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Beziehungsprobleme Lösen trotz Minderwertigkeitskomplexe

27. Januar um 12:50 Letzte Antwort: 28. Januar um 20:13

Hallo Zusammen,
 
Kurz zu mir, ich bin die Norma, und 32 Jahre alt. Ich bin verheiratet.
 
Als Teenie wurde ich bereits auf Grund meiner Behinderung gemobbt. Ich bin Tiefton Schwerhörig seit Geburt und habe Adipositas mit einer Starken Hohlkreuzbildung. Ich stottere leicht, bin unsicher und liebe bedürftig. Bei stress Situationen auf der Arbeit oder daheim kann ich kaum abschalten. Ich gerate in Panik, die sich in Fressattacken, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen äußert.
Ich war bevor ich meinen Mann kennengelernt habe 10 Jahre in einer Toxischen Beziehung gefangen.
 
Ich weiß, wo meine Fehler liegen und habe bereits Fortschritte gemacht. Ich versuche durch Achtsamkeitstraining, bzw. nach dem Prinzip „eins nach dem anderen“ Aufgabe für Aufgabe abzuarbeiten.
 
Zu meinem Problem: Ich war bisher in meinem Leben immer die Nachgiebige und so weiß ich nicht wann es angebracht ist „Sauer“ zu sein. Ich kann das schwer differenzieren ohne komplett Wütend zu werden. Das sachliche Betrachten hilft mir leider nicht. Da ich einseitig fokussiert bin und unsicher. Meist versuche ich im Dialog mit meiner Familie oder meinen Freunden andere Sicht
weisen zu erlangen. Da ich das Problem mit meinem Mann aber nicht vor meinem Familienkreis erörtern will frage ich im Forum.
 
Meine Beziehung mit meinem Mann ist eigentlich gut. Wir streiten kaum. Diskutieren selten. Sind bei den gemeinsamen Lebenszielen einer Meinung. Er macht wirklich viel im Haushalt und unterstützt mich auf seine Art und Weise schon. Intim funktioniert alles auch super. Wir haben eine Starkes band zwischen einander.
 
Ich habe folgendes Problem:
Meine Unsicherheiten und Selbstzweifel machen mir jedoch Probleme. Ich kann die Situationen nicht korrekt einschätzen. Ich kann mich Ihm gegenüber schlecht durchsetzen und weis nicht, wann ich recht habe „Sauer“ zu sein. Bzw. wie ich mich in den Situationen, in denen ich mich Unwohl fühle, verhalten soll. Er ist zu pragmatisch, um lange sauer zu sein oder sich zu streiten.
 
Beispiele:
 
-Beim zusammenziehen wurde mir angeboten die Dinge meiner ehemaligen Wohnung bei meiner Mutter „Einzulagern“.  Oder eben nur das nötigste an Kleidung mitzunehmen. Ich würde diese aber gerne Benutzen. Da ich z.b. einen Top Modernen TV habe aber dieser bei meiner Mutter steht und dort nicht genutzt wird. Daraufhin kam die Antwort: Unser TV funktioniert noch. Hier ist kein Platz. Bei deiner Mutter steht er doch gut. Ende.
Das Platzproblem ist real. (60 qm Wohnung mit Schrägen) Aber diese Dinge sind Teile von mir und möchte diese ja auch bei mir. Bzw. in unserem Leben. Die Situation keinen gemeinsamen Pool zu haben und quasi nur das zu Nutzen was mein Mann besitzt fühlt sich an wie „Geliehen“.
 
-Er hat einen Starken Reinlichkeitsdrang. Egal ob er Kocht oder etwas im Haushalt macht. Er reinigt sofort alle Flächen. Wäscht sich nach jedem Schritt des Reinigens die Hände und Desinfiziert grundsätzlich alle Dinge die von Draußen kommen. Das ist ja auch nicht schlimm. Jedoch äussert sich das z.B. auch darauf, dass wenn ich Kochen möchte er immer hinterher die Küche putzt.
Ich kann noch so aufpassen und noch so sehr mit Zewa nachwischen und reinigen. Er meint der Boden würde „kleben“ und wischt.
Da er nicht immer putzen möchte, koche ich mittlerweile selten. Ich vermisse das Kochen.  Zumindest wenn ich am Wochenende mal Zeit habe würde ich dies gerne tun. Auf meine Weise. Da er manchmal auch neben mir steht und zusieht wie ich koche/was ich genau dreckig mache. Ich weis nicht ob das als Scherz gedacht ist oder nicht, aber das schüchtert mich ein.
 
-Es ist bekanntlich Winter und nur weil er im Home-Office ist sieht er nicht ein seine Winterreifen auf das Auto zu ziehen. Wir wohnen im Harz vor Land und hier fällt gerade Schnee und ist bereits mit Winterreifen ein Balance Akt. Das Bitten und die Hinweise das es zu seiner Sicherheit ist, bringen nichts. Ich mache mir Sorgen. Er lässt sich nicht sagen, was er zu tun oder zu lassen hat. Immer wenn er sich von Obrigkeiten genötigt fühlt, macht er genau das Gegenteil des eigentlichen Anliegens.
 
-Jetzt Brant aktuell haben wir eine Diskussion über folgendes:
Bei mir am Arbeitsplatz (50 Km von der Wohnung) muss ein Heizkörper umgehängt werden, damit dieser näher bei mir hängen kann, da ich öfter als mein Kollege friere. Hierfür benötigen wir eine Bohrmaschine.
Mein Mann hat eine Bohrmaschine, will sie uns aber nicht leihen. Er will nicht das seine Geräte von anderen benutzt werden. Mein Mann hat mir zwar angeboten irgendwann zusammen hin zu fahren, wenn es grade auf dem Weg liegt. Aber das kann sich ziehen und ich empfinde die Bodenkälte als sehr unangenehm. Außerdem müssten wir mit meinem Auto fahren, da seins ja noch keine Winterreifen hat. Ich müsste Quasi nach der Arbeit erst Nachhause fahren, meinen Mann samt Bohrmaschine holen, wieder hinfahren und dann wieder heim. Das ist für mich mit mehr Stress verbunden und er sieht es nicht ein.
Das er mir diese dämliche Bohrmaschine nicht leihen will, ist ein richtiges Problem für mich. Ich bin sauer und rede kaum mit ihm. Er geht aber nicht drauf ein. Für Ihn war die Diskussion mit dem „Nein ich leihe dir die Bohrmaschine nicht“ erledigt.
Die Nacht danach bin ich dann mehrmals aufgewacht und konnte ab 3 Uhr nicht mehr schlafen.
 
Ich frage keinen anderen um eine Bohrmaschine, weil ich Sprüche vermeiden möchte. Mein Bruder/Onkel hätte sicherlich so etwas aber die Fragen dann: Hat dein Mann keine? Dann komme ich in Erklärungsnot, weil er so Eigen mit seinem Besitz ist.
 
Alles in allem fresse ich das wieder in mich hinein. Einerseits will ich nicht sauer sein, andererseits kann ich die Punkte nicht verarbeiten und ich fürchte, Sie häufen sich bis ich irgendwann komplett explodiere oder ich mich selbst fertig mache. Ich bin richtig angespannt und das merke ich auch an meiner Konzentrationsfähigkeit bei der Arbeit (Früh/Spätdienste von 07:00 Uhr bis 18:00).
 
Manchmal versuche ich das auch einfach abzutun und zu sagen, das ist nicht schlimm. Das sind ja auch nun mehr Kleinigkeiten als Probleme. Jedoch könnte sich daraus ein Problem ergeben.
Meistens schaffe ich auch eine Zeitlang da nicht dran zu denken. Aber dann kommt eventuell eine Stressige Situation auf der Arbeit oder ich habe einen schlechten Tag und dann kommt das abends zuhause raus und ich kann nicht aus meiner Haut raus und rege mich auf.
 
Ich fühle mich mittlerweile so eingeschränkt. Es läuft gut, wenn es nach seiner Nase geht.
Wir schreien uns auch nicht an oder so. Wir diskutieren lediglich. Meist zu meinen ungunsten.
 
Hat jemand Tipps, wie ich damit besser umgehen kann?
 
Ganz lieben Dank!
 
Eure Norma.
 

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27. Januar um 16:56

Hallo liebe Norma,

Du hast im Leben gelernt, wenn Du Deine Bedürfnisse nicht äußerst, dann sind alle glücklich und es entstehen keine großen Probleme und Du wirst akzeptiert und geliebt. Glaub mir, ich kenne diese Situationen, ich bin ähnlich
Aber genau das ist das Problem, dass Menschen, denen Du Deine eigenen Grenzen nicht aufzeigst, sie noch mehr auf Dich "zugehen". Eine Art Provokation, um die Grenzen auszutesten. Wenn sie merken, die sagt ja nix oder lässt vieles durchgehen, dann verlieren sie den Respekt vor dir.
Mache eine Therapie, denn anders wirst Du das nicht meistern. Reden mit Freunden oder Familie ist auch ein Teil davon, aber ist langfristig nicht effektiv. Sag Deinem Mann, dass Du so und so fühlst und an Dir arbeiten musst. Vielleicht macht ihr sogar eine Paartherapie, denn wenn Du ihm wichtig bist, dann geht ihr das gemeinsam an und wenn nicht, dann wird dieser Schritt eine sehr großer Schritt in Deinem Leben sein, denn Du wirst neu erblühen und wirst auf andere ganz anders wirken und dementsprechend werden sie auf dich reagieren, auch Dein Mann. Deine Lebensqualität wird steigen, weil in erster Linie DU dich so annehmen wirst und lieben wirst......

Alles Gute für Dich

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27. Januar um 17:32

Hallo Norma, 

ich stimme purpurrot prinzipiell zu. 

Erstmal ist es schon mal gut, dass du dich dahingehend selbst reflektiert hast, dass du weißt, wo deine Charaktereigenschaften und Probleme liegen. Einsicht ist immer der erste, notwendige Schritt um etwas zu verbessern. 

Es geht bei dir sicherlich um das Thema "Grenzen" und auch darum, inwiefern man es schafft, seine Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen, und zwar so, dass diese auch Gehör finden. 

Vielleicht wäre an dieser Stelle eine Verhaltenstherapie ein Vorschlag? Ich glaube nämlich, den Umgang damit kann man lernen und üben. Auch, dass man selbstsicherer wird. Könnte m.M. nach hilfreich sein. 

Und was deinen Freund anbelangt: Man muss ja nicht gleich wütend werden, aber ich würde den schon mal zur Seite nehmen und die Sachen, die dich stören, einfach besprechen. Es kann nicht sein, dass er alles nach seinem Willen durchsetzt. Das musst du ihm aber auch vermitteln, im Idealfall in einem ruhigen, lösungsorientierten Gespräch. Das ist meist wirkungsvoller. 

Bei einigen der angeführten Beispiele kann man somit, mit etwas gutem Willen, sicher Kompromisse finden. 

Alles Gute für dich! 

LG
goldensun7

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28. Januar um 10:05

Hallo zusammen,

lieben Dank für eure aufmunternden und wahren Worte. 

Was Verhaltenstherapien angeht werde ich mich in die Richtung auf jedenfall informieren.
Ich war vor 5 Jahren bereits in Psychologischer Behandlung. Ich denke das ich das wieder aufnehme. Es wäre wirklich nützlich einfach zu Wissen oder zu Üben wie man auf Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen reagiert. 

Ich bin von meiner letzten Beziehung leider etwas geschädigt, auch wenn es mir nun deutlich besser geht. Vielleicht habe ich einfach im ersten Anlauf angst gehabt, meinem Mann meine Gefühle mitzuteilen, weil ich vor seiner Reaktion angst hatte. 

Ich werde mit ihm erstmal das Gespräch suchen und versuchen ihm meine Gefühlssituation näher zu bringen. Im prinzip weiß er ja nichts davon, wie auch wenn ich ihm das nicht mitteile. Das ist der erste Schritt und dann habe ich mir das erstmal vom Herzen geredet. 

Manchmal benötigt man einfach einen Stupser in die richtige Richtung. Danke dafür nochmal!

Eure Norma

 

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28. Januar um 20:13

Ja das mit der Therapie ist sicher gut. Ich kenne mich halt nicht aus mit Therapien.

Sag ihm doch, dass Du keinen weiteren Tag mehr frieren wirst. Stell ihn vor Tatsachen:
Frag ihn ob er mit seinem Bohrer zufrieden ist und wenn ja, was das für ein Modell ist. Sag ihm, dass Du tagdarauf bei Deinem Arbeitsort in den Baumarkt gehen willst und Dir denselben Bohrer kaufen willst. Und dann frag ihn wo es in Eurer 60qm Wohnung Platz gibt für Deinen Bohrer. Frag ihn ob Du Deinen Bohrer auf seinen stellen kannst oder lieber sein Bohrer auf Deinen. Oder ob Du besser gleich sein Bohrer mit seinem Namen und Dein Bohrer mit Norma beschriften sollst.

Ist er halbwegs intelligent, dann müsste er auf Alternativideen kommen. Z.B. heute Räder wechseln und morgen hinfahren. Oder noch einfacher, dass Du erst dann einen neuen kaufst, wenn der alte kaputt geht.
Falls er mit derartigen Ideen brilliert, ich schätze dann musst ihn einfach ermutigen, so wie wenn es sein Einfall gewesen wäre. Je besser Du das machst (ermutigen oder gar belohnen), desto eher kannst Du mit weiteren guten Ideen rechnen.

Dieser Teil ist übrigens sehr wichtig, Du musst ihm Wertschätzung geben. Er hat doch eine Verantwortung Dir gegenüber. Er will, dass es Dir gut geht. Viel zu oft sehen wir das nur als Bürde, jedoch erst die Verantwortung gibt Deinem Mann Lebenssinn. Durch Deine Wertschätzung kannst Du dies vermitteln und ihm geben.
Nicht dass es nicht möglich wäre für eine Frau, aber Bohren ist irgendwie ein typisches Männerding. Ich kann es nicht wissen, jedoch das lässt mich schon vermuten er ist geradezu ausgetrocknet und provoziert Deine Wertschätzung auf diese Weise.

Falls das nicht funktioniert, vielleicht kannst Du auch beim Baumarkt einen Bohrer ausleihen. Da bin ich nicht sicher, ggf. zuerst anrufen. Aber dann sagst Du Deinem Mann dies mit dem Leihen erst hinterher. Sag ihm, dass Du enttäuscht bist von seinem Verhalten Dir in dieser Sache nicht zu helfen.

Noch zuvor würde ich aber wirklich mit ihm sprechen. Vielleicht fragen was Du für ihn alles tun musst, damit er das Problem wie auch immer innert Fristen löst.

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