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Die Angst sich für die Beziehung aufzugeben

19. Februar 2016 um 18:52

Hallöchen,

ich bin 22 und seit 6 1/2 Jahren mit meinem ersten Freund zusammen. Wir haben schon viel zusammen erlebt und auch schon schwierige Zeiten miteinander durchgemacht. Zwischendurch gab es immer Krisen meinerseits, in denen ich an der Beziehung gezweifelt habe. Die habe ich aber immer im Stillen mit mir selbst verarbeitet und darauf folgten oft wieder Phasen auf Wolke Sieben. Ich wollte unsere Beziehung nie aufgeben. Ich glaube nicht, dass mein Freund je etwas von diesen "Krisen" mitbekommen hat oder das er selbst welche hatte. Er liebt mich über alles und tut auch ganz viel für mich.
Vor drei Monaten hatte ich wieder einer dieser Zweifel und habe sie diesmal auch angesprochen, weil ich Angst hatte, ich würde mir nach 6 Jahren nur noch etwas vor machen, weil ich zu feige bin Schluss zu machen. Während des Gesprächs wurde viel geweint und obwohl ich dachte, ich würde danach erst einmal zu meinen Eltern ziehen, hat sich irgendwie wieder alles geklärt und ich war wieder ziemlich glücklich zufrieden. Wir schoben vieles auch auf unsere aktuelle Wohnlage, mit der wir sehr unzufrieden sind.
Nun ziehen wir tatsächlich und ungeplant um, da ein wunderschönes Häuschen auf dem Land zur Miete frei geworden ist. Eine einmalige Chance, die wir sofort ergriffen haben. Erst hat er mich mit seiner Begeisterung angesteckt, aber vor ein paar Tagen fiel mir auf, dass das eigentlihc nicht das ist, was ich für mein Leben geplant hatte. Ich wollte zwar irgendwann aufs Land ziehen, aber noch nicht jetzt. Ich wollte immer in einen alternativeren Stadtteil unserer Heimatstadt ziehen, was er aber nie wollte, weil er seine Ruhe möchte. Seine Pläne fürs Leben wären mit dem Umzug, so kommt es zumindest für mich rüber, erst einmal alle erfüllt. Außer die für die Kinder, aber das liegt für mich natürlich noch in weiter Ferne. Er ist ausgelernt, hat ein Auto, eine langjährige Freundin und ein kleines Häuschen. Mehr braucht er anscheinend nicht zum glücklich sein. Mir fehlt da aber noch eine Menge um zufrieden zu sein. Ich möchte viel umziehen, in verschiedene Jobs schnuppern, reisen etc. Er sieht zum Beispiel auch nicht ein, freiwillige Fortbildungen für den neuen Bereich, in dem er arbeitet, zu absolvieren. Ich habe Angst, dass mich diese Einstellung, mit dem zufrieden zu sein, was man hat, total mit runterzieht und ich meine Träume so nie verwirklichen werde.
Macht es Sinn eine Beziehung weiter zu führen, wenn einem ständig der Gedanke kommt, dass irgendwann eh der große Krach kommt, wenn es um lebensverändernde Entscheidungen geht? Ich habe auch das Gefühl, dass ich bei sowas viel schneller nachgebe und mich besser arrangieren kann, als er.

Danke, dass ihr euch Zeit genommen habt meinen Roman zu lesen.
Ich bin sehr gespannt auf eure Meinungen.

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20. Februar 2016 um 11:03

Du selbst...
Du selbst musst es besser wissen. Auf den Gedanken über den großen Krach kann tatsächlich der große Krach folgen und das nicht, weil es so geschehen musste als vielmehr ein Produkt deiner eigenen Gedanken.

Wer sich gedanklich auf Krach einstellt, läuft Gefahr eben jenen Krach auszulösen.

Die Welt ist groß und ich möchte auch noch viel sehen, aber es gibt keine Garantie, dass diese Reisen dich glücklicher machen werden. Umzüge sowieso nicht.

Ob es sich lohnt für solche verträumten Ansichten eine, mehr oder weniger funktionierende Partnerschaft, mit einem Menschen der dich aufrichtig liebt, zu beenden, musst du selbst sehen.



Was hindert dich denn daran mit deinem Partner zu reisen?



Stiefelchen33


PS: Mit einer Fortbildung wäre dein Partner echt gut beraten.
Viele Arbeitgeber freuen sich darüber sogar.

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20. Februar 2016 um 12:59

Das kommt ja öfter vor...
Jedenfalls bei mir kommt es öfter vor, dass die Sachen nicht "wie geplant" laufen. Deine Zeilen klingen so nach Angst davor, irgendetwas zu verpassen, was "man erlebt haben muss". Wobei, bitte entschuldige das, die Aussage "in einen alternativeren Stadtteil unserer Heimatstadt" für mich nach recht wenig Lebensabenteuer klingt.

Für mich wäre die Frage weniger das "Was will ich machen in meinem Leben", weil mich das viel zu sehr festlegen würde. Eher ist "Was möchte ich noch fühlen, was soll mir passieren und mit wem sollen das jeweils geschehen".

Erstmal scheint Ihr Euch ja prima zu ergänzen: Du machst das neue, innovative, aufweckende Element, er sorgt für Ruhe, Ausgeglichenheit und eine Basis. Das kann funktionieren. "Viel umziehen" und "in verschiedene Jobs schnuppern" muss ja nicht heißen, keine Basis zu haben. Ich weiß nicht, was Du arbeitest, aber andere in meinem Bekanntenkreis haben als Freiberufler gute Erfahrungen damit gemacht, einfach immer neue Projekte zu machen: jeweils zwei, drei Monate irgendwo und dann wieder einige Zeit im "Heimathafen". Es ist da viel denkbar, bei dem ihr weiter eine gemeinsame Lebensplanung machen könnt, die Euch beiden gerecht wird.

Für Deinen Liebsten scheint es zur Zeit einfacher zu sein, sein Glück zu finden und so zu leben wie er es will. Ob er Forbildungen machen will oder so, das ist ja auch seine Sachen und sollte Dich nicht wirkich stören, solange er sich nicht an Deiner Herangehensweise stört.

Vielleicht kannst Du ja für Dich mal Inventur machen, was Du konkret erleben willst und mit ihm Besprechen, wann und wie das klappen könnte. Mag er z.B. mitreisen für eine Abenteuertour wohin auch immer? Oder hat er ein Problem, wenn Du das mit jemand anderem machst und er für Dich die Heimatbasis gibt? Machst Du mit ihm dafür auch mal zwei Wochen Balkonurlaub?

Was sind das für weitere Träume, die Du hast? Die solltest Du vielleicht alle mal sammeln, am besten schriftlich und die mal durchgucken, was für Dich wie wichtig ist. Und dann kannst Du sie in dieser Reihenfolge mal mit Deinem Liebsten durchgehen und schauen, wie sie sich in Euer Leben einpassen können.

Achja: Jede Art von "Angst, etwas zu verpassen" würde ich versuchen, wegzulassen. Wer auch immer uns dieses "Nutze den Tag" eingeredet hat: Es klingt romantisch, aber es macht unglücklich.

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21. Februar 2016 um 8:03

Unentschlossen
Hallo, in Dir sind zwei wiedersprüchliche Gefühle, einerseits die lange Bindung und das Vertrauen zu deinem Partner, anderseits die Freiheit und die Neugierde auf etwas Neues, solange du Dir selbst nicht genau im klaren bist was für Dich wichtiger ist oder Du Dich mit den beiden Anteilen innerlich anfängst dich anzufreunden, wird diese Ambivalenz in Dir bleiben und Dir Energie rauben. Gehe doch mal zu einem guten Therapeuten, der hat mir auch bei so einem Problem weitergeholfen.
Liebe Grüße
PS: Heute lebe ich in einer vertrauensvollen und liebevollen Beziehung, das habe ich durch Anerkennung und Würdigung meiner tiefen innenliegenden Bedürfnisse geschafft!

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21. Februar 2016 um 11:33

Vielen Dank
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure tollen und inspirierdenden Beiträge. Ihr habt mir wirklich geholfen die Sache mal ein wenig aufzubröseln und auch aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Ich habe mich jetzt dafür entschieden Partnerschaft und "Abenteuerlust" zu vereinen. Ich hab mit meinem Freund über meine Zweifel zum Umzug gesprochen. Er war erst ein bisschen sauer, weil das für ihn so plötzlich kommt und wir den Vertrag ja auch schon unterschrieben haben, aber dann wurde ihm klar, dass ich ja jetzt auch nicht groß was für meine Gefühle kann. Er meinte dann, dass es ja nur zur Miete sei und das auch für ihn der Umzug nicht bedeutet, dass wir da für immer leben. Er sagte, wenn ich mich unwohl fühle, dann zögen wir halt wieder weg. Und dann hat er mich noch daran erinnert, was meine ersten Gefühle für das Haus und die Wohngegend waren und das wir uns auch hingesetzt haben um eine Pro und Contra Liste zu machn und das ich so verliebt gewesen sei, dass ich für jeden Negativ-Punkt eine Lösung gefunden habe.
Ich bin dann gestern auch noch mal mit meiner Schwester zum Haus hochgefahren und wir haben uns die Gegend angeguckt. Trotz miesem Wetter hatten wir dort oben einen wunderschönen Tag.
Mein Freund und ich haben auch festgestellt, dass er sich das Häuschen eine Zeit lang auch alleine leisten könne, so dass meinem Wunsch nach der Ausbildung eine halbjährigen Irlandreise zu machen nichts im Wege stehe. Das Gespräch hat mich sehr erleichtert und den Druck weggenommen.
Vielleicht stecke ich zur Zeit auch in einem kleinen Tief, weil ich diese Woche eine Prüfung habe und wir ein bisschen Geldsorgen haben, weil nun auch noch unser Auto kaputt gegangen ist und wir das Geld für die Reperatur eigentlihc für den Umzug hättn gut gebrauchen können.
Mein Freund und ich fahren im Sommer übrigens in den Urlaub und fahren in einem Roadtrip mehrere Orte an. Also unabenteuerlich ist eigentlich gar nicht ^^
So das war mein Update zu der Sache. Es geht mir nun schon etwas besser

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