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Coming out / Homosexualität - mutig sein oder besser nicht

22. April 2009 um 18:39 Letzte Antwort: 22. April 2009 um 20:40

Hi ihr Lieben,

ich weiß schon seit Beginn der Pubertät, dass ich mich ausschließlich für Frauen interessiere und ich fand die Vorstellung von Sex zwischen Mann und Frau schon immer "abstoßend". Die zwischen Mann/Mann bzw. Frau/Frau nicht, kein bisschen. Obwohl ich bislang keine "praktischen" Erfahrungen sammeln konnte. Eigentlich ist meine Familie liberal, aber wenn das einzige Kind nun plötzlich sagen würde, dass es lesbisch ist... nicht so prickelnd Meine Oma spricht immer abfällig über "Homos" (sie sagt das so, als ob es eine Krankheit ist) und meine Mutter kann damit auch nicht viel anfangen. Aber die beiden sind nun mal die Personen, die mir am allernächsten stehen. Als vor 1,5 Jahren bekannt wurde, dass auch die Fernsehmoderatorin Anne Will mit einer Frau zusammenlebt, meinte meine Mutter: "Ich hätte nie gedacht, dass die nicht mit einem Mann zusammensein kann". Das kann man jetzt interpretieren, wie man möchte... für mich klang es abwertend Außerdem hat meine Mutter mal gesagt, dass sie sich nicht vorstellen kann, wie das so zwischen zwei Frauen im Bett läuft und dass der Gedanke für sie schon irgendwie "bäh" sei... Ich mag meine Familie wirklich, allen voran meine Mutter und meine Oma. Das Verhältnis zu meinem Vater ist eher schlecht - ich mochte ihn noch nie. Auch ohne von meiner Liebe zu Frauen zu wissen, hat er schon mehrfach Sätze wie "Was haben wir bloß falsch gemacht?" oder "Was sollen die Leute denken?" hinter meinem Rücken zu meiner Mutter gesagt... Ich habe keine Ahnung, was der richtige Schritt ist *seufz* Und ich hab Angst, dass von mir geliebte Personen (Mutter, Oma) mein Lesbischsein irgendwie als so etwas wie eine Schande empfinden Würdet ihr an meiner Stelle wenigstens die Mutter "einweihen"? Oder soll ich ihr diese "Enttäuschung" (erstmal) ersparen und noch warten? Ich hab nämlich auch 'n bisschen Angst, dass meine Familie mich dann nicht mehr unterstützt, da ich trotz meines Alters von 21 Jahren finanziell noch zu 100 Prozent von ihnen abhängig bin...

Ganz liebe Grüße & schon mal Dankeschön im Voraus für alle ernstgemeinten, ehrlichen Antworten!

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22. April 2009 um 20:06

Ich finde dieses "outen"
irgendwie seltsam. ich meine: Man steht auf Frauen oder auf Männer. Aber ich oute mich doch auch nicht als "Hetero". wieso solltest du dann so tun, als ob deine Geschlechtsvorliebe in Sachen Liebe so unnormal sei, dass man sie "zugeben" muss.

Trotzdem ist es sicher für deine Oma und Mama irgendwie leichter, wenn du sie etwas vorwarnst, bevor du ihnen direkt ne Freundin vor die Nase setzt. Und ewig deine Partnerin verschweigen wenn du dann eine hast, wäre doch auch nur völlig irrsinniger Selbstbetrug.

wie wärs, wenn du einfach mal sagst "mir ist aufgefallen, dass ihr euch homosexuellen gegenüber irgendwie abwertend verhaltet. ich find das irgendwie schade und befremdlich. meiner meinung nach sollte jeder lieben, wie es ihm gefällt. auch ich kann mir vorstellen, eine Frau zu lieben. Was soll daran verkehrt sein? ist es nicht wichtig, dass jeder so glücklich wird wie er es sich wünscht?"

das sind natürlich laienhafte worte von einer, die nicht in deiner haut steckt und sich alles viel zu einfach vorstellt. aber wenn du ihre unterschwellig diskriminierenden worte schweigend ignorierst, betrügst du dich doch nur selbst.

Vielleicht wird es nicht leicht für sie, aber sie sollen dich lieben wie du bist. ob jetzt einziges kind hin oder her. andere eltern haben auch einzelkinder, die sind dann vielleicht hetero, aber finden keine passenden partner, wollen keine kinder, nicht heiraten, wechseln ihre partner ständig, sind nur am feiern, oder stubenhocker, zu schön für eine frau oder zu verquer, zu klein, zu dick, zu verrückt, zu langweilig... wenn wir alle so wären, wie unsere eltern das gerne hätten: hübsch, schlau, treu, verheiratet mit zwei kindern - dann wär wohl kaum noch jemand auf der welt wirklich er selbst.

wenn deine liebsten ein ernsthaftes Prolem mit deinem lebensentwurf haben, dann ist das kein Makel an dir, sondern einer an ihnen. und sie müssen lernen sich zu ändern. nicht du, dich anzupassen.

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22. April 2009 um 20:32

@ Heriett, Ebba, Moragh:
Lieben Dank für eure schnellen & sehr positiven Antworten! Hab mich darüber gefreut

Der Schritt mit dem "Outing" ist wirklich nicht einfach, weil man die Reaktionen nicht abschätzen kann... einmal Gesagtes kann ich ja nie wieder zurücknehmen. Auch wenn meine Mutter mich nicht verstoßen würde, mein Vater täte dies bestimmt und auch meine Großeltern hätten hart daran zu knabbern...
Ich weiß, dass es einzig und allein mein Leben ist und ich es in der Hand hab, ob ich ein zufriedener Mensch werde oder nicht, aber es hängt so viel daran... Manchmal denke ich, dass es dann so etwas wie ein "Ultimatum" gäbe: entweder die Liebe einer Freundin oder die der Familie. Für meine Angehörigen bliebe immer ein fader Beigeschmack...

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22. April 2009 um 20:40

@ Cutetigger:
Auch herzlichen Dank für deine Antwort!

Man hört ja häufig, dass Eltern sagen, sie sind glücklich, wenn ihr Kind glücklich ist, aber na ja...

Stimmt - ich hab nie gesagt, dass ich z.B. einen Schauspieler sexy finde oder so Gut möglich, dass sie sich vielleicht ein bisschen wundern, warum das Thema Freund bisher nie zur Debatte stand... darauf angesprochen haben sie mich aber nicht. Ich hab nur meiner Mutter gegenüber schon sehr oft erwähnt, dass ich keinen Freund haben will - nie. Ich glaube, damit könnte sie ganz gut leben...

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