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Bindungsangst - War ich blind?

2. April 2017 um 20:29 Letzte Antwort: 2. April 2017 um 20:56

Hallo,

vor knapp einen Monat hat sich meine Freundin von mir getrennt. Wir waren knapp 1 ½ Jahre zusammen. Es war wie ein Schlag ins Gesicht, denn die Trennung kam sehr plötzlich. Wir hatten uns noch zu unserem üblichen Marktbesuch am Samstag verabredete und dann hat sie mir ihre Entscheidung mitgeteilt ohne jegliche Ankündigung. Meine persönlichen Sachen hatte sie auch bereits dabei und wollte mir alles mitten in der Stadt geben. Ich war von dieser Gefühlskälte am Boden zerstört und mir ist erst nach einiger Zeit klar geworden, dass ich die ganze Zeit mit einer Frau zusammen war, die unter extremer Bindungsangst leidet. Nachdem ich ein Buch dazu gelesen habe war das für mich wie ein Spiegelbild der Beziehung. Die Signale waren alle präsent aber irgendwie habe ich sie nicht gesehen und deuten können. Ich hoffe der lange Text schreckt euch nicht zu sehr ab.
Bereits sehr früh in unserer Beziehung habe ich gemerkt, dass sie sich immer sehr unabhängig gemacht hat. Auch mit zwischenmenschlichen Gesten wie Tür aufhalten oder Einkauf abnehmen kam sie nicht zu Recht weil sie ihrer Meinung nach alles alleine können muss. Als ich sie auf ihr Verhalten angesprochen habe meinte sie, dass sie auf Grund ihrer schlechten Beziehungserfahrungen sich immer so unabhängig und selbständig vom Partner macht, dass sie von heute auf morgen verlassen kann. Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass sie dadurch natürlich auch die Gefühle unterdrückt hat, die dafür verantwortlich sind mit seinem Partner eine Verbundenheit einzugehen. Generell hat sie alles unterbunden was sie von mir abhängig machen würde. Außerdem hat sie oft gesagt, dass sie es sich gar nicht vorstellen mit einem Menschen das Leben zu verbringen. Auch unser Jahrestag war für sie ein Problem weil ihr sowas nichts bedeutet weil sie immer Beziehungen hatte, die kaputt gegangen sind und sie verlassen wurde.
Ebenso stand bei uns die ganze Zeit die gemeinsame Wohnung im Gespräch. Auf Grund eines Jobwechsels musste sie nach 6 Monaten in der Beziehung in eine andere Stadt ziehen. Der Hauptwohnsitzt blieb aber unsere gemeinsame Heimatstadt. Von ihr kam auch direkt die Idee, dass es Sinn macht wenn wir zusammenziehen damit sie nicht zwei Wohnungen bewirtschaften muss. Leider hat sie auch im gleichen Moment einen Rückzieher gemacht und gesagt sie muss erstmal abwarten wie die der Job ist weil zu viele Veränderungen verträgt sie nicht auf einmal. Wir hatten zwischendurch immer wieder darüber gesprochen aber eine konkrete Zusage kam von ihr nie sondern immer irgendwelche Gründe wurden vorgeschoben. Entweder wollte sie es nicht weil sie nicht wusste ob ich mit Kindern umgehen kann weil der Kinderwunsch bei ihr sehr groß ist (sie 37, ich 32). Dann hat sie gesagt, dass sie nicht die Verantwortung dafür haben will wenn sie jetzt Ja sagt und dann wieder Nein. Beim anderen Mal war sie am Überlegen ob sie überhaut noch ein Leben mitnPartnerschaft eingehen will weil die Schmerzen für sie so groß sind.  Kurz und knapp, es waren immer irgendwelche Gründe, die sie vor allem bei mir gesucht hat.
 Sie hat auch unter extremen Verlustängsten gelitten. Ohne dass ich etwas falsch gemacht habe hat sie zweimal gedacht ich mache mit ihr Schluss. Meine Sachen hatte sie auch bereits schon zusammen gelegt und jedes Mal wurde meine Handynummer gelöscht.
Wie bereits gesagt war der Kinderwunsch bei ihr sehr groß. Am Anfang hatte sie es mir ganz höfflich mitgeteilt ohne mich unter Druck zu setzen. Für mich war es kein Problem weil ich auch an einer Familie interessiert war. Nach einer Weile habe ich aber gemerkt wie es immer aus ihr herausgebrochen ist. Der Druck war sehr groß. Sie hat versucht den Schmerz dadurch zu verdrängen, dass sie immer gesagt hat, dass sie alles mit Kindern hasst obwohl sie sehr kinderlieb ist und oft die Kinder von Freunden betreut hat. Kurz bevor sie die Stadt gewechselt hat kam das Thema von meiner Seite aus auf den Tisch und da hat sie komplett abgeriegelt und gesagt, dass sie nicht weiß ob sie Kinder mit mir will weil wir ja nicht zusammen wohnen. Außerdem müsste sie sich wegen des Jobwechsels erstmal nur an sich denken. Alles andere würde jetzt keine Rolle spielen. Ab und zu hat sie auch Sätze gesagt, bei denen ich gemerkt habe, dass sie Kinder als eine Art Bedrohung für ihren Freiraum sieht. Sie hat generell ein großes Probelm mit Verantwortung. Selbst beim Brillenkauf wollte sie mich nicht beraten weil sie die Verantwortung dafür nicht haben wollte. Mich hat dieses widersprüchliche Verhalten sehr belastet, weil ich eigentlich sehr gerne Kinder haben möchte aber gemerkt habe, dass diese Frau trotz den großen Wunsches keine „gesunde“ Einstellung dazu hatte und die Hindernisse riesig waren.
Das größte Problem für mich in unserer Beziehung war aber ihr ständiges Spiel zwischen Nähe und Distanz. Sie hat sehr viele Hobbies und Freunde weshalb die Zeit sowieso sehr beschränkt war und von ihr mehr oder weniger diktiert. Selbst spontane Vorschläge von mir, dass ich heute bei ihr übernachte wurden manchmal erst komplett abgelehnt und im Nachhinein kam sie angekrochen.  Ihre Freizeit hat sie eigentlich immer ohne mich geplant und sie hat gerade zum Schluss in der Beziehung nicht mehr darauf geachtet, dass wir auch am Wochenende Zeit für uns brauchen. Drei Wochenenden hintereinander ohne Zeit für den Partner waren für mich einfach zu viel. Ebenso hat sie immer mehr in der Beziehung eine sehr starke Gefühlskälte entwickelt. Küssen war eigentlich gar nicht mehr möglich und sie mochte es auch nicht mehr wenn ich die Initiative ergriff. Sie hat auch oft gesagt, dass sie das Gefühl hat ich würde sie erdrücken und auf sie fallen weshalb sie dann immer körperlichen Abstand genommen hat wenn wir auf der Couch saßen. Ebenso hat sie angefangen häufig an mir rumzumeckern und regelrecht nach Gründen zu suchen.  Selbst als ich beim Kochen Zucker mit Salz verwechselt habe war das für sie ein Grund die ganze Beziehung zu hinterfragen und mir Unaufmerksamkeit vorzuwerfen.
Kurz vor der Trennung kam das Thema mit ihrer wenigen Zeit auf Tisch weil es für mich nicht mehr zu ertragen war. Außerdem fehlte mir auch die körperliche Nähe zu ihr, insbesondere die Zeit für Sexualität, denn sie hatte sich seit einiger Zeit sexuell sehr verschlossen. Ich habe das alles sehr höflich und freundlich gesagt weil ich weiß wie sensibel das Thema für sie ist. Trotzdem hat sie sofort den Spieß umgedreht und mir unterstellt, dass es mir kein Spaß machen würde und sie könnte es sowieso nicht so gut und außerdem sollte ich zärtlicher sein. Und mehr Zeit hat sie für die Beziehung auch nicht. Von ihrer Seite aus kam nie das Gefühl, dass sie Verständnis für meine Sorgen hat.  Nach dieser Reaktion fühlte ich mich total ohnmächtig und wusste nicht mehr wie ich mit dieser Frau umgehen soll. Eine Woche zuvor hatte sie noch gesagt sie will, dass wir jetzt zusammenziehen und aufhören zu verhüten. Sie ist kurz darauf in den Urlaub gefahren und als sie wiederkam haben wir nochmal darüber gesprochen. Sie hat gesagt, dass sie versuchen will mit mir ihre Freizeit besser abzusprechen.  Leider war eine Wochen danach Schluss. In einem späteren Gespräch hat sie mir gesagt sie brauch ihren Freiraum und auch die Möglichkeit alleine zu sein. Sie hat ebenso das Gefühl meine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Ebenso würde es ihr kein Spaß machen wenn sie für den Partner ihre Freizeit und Selbstständigkeit reduzieren müsste. Im Nachhinein ist mir klar geworden wie widersprüchlich diese Frau eigentlich ist, aber irgendwie habe ich in der Beziehung nicht geschafft 1+1 zusammenzurechnen. Mir ist zwar zum Ende klar geworden, dass die Beziehung nicht funktioniert aber mein Herz hat immer gesagt, dass ich sie liebe. Wahrscheinlich habe ich selber auch zu viel an der Beziehung geklammert obwohl mir klar war das ich in ihr offenes Messer laufe und sie immer eine Hintertür offen hatte.
 
Ich würde gerne wissen wie es anderen ergangen ist. Habt ihr euch zum Schluss auch total ohnmächtig und hilflos gefühlt? Zum Schluss habe ich mich gar nicht mehr getraut Dinge anzusprechen weil die Angst vor einer abweisenden Reaktion und Verletzung zu groß war. Ist es wirklich so schwer die Bindungsangst zu erkennen und sich von so einem Partner zu trennen? Ich habe für mich auch den Entschluss gefasst therapeutische Hilfe in Anspruch zunehmen weil ich selber gerne verstehen will warum ich so blind war und an dieser Frau geklammert habe. Zum Schluss hatte ich nämlich selber unter Verlustängsten gelitten.
 

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2. April 2017 um 20:56

Ich habe am 1.4 einen ahnlichen Post hier ins Forum gestellt. Mein Freund hatte aus heiterem Himmel Schluss gemacht und jetzt im Nachhinein gehe ich auch von einer Bindungsangst aus.

Was soll ich sagen. Ich fühle mich noch immer beschissen und komme nicht über ihn hinweg. Vieles hat bestimmt damit zu tun, dass man sich in der Beziehung sehr geöffnet hat, die Angst des Partners aufgenommen hat und versucht hat, ihm zu unterstützen. Man ist für ihn auf Eierschalen getanzt und kriegt halt jetzt zu spüren, dass derjenigen dies gar nicht wertschätzen konnte. Dass deine Gefühle ihm/ihr viel weniger wichtiger waren, als man geglaubt hat. Sie sind halt sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Die Erkenntnis tut halt wahnsinnig weh. Ich arbeite auch noch dran.

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