Forum / Liebe & Beziehung

Der EINE und meine verkorkste Liebe.. Hilfe

2. Dezember 2020 um 22:55 Letzte Antwort: 3. Dezember 2020 um 17:44

Hey ihr Lieben,

Achtung, wird ein langer Post. Ihr könnt mich gern moralisch verurteilen. Ich frage mich nur, ob es irgendwen mit einer ähnlich verkorksten Geschichte gibt und ob ihr irgendwelche Ratschläge habt.. 

Vor 11 Jahren (ich war 14) habe ich diesen Jungen (16) kennengelernt. Über ein Internetforum für Schüler. Wir gingen nicht auf die selbe Schule. Er schrieb mich an und dann nahm das Elend seinen Lauf.. wir schrieben und schrieben und schrieben. Die Worte flossen nur so aus uns heraus und da war sofort etwas zwischen uns. Obwohl wir zwei naive Kinder waren, kann ich rückblickend immer noch sagen, dass da etwas besonderes war. Nachdem ich mich lange davor gedrückt hatte (ich war leicht übergewichtig und deshalb schüchtern), trafen wir uns. Liefen stundenlang, kilometerweit durch die Gegend und redeten und redeten. Am Ende haben wir uns zum Abschied geküsst. Ich kann mich bis heute genau daran erinnern. Dann kamen wir zusammen. Und begannen zu streiten. Viel zu streiten. Ich war sehr dumm und wollte mich damals nicht "binden". Wollte meinen Spaß haben. Also trennten wir uns wieder. Aber es war wie verhext. Wir liefen uns ständig ungewollt über den Weg (waren oft auf den selben Konzerten, komme aus der Metalszene). Und wir schmachteten uns hoffnungslos an. Alle Leute im Raum waren egal für mich, wenn er da war. Und umgekehrt auch. Wir fingen immer wieder an uns zu schreiben, kamen wieder zusammen, stritten wieder, trennten uns. Hassten uns dann, nur um uns gegenseitig fürchterlich zu vermissen und uns wieder anzuschmachten. Das ging einige Jahre immer so hin und her. Einmal stand er nachts bei einer Freundin vor der Tür, bei der ich übernachtete und erklärte seine unsterbliche Liebe zu mir. Ich ging dann mit zu ihm und das ganze Theater ging wieder von vorn los. Das ging einige Jahre so. Dann zog er weit weg, um ein Berufskolleg zu besuchen. Wir schrieben trotzdem immer weiter, auch, wenn wir beide Partner hatten. Das muss ich noch erwähnen, wir hatten ständig andere Partner, die wir für den anderen wieder verließen. Betrogen diese auch. Und ich hasste jede seiner neuen Freundinnen leidenschaftlich. Wir auch immer, wir sahen uns lange nicht. Dann kam vor 5 Jahren ein Abend, an dem in meiner Heimatstadt Kneipenabend war. Aus heiterem Himmel schrieb er mir, dass er in der Stadt ist und in einer Bar sitzt. Ich sagte meinem damaligen Freund, dass ich mich mit anderen Freunden treffe und wir uns später wiedersehen. Dann bin ich zu IHM. Meine Füße konnten mich nicht schnell genug tragen. Ich stürmte in die Bar, er sah mich, ich sah ihn. Wir liefen uns entgegen, fielen uns in die Arme und hielten uns aneinander fest wie Ertrinkende. Die Luft knisterte vor Spannung und Verzweiflung und Liebe. Wir redeten danach etwas, küssten uns und mussten uns dann wieder verabschieden. Das war das letzte Mal, dass wir uns sahen.. dieser Abschied war unglaublich schwer. Wir schrieben dann lange nicht miteinander. Ich lernte kurz darauf meinen jetzigen Ehemann kennen. Wir haben eine sehr harmonische Beziehung, in der es nicht viel Streit gibt und viel Liebe. Nach 3 Jahren machte er mir einen Antrag und sagte glücklich ja. Wir sind jetzt 5 Jahre zusammen, davon 1 Jahr verheiratet. In den Jahren fing ich irgendwann wieder das schreiben mit IHM an. Und wir schwelgten in Erinnerungen, schmacheten uns wieder an, fragten uns immer wieder, was falsch gelaufen war. Er hatte auch wieder eine Freundin. Es war sehr unfair unseren Partnern gegenüber. Einfach scheiße, aber wir kamen nicht davon los. Dann schrieben wir eine Weile nicht und dann ganz kurz vor der Hochzeit wieder. Dabei fanden wir raus, dass wir zwei Tage später beide AM GLEICHEN TAG, ZUR SELBEN SCHEIß UHRZEIT HEIRATEN!!! Nur nicht einander. Das fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht und am eigentlichen Tag unserer Hochzeiten waren wir beide unglücklich, trauerten unserer Liebe hinterher und dachten im Standesamt an den jeweils anderen. Ich weiß.. unmoralisch. Wir schrieben dann das kommende Jahr weiterhin miteinander. Flirteten. Trauerten. Vermissten. Dann kam der erste Hochzeitstag. Er postete ein Bild von sich und seiner Frau im Standesamt. Und in dem Moment wurde mir plötzlich alles zu viel. Ich wünschte mir zum ersten Mal, dass ich ihn nie kennengelernt hätte. Wollte diesen ständigen Schmerz nicht mehr mit mir rumschleppen.. also schrieb ich ihm..  dass ich ihm alles Gute wünsche, dass er mit seiner Frau glücklich wird, ich ihm aber nicht mehr dabei zusehen kann. Und dass ich endgültig nicht mehr kann. Dass ich immer wieder für ihn mein eigenes Glück aufs Spiel setze und das nicht mehr will. Er antwortete "wenn du jetzt gehst, dann für immer.. nochmal mache ich es alles nicht mit".. und dann hab ich ihn überall blockiert. Das ist 4 Monate her. Erst ging es mir gut und ich fühlte mich erleichtert. Aber jetzt.. bin ich wieder unglücklich.. traurig. Sein Verlust tut weh. Manchmal sogar körperlich. Dann überkommt mich der Gedanke an ihn und ich kann nicht mehr atmen. Ringe nach Luft. Und mein Brustkorb fühlt sich an wie ein großes schwarzes Loch. Ich muss mich dann beruhigen, zwingen langsam zu atmen. Ohne Witz, es fühlt sich an, als wäre ich unvollständig. Ich spüre mit jeder Faser des Körpers, dass er nicht mehr "da" ist. Und weiß nicht, was ich noch tun soll. Ich spiele die glückliche Ehefrau, in meinem eigenen kleinen Gefängnis und verzweifle innerlich. Hat jemand einen Rat für mich? Ich will ihn nicht zurück. Ich will nur, dass dieser Schmerz aufhört. Gibt es sowas wie Menschen, die ohneinander einfach nicht existieren können? Ich glaube nicht an Esoterik und sowas, aber manchmal denke ich, er ist mein Schicksal. Meine Erdanziehungskraft. 11 verdammte Jahre und immer noch kein Ende...

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3. Dezember 2020 um 8:48

Nein, ich glaube nicht daran, dass es Menschen gibt die ohne einander nicht existieren können, an Seelenverwandtschaft. Aber an einen passenden Partner, der eine Bereicherung im Leben ist. Und das ist dein Typ absolut nicht. Ihr tut euch nicht gut.

Du musst aufhören ihn auf ein Podest zu stellen. Du weißt doch, dass die Beziehung nie funktioniert hat. Hör auf mit dem "Was wäre wenn?", lenk dich bewusst von Gedanken an ihn ab. Fütter nicht weiter die Illusion, dass er ja ach so ein toller Mann ist, den das ist er nun wirklich nicht.
 

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3. Dezember 2020 um 12:58
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Nein, ich glaube nicht daran, dass es Menschen gibt die ohne einander nicht existieren können, an Seelenverwandtschaft. Aber an einen passenden Partner, der eine Bereicherung im Leben ist. Und das ist dein Typ absolut nicht. Ihr tut euch nicht gut.

Du musst aufhören ihn auf ein Podest zu stellen. Du weißt doch, dass die Beziehung nie funktioniert hat. Hör auf mit dem "Was wäre wenn?", lenk dich bewusst von Gedanken an ihn ab. Fütter nicht weiter die Illusion, dass er ja ach so ein toller Mann ist, den das ist er nun wirklich nicht.
 

Sehe ich genauso...

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3. Dezember 2020 um 15:55

Hast Du denn nie reflektiert warum es immer wieder scheitert, was die Gründe dafür sind, dass Ihr nicht miteinander könnt? Es gibt ja ketztlich Gründe wie Streitkultur, Bedürfnisse, persönliche Werte usw. die mit einem anderen nicht kompatibel sind. Sie kommen in dem langen Text nicht vor, es ist eine Blackbox.
Es gibt eine starke Anziehung zwischen Euch, die Frage ist nur, warum Du dabei nicht mit Dir selbst ins Reine kommst in dem Verhältnis mit ihm? Ob es die immerwiederkehrende Glorifizierung ist (Siehe Vorschreiber) und die darauf folgende Ernüchterung oder etwas anderes können wir sehr schwierig beurteilen

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3. Dezember 2020 um 16:53
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Hey ihr Lieben,

Achtung, wird ein langer Post. Ihr könnt mich gern moralisch verurteilen. Ich frage mich nur, ob es irgendwen mit einer ähnlich verkorksten Geschichte gibt und ob ihr irgendwelche Ratschläge habt.. 

Vor 11 Jahren (ich war 14) habe ich diesen Jungen (16) kennengelernt. Über ein Internetforum für Schüler. Wir gingen nicht auf die selbe Schule. Er schrieb mich an und dann nahm das Elend seinen Lauf.. wir schrieben und schrieben und schrieben. Die Worte flossen nur so aus uns heraus und da war sofort etwas zwischen uns. Obwohl wir zwei naive Kinder waren, kann ich rückblickend immer noch sagen, dass da etwas besonderes war. Nachdem ich mich lange davor gedrückt hatte (ich war leicht übergewichtig und deshalb schüchtern), trafen wir uns. Liefen stundenlang, kilometerweit durch die Gegend und redeten und redeten. Am Ende haben wir uns zum Abschied geküsst. Ich kann mich bis heute genau daran erinnern. Dann kamen wir zusammen. Und begannen zu streiten. Viel zu streiten. Ich war sehr dumm und wollte mich damals nicht "binden". Wollte meinen Spaß haben. Also trennten wir uns wieder. Aber es war wie verhext. Wir liefen uns ständig ungewollt über den Weg (waren oft auf den selben Konzerten, komme aus der Metalszene). Und wir schmachteten uns hoffnungslos an. Alle Leute im Raum waren egal für mich, wenn er da war. Und umgekehrt auch. Wir fingen immer wieder an uns zu schreiben, kamen wieder zusammen, stritten wieder, trennten uns. Hassten uns dann, nur um uns gegenseitig fürchterlich zu vermissen und uns wieder anzuschmachten. Das ging einige Jahre immer so hin und her. Einmal stand er nachts bei einer Freundin vor der Tür, bei der ich übernachtete und erklärte seine unsterbliche Liebe zu mir. Ich ging dann mit zu ihm und das ganze Theater ging wieder von vorn los. Das ging einige Jahre so. Dann zog er weit weg, um ein Berufskolleg zu besuchen. Wir schrieben trotzdem immer weiter, auch, wenn wir beide Partner hatten. Das muss ich noch erwähnen, wir hatten ständig andere Partner, die wir für den anderen wieder verließen. Betrogen diese auch. Und ich hasste jede seiner neuen Freundinnen leidenschaftlich. Wir auch immer, wir sahen uns lange nicht. Dann kam vor 5 Jahren ein Abend, an dem in meiner Heimatstadt Kneipenabend war. Aus heiterem Himmel schrieb er mir, dass er in der Stadt ist und in einer Bar sitzt. Ich sagte meinem damaligen Freund, dass ich mich mit anderen Freunden treffe und wir uns später wiedersehen. Dann bin ich zu IHM. Meine Füße konnten mich nicht schnell genug tragen. Ich stürmte in die Bar, er sah mich, ich sah ihn. Wir liefen uns entgegen, fielen uns in die Arme und hielten uns aneinander fest wie Ertrinkende. Die Luft knisterte vor Spannung und Verzweiflung und Liebe. Wir redeten danach etwas, küssten uns und mussten uns dann wieder verabschieden. Das war das letzte Mal, dass wir uns sahen.. dieser Abschied war unglaublich schwer. Wir schrieben dann lange nicht miteinander. Ich lernte kurz darauf meinen jetzigen Ehemann kennen. Wir haben eine sehr harmonische Beziehung, in der es nicht viel Streit gibt und viel Liebe. Nach 3 Jahren machte er mir einen Antrag und sagte glücklich ja. Wir sind jetzt 5 Jahre zusammen, davon 1 Jahr verheiratet. In den Jahren fing ich irgendwann wieder das schreiben mit IHM an. Und wir schwelgten in Erinnerungen, schmacheten uns wieder an, fragten uns immer wieder, was falsch gelaufen war. Er hatte auch wieder eine Freundin. Es war sehr unfair unseren Partnern gegenüber. Einfach scheiße, aber wir kamen nicht davon los. Dann schrieben wir eine Weile nicht und dann ganz kurz vor der Hochzeit wieder. Dabei fanden wir raus, dass wir zwei Tage später beide AM GLEICHEN TAG, ZUR SELBEN SCHEIß UHRZEIT HEIRATEN!!! Nur nicht einander. Das fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht und am eigentlichen Tag unserer Hochzeiten waren wir beide unglücklich, trauerten unserer Liebe hinterher und dachten im Standesamt an den jeweils anderen. Ich weiß.. unmoralisch. Wir schrieben dann das kommende Jahr weiterhin miteinander. Flirteten. Trauerten. Vermissten. Dann kam der erste Hochzeitstag. Er postete ein Bild von sich und seiner Frau im Standesamt. Und in dem Moment wurde mir plötzlich alles zu viel. Ich wünschte mir zum ersten Mal, dass ich ihn nie kennengelernt hätte. Wollte diesen ständigen Schmerz nicht mehr mit mir rumschleppen.. also schrieb ich ihm..  dass ich ihm alles Gute wünsche, dass er mit seiner Frau glücklich wird, ich ihm aber nicht mehr dabei zusehen kann. Und dass ich endgültig nicht mehr kann. Dass ich immer wieder für ihn mein eigenes Glück aufs Spiel setze und das nicht mehr will. Er antwortete "wenn du jetzt gehst, dann für immer.. nochmal mache ich es alles nicht mit".. und dann hab ich ihn überall blockiert. Das ist 4 Monate her. Erst ging es mir gut und ich fühlte mich erleichtert. Aber jetzt.. bin ich wieder unglücklich.. traurig. Sein Verlust tut weh. Manchmal sogar körperlich. Dann überkommt mich der Gedanke an ihn und ich kann nicht mehr atmen. Ringe nach Luft. Und mein Brustkorb fühlt sich an wie ein großes schwarzes Loch. Ich muss mich dann beruhigen, zwingen langsam zu atmen. Ohne Witz, es fühlt sich an, als wäre ich unvollständig. Ich spüre mit jeder Faser des Körpers, dass er nicht mehr "da" ist. Und weiß nicht, was ich noch tun soll. Ich spiele die glückliche Ehefrau, in meinem eigenen kleinen Gefängnis und verzweifle innerlich. Hat jemand einen Rat für mich? Ich will ihn nicht zurück. Ich will nur, dass dieser Schmerz aufhört. Gibt es sowas wie Menschen, die ohneinander einfach nicht existieren können? Ich glaube nicht an Esoterik und sowas, aber manchmal denke ich, er ist mein Schicksal. Meine Erdanziehungskraft. 11 verdammte Jahre und immer noch kein Ende...

Hallo, 

zwar glaube ich, dass es mehr zwischen Himmer und Erde gibt, was nicht immer logisch erklärbar ist...ABER deine Schilderung wirkt auf mich nicht gesund. Diese emotionalen Achterbahnfahrten lassen irgendwie an Borderline und HassLiebe denken.

Menschen mögen ausgesprochene Dinge und brauchen Abschlüsse. Vielleicht gab es keinen bei dir, d.h. aber auch durch den Schmerz musst du zuerst hindurch, bevor es aufhört. Der Ausmaß deines Verlustes muss dir erst bewusst werden, erst wenn du das akzeptieren kannst, wird der Schmerz weniger. 

Lege dich auf den Boden, verbinde dich mit ihm. Versuche mal deinen Körper zu spüren und atme tief ein und wieder aus. Mit der Einatmung stellst du dir vor, du nimmst neue Energie auf, mit der Ausatmung lässt du alles Alte, alles Verbrauchte los. Lass deinen Körper tiefer in den Boden sinken, lass die Schultern locker fallen, öffen den Mund ganz leicht und auch deine Hände. 
Bleib so für eine ganze Weile und lass alles kommen, was kommen soll. 

LG Sis

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3. Dezember 2020 um 17:06

Die ersten Male, die wir es miteinander versucht haben, waren wir Kinder/Teenager und einfach sehr unreif. Ich wollte damals flirten, Spaß haben usw. Er hat mich da in einer Beziehung ausgebremst. Wenn es dann wieder vorbei war, heulte ich ihm fürchterlich hinterher. Versuchten wir es dann aber wieder, trat aber genau diese Einstellung bei mir wieder ein. Ich war ein ziemlich beschissener Mensch und wollte im Endeffekt, dass er in meinem Netz blieb und keine andere hat, während ich ihn aber nicht als festen Freund wollte. Später war es so, dass immer einer von uns einen Partner hatte, mit dem es eigentlich gut lief. Und wir das zwischen uns nicht loslassen wollten, aber zeitgleich auch nicht die Beziehung zum derzeitigen Partner aufgeben wollten. Wir waren im Prinzip nie bereit 100 % füreinander zu geben. Später zog er dann ja weg. Da hatten wir einmal die Situation, dass wir zeitgleich Single waren, aber er lebte am anderen Ende Deutschlands und machte sein Abitur, ich war in der Ausbildung, zusammenziehen kam nicht in Frage und Fernbeziehung auch nicht. Wir haben dieses "ganz oder gar nicht" einfach nie geschafft. Ich bin mir sehr sicher, dass ein neuer Versuch auch wieder scheitern würde, da wir zum Beispiel auch andere Ansichten haben, was Kinder angeht. Er will unbedingt welche, ich nicht. Was mich einfach so unglaublich mitnimmt und immer wieder niederschmettert ist diese unbändige Anziehungskraft. Die selbst da ist, wenn wir keinen Kontakt. Die auch besteht, wenn ich genau weiß, dass es mit uns nichts wird. Ich verstehe einfach nicht, was mich immer und immer wieder zu diesem Mann zurückzieht. Warum ich auch nach so vielen Jahren nicht loslassen kann..

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3. Dezember 2020 um 17:44
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Hey ihr Lieben,

Achtung, wird ein langer Post. Ihr könnt mich gern moralisch verurteilen. Ich frage mich nur, ob es irgendwen mit einer ähnlich verkorksten Geschichte gibt und ob ihr irgendwelche Ratschläge habt.. 

Vor 11 Jahren (ich war 14) habe ich diesen Jungen (16) kennengelernt. Über ein Internetforum für Schüler. Wir gingen nicht auf die selbe Schule. Er schrieb mich an und dann nahm das Elend seinen Lauf.. wir schrieben und schrieben und schrieben. Die Worte flossen nur so aus uns heraus und da war sofort etwas zwischen uns. Obwohl wir zwei naive Kinder waren, kann ich rückblickend immer noch sagen, dass da etwas besonderes war. Nachdem ich mich lange davor gedrückt hatte (ich war leicht übergewichtig und deshalb schüchtern), trafen wir uns. Liefen stundenlang, kilometerweit durch die Gegend und redeten und redeten. Am Ende haben wir uns zum Abschied geküsst. Ich kann mich bis heute genau daran erinnern. Dann kamen wir zusammen. Und begannen zu streiten. Viel zu streiten. Ich war sehr dumm und wollte mich damals nicht "binden". Wollte meinen Spaß haben. Also trennten wir uns wieder. Aber es war wie verhext. Wir liefen uns ständig ungewollt über den Weg (waren oft auf den selben Konzerten, komme aus der Metalszene). Und wir schmachteten uns hoffnungslos an. Alle Leute im Raum waren egal für mich, wenn er da war. Und umgekehrt auch. Wir fingen immer wieder an uns zu schreiben, kamen wieder zusammen, stritten wieder, trennten uns. Hassten uns dann, nur um uns gegenseitig fürchterlich zu vermissen und uns wieder anzuschmachten. Das ging einige Jahre immer so hin und her. Einmal stand er nachts bei einer Freundin vor der Tür, bei der ich übernachtete und erklärte seine unsterbliche Liebe zu mir. Ich ging dann mit zu ihm und das ganze Theater ging wieder von vorn los. Das ging einige Jahre so. Dann zog er weit weg, um ein Berufskolleg zu besuchen. Wir schrieben trotzdem immer weiter, auch, wenn wir beide Partner hatten. Das muss ich noch erwähnen, wir hatten ständig andere Partner, die wir für den anderen wieder verließen. Betrogen diese auch. Und ich hasste jede seiner neuen Freundinnen leidenschaftlich. Wir auch immer, wir sahen uns lange nicht. Dann kam vor 5 Jahren ein Abend, an dem in meiner Heimatstadt Kneipenabend war. Aus heiterem Himmel schrieb er mir, dass er in der Stadt ist und in einer Bar sitzt. Ich sagte meinem damaligen Freund, dass ich mich mit anderen Freunden treffe und wir uns später wiedersehen. Dann bin ich zu IHM. Meine Füße konnten mich nicht schnell genug tragen. Ich stürmte in die Bar, er sah mich, ich sah ihn. Wir liefen uns entgegen, fielen uns in die Arme und hielten uns aneinander fest wie Ertrinkende. Die Luft knisterte vor Spannung und Verzweiflung und Liebe. Wir redeten danach etwas, küssten uns und mussten uns dann wieder verabschieden. Das war das letzte Mal, dass wir uns sahen.. dieser Abschied war unglaublich schwer. Wir schrieben dann lange nicht miteinander. Ich lernte kurz darauf meinen jetzigen Ehemann kennen. Wir haben eine sehr harmonische Beziehung, in der es nicht viel Streit gibt und viel Liebe. Nach 3 Jahren machte er mir einen Antrag und sagte glücklich ja. Wir sind jetzt 5 Jahre zusammen, davon 1 Jahr verheiratet. In den Jahren fing ich irgendwann wieder das schreiben mit IHM an. Und wir schwelgten in Erinnerungen, schmacheten uns wieder an, fragten uns immer wieder, was falsch gelaufen war. Er hatte auch wieder eine Freundin. Es war sehr unfair unseren Partnern gegenüber. Einfach scheiße, aber wir kamen nicht davon los. Dann schrieben wir eine Weile nicht und dann ganz kurz vor der Hochzeit wieder. Dabei fanden wir raus, dass wir zwei Tage später beide AM GLEICHEN TAG, ZUR SELBEN SCHEIß UHRZEIT HEIRATEN!!! Nur nicht einander. Das fühlte sich an wie ein Schlag ins Gesicht und am eigentlichen Tag unserer Hochzeiten waren wir beide unglücklich, trauerten unserer Liebe hinterher und dachten im Standesamt an den jeweils anderen. Ich weiß.. unmoralisch. Wir schrieben dann das kommende Jahr weiterhin miteinander. Flirteten. Trauerten. Vermissten. Dann kam der erste Hochzeitstag. Er postete ein Bild von sich und seiner Frau im Standesamt. Und in dem Moment wurde mir plötzlich alles zu viel. Ich wünschte mir zum ersten Mal, dass ich ihn nie kennengelernt hätte. Wollte diesen ständigen Schmerz nicht mehr mit mir rumschleppen.. also schrieb ich ihm..  dass ich ihm alles Gute wünsche, dass er mit seiner Frau glücklich wird, ich ihm aber nicht mehr dabei zusehen kann. Und dass ich endgültig nicht mehr kann. Dass ich immer wieder für ihn mein eigenes Glück aufs Spiel setze und das nicht mehr will. Er antwortete "wenn du jetzt gehst, dann für immer.. nochmal mache ich es alles nicht mit".. und dann hab ich ihn überall blockiert. Das ist 4 Monate her. Erst ging es mir gut und ich fühlte mich erleichtert. Aber jetzt.. bin ich wieder unglücklich.. traurig. Sein Verlust tut weh. Manchmal sogar körperlich. Dann überkommt mich der Gedanke an ihn und ich kann nicht mehr atmen. Ringe nach Luft. Und mein Brustkorb fühlt sich an wie ein großes schwarzes Loch. Ich muss mich dann beruhigen, zwingen langsam zu atmen. Ohne Witz, es fühlt sich an, als wäre ich unvollständig. Ich spüre mit jeder Faser des Körpers, dass er nicht mehr "da" ist. Und weiß nicht, was ich noch tun soll. Ich spiele die glückliche Ehefrau, in meinem eigenen kleinen Gefängnis und verzweifle innerlich. Hat jemand einen Rat für mich? Ich will ihn nicht zurück. Ich will nur, dass dieser Schmerz aufhört. Gibt es sowas wie Menschen, die ohneinander einfach nicht existieren können? Ich glaube nicht an Esoterik und sowas, aber manchmal denke ich, er ist mein Schicksal. Meine Erdanziehungskraft. 11 verdammte Jahre und immer noch kein Ende...

Also wenn ich deine Worte lese, denke ich mir, du stehst einfach auf Drama und willst dich gar nicht richtig binden. Denn du hättest ihn ja haben können, wolltest das aber gar nicht. Es gibt ja auch so Konstellationen, bei denen irgendwelche alten Muster zweier Menschen auf nicht eben konstruktive Weise ineinanderpassen. Man sucht im anderen etwas, weil er einen an ein altes Muster erinnert. Man sucht und sucht und sucht und hofft, dass es diesmal anders ausgeht als früher, als man klein war beispielsweise. Aber es geht nie anders aus, weil es einfach nicht passt. Solche Konstellationen werden oft sehr dramatisch und schicksalshaft erlebt. Man verspricht sich unterschwellig von diesen Menschen eine Lösung oder Heilung, aber verletzt sich einfach immer wieder gegenseitig, weil vielleicht beide in diesem Kreislauf gefangen sind und das Gesamtbild nicht sehen oder aber weil einer einfach nicht interessiert genug ist, was in eurem Fall nicht so zu sein scheint. Ich denke, sehr viele Menschen treffen zumindest einmal in ihrem Leben einen Menschen, der sehr viel in ihnen auslöst, der aber nicht zu ihnen passt. Ich glaube auch, dass solche Begegnungen wichtig sind, weil man viel über sich lernen kann, weil man reifer für andere Beziehungen wird.

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