehmen und die Seiten des Buches meiner Lebensgeschichte eigenhändig schreiben. Was kann ich auch sonst tun?

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4. September 2011 um 10:53

Kannst Du...
... tiefes Mitgefühl empfinden?
Kannst Du tiefe Abneigung empfinden? Kannst Du richtig wütend oder zornig sein oder Dich maßlos über Dinge aufregen? Kannst Du Neid empfinden oder Eifersucht? Kannst Du ehrliche Herzlichkeit für jemanden empfinden?

Dann bist Du auch fähig zu lieben.

Könntest Du nicht lieben, könntest Du auch keine anderen Empfindungen fühlen. Liebe entspringt nämlich genau demselben Gefühlsspektrum wie alle anderen Empfindungen.

Von daher musst Du nicht losgehen und den "Beweis antreten", ob Du lieben kannst.

Du solltest vielmehr einfach mal lockerlassen und ganz Du selbst. Was hast Du schon zu verlieren, wenn Du mal eine Frau ansprichst, die Dir gefällt? Außer dass sie keine Lust hat auf ein Kennenlernen (aus den verschiedensten Grünen und nicht, weil sie Dich unbedingt schrecklich findet!), kann nix passieren! Und wenn Du einmal ins kalte Wasser gesprungen bist, wirds beim nächsten Mal schon viel einfacher sein. Try and error - irgendwann ist eine Frau dabei, die Dir gefällt und die Lust hat auf ein Kennenlernen. Man darf nur nicht den Fehler machen und gleich beim ersten Mal den Glückstreffer erwarten - wer so denkt, entmutigt sich selbst. Ich sags mal, wie es ist: Frag 20 Frauen - und da ist dann möglicherweise eine dabei, die Lust auf mehr hat. Und nicht: Frag eine Frau und die isses dann!

Und noch ein Tipp: Schau nicht mehr nach dem, was Dir an Dir nicht gefällt - sondern schau nach dem, was TOLL ist an Dir!

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4. September 2011 um 19:47

Not easy...
In gewisser Weise kann ich deine Situation nachvollziehen, da ich selbst auch noch nie in einer längeren festen Beziehung war, wobei das nicht an mir lag...

Prinzipiell denke ich, dass du zu "verkopft" an die ganze Sache herangehst. Da ich selbst ebenfalls dazu neige, weiß ich aber genauso gut, dass es nicht einfach ist, das einfach abzustellen.
In Sachen Liebe ist aber sicherlich entscheidend, dass man sich fallen lassen und seinen Gefühlen folgen kann. Natürlich bedeutet das in gewisser Weise einen "Kontrollverlust", wovor manche Menschen Angst haben. Jedoch weiß ich nicht, ob das auf dich zutrifft, aber ich könnte es mir angesichts deines Textes durchaus vorstellen.

Ein weitere Punkt, der mir auffiel: Du schreibst, dass du schon Schwärmerei für Frauen empfunden hast, du das aber nicht als Liebe bezeichnen würdest.
Sorry, aber ich denke, dass im realen Leben "Liebe auf den ersten Blick" äußerst selten ist. Nach meiner Vorstellung/Erfahrung wächst die Liebe erst mit der Zeit heran. Schwärmerei ist dabei wahrscheinlich erstmal der Anfang von allem - ohne Samen, keine Blume...
Doch auch ohne Schwärmerei kann Liebe aus Freundschaften im Laufe der Zeit entstehen, ohne dass man das am Anfang gedacht hätte.

Wie so oft, hilft aber das ganze Schreiben und Denken nichts, solange du nicht zur Tat schreitest. Deshalb kann ich in Sachen praktischer Tipps (und auch sonst) nur tyche26's Antwort zustimmen!
Try and error, auch wenn dir das am Anfang vielleicht blöd vorkommen mag. Alternativ bietet das Internet natürlich auch genügend Kontaktmöglichkeiten.




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14. September 2011 um 10:25

Beziehungslosigkeit
Du bist kopflastig und unentspannt. Schwärmerhafte Vorstellungen, Selbstzweifel an der Möglichkeit, das Leben inaktiv an sie abprallen zu lassen. Wenn Du so weitermachst, wirst Du auch mit 50 nichts auf die Reihe kriegen.
Aktivität ist ein Fremdwort, Du bist Schauplatz Deines Erlebens, aber niemals Autor. Du bestimmst und bewirkst rein gar nichts.

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