Forum / Liebe & Beziehung

Bin ich so verschroben?

5. Juli um 10:24 Letzte Antwort: 5. Juli um 10:52

Hallo,

eigentlich weiß ich noch gar nicht so recht, worauf dieser Beitrag hinauslaufen soll, also schreibe ich einfach mal, was mir in den Sinn kommt.

Ich bin momentan ohne Partnerschaft - erst seit etwa 3 Monaten, auch wenn es mir vorkommt, als sei ich schon wesentlich länger allein. Zum ersten Mal spüre ich eine gewisse Sorge darüber, vielleicht eine Form von Torschluss-Panik, ja, fast eine Gewissheit, niemanden mehr finden zu können, der wirklich "zu mir passt".
Ich muss dazu sagen, dass ich in meinem bisherigen Leben nie wirklich Single war, immer bloß für wenige Monate. Eigentlich bin ich sozusagen von Beziehung zu Beziehung gestolpert, immer auf der Suche noch etwas Großem und Echtem, denn wirklich verliebt war ich nie.

Da ich mir oftmals wie ein Alien vorkomme und das Gefühl habe, mit vielen Menschen nicht "kompatibel" zu sein, habe ich immer Ausschau nach Menschen gehalten, die vielleicht auch einen ungewöhnlichen Blick auf das Leben haben, die mehr nachdenken, die vielleicht auch einen gewissen Weltschmerz kennen, die ähnliche Gedanken und Probleme haben wie ich. Daraus ist entstanden, dass ich an Männer geraten bin, die zwar tiefsinnig waren, oft aber so große Schwierigkeiten mit sich selbst und dem Leben hatten, dass eine gesunde Beziehung unmöglich war.

Aktuell sehe ich also viele Baustellen bei mir selbst. Ich muss Frieden mit mir schließen, sollte aufhören, mich so ungenügend zu fühlen, sollte aufhören, nach instabilen Partnern zu suchen, wenn ich mich doch eigentlich nach Stabilität sehne. Nach einer Partnerschaft auf Augenhöhe, nach jemandem, der zwar nachdenklich und klug, aber dennoch lebensfähig ist.

Es ist nicht so, dass ich grundsätzlich unglücklich bin. Ich habe einige Freunde und Bekannte, einen sicheren Job und eine sehr liebevolle Familie. Dennoch macht es mich traurig, emotional niemandem so wirklich nahe zu sein. Ich fühle mich, als hätte ich in gewisser Weise versagt, da ich eben kein Haus und keine Kinder (will ich das denn überhaupt?) und bisher nicht wirklich geliebt habe. 
Woran kann es liegen, dass es mir so schwer fällt, jemanden zu mögen? Nicht bloß in partnerschaftlicher Hinsicht, auch Freundschaften zu schließen, gestaltet sich kompliziert. Abgesehen von meinen nähesten Verwandten gibt es kaum jemanden, mit dem ich gern Zeit verbringe, und soziale Interaktion bedeutet für mich oft eher Anstrengung und Überwindung.

Tja, was will ich nun eigentlich mit all dem hier sagen? Vielleicht dient es in erster Linie dazu, mir selbst manches vor Augen zu führen. Vielleicht aber fällt ja auch jemandem von euch etwas zu diesem Wirrwarr ein, das mir eventuell noch andere Betrachtungsweisen oder Handlungsansätze eröffnet.

Danke für das Lesen.


 

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5. Juli um 10:39

Hallo Spaghettieis,

Ein paar Eckpunkte wären interessant,  zb dein Alter, deine Interessen und deine Wünsche, also so Herzenswünsche.

Emotionale Nähe kommt ja nicht so vom Himmel geregnet, und man muss damit auch ein bisschen Mut und Offenheit an den Tag legen, damit das gegenüber auch andocken kann. Das ist so ein bisschen "so tun als wenn das Vertrauen und die Nähe schon da wäre" und so der Raum für Empfindungen größer wird. Es ist wie Atmen. Es kommt was raus und geht was rein. 

Und dann ab ins Meer der Möglichkeiten,  in diesem Gefühlsmeer zu schwimmen, vielleicht am Anfang nicht zu weit hinaus, aber den Boden unter den Füßen nicht mehr zu spüren heißt: Schwimmen!!!

 

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5. Juli um 10:52

Hallo spaghettieis, ich glaube, wir beiden würden uns sehr gut verstehen ; )

Je mehr man über Dinge nachdenkt, umso breiter wird der eigene Wissensschatz, die eigenen Glaubenssätze. Ich würde behaupten, dass sich eher Menschen so tief mit manchen Themen beschaffen, die eher wenige (tiefe) soziale Kontakte haben. Ich selbts habe seit meinem 17. Lebensjahr keine Freundin mehr. Obwohl ich nie Probleme habe, in einer neuen Schulklasse, Job auf Frauen zu treffen, mit denen ich mich oberflächlich gut verstehe und auch ab und an mal was trinken gehe. Insgeheim finde ich aber immer wieder Dinge, die mich an diesen Personen tierisch aufregen. Nach einem Treffen bin ich mehr in der ablehenden Haltung (mir fallen 1000 Sachen auf, die Person X in meinen Augen "falsch" gemacht hat) als dass ich sage "wow, was für eine tolle Person". Vielelicht fühlen die meisten anderen Menschen genauso. Aber ich mache mir Gedanken darüber, bin mir darüber bewusst und gestehe es mir selbst gegenüber ein. Und das isoliert Menschen wie dich und mich von den anderen und macht es schwer auf Menschen zu treffen, die unseren "hohen" Ansprüchen genügen. 

Ich verbringe, so wie jetzt gerade, viel Zeit alleine und mit meinen Gedanken über Gott und die Welt. Natürlich durchdenke ich dadurch Themen tiefer als viele andere, die jetzt gerade unterwegs sind, mit ihren Freunden/Freundinnen. Diese Menschen haben auf Grund ihres gesunden, normalen Sozialverhaltens gar nicht die Zeit und Muse sich so tiefergehend mit den Dingen des Lebens zu beschäftigen. Weil sie einfach leben und auf Grund dieser "Oberflächlichkeit" viel toleranter gegenüber anderen sind und so eher Freundschaften und Beziehungen ertragen und halten können.

Du erträgst wahrscheinlich viele Sachen im zwischenmenschlichen Leben nicht. Und daher hast du (auch unterbewusst) sehr hohe Ansprüche an einen potenziellen Partner. Ich denke, hier gibt es im Grund zwei Möglichkeiten: zu akzeptieren, dass ein Partner ein eigener, individueller Mensch ist, der vielleicht nur ein Bruchteil dessen erfüllt, was du von einem Beziehungspartner wünschst. Das es nicht so ist wie in Hollywood, wo man innig und harmonisch 40 Jahre lang zusammen lebt. Dass diese Beziehung fehlerhaft und unvollkommen ist. Aber du dadurch auch viele Vorteile erlangst. Als soziales Wesen in einer Gemeinschaft zu leben, eine Familie gründen zu können. Eine Konstante in deinem Leben hast, einen Freund, dem du vieles anvertrauen kannst. Gemeinsame Erlebnisse.

Oder aber, du bleibst ein freier Geist. Der soziale Verbindungen hat, aber diesen gegenüber nicht so viele Pflichten erfüllen muss wie in einer Partnerschaft. Eine Mutter besucht man 1x die Woche, ein Partner erwartet da durchaus mehr. Die Mutter ist aber irgendwann nicht mehr da. Und auch der Rest der Famile (Geschwister) gründen irgendwann ihre eigenen Familien und man wird immer mehr zum 5. Rad am Wagen. Liegt das Glück der Menschen in monogamen Beziehungen? Oder ist es erfüllender viele, recht kurze Beziehungen zu führen, und sich so den anfänglichen Kick immer zu erhalten.

Ich weiß es nicht. Aber du reflektierst für dich ja schon viel und nur du wirst im Grunde wissen können, mit welcher Lebensweise und welcher Art von Beziehungen du am ehsten glücklich wirst. Alles Gute für dich

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