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Depressiven Partner verlassen? Schwierig ...

Letzte Nachricht: 17. August um 16:26
13.08.21 um 22:11

Hallo ihr Lieben,
ich hoffe jemand hat einen Rat oder war vielleicht in einer ähnlichen Situation.
Ich bin in einer langjährigen Beziehung (10 Jahre) mit meinem Partner der depressiv ist. Er hat keine Diagnose erhalten, aber es ist eindeutig. Ich bin mir auch sicher, dass er schon bevor wir uns kannten depressiv war. Vor einigen Jahren hatte er seine erste lange schwere depressive Phase. Soetwas war für mich Neuland, weil ich bis dahin noch nie mit dem Thema konfrontiert wurde. Lange Rede kurzer Sinn, ich bin in dieser Zeit kaputt gegangen, habe meine ganze Kraft in ihn investiert, geschaut, dass es ihm gut geht und bin immer vorsichtig gewesen seine Laune nicht noch mehr zu verschlechtern oder ihn weiter runterzuziehen. Meine Zukunftswünsche waren dann auch nebensächlich und wurden dann erst einmal verdrängt. Ich habe mich dann viel mit dem Thema Depression befasst und weiß auch, dass ich in dieser Zeit Co-abhängig war. Jeden Moment in dem es ihm besser ging, jede Aufmerksamkeit habe ich wie ein Schwamm aufgesogen. Irgendwann konnte er sich dann selbst wieder aus diesem Abgrund befreien und es wurde nach und nach wieder besser. Therapeutische Hilfe hat er abgelehnt.

Jetzt gab es vor kurzem wieder ein Ereignis, welches einen depressiven Schub ausgelöst hat. Auch wenn ich es versucht habe mich davon so gut es geht zu distanzieren, mehr auf mich zu achten, aber soetwas geht einfach nicht, wenn man einen Menschen liebt und mit diesem zusammen lebt. Ich hatte sofort wieder diese Gefühle von damals - die Kraftlosigkeit, die Erschöpfung, Trauer und auch irgendwie Wut. Ich bin an einem Punkt angelangt wo ich sage, dass ich einfach nicht mehr die Kraft habe und mich und meine Zukunftswünsche nicht mehr hinten anstellen möchte. Ich möchte heiraten, ein Kind bekommen mit einem Partner an meiner Seite der sich mit mir aus vollem Herzen auf ein Kind freuen kann und soweit mental und emotional stabil ist, dass ein eventueller Rückschlag ihn nicht gleich wieder Wochen oder Monate komplett außer Gefecht setzt, sodass auch das Kind darunter leiden würde und um die Liebe und Zuwendung des Vaters kämpfen muss.

Was man schon anmerken muss, ist, dass er zwischen diesen zwei Schüben versucht hat an sich zu arbeiten. Er ist offener geworden, was seine Emotionen angeht und was ihn gerade beschäftigt. Einige Zeit vor dem zweiten Schub hat er auch gesagt, dass er ein Gefühl hat das ihn traurig macht, er aber nicht weiß woher das kommt, weil er eigentlich keinen Grund hat traurig zu sein. Während des Schubes hat das dann schon wieder anders ausgesehen.

Ich bin nun irgendwie an dem Punkt angelangt wo ich, wie schon erwähnt, mich und meine Wünsche nicht mehr hinten anstellen möchte und einfach ein unbeschwertes Leben führen möchte, ohne die Ungewissheit wann der nächste Schub kommt und ohne diese ständige Negativität gegenüber alles und jedem (auch ohne akuten Schub). Ich weiß, dass ein erneutes Gespräch definitiv noch stattfinden muss und wird. Ich wünsche mir so sehr für ihn, dass er evtl. Jetzt bereit ist professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber ich weiß nicht, ob ich es noch schaffe ihn dabei als Partnerin zu unterstützen. Ich weiß, dass es ein langer Prozess für ihn wird. Ich habe hauptsächlich Angst, dass in Sachen Heiraten und Kinder bekommen dann letzendlich doch nicht passt und mir dann die Zeit davongelaufen ist. 

Ein anderer Punkt der das ganze noch zusätzlich schwerer macht, ist die Tatsache, dass ich zunehmend Gefühle für einen anderen entwickle. Es hat als eine tolle Arbeitsfreundschaft begonnen. Wir haben beide schnell gemerkt, dass wir beide auf der selben Wellenlänge sind, die gleichen Interessen und Werte vertreten. Zwischen uns herrscht einfach eine tolle Chemie, die auch anderen Kollegen bereits aufgefallen ist. Dieser Umstand weckt noch zusätzlich Schuldgefühle in mir. Einerseits habe ich im Kopf, dass meinen Partner trotz allem liebe und so eine lange Beziehung die auch auf sehr vielen wunderschönen Momenten und Erfahrungen beruht nicht einfach so wegwerfen möchte. Und sollte er nun den Schritt machen und eine Therapie machen, sollte ich ihn doch unterstützen und noch mit meiner Entscheidung warten. Die Gefühle für den Kollegen irritieren mich auch. Finde ich ihn so toll, weil er unter anderem diese Eigenschaften hat, die ich gerade an meinem Partner vermisse? Oder hat das mit der Beziehung eigentlich keine Zukunft mehr, auch mit Therapie nicht. Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen um eine gemeinsame bessere Zukunft kämpfen und abwarten - einen Schlusstrich ziehen - Schuldgefühlen - endlich wieder auf mich schauen ohne Schuldgefühle, weil ich ihn die Jahre immer bedingubgslos unterstützt habe - mein Leben wieder fröhlicher und unbeschwerter Leben

Und selbst wenn ich den Entschluss fasse die Beziehubg zu beenden, bleibt immer noch die Frage nach dem wie. Er ahnt von all dem ja gar nichts. Ich möchte ihn nicht verletzen, aber ich weiß, dass man niemanden verlassen kann ohne ihn zu verletzen. Vor allem wenn man nichts ahnt ist das ein noch härterer Schlag ins Gesicht, der ihn wahrscheinlich komplett aus der Bahn werfen wird. Ich habe Angst, dass er sich davon dann gar nicht mehr erholen wird.
Ich versuche die letzten Tage meine Gedanken zu ordnen. Einmal denke ich mir ja, das wird slles wieder, es wird dauern aber wir schaffen das und in anderen Momenten fühle ich mich so kraft-und machtlos, traurig und ohne Hoffnung was eine Besserung der ständigen Negativität und Schwere in meinem Leben, verursacht durch ihn, betrifft. Wo es besser wäre nochmal bei Null zu beginnen, unabhängig von dem was mit dem Kollegen sein könnte oder nicht.

Ich danke all jenen die meinen ewig langen Text bis hier hin gelesen haben und mir noch folgen konnten. Mir ist klar, dass nur ich eine Entscheidubg treffen kann, allerdings würde es mich interessieren, wie es Außenstehende, egal ob mit oder ohne ähnlichen Erfahrungen, das sehen.

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14.08.21 um 5:27

Hi,

das ist immer eine schwierige Situation mit großen Fragen. Gut dass du erkannt hast dass du Coabhängig warst, somit kannst du das in Zukunft besser verhindern.

Ich denke du kannst es ganz einfach verhindern ihn völlig unvorhergesehen vor vollendete Tatsachen zu stellen und ihm nichts von dem Kollegen zu erzählen ( muss ja eh noch nicht sein):

Du erklärst ihm wie schlecht es dir ging. Dass du alles in deiner Macht stehende getan hast um ihm zu helfen aber leider dich selbst verloren hast.
Dass du ihm jetzt zwar auch gerne helfen willst genauso wie zukünftig aber nicht weißt wie du das machen sollst ohne dich selbst wieder aufzugeben.
 Die einzige Möglichkeit die du deshalb siehst wäre eine Therapie, da du nicht glaubst das alleine nochmal bewältigen zu können.

Auch deine Zukunftsängste bezüglich der Familiengründung kannst du erzählen. Das ist fair, es geht hier immer auch um dein Leben.

Somit gibst du ihm die Möglichkeit sich zu entscheiden, bzw dass er Bescheid weiß wie es dir geht und du dich deshalb irgendwann gegen eure Beziehung entscheiden könntest.

Meinst du das könnte gehen?

Alles Gute

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14.08.21 um 8:51

Depression ist eine Krankheit. Natürlich kann man auch depressiv sein aufgrund Negativer Ereignisse. Aber quasi grundlos depressiv ist, dann ist es allerhöchste Zeit sich helfen zu lassen.
So wie ich das heraushöre ist dein Partner nicht in Behandlung und du gehst langsam kaputt.
Wenn von deiner Seite die Beziehung erledigt ist dann bleibt ja leider nur noch die Trennung.
Aber ihm würde ich in jedem Fall Ärztliche/Therapeutische Hilfe empfehlen. 

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14.08.21 um 14:36
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Hallo ihr Lieben,
ich hoffe jemand hat einen Rat oder war vielleicht in einer ähnlichen Situation.
Ich bin in einer langjährigen Beziehung (10 Jahre) mit meinem Partner der depressiv ist. Er hat keine Diagnose erhalten, aber es ist eindeutig. Ich bin mir auch sicher, dass er schon bevor wir uns kannten depressiv war. Vor einigen Jahren hatte er seine erste lange schwere depressive Phase. Soetwas war für mich Neuland, weil ich bis dahin noch nie mit dem Thema konfrontiert wurde. Lange Rede kurzer Sinn, ich bin in dieser Zeit kaputt gegangen, habe meine ganze Kraft in ihn investiert, geschaut, dass es ihm gut geht und bin immer vorsichtig gewesen seine Laune nicht noch mehr zu verschlechtern oder ihn weiter runterzuziehen. Meine Zukunftswünsche waren dann auch nebensächlich und wurden dann erst einmal verdrängt. Ich habe mich dann viel mit dem Thema Depression befasst und weiß auch, dass ich in dieser Zeit Co-abhängig war. Jeden Moment in dem es ihm besser ging, jede Aufmerksamkeit habe ich wie ein Schwamm aufgesogen. Irgendwann konnte er sich dann selbst wieder aus diesem Abgrund befreien und es wurde nach und nach wieder besser. Therapeutische Hilfe hat er abgelehnt.

Jetzt gab es vor kurzem wieder ein Ereignis, welches einen depressiven Schub ausgelöst hat. Auch wenn ich es versucht habe mich davon so gut es geht zu distanzieren, mehr auf mich zu achten, aber soetwas geht einfach nicht, wenn man einen Menschen liebt und mit diesem zusammen lebt. Ich hatte sofort wieder diese Gefühle von damals - die Kraftlosigkeit, die Erschöpfung, Trauer und auch irgendwie Wut. Ich bin an einem Punkt angelangt wo ich sage, dass ich einfach nicht mehr die Kraft habe und mich und meine Zukunftswünsche nicht mehr hinten anstellen möchte. Ich möchte heiraten, ein Kind bekommen mit einem Partner an meiner Seite der sich mit mir aus vollem Herzen auf ein Kind freuen kann und soweit mental und emotional stabil ist, dass ein eventueller Rückschlag ihn nicht gleich wieder Wochen oder Monate komplett außer Gefecht setzt, sodass auch das Kind darunter leiden würde und um die Liebe und Zuwendung des Vaters kämpfen muss.

Was man schon anmerken muss, ist, dass er zwischen diesen zwei Schüben versucht hat an sich zu arbeiten. Er ist offener geworden, was seine Emotionen angeht und was ihn gerade beschäftigt. Einige Zeit vor dem zweiten Schub hat er auch gesagt, dass er ein Gefühl hat das ihn traurig macht, er aber nicht weiß woher das kommt, weil er eigentlich keinen Grund hat traurig zu sein. Während des Schubes hat das dann schon wieder anders ausgesehen.

Ich bin nun irgendwie an dem Punkt angelangt wo ich, wie schon erwähnt, mich und meine Wünsche nicht mehr hinten anstellen möchte und einfach ein unbeschwertes Leben führen möchte, ohne die Ungewissheit wann der nächste Schub kommt und ohne diese ständige Negativität gegenüber alles und jedem (auch ohne akuten Schub). Ich weiß, dass ein erneutes Gespräch definitiv noch stattfinden muss und wird. Ich wünsche mir so sehr für ihn, dass er evtl. Jetzt bereit ist professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, aber ich weiß nicht, ob ich es noch schaffe ihn dabei als Partnerin zu unterstützen. Ich weiß, dass es ein langer Prozess für ihn wird. Ich habe hauptsächlich Angst, dass in Sachen Heiraten und Kinder bekommen dann letzendlich doch nicht passt und mir dann die Zeit davongelaufen ist. 

Ein anderer Punkt der das ganze noch zusätzlich schwerer macht, ist die Tatsache, dass ich zunehmend Gefühle für einen anderen entwickle. Es hat als eine tolle Arbeitsfreundschaft begonnen. Wir haben beide schnell gemerkt, dass wir beide auf der selben Wellenlänge sind, die gleichen Interessen und Werte vertreten. Zwischen uns herrscht einfach eine tolle Chemie, die auch anderen Kollegen bereits aufgefallen ist. Dieser Umstand weckt noch zusätzlich Schuldgefühle in mir. Einerseits habe ich im Kopf, dass meinen Partner trotz allem liebe und so eine lange Beziehung die auch auf sehr vielen wunderschönen Momenten und Erfahrungen beruht nicht einfach so wegwerfen möchte. Und sollte er nun den Schritt machen und eine Therapie machen, sollte ich ihn doch unterstützen und noch mit meiner Entscheidung warten. Die Gefühle für den Kollegen irritieren mich auch. Finde ich ihn so toll, weil er unter anderem diese Eigenschaften hat, die ich gerade an meinem Partner vermisse? Oder hat das mit der Beziehung eigentlich keine Zukunft mehr, auch mit Therapie nicht. Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen um eine gemeinsame bessere Zukunft kämpfen und abwarten - einen Schlusstrich ziehen - Schuldgefühlen - endlich wieder auf mich schauen ohne Schuldgefühle, weil ich ihn die Jahre immer bedingubgslos unterstützt habe - mein Leben wieder fröhlicher und unbeschwerter Leben

Und selbst wenn ich den Entschluss fasse die Beziehubg zu beenden, bleibt immer noch die Frage nach dem wie. Er ahnt von all dem ja gar nichts. Ich möchte ihn nicht verletzen, aber ich weiß, dass man niemanden verlassen kann ohne ihn zu verletzen. Vor allem wenn man nichts ahnt ist das ein noch härterer Schlag ins Gesicht, der ihn wahrscheinlich komplett aus der Bahn werfen wird. Ich habe Angst, dass er sich davon dann gar nicht mehr erholen wird.
Ich versuche die letzten Tage meine Gedanken zu ordnen. Einmal denke ich mir ja, das wird slles wieder, es wird dauern aber wir schaffen das und in anderen Momenten fühle ich mich so kraft-und machtlos, traurig und ohne Hoffnung was eine Besserung der ständigen Negativität und Schwere in meinem Leben, verursacht durch ihn, betrifft. Wo es besser wäre nochmal bei Null zu beginnen, unabhängig von dem was mit dem Kollegen sein könnte oder nicht.

Ich danke all jenen die meinen ewig langen Text bis hier hin gelesen haben und mir noch folgen konnten. Mir ist klar, dass nur ich eine Entscheidubg treffen kann, allerdings würde es mich interessieren, wie es Außenstehende, egal ob mit oder ohne ähnlichen Erfahrungen, das sehen.

Du hast sehr klar formuliert warum du die selbe Geschichte wie vor ein paar Jahren nicht erneut leisten kannst bzw. willst und das ist dein gutes Recht. Sag ihm das genau so.
Vielleicht bist du Willens / in der Lage, ihn weiterhin zu unterstützen, wenn er sich extern Hilfe sucht und zum Einen dich so entlastet und zum Anderen die Verantwortung (die du eh nicht trägst) von dir nimmt. Tut er das nicht, solltest du ihn vorher über die Konsequenzen aufklären.

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17.08.21 um 11:56

Hallo Fragestellerin, 
ersteinmal finde ich es gut, wie du deinen Partner unterstützt, denn das ist gerade in depressiven Phasen wichtig. Er baut auf dich und vertraut dir.

Auch mit einem depressiven Partner kann man Familie und Kinder haben, deshalb verstehte ich nicht, wie du das von seiner Depression anhängig machst. Du entmündigst ihn, so wie du ihn darstellst. Es ist doch kein Hinderniss, wenn er in einer depressiven Phase ist und die Kinder ihn so sehen. Was ist daran schlimm? Er ist ein Mensch und auch er darf Schwächen zeigen, ist es sogar wichtig für die Familie zu wissen, was die Ursachen sind. 

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17.08.21 um 16:26
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Hallo Fragestellerin, 
ersteinmal finde ich es gut, wie du deinen Partner unterstützt, denn das ist gerade in depressiven Phasen wichtig. Er baut auf dich und vertraut dir.

Auch mit einem depressiven Partner kann man Familie und Kinder haben, deshalb verstehte ich nicht, wie du das von seiner Depression anhängig machst. Du entmündigst ihn, so wie du ihn darstellst. Es ist doch kein Hinderniss, wenn er in einer depressiven Phase ist und die Kinder ihn so sehen. Was ist daran schlimm? Er ist ein Mensch und auch er darf Schwächen zeigen, ist es sogar wichtig für die Familie zu wissen, was die Ursachen sind. 

Mit jemandem zusammen zu sein der depressiv ist, ist eine Sache. Von so jemandem abhängig zu sein -und das ist man mit Kindern früher oder später irgendwann- eine völlig Andere.
Sie sagt, es kratzt so schon hart an ihren Kapazitäten. De Befürchtung, dass das mit Kindern ganz anders aussieht, kann ich nachvollziehen. Vor allem eben so lange er sich darauf ausruht, dass sie es schon richten wird.

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