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Dass Sie nicht mit Konflikten umgehen kann, ist zum Konflikt geworden

27. August 2011 um 12:48

Wir sind nun seit knapp einem Jahr zusammen. Kennengelernt haben wir uns übers Netz. Wir sind beide 27 Jahre alt. Streit gab es anfangs oft, allerdings nicht, weil wirklich streitenswerte Dinge gewesen sind, sondern meiner Ansicht nach oft, weil meine Freundin einfach nicht in der Lage ist, zu äußern, was sie bedrückt, was sie fühlt usw. Normalerweise sagt man ja meistens Männern nach, dass sie mit ihren Gefühlen nichts anfangen können, ihre Gefühle nicht ausdrücken können - in unserer Beziehung scheint das eher umgekehrt der Fall.

Ich kenne eigentlich nie den Gemütszustand meiner Freundin, ich weiß eigentlich nie, wie es ihr geht, weil sie darüber nicht spricht.

Sie kann sich stundenlang über Nonsens mit mir unterhalten, über irgendwelchen oberflächlichen Unsinn, sobald es aber um wirklich wichtige Themen geht, die man in einer Beziehung einfach mal ausdiskutieren muss, blockt sie sofort, schwenkt das Thema um in irgend einen Schwachsinn und signalisiert mir, dass sie garkeine Lust hat, sich mit mir über - für mich wichtige Themen - zu sprechen.

Anfangs dachte ich, dass das mit ihrer verkorksten letzten Beziehung zusammen hing. Ihr Ex Freund betrog sie nach Strich und Faden, sie blieb lange Zeit bei ihm. Ich glaube, das hat sie bis heute nicht verarbeitet.

Ich habe lange Zeit versucht, zu verstehen, was war und irgendwann hatte sie mal einen Moment, in dem sie auch tatsächlich eingestand, dass sie verlernt hat, über das, was in ihr vorgeht, zu sprechen.

Vor knapp einem halben Jahr hatten wir dann den endgültigen Punkt, an dem sie hauptsächlich an unserem Beziehungsende beitrug.

Sie meldete sich heimlich in einem Onlineportal an und bandelte mit einem Kerl an, es wurde herumgesmst und sogar ein Treffen vereinbart. Durch einen blöden Zufall fand ich es heraus, sie stritt alles ab, obwohl die Fakten eindeutig waren. Als sie nicht mehr herumkam, mir das ganze zu gestehen, kam eine Ausrede nach der anderen, das Treffen habe nie stattgefunden, und so weiter - das typische halt. Sie habe einfach mal mit jemandem über uns reden wollen - so ein Käse.

Trotzdem gab ich ihr eine neue Chance. Leider zeigte sie mir mit keinem Bisschen, dass sie das Vertrauen bemüht ist, wieder zu mir aufzubauen. Im Gegenteil, sie lies alles weiter laufen, wie bisher. ICH war derjenige, der nach Erklärungen fragte, ICH war der, der ihr die Fragen und das "Warum hast du das getan" aus der Nase ziehen musste,ich war also der, der sich rechtfertigen musste, weil ich ja der Auslöser war, wieso sie mit "irgend einem Kerl, mit dem sie über ein Onlineportal angebandelt hat" über unsere Beziehung sprechen wollte.

Diese Aktion war Dauerstreitthema, trotzdem verblich sie nach 2 Monaten und ich dachte, ein Neustart ist möglich.

Doch bei den kleinsten Konflikten merkte ich, dass sie in alte Verhaltensmuster zurückfiel. Sie wich bei Themen, die eventuell hätten zu Streit führen können, aus, sie lenkte ab, war uninteressiert an allen Themen, die in irgend einer Form hätten zu Streit führen können.

Sie war der Ansicht, dass sie Probleme lösen würde, in dem sie einfach nicht darüber spricht. Das ist halt überhaupt nicht meine Art. Und immer war ich derjenige, der in irgend einer Form wieder schwierige und unangenehme Themen ansprechen musste, immer wenn etwas nicht stimmte, musste ich das Thema ansprechen und war der Blöde.

Nun sprechen, sms, telefonieren wir seit 4 Tagen nicht mehr.

Ich habe erneut herausgefunden, dass sie mir wahnsinnig viel verheimlicht, nichts Schlimmes, aber eben Dinge, die ich gern wissen würde, von denen ich einfach gern erfahren würde....vorletzte Woche traf sie sich mit einem ehemaligen Studienkollegen, mir erzählte sie nichts davon, nur als es am Tag zuvor durch einen Zufall herauskam. Ich habe nichts dagegen, aber ich fühle mich unwohl mit dem Gedanken, dass sie mir einfach nichts erzählt von solchen Treffen. Das verstand sie nicht.

Statt sie meine Ängste, vor dem Hintergrund was war, nachzuvollziehen versucht, packte sie ihre Sachen und verschwand.

Danach meldete sie sich nicht mehr. Mittlerweile bin ich stark enttäuscht, ich bin mir sicher, dass sie just in diesem Moment auch wieder irgend eine Kurzschlussreaktion reißt. Und genau das ärgert mich.

Ich habe mir vor 2 Monaten die Frage gestellt, ob ich mir mit so einer Frau Kinder und eine Zukunft mit Verantwortung vorstellen kann und bin immer wieder auf die Frage gestoßen, wie sie sich wohl bei echten Problemen verhalten wird.

Nehmen wir an, wir haben 2 Kinder, ich bin zu hause, sie ist daheim, es gibt eine unangenehme Diskussion, sie verschwindet - ich stehe dann mit den Kindern da.....glücklicherweise sind wir noch nicht zusammengezogen, was wir diesen Sommer eigentlich vor hatten, ich aber wegen der Aktion mit diesem öminösen Typen, den sie treffen wollte, aufgeschoben habe....


Ich hänge trotzdem an ihr und zwar sehr....ich überlege, ob ich mich melden sollte, doch anderseits weiß ich auch nicht, wohin das führt, wahrscheinlich über kurz oder lang wieder an den gleichen Punkt......ich habe ihr ernsthaft schon mal eine Therapie vorgeschlagen, ich würde ihr helfen, damit sie endlich mal wieder lernt, mit schwierigen, konfliktbehafteten Situationen umzugehen, lernt, sich zu artikulieren und auszudrücken, was sie belastet - das kann sie nicht und von sich aus wird sich da auch nichts ändern.


Ich weiß momentan nicht, was ich tun soll. Der einfachste Weg wäre, dass ich mich garnicht mehr melde, dass ich es einfach auf diese pubertäre Art (die sie vorgibt) auslaufen lasse, wie 2 Teenager, die sich nicht in der Lage sind, gegenüber zu treten und mit einander zu sprechen......das ist überhaupt nicht meine Art, ich bin ein Mensch des Gesprächs, doch ich weiß jetzt schon, wenn ich ein Gespräch beginne, endet das sowieso wieder unheimlich unbefriedigend, weil sie nach dem Motto "wir machen so weiter wie bisher", momentan garnicht in der Lage ist, etwas zu verändern, weil sie sich überhaupt nicht bemüht.

Wer kann mir hier einen ernst gemeinten Rat geben, wie ich vorgehen soll? Wenn es mir nicht ernst wäre mit uns beiden, denke ich, hätte ich die Beziehung schon längst beendet.

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27. August 2011 um 17:50

Danke
für die Antwort, denn genau diese These ist mir schon häufiger durch den Kopf gegangen.

Im Grunde glaube ich im Nachinein, war auch nicht ihr Ex Freund ausschließlich der alleinige Buhmann in der Beziehung. Klar, er ging fremd - das ist unverzeihlich - doch der Auslöse glaube ich war ein anderer.

Meine Freundin fechtet ihre Probleme mit sich selbst aus, sie redet nicht darüber, sie redet auch nicht darüber, wenn ihr etwas nicht gefällt, sie frisst es dann in sich hinein oder trinkt oder raucht. Das ist ihre Problembewältigungsstrategie, scheinbar schon immer gewesen.

Sie ist ein Mensch, der seinem Partner den Eindruck verleiht, dass sie sich im Kern garnicht für den Partner interessiert, zumindest nicht tiefgründig. So hat sie mich eigentlich nie nach meiner Vergangenheit gefragt, mir also den Eindruck erweckt, es interessiert sie eigentlich alles garnicht. Im Grunde genommen stimmte das nicht, sie war toteifersüchtig auf viele meiner Ex Freundinnen. Man hätte aber durchaus Hellseher (und zudem ein guter) sein müssen, um ihr das anzumerken.

Wenn sie genau so auch ihrem Ex Freund gegenüber aufgetreten ist, mit ihrer oberflächlichen Art á la interessiert mich alles nicht tiefgründig, dann hat sie ihrem Ex signalisiert, er kann es mit ihr machen und sie merkt es nicht und es ist ihr auch egal.

Ich habe seit wir zusammen sind, mit meiner Freundin noch keine 30 Minuten am Stück ein ernsthaftes tiefergreifendes Gespräch geführt, das ist auch scheinbar einfach nicht ihr Ding. Sie lenkt dann ab, was mich tief verletzt, denn wenn ich mich aufraffe, wichtige und mich belastende Themen anzusprechen und sie dann versucht, mein Anliegen im Keim zu ersticken, einfach nicht antwortet, nicht reagiert oder oberflächliche Kommentare abgibt, dann bin ich einfach unbefriedigt, was die Klärung von Problemen angeht.

Ich habe immer nach der Devise gelebt, dass man Probleme nicht totschweigen, sondern ansprechen muss, bevor sie wuchern. Ich würde behaupten, wenn wir von anfang an offen über unsere Probleme und Ängste hätten reden können, insbesondere ich mit ihr und sie ihre überhaupt mal angesprochen hätte, dann wären wir heute nie an diesem Punkt.

Bis jetzt keine Meldung von ihr, ans Telefon geht sie auch nicht, tja...Kindergarten.

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27. August 2011 um 19:45

Ist wohl so
auch wenn ich ein Typ bin, der irgendwie ständig neue Chancen gibt und ständig Vertrauensvorschuss und wieder enttäuscht wird und erneut u. irgendwann wirke ich mir selbst ja schon gegenüber unglaubwürdig. Traurig, dass man so wenig Wertschätzung entgegengebracht bekommt.....nun so ist das halt.

Ich habe eben angerufen, am Telefon kam nicht einmal die Frage, ob wir reden möchten, einfach wieder das oberflächliche Zustimmen meiner Meinung und hauptsache schnell wieder alles im Kern totschweigen, alles wie gehabt, sehr vorhersehbar - gut, so ist es halt, so wird es immer bleiben.....

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28. August 2011 um 8:00

Genau das...
...bei jedem Rückschlag hatte ich das Gefühl, ICH muss derjenige sein, der wieder den Schritt auf sie zugeht, ICH muss derjenige sein, der SICH noch mehr öffnet - man beginnt zu zweifeln, was man noch alles tun könnte.

Erst gestern ist mir wieder klar geworden, nach dem "sich nicht melden, nicht antworten", dass es zwecklos ist, dass meine (Ex) Freundin einfach keine Lust hat, zu reflektieren, was ist das eigentliche Problem, wo wir immer wieder an eine Mauer geraten.

Ein Freund von mir meinte mal, Menschen ändern sich nicht und leider behält er recht, wenn ich mir das so betrachte.

Alle Diskussionen mit meiner Freundin binnen der Beziehung waren fruchtlos, es hielt maximal ein/zwei Wochen und dann wieder die gewohnten Muster - das kann es nicht sein.

Ich habe nie bemerkt, dass sie wirklich gewillt ist, sich mal mit dem eigentlichen Problem auseinanderzusetzen. Man muss doch merken, dass ein Partner sich nicht mehr wohl fühlt, wenn die körperliche Nähe aufhört, wenn man keinen Sex mehr hat, all das scheint sie sich nie gefragt zu haben, es einfach akzeptiert, hingenommen, wie ein geprügelter Hund, der sich in die Hütte zurückzieht, weil er nichts an seiner Situation ändern kann. Meine Freundin hätte es aber gekonnt.

Bei ihr war einfach ein pauschal permanentes Unverständnis vorhanden von wegen "Soviel Streit wie mit mir, hatte sie noch in keiner Beziehung". Jetzt ist mir auch klar wieso, ihre Ex Freunde (die sie fast alle betrogen haben), hatten ebenso einfach keine Lust, sich mit ihr auseinanderzusetzen, ließen die Beziehung laufen, gingen fremd und hatten keine Lust auf Streit.

Streit in der Beziehung hat meine Freundin fast schlimmer empfunden, als betrogen zu werden - klar, denn beim Streit muss man aktiv reagieren, wurde sie betrogen, konnte sie sich weinend zurückziehen und in ihrem Selbstmitleid versinken "alle anderen sind dann nämlich wieder schuld". Mit solchen Situationen musste sie sich nie auseinandersetzen, denn dann hatte offensichtlich ja der anderen den alleinigen Fehler begangen.

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5. September 2011 um 22:01

Nachdem....
...ich noch einmal eine Woche "dran gehangen" habe und einen abermaligen Neustart versucht habe, ist genau das eingetreten, was im ersten Antwortpost prophezeit wurde: Es kam erneut zu einer kleinen Kontroverse, meine Freundin rastete aus, packte erneut ihre Sachen, zog erneut davon. Sie rief später nochmal an, als ob nichts gewesen wäre, als ich das Thema aufgriff, sachlich klären wollte, warum es jedesmal so kommen muss, legte sie kommentarlos den Höhrer auf - Beziehung ist für mich hiermit beendet. Habe gefühlte 100 Anläufe gemacht, jedes mal ins Leere gerannt und irgendwann muss auch der resistenteste Mensch (in dem Falle ich selbst) kapieren, dass bestimmte Menschen nicht zusammenpassen - wieso ich das viel eher nicht kapieren wollte, weiß ich selbst nicht.

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