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Depressionen. Wie soll es beruflich weitergehn?

19. März 2015 um 12:35

Ich leide schon lange an Depressionen.
Drei Mal in Folge über einen Zeitraum von cirka 4 Jahren wurde mir nun gekündigt.
Eigentlich habe ich mir dann so zurechtgelegt, es läge am Betrieb, es ist nicht das Richtige...

Also schrieb ich eine neue Bewerbung versuchte es wieder. Als Feetback kam jedes Mal: Ich wirke überfordert, bin in meiner eigenen Welt, werde den Aufgaben nicht gerecht, bin unkonzentriert.
Ich selber bin nach cirka 4 Monaten total am Ende. Kriege nichts mehr auf die Reihe. Rechnungen bleiben liegen, ich brauche extremst lange Erholungsphasen, der Haushalt vermüllt. Den letzten Job hatte ich mir schon so ausgesucht, dass ich mich möglichst wenig fordern wollte, damit das nicht nochmal passiert. Ein 22 Std Job. Und: Schon wieder: Total schlechtes Feetback meiner Kollegen, ich wirke überfordert...
Ich habe wirklich alles gegeben. Und ich war am Boden zerstört als ich diese Kritiken hörte. Hab selber gar nicht gemerkt, dass ich eigentlich schon wieder total fertig war.
Jetzt steht also zum dritten Mal eine Kündigung an. Ich bin allein und ich weiß nicht wie es weiter gehen soll. Langsam bekomme ich Existenzängste.
Mein Arzt hat mich nun wegen schwerer Depressionen krank geschrieben. Ich habe eine intensive Langzeittherapie vor einigen Jahren hinter mir, sogar eine Kur vor zwei Jahren, Tabletten, das volle Programm und trotzdem läuft es nicht. All die Maßnahmen waren durchweg positiv für mich, aber dieser massive Erschöpfungszustand kommt bei Belastung immer wieder. Es ist auch so unauthentisch alles. Ich bewerbe mich. Verschweige mein Problem. Dann kriegt man immer wieder diese feetbacks die so in die Richtung verpeilt.... gehen. Ich hasse dieses Verschweigen müssen, dieses Spielen, Kämpfen.... Ich weiß echt grad nicht mehr weiter. Irgendwann werde ich ja eine Aneinanderreihung von Zeugnissen haben, die nur ein halbes Jahr andauern. Ich bin ü 40.

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19. März 2015 um 13:11

Hi Pacjam!
Auch Strategien, die ich mit in mein Leben einfließen lasse. In der Freizeit denke ich daran, mich mit guten Freunden zu treffen, mit denen es mir gut geht. Mit denen es eine Ausgewogenheit zwischen Leben und persönliche Dinge besprechen gibt. Karneval waren wir feiern. Ich sehe sogar witzige sitcoms seit einem Jahr. Ich versuche alles nicht so ernst zu nehmen, ich lege auch ein Erholungspensum ein. Meditiere, jogge, mache regelmäßig Entspannungsübungen. Und trotzdem...

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19. März 2015 um 13:51

Ich denke,
dir helfen keine oberflächlichen Vergnügungen.

Die Situation von Frauen über 40 ist sicher nicht leicht. Du stehst vor der Menopause und dein Spiegelbild gefällt dir vielleicht auch nicht mehr wie früher. Außerdem hast du sicher auch schon erfahren, wie respektlos mit Frauen umgegangen wird, die Schwachpunkte haben.

Du brauchst jetzt sicherlich eine Aufgabe, die für dich Sinn macht und die dir deine Lebensfreude zurück gibt.

Ich weiß ja nicht, was dein Beruf ist, aber wie wäre es, wenn du zunächst einmal ein Praktikum in einer Berufsrichtung machst, die Sinn ergibt und dir Spaß macht? (Tierschutz, Naturschutz, soziale Arbeit im Kindergarten, bei der Tafel, im Altenheim. usw...., EGAL WAS!). Das würde erstmal den Druck von dir nehmen, etwas leisten zu MÜSSEN. Gleichzeitig würde der Spaßfaktor dafür sorgen, dass du dich in die fremde Materie reinkniest. Der Erfolg und die Freude an der Arbeit wirken sich dann auch automatisch positiv auf deine Ausstrahlung aus.

Vielleicht könnte man diesen Prozess mit Tabletten etwas anschieben. Sprich mal mit deinem Therapeuten über diese Möglichkeit.

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19. März 2015 um 13:56

Hallo Stahlstraße
da kann ich leider nicht viel von bejahen.
Mein Selbstbild, also optisch, ist positiv. Ich bin von der Natur gesegnet und das ist es wirklich nicht! Meist werde ich auf Mitte 30 geschätzt.
Praktikum? Tolle Idee, aber wovon soll ich leben? Amt ist für mich wirklich die letzte Notlösung.

Pillen habe ich alle durch, wirklich alle und bin nach langjähriger Suche bestmöglichst eingestellt.

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19. März 2015 um 14:04
In Antwort auf puravida007

Hallo Stahlstraße
da kann ich leider nicht viel von bejahen.
Mein Selbstbild, also optisch, ist positiv. Ich bin von der Natur gesegnet und das ist es wirklich nicht! Meist werde ich auf Mitte 30 geschätzt.
Praktikum? Tolle Idee, aber wovon soll ich leben? Amt ist für mich wirklich die letzte Notlösung.

Pillen habe ich alle durch, wirklich alle und bin nach langjähriger Suche bestmöglichst eingestellt.

Hast du keine Familie,
die dich beraten und unterstützen könnte?

Ich sehe nichts davon in deinem Posting.

Hast du schon mal Ursachenforschung für dein Problem betrieben?

Es muss ja Gründe dafür geben, dass du so ausgiebige Erholungszeiten brauchst.

Vielleicht gibt es ja auch körperliche Ursachen. Lass dich mal vom Hausarzt gründlichst durchchecken.

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19. März 2015 um 14:22

Vom Hausarzt
ist alles durchgecheckt. Da gibt es nichts.
Familie gibt es nicht.
Ursachenforschung habe ich ewig betrieben. Alles offen durch Psychoanalyse.
Ich wurde als Kind schwerst vernachlässigt. Man kann das ganze unter Hospitalismus in schwerer Form beschreiben. Bin eigentlich fast ein wenig verwildert aufgewachsen. Habe alles in meinem Leben auf eigene Faust gemacht und eine Ausbildung, gemacht, sogar noch studiert. Musste in Jahren mühseliger Arbeit erlernen mein Einzelgängerdasein zu beenden. Mir lernen Hilfe zu holen...

Habe viele Jahre an mir gearbeitet, um z.B. in einer Gruppe gut funktionieren zu können, mich wohl zu fühlen.

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19. März 2015 um 14:42
In Antwort auf puravida007

Vom Hausarzt
ist alles durchgecheckt. Da gibt es nichts.
Familie gibt es nicht.
Ursachenforschung habe ich ewig betrieben. Alles offen durch Psychoanalyse.
Ich wurde als Kind schwerst vernachlässigt. Man kann das ganze unter Hospitalismus in schwerer Form beschreiben. Bin eigentlich fast ein wenig verwildert aufgewachsen. Habe alles in meinem Leben auf eigene Faust gemacht und eine Ausbildung, gemacht, sogar noch studiert. Musste in Jahren mühseliger Arbeit erlernen mein Einzelgängerdasein zu beenden. Mir lernen Hilfe zu holen...

Habe viele Jahre an mir gearbeitet, um z.B. in einer Gruppe gut funktionieren zu können, mich wohl zu fühlen.

Der Mensch ist halt keine Maschine!
Deine schwere Kindheit und die Anstrengungen, aus eigener Kraft eine Ausbildung und ein Studium durchzuziehen, hat dich wohl an den Rand der Erschöpfung gebracht.

Die quälenden Depressionen könnten einen Warnhinweis darauf sein, dass du völlig ausgebrannt bist.

Höre auf deinen Körper und gönne ihm die Ruhe, die er jetzt braucht.... und selbst wenn es 10 Stunden Schlaf pro Nacht sein sollten, gönne sie dir.

Aber selbst wenn du dein Kindheits-Drama psychologisch aufgearbeitet hast; ganz überwindet man so etwas nicht. Das kann mir keiner erzählen!

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19. März 2015 um 14:56

Wie gesagt
körperlich ist absolut alles abgeklärt.

Ja, die Ruhe. Da merke ich auch immer dass es dann immer besser geht und die Anmerkung mit diesem "total ausgebrannt". Das empfinde ich auch so.
Ich komme NIE irgendwie so richtig zur Ruhe. Mit Kind ist das schwer. Dafür habe ich aber Gott sei dank viel Unterstützung.

Am Anfang ist immer alles super mit den Kollegen. Ich gehe offen auf Leute zu. Dann wenn es zu dieser Kritik kommt, die ja stark auf meine Person geht, ich sei lahm... ziehe ich mich zurück.

Muss mich jetzt hier auch leider zurückziehen. Schaue heute Abend nochmal rein. Schon mal lieben dank für die lieb gemeinten Antworten!

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19. März 2015 um 16:01

Gehört das zu Deinem "Krankheits"bild?
Ja, das Gefühl, völlig kraft- und energielos zu sein und damit ständige Überforderung (auch sehr stark, ohne dass die Tätigkeit für andere so überfordernd wäre), fehlende Konzentrationsfähigkeit etc. gehören zum Krankheitsbild einer Depression. Das kann soweit gehen, dass man nicht mehr die Energie für die tägliche Körperhygiene aufbringen kann! (teilweise auch wenn die Energie für Kompensationstätigkeiten /-handlungen, die für Aussenstehende wesentlich anstrengender erscheinen, hingegen problemlos reicht)

@TE: es gibt psychologische Techniken, die Dir zu einem Weg heraus verhelfen. Wenn Deine Therapeuten Dir die augenscheinlich nicht erklärt / gezeigt haben - wechsle die Therapeuten.

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19. März 2015 um 18:11

Von einer beruflichen Selbstständigkeit
würde ich ihr dringend abraten!

Der Stress eines 16-Stunden-Tages und dann auch noch mit Kind, das muss in die Hose gehen.

Und ja, eine ernsthaft angestrebte selbstständige Tätigkeit bringt es mit sich, dass man Doppelschichten einlegt; zumindest in der Anfangszeit, bis der Laden halbwegs gut läuft. Mit der finanziellen Unsicherheit kommt nicht jeder klar und auch der Behördenkram ist nicht zu unterschätzen.

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19. März 2015 um 21:04

Was
für Hass Medien? Partner? Ja, schon, aber ich war noch nie abhängig von jemandem und fände das sehr ungewohnt. Sehr befremdlich für mich!

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20. März 2015 um 18:44

Ich
möchte mich ganz herzlich für diese ausführlichen, einfühlsamen Worte bedanken!

Was pacjam beschreibt kommt dem Zustand sehr nahe. Eigentlich fühlt sich das Akku so an, als müsse es erstmal so geschätzt hundert Stunden ins Ladegerät, um überhaupt mal wieder auf den Nullpunkt zu kommen, sprich erst dann richtig geladen wird.

Dann kommen da die ganzen Anforderungen und da wundere ich mich selber wieder wie ich das überhaupt schaffe. Gerade noch am Boden zerstört -mehr als das- und auf geht es zur nächsten Verpflichtung und keiner merkt, wie man drauf ist.

Ich werde mir ernsthaft Gedanken um eine vorläufe Berentung machen. Mein Arzt hat dies das letzte Mal selber angesprochen. Es geht echt nichts mehr im Moment. Heute war so ein Horrortag. Ich trage, glaube ich nun wirklich die Folgen dieser ständigen Überforderung, dieser Jahre andauernden Doppelbelastungen, Studium, Job, lernen ohne Ende...
Ich möchte auch gerne arbeiten. Und auch die Anregung, dass das was ich jetzt mache zu anstrengend ist, ist mir vollkommen klar geworden. Diese Wahl war ein Fehler und zur Zeit hoffe ich sogar, dass die Kündigung im Briefkasten liegt.
Therapeutisch ist meiner Meinung nach alles ausgeschöpft. Konventionelle Gesprächstherapien haben mir nie was gebracht. Da kann ich lieber ne Freundin anrufen.Die einzige Therapieform, die damals gegriffen hat, war eine Psychoanalyse. Danach ging es mir gut, aber leider auch nicht ewig. Man vermutet auch bei mir die chronische Form der Depression. Die ist wie ein Herpersvirus irgendwo verankert. Sorry, kann das nicht genau beschreiben. Und bei jedem gefühlten emotionalem "Einschlag" greift sie eben wieder um sich.

Danke liebe Leute nochmal. Mir hat das wirklich sehr geholfen!

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