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Depressiver Partner, Einmischung Schwiegermutter und Ich ...

17. Oktober 2012 um 13:42

Liebe Forengemeinde,

ich weiß es gibt keine Ferndiagnosen von fremden Menschen im Internet, jedoch würde ich mich am meisten über Erfahrungsberichte oder Erzählungen von Menschen freuen, die sich in ähnlichen Situationen befunden haben, vielleicht kann mir das weiterhelfen.

Ich versuche mich, trotz des unüberschaubaren Monsters, das mein Problem wohl ist, kurzzuhalten und danke schon jetzt an alle fleißigen Leser, es geht nicht kürzer.

Bin seit 9 Jahren mit Freund zusammen, ich bin 26, er 27.
Ich stamme aus liberaler,städtischer, lockerer Familie wo Bildung einen sehr hohen Stellenwert hat, bin neben meinen 2 Brüdern das "Mittelkind". Er stammt aus eher konservativer, ländlicher, bodenständiger und emotional sehr, sehr eng verbundener Familie, er ist der einzige Sohn mit 3 Schwestern, 2 ältere. Gegensätze ziehen sich an sagt man Aber in Wirklichkeit haben wir vieles gemeinsam, von politischen und anderen Weltvorstellungen bis hin zur Natur, teilen wir sehr viel, ich glaube auch sagen zu können, dass wir eine engere Beziehung als manche andere führen. Wir hatten auch schon grobe Tiefs (einmal 3 Jahre Fernbeziehung führen müssen, fremdgeflirtet, Berufliche Probleme... alles recht schlimm und alles gemeinsam durchgestanden wo andere Schluss machen).

Vor 6 Jahren beging sein Vater Suizid aufgrund verdeckter Depressionen. Wir beide waren da gerade mal 2 Monate zusammengezogen, in eine Stadt, 2h Reise um seine oder meine Familie zu besuchen. Ich hab dort studieren begonnen und er hat ausgerechnet als Bestatter angefangen, wenige Wochen vor dem Tod seines Vaters. Seine Familie war völlig handlungsunfähig, er eigentlich auch, aber er musst funktionieren. Er managte alles mit der Beerdigung, mit der Erbschaft, mit der Kommunikation mit der Polizei und anderen Institutionen die sich bei einem Selbstmord einschalten. Er übernahm die "Mann im Haus-Rolle". Alle seine Familienmitglieder gingen in Therapie (aber auch nicht ausreichend) und er gar nicht, meinte er brauche das nicht. Für ihn war also gar nix verarbeitet, man sprach in der Familie schon über den Vater aber irgendwie immer nur so unkonstruktive Sachen wie verantwortungslos der Vater gewesen wäre, wie sehr man ihn verabscheue und dann immer wieder das "wieso hat er es getan?" etc. aber halt nie mit diesem Menschen abgeschlossen bzw. ihn gehen lassen...

Vor 1 Jahr hatte ich eine kleine Identitätskrise und musste mich für mich allein entscheiden, ob ich einen schwer zu erlangenden Studienplatz in einer anderen Stadt annehmen sollte oder nicht. Das hätte fast unsere Beziehung beendet, als mein Freund eines Tages beschloss auch sein Leben zu ändern und auch in Ausbildung zu gehen, Diplomkrankenpfleger. Und das kann man auch in einer anderen Stadt. Also Umzug, jetzt dauert es 2h bis zu seiner Mutter und 10h bis zu meiner. Dann der Break Down. Mitten in einem Praktikum hatte mein Freund einen Zusammenbruch, konnte nicht mehr arbeiten gehen, konnte gar nix, nur im Bett liegen, schlafen, heulen, auch erbrechen und andere Unheimlichkeiten, bis er es aussprach "ich bin depressiv". 2 Wochen gingen ins Land bis ich eine Therapeutin anrief und einen Termin machte, mein Freund war dazu in dem Moment nicht in der Lage. Nun geht der "offizielle, bürokratische Weg" bei Depressionen so: 1. zum Hausarzt gehen, vorsprechen 2. zum Psychiater überwiesen werden, nachschauen ob man Tabletten braucht 3. erst jetzt zum Therapeuten (kann man davon halten was man will). Ok, alle Termine ausgemacht, dann Mutter von meinem Freund eingeladen, weil er sie sehen wollte und ich mir nur gutes dachte.

Die Mutter kam übers Wochenende vor dem Hausarzt-Termin. Ich dachte ich lasse denen jetzt Raum zum Reden, ich hab mit meinem Freund ja schon 2 Wochen durchgeredet. FEHLER!! Die Mutter hat meinem Freund eingeredet, er wäre wie sein Vater, das habe sie schon immer gewusst und sie müsse jetzt einschreiten, da es ja voraussehbar wäre, dass mein Freund sich jetzt auch umbringen will, weil es bei ihrem Mann auch so war und ich als Freundin/Frau könne da nix machen und würde auch nicht genug Weitsicht haben, da sie damals auch nix von den Depressionen gemerkt hätte. Jedenfall müsse sie sich jetzt um alles kümmern. So ähnlich wurde es mir vermittelt, als ich wieder heekommen bin und mich zu denen an den Tisch gesetzt hab. WAAAAS? Das war das letzte was ich erwartet hätte, ich dachte sie baut ihn auf, dabei werden irgendwelche Therapiestrategien von Frau Mutter aufgebaut und ganz einfach in einen emotionalen Raum von mir und meinem Freund eingedrungen wo sie nichts zu suchen hat, in unserer Beziehnung... Dann meinte mein Freund unter Tränen, ob SIE mit ihm am Montag zum Hausarzt ginge und meinte zu mir "du hast ja eh keine Zeit, oder?" [ich bin viel beschäftigt, doch das hat es noch NIE gegeben, dass ich in Notsituationen keine Zeit für irgendwen hätte, der mir wichtig ist] Das war ein Stich ins Herz. Habs mir nicht anmerken lassen, ich meine.. seine Mutter saß dabei am Tisch.. ich meinte nur "Natürlich hab ich Zeit" und bin aufgestanden und weg, eine rauchen gegangen. Am Abend musste ich ihm das Ultimatum stellen, dass wenn er morgen früh mit seiner Mama statt mir zum Arzt ginge, dies unweigerlich Konsequenzen für unsere Beziehungen haben würde, ich meine ich spürte es ja schon in meinem Herz... er beruhigte mich dann und meinte er werde also ganz alleine gehen... am nächsten Tag Arzt: Seine Mama und ich sitzen im Wartezimmer, er ist alleine hineingegangen, plötzlich öffnet sich die Tür, er steckt seinen Kopf heraus und bittet seine Mama hereinzukommen. In dem Moment ist etwas in mir gestorben. Er ist nicht mehr mein Mann sondern nur noch ein kleiner Bub mit seiner Mama, ekelhaft, ich will ja einen Mann als Mann . Folgen:

1. Serotoninspiegel erhöhende Psychopillen (verändern Persönlichkeit)
2. er hat Therapie gestartet (mit einer supersymphatischen Therapeutin, ich setze viel Hoffnung in sie)
3. ich bin seit 2 Monaten selber in Therapie
4. die Mutter ruft alle 3 Tage und und kommt mind. 2 mal im Monat zu uns (noch kurz zur Mutter: meine Therapeutin meint, sie glaubt ihre Schuldgefühle an ihrem Sohn ausleben zu können, was sehr schlecht meinen Freund ist. Sie schenkt ihm seit dem Tod des Vaters dauernd Sachen, es häuft sich seit der diagnostizierten Depri meines Freundes, und so Sachen, die dann dauernd präsent sein müssen, selbst gestickte Socken und Mützen, die getragen werden müssen, so Kaffetassen wo "bester Sohn" draufsteht, eine Fotocollage von ihr selber (!?!) und sie stört dauern unsere Intimsphäre, kommt in der Früh um 8 in unser Schlafzimmer, weckt uns um zu fragen ob wir noch lange schlafen, sie hätt schon frühstück gemacht, einmal sind wir aufgewacht und mein Freund war mit anderen Decken als beim Einschlafen zugedeckt, sie ist in der Früh hereingekommen und sie dachte ihr Sohn friere und hat ihn "besser" zugedeckt.. und viele kleine Geschichten mehr... vor dem Tod des Vaters war sie eine "normale (schwieger)Mutter" die sich nicht eingemischt hat)

Ich frage mich seither immer, welcher Mensch für einen Menschen der wichtigste sein "sollte" und ob ich damit leben könnte nicht "d wichtigste" zu sein. Ich meine das nicht radikal, dass ich das Einzige sein soll, aber bei gewissen Vertrauenssachen muss man sich als erstes an eine bestimmte Person wenden und das ist dann wohl die wichtigste. Mit meiner Therapeutin bin ich noch nicht so weit, sie will erst mal über mich reden, bevor wir die anderen angehen, war erst 2 mal dort,nächstes mal reden wir mehr über die Mutter haben wir ausgemacht.

1. Hatte jemand schonmal einen depr. Partner wo sich anderen Leute eingemischt haben?
2. Glaubt ihr der Partner soll in Krisen der wichtigste Mensch sein?
3. Wie würdet ihr mit so einer Mutter umgehen? Ich kann nicht mehr normal mit ihr reden, nur das nötigste und das auch nicht gerade mit einem Lächeln im Gesicht.

Bitte schreibt mir eure Erfahrung und vielleicht speziell an die Männer: Was seht ihr so lapidar gesagt, als gesunde Beziehung zu eurer Mutter an? Würdet ihr bei Burn Out und posttraumatischer Depression euch die Anwesenheit und den Beistand eurer Mutter wünschen?

Ich hätte noch mehr zu erzählen und zu fragen, doch hier sei Schluss, DANKE FÜRS LESEN UND NOCH VIEL MEHR DANK FÜRS ANTWORTEN

herzliche Grüße

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17. Oktober 2012 um 15:04

..
ich finde es auch total gut, dass id Familie zumindest gesprochen wird, aber es wird eben nur auf den verschwundenen Vater projiziert und niemals auf die eigenen Probleme geschaut. Mir kommt vor, die Familie versucht so schon seit 6 Jahren die ganzen anderen Probleme dies gegeben hat zu vertuschen. Der Vater hat alle seine Kinder geschlagen, am meisten hat mein Freund abbekommen, die Mutter hat alles mitangesehen doch nie etwas getan. Die Therapeutin meines Freundes meinte, dass dies eine grobe vernachlässungen der Fürsorgepflicht sei, das war ein Schock für meinem Freund, denn er kann dieser Tatsache nicht widersprechen (er hat mir das erzählt). Doch niemand würde es wagen, die Mutter darauf anzusprechen. Und die Therapeutin meinte auch, dass es grob fahrlässig ist, einen Menschen mit dem Schicksal eines anderen gleichzusetzen, denn wir sind nicht (!!) die mutter meines freundes und der vater, sondern wir sind wir und da haben solche einschätzungen der mutter nur sehr negativen einfluss.

Und sie hat ihre Meinung aber immer noch nicht geändert, dass ihr Sohn wir ihr Mann sei. Oft benutzt sie ihn auch als Ersatzmann, er muss bei fast jedem Besuch irgendwas für sie reparieren oder erledigen, sie sagt permanent so Sachen wie lieb sie ihn hat und dass sie soooo froh ist, so einen Sohn zu haben und dass sie stolz auf ihn ist. Sowas hat mein Freund in seiner Kindheit nie von ihr (geschweige denn vom Vater) zu hören bekommen. In Nachhinein die liebe Mutter spielen find ich manchmal sooooo zum kotzen und in mir drin schreit alles. Meine Therapeutin schätzt ihr Verhalten als neurotisch ein, und das ist erwiesenermaßen nicht (!) förderlich für eine positive Entwicklung!

Ich bin in sooo einem Zwispalt dauernd mit dieser Mutter. Einerseits tut sie mir so leid mit ihrer Geschichte und andererseits steigt in mir alles hoch, wenn sie wieder mal auf Besuch zu uns zwei Erwachsenen kommt um Mama zu sein und schwupps verwandelt sich mein Freund in ein Kind! Und wenn ich dann Abends mit ihm im Bett liege, mag ich gar nicht kuscheln oder so, weil ich mich seltsam fühle mit einem Kind an der Seite. Mein Freund verharmlost meine Bedenken bzw. sagt, dass es schon zum Teil stimmt was ich sage, aber sie sei halt "des arme mutterl" (sie ist erst ca. 55 und voll fit) und mit der Mutter zu sprechen ist unmöglich (meint auch meine Therapeutin)

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