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Beziehungskrise seit wir Eltern sind...

27. September 2011 um 17:19

Hallo alle ihr im Forum, ich habe den gleichen Thread vor ein paar Tagen schon mal im Schwangerschafts-und Babyforum veröffentlicht, bin aber von einigen so heftig angegangen worden, dass ich mein Pseudonym gelöscht habe...offenbar erwartet man dort von einer jungen Mama dass ihr permanent die Sonne aus dem Hintern scheint.

Zur Vorgeschichte: Ich bin seit 5 Jahren mit meinem Freund zusammen und waren uns von der Grundeinstellung her einig, dass wir mal eine Familie haben möchten. Das ist schneller eingetreten, als beabsichtigt, denn durch Medikamente wirkte meine Pille nicht mehr und dann gab es eine Kondompanne. So, und am 23.03.11 wurde unsere kleine Mia geboren. Die Schwangerschaft kam für uns beide also überraschend und natürlich haben wir uns darüber unterhalten, wie es weitergehen sollte. Wir wollten beide das Baby behalten und freuten uns nach dem ersten Schreck sehr. Finanziell haben wir keine Probleme, da mein Freund 31 ist und gut verdient. Ich war bis zur Geburt unserer Maus auf Teilzeit beschäftigt und studiere nebenher per Fernstudium.

Von meinen Stimmungsschwankungen mal abgesehen, verlebten wir während der Schwangerschaft eine schöne Zeit und ich hatte das Gefühl, dass unser Baby uns stärker zusammenschweißt. Ich hatte keine Riesenkugel und so war Sex sogar bis zum 8. Monat möglich. Klingt soweit alles gut...

Tja, seit Mia auf der Welt ist, ist alles anders. Mein Freund hat eine 180-Wendung gemacht. Er hat sich total von uns zurückgezogen, besonders von mir. Mit unserer Tochter geht er liebevoll um, trotzdem kümmert er sich nur um sie, wenn ich ihn nachdrücklich bitte.
Mich behandelt er, als ob ich eine ansteckende Krankheit hätte, küsst mich nicht mal mehr. Sex ist schon mal gar nicht drin. Zur Info: Ich hatte aus gesundheitlichen Gründen einen Kaiserschnitt unter Vollnarkose, er war also bei der Geburt nicht dabei.

Vor ein paar Wochen hielt ich es nicht mehr aus und sprach ihn auf diese Gefühlskälte zwischen uns an. Er druckste erst rum, bevor er mit der Sprache rausrückte. Er hätte sich "das alles" (=Familie) ganz anders vorgestellt. Man sei ja so eingeschränkt in allem und müsste immer erst einen Babysitter suchen, bevor man was unternehmen kann. Ja hallo - Oma wohnt halt nicht eben um die Ecke und dass das Leben mit einem 6Monate alten Baby ein bisschen Planung erfordert, ist wohl auch einem 31jährigen Mann klar!! Außerdem törnt ihn meine Figur seit der Geburt ab. Ich habe 11 kg zugenommen, wobei davon 7 schon wieder weg sind. Mein Bauch ist noch nicht ganz flach, aber nach einer OP geht das eben nicht so fix wie nach einer normalen Geburt...was ihn aber am meisten stört, sind meine Brüste (von B auf D), obwohl ich nicht stille. Er findet mein "Geschwabbel" unerotisch...dabei geb ich mir solche Mühe, nicht zur "Mutti" zu mutieren. Ich laufe nicht in weiten Jogginghosen und mit 0 Makeup rum und gehe 2mal die Woche sporteln (Fitnessstudio mit Kinderbetreuung).
Zum Glück ist Mia sehr lieb und so hab ich ab und an mal ein bisschen Zeit für mich...

Nun eine Frage an alle (besonders an die Eltern): Ist das Verhalten meines Freundes normal?! Wenn er so unglücklich mit seiner Vaterrolle ist, wieso wollte er dann bei mir und dem Baby bleiben?
Ich habe solche Angst vor einer Trennung und davor, dass er mir fremdgeht...muss ein Baby denn ein Trennungsgrund sein?

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27. September 2011 um 22:19


Hallo, danke für deine Antwort.
Na ja, ich hab auch in anderen Foren die Erfahrung gemacht, dass man sofort als Rabenmutter hingestellt wird, wenn man nicht postet, wie super und erfüllend alles ist, seit das Baby da ist. Da kamen nur Antworten wie:"Dein Baby ist gesund, das ist ja wohl das einzige was zählt. Belaste dich doch nicht mit diesem Beziehungskram, sondern geniess deine Zeit mit deiner Maus, dein Mann kriegt sich schon ein!" Toll, sehr hilfreich...manche haben meinen Text auch gar nicht richtig gelesen und motzten dann rum, dass ICH so figurbesessen sei...na ja, Gluckenmuttis eben.

Ja, es tut mir auch weh, dass mein Freund so reagiert... Ich finde, ich seh dafür dass ich vor 6 Monaten entbunden hab, gut aus!
Sein Verhalten schockiert mich richtig, denn er war früher nicht so figurfixiert. Na ja, liegt vielleicht auch daran, dass ich immer sehr schlank war (50 kg bei 1,70) und nun sind's halt 54, mein Gott! Ist ja nicht so, dass ich plötzlich ne Tonne bin.
Aber du hast recht, ich werd am Ball bleiben. Wollte ihn mal vorsichtig auf eine paartherapie ansprechen...

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28. September 2011 um 8:52

Ich steige mal nicht in dieses Freund-Bashing ein...
...das hilft Dir nämlich nicht weiter.

Fakt ist, daß sich eine Beziehung verändert, wenn ein Kind da ist. Auf einmal ist da jemand mehr, der volle Aufmerksamkeit und Liebe verlangt, und häufig ist es dann so, daß einer oder beide das Gefühl haben, irgendwie zu kurz zu kommen.

Sich auf diese Veränderungen mental vorzubereiten, ist schwierig. Dein Freund hat sich anscheinend alles etwas anders vorgestellt. Habt Ihr vorher darüber geredet, was anders sein wird, wenn das Baby da ist?

Meines Erachtens leidet Dein Freund darunter, daß ihr nicht mehr diese Gelegenheiten zur Zweisamkeit habt. Vielleicht fühlt er sich irgendwie zurückgesetzt, und es kann auch sein, daß er Eure Tochter als Konkurrenz um Deine Liebe wahrnimmt.
In diesem Zusammenhang würde ich auch seine Äußerungen zu Deinem Körper wahrnehmen. Der hat sich durch die Schwangerschaft verändert, und er hat jetzt wohl das Gefühl, Dein Körper wäre nicht mehr 'seine' Kuschelwiese, sondern die Eurer Tochter. Als meine Frau unsere Zwillinge gestillt hat, erging es mir ganz ähnlich - irgendwie war ihr Körper besetzt (ja, ich habe gelesen, daß Du nicht stillst, aber die Veränderungen Deines Körpers entstanden ja durch die Schwangerschaft).
Daß er jetzt behauptet, es läge an Deiner KÖRPERFORM würde ich nicht überbewerten. Männer schieben es oft auf das Aussehen einer Frau, wenn sie eigentlich die Beziehung meinen. Das liegt daran, daß Männer das nicht wirklich trennen können. Wenn ich mich mit meiner Frau mal gestritten habe, finde ich sie auch nicht gerade sexy - wenn wir mal schön aus waren und uns toll unterhalten haben, finde ich sie rattenscharf...

Was kann man tun? Zum einen denke ich, er sollte mehr Zeit mit Eurer Tochter verbringen und auch mal die Gelegenheit bekommen, sich mit ihr allein, ohne weibliche Aufsicht, zu beschäftigen. Er soll die Gelegenheit bekommen, ihr Liebe zu geben und von ihr auch Liebe zurück zu bekommen. Dann nimmt er sie weniger als Fremdkörper als als Bereicherung war.

Zum anderen braucht Ihr wohl mehr Zeit zu zweit, Zeit für Euch. Das heißt, auch wenn ihr gerade mal keinen Babysitter habt, abends, wenn die kleine schläft, nicht den Fernseher anmachen, sondern zusammensetzen, nette Musik anmachen, Euch unterhalten, vielleicht mal ein Spiel spielen, oder einfach nur Kuscheln...

Noch ein Trost: sobald die Kleine laufen kann und besser schläft, wird vieles einfacher...

LG, IAH

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28. September 2011 um 10:59

Danke
Danke für eure lieben Antworten.
Ja, die Erklärungen klingen plausibel, vor allem die von "issoabahallo". Nur eins möchte ich anmerken: Ich "beaufsichtige" meinen Freund nicht, wenn er sich mit Mia beschäftigt. Im Gegenteil, ich bin oft gar nicht dabei, da ich die Zeit dann zum Beine rasieren, Wäsche aufhängen etc. nutze...eben für Sachen, zu denen man nicht kommt, wenn die kleine Maus mal einen meckerigen Tag hat und nur Aufmerksamkeit haben will.
Und wenn ich ihm dann mal vorschlage, er soll was alleine mit ihr machen, spazieren gehen oder so, dann kommt bloß:"Och nö, mit wem soll ich mich denn da unterhalten?"
Und er liebt sie ja auch...wenn er heimkommt, erkundigt er sich als erstes nach ihr und fängt an zu strahlen, wenn er sie hochnimmt. Kann sein, dass er eben noch nicht so viel mit ihr anzufangen weiß...

Anfangs hab ich mir wirklich Mühe gegeben, Zeit für uns zwei zu schaffen. Nur mit einem kleinen Baby kann man eben nicht um 18 Uhr spontan beschließen, um 20 Uhr ins Kino zu fahren. Da braucht man eben ein oder zwei Tage vorher, um einen Babysitter zu organisieren. Das scheint mein Freund nicht zu kapieren und hat deshalb immer einen Streit angezettelt und war dann während der Unternehmungen so mies drauf, dass ich in letzter Zeit überhaupt keine Lust mehr habe, was mit ihm zu machen.
Und nun befinden wir uns wohl in einem Teufelskreis: Er fühlt sich vernachlässigt, ich fühl mich ungeliebt, habe aber keine Kraft mehr, was an der Situation zu ändern...

Ich hab wirklich schon überlegt, ob ich meine Schwiegermutter einweihen und sie um Unterstützung bitten soll, damit ich mal ein paar Tage wegfahren/fliegen kann...mein Freund hat Ende November 2 Wochen Urlaub. Dann sieht er mal, wie es ist, alleine zu sein mit Mia...vielleicht wacht er dann auf.

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28. September 2011 um 11:28

Das kenne ich
wobei sich bei mir diese Problem erst beim zweiten Kind so extrem eingestellt haben.
Er hat sich auch zurück gezogen und körperliche Nähe gab es auch so gut wie kaum noch, d.h. Küsse schon gar nicht und sex eigentlich nur wenn...naja wenn Mann halt muss *gg*
aber ansonsten war es eher kalt zwischen uns... später war er nur noch weg ...
ich denke dass die Männer schon Kinder wollen, aber die Veränderungen die mit einem Kind kommen wollen sie und sie haben es da ja auch gut, sie können kommen und gehen wann sie wollen..
sie wollen ihre Freiheit zurück. Es wird schon so sein, dass dein Freund seine Tochter liebt aber er wird diese Freiheit vermissen, weggehen wann man will und spontan ohne dass man erst scheuen muss wer auf das Kind aufpasst und dann ist die Mutter am Anfang auch noch sehr nervös weil sie dann mit ihren Gedanken meist dem Kind ist usw.
Und warum er ein Problem mit deiner Figur hat..weiß ich auch nicht.....
Das Problem bei der ganzen Sache ist, dass dich diese Situation fertig macht und ich würde dir empfehlen vielleicht mal ein paar Tage zu deinen Eltern zu fahren oder zu einer Freundin......
Ich habe diese Situation zum Schluss nicht mehr ausgehalten und bin mit meinen Kindern gegangen....a
aber ich wünsche Dir, dass ihr das hinbekommt aber lass dich nicht von ihm fertig machen.

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28. September 2011 um 19:41

Oh wei...
...das klingt aber alles gar nicht gut. Ich habe es schon oft gehört und vereinzelt selbst im Bekanntenkreis erlebt, dass ausgerechnet manche Männer die Veränderungen durch ein Kind nicht "verkraften" - allerdings handelt es sich bei den Müttern um die typischen Übermuttis, die sich nur noch über ihren Nachwuchs definieren. Du scheinst aber gar nicht so zu sein.
Wie unreif und verletzend sich dein Freund benimmt, haben schon andere zu genüge bemerkt. Ich glaube, dass er durch seine Kritik an deiner Figur (ich hab übrigens in etwa deine Maße, bis auf die Oberweite, und hab KEIN Kind ) nur seine Unzufriedenheit zum Ausdruck bringt.

Ob es so eine gute Idee wäre, einfach wegzufahren und deinem Freund die Kleine zu überlassen, weiß ich nicht. Wenn er sich wirklich so wenig mit seiner Vaterrolle identifizieren kann, fühlt er sich möglicherweise von dir hintergangen und überfahren und alles wird noch schlimmer.
Und wenn du eure Tochter mitnimmst, in der Hoffnung, dass er dann realisiert, was er eigentlich an euch beiden hat, läufst du Gefahr, dass er durch seine "neue, alte Freiheit" auf den Geschmack kommt und alles hinwirft.

Wie wäre es denn, wenn ihr beide wegfahrt in seinem Urlaub? Dann habt ihr fernab vom Alltag Zeit für euch und könnt euch in Ruhe aussprechen.
Und vielleicht reserviert ihr euch einen festen Tag in der Woche, wo nur ihr beide was macht. Das ist dann zwar nicht spontan, aber dann braucht dein Freund sich nicht "vernachlässigt" zu fühlen...

Mehr kann ich dir leider auch nicht raten... Alles Gute!

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4. Oktober 2011 um 16:40

Hallo
Hallo an alle, die mir so liebe Ratschläge gegeben haben.
Tja, wir haben uns erst mal eine "Beziehungspause" gegönnt, nachdem ein Streit am Samstag eskaliert ist. Er wohnt nun bei seinem Bruder. Ich hoffe, dass wir beide ein bisschen zur Ruhe kommen. Denn so kann es nicht weitergehen, allein schon wegen Mia...

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5. Oktober 2011 um 16:46

Och mensch, du Arme...
...das klingt, als hättest du plötzlich unerwartet gleich 2 Kinder am Hals.

Ich kann total verstehen, dass du ziemlich am Ende bist mit deinem Latein- ich finde, man kann rauslesen, wieviel Mühe du dir gibst und wie wenig unterstützend -eher zusätzlich belastend- das Verhalten deines Freundes gerade für dich ist.
Klingt auch wirklich nicht sonnig- mein Eindruck ist, dass der einfach noch völlig schockig ist und die große und tiefgreifende Veränderung, die ein Kind bedeutet, noch überhaupt nicht verdaut hat.

Aus dem, was ich so in meinem Bekanntenkreis sehe, ist das, glaube ich, grad' bei einer ungeplanten Schwangerschaft aber gar nicht so selten- auch bei Männern Ü30 und auch, wenn in Babyforen meist angeblich alles Eiapopeia ist (bedenke: es gibt ja auch noch ein paar Mütter dort draußen, die da nicht 24-7 posten... ).

Ich glaub' viele Männer haben im Vorfeld generell viel, viel weniger Vorstellung davon, was das Leben mit einem Kind konkret bedeutet; oft haben sie noch niemals wirklich ein Kind gesittet (im Gegensatz zu den meisten Frauen) und auch keine große emotionale connection zu Babys und Kleinkindern.
Zudem erleben sie eine Schwangerschaft halt nicht "am eigenen Leib", sondern aus der Distanz- und nach der Geburt häufiger das, was Frauen z.B. nach medizinisch erforderlicher Trennung vom Kind & Komplikationen mitunter auch erleben: Nämlich, dass sie null "Mutter-", respektive "Vater-Gefühle" haben und sich kreuzunglücklich fühlen, obwohl sie sich eigentlich total aufs Kind gefreut hatten.

Während ich mich früher oft gefragt hab', was frischgebackene Väter eigentlich so oft am Jammern sind über ihre plötzliche "Unfreiheit", wo sie doch auf den ersten Blick i.d.R. deutlich weniger Einschränkungen haben als die zugehörigen Mütter, kann ich das mittlerweile irgendwie besser nachvollziehen: Sie stehen oft halt irgendwie auch "dabei" und wissen nicht so recht, was ihre sogenannte "Rolle" jetzt eigentlich genau beinhaltet.
Und fühlen sich in ihr auch nicht kompetent, sondern eher mächtig schissig (Was ich manchmal auch echt nicht vermunderlich finde- hast du z.B. mal beobachtet, wie es ist, wenn ein jüngerer Vater mit einem schreienden Baby einen Bus betritt? Der arme Kerl kann keinen Handgriff tun; ohne dass er dabei von vier Frauen beratschlagt wird & spätestens nach 2 Minuten befindet eine ältere Dame gütig, das Kind "vermisse seine Mama"... ).

Dein Freund ist überhaupt noch nicht im Vatersein angekommen.
Der lebt mit einem furchteinflößenden, ständig Aufmerksamkeit fordernden und schwer zu bedienendem "Wesen", das irgendwie aus Sex entstanden ist und jetzt permanent an seiner Freundin zu hängen scheint. Und mit einer Frau, deren Brüste ihn daran erinnern, dass die jetzt verwirrender Weise zusätzlich auch noch Mutter ist- er selbst aber irgendwie noch nicht so ganz Vater; wofür er sich möglicherweise schuldig fühlt...

Das heißt nicht, dass er dich nicht liebt oder das Baby nicht will- der kommt emotional gerade generell nicht klar. Ich würde versuchen, nicht gleich abzudrehen; aber deutlich zu machen, dass du diese Beziehung möchtest und er dir -auch und gerade- als Partner fehlt. Und ihm vllt. auch sagen, dass du echt Angst vor Trennung kriegst und ihn bitten, es mit dir durchzurocken- wenn es so bleibt, wäre Therapie vermutlich wirklich nicht das Schlechteste.
Aber 6 Monate ist auch noch keine lange Zeit. Ich würd's erstmal mit gemeinsamer Paarzeit und konkreter Aufgabenteilung im Hinblick aufs Kind probieren (also Dinge, die "sein" Verantwortungsbereich sind). Und hat er noch andere Väter im Freundeskreis? ?

Der Mann meiner Freundin bringt z.B. die Kleine ins Bett, wenn sie zum Sport geht- da sie bei ihm aber erst schläft, wenn er sie ewig rumgetragen hat, geht er dazu mittlerweile vorher mit 'nem Bekannten aus der Nachbarschaft spazieren, der praktischerweise exakt dasselbe Problem hat.
Die schnallen sich dann die Kurzen vor den Bauch, trinken gemütlich ein Bierchen und klagen sich ausgiebig ihr Leid & lassen sich gemeinsam von der Nachbarschaft maßregeln.

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5. Oktober 2011 um 19:28
In Antwort auf sue1977

Och mensch, du Arme...
...das klingt, als hättest du plötzlich unerwartet gleich 2 Kinder am Hals.

Ich kann total verstehen, dass du ziemlich am Ende bist mit deinem Latein- ich finde, man kann rauslesen, wieviel Mühe du dir gibst und wie wenig unterstützend -eher zusätzlich belastend- das Verhalten deines Freundes gerade für dich ist.
Klingt auch wirklich nicht sonnig- mein Eindruck ist, dass der einfach noch völlig schockig ist und die große und tiefgreifende Veränderung, die ein Kind bedeutet, noch überhaupt nicht verdaut hat.

Aus dem, was ich so in meinem Bekanntenkreis sehe, ist das, glaube ich, grad' bei einer ungeplanten Schwangerschaft aber gar nicht so selten- auch bei Männern Ü30 und auch, wenn in Babyforen meist angeblich alles Eiapopeia ist (bedenke: es gibt ja auch noch ein paar Mütter dort draußen, die da nicht 24-7 posten... ).

Ich glaub' viele Männer haben im Vorfeld generell viel, viel weniger Vorstellung davon, was das Leben mit einem Kind konkret bedeutet; oft haben sie noch niemals wirklich ein Kind gesittet (im Gegensatz zu den meisten Frauen) und auch keine große emotionale connection zu Babys und Kleinkindern.
Zudem erleben sie eine Schwangerschaft halt nicht "am eigenen Leib", sondern aus der Distanz- und nach der Geburt häufiger das, was Frauen z.B. nach medizinisch erforderlicher Trennung vom Kind & Komplikationen mitunter auch erleben: Nämlich, dass sie null "Mutter-", respektive "Vater-Gefühle" haben und sich kreuzunglücklich fühlen, obwohl sie sich eigentlich total aufs Kind gefreut hatten.

Während ich mich früher oft gefragt hab', was frischgebackene Väter eigentlich so oft am Jammern sind über ihre plötzliche "Unfreiheit", wo sie doch auf den ersten Blick i.d.R. deutlich weniger Einschränkungen haben als die zugehörigen Mütter, kann ich das mittlerweile irgendwie besser nachvollziehen: Sie stehen oft halt irgendwie auch "dabei" und wissen nicht so recht, was ihre sogenannte "Rolle" jetzt eigentlich genau beinhaltet.
Und fühlen sich in ihr auch nicht kompetent, sondern eher mächtig schissig (Was ich manchmal auch echt nicht vermunderlich finde- hast du z.B. mal beobachtet, wie es ist, wenn ein jüngerer Vater mit einem schreienden Baby einen Bus betritt? Der arme Kerl kann keinen Handgriff tun; ohne dass er dabei von vier Frauen beratschlagt wird & spätestens nach 2 Minuten befindet eine ältere Dame gütig, das Kind "vermisse seine Mama"... ).

Dein Freund ist überhaupt noch nicht im Vatersein angekommen.
Der lebt mit einem furchteinflößenden, ständig Aufmerksamkeit fordernden und schwer zu bedienendem "Wesen", das irgendwie aus Sex entstanden ist und jetzt permanent an seiner Freundin zu hängen scheint. Und mit einer Frau, deren Brüste ihn daran erinnern, dass die jetzt verwirrender Weise zusätzlich auch noch Mutter ist- er selbst aber irgendwie noch nicht so ganz Vater; wofür er sich möglicherweise schuldig fühlt...

Das heißt nicht, dass er dich nicht liebt oder das Baby nicht will- der kommt emotional gerade generell nicht klar. Ich würde versuchen, nicht gleich abzudrehen; aber deutlich zu machen, dass du diese Beziehung möchtest und er dir -auch und gerade- als Partner fehlt. Und ihm vllt. auch sagen, dass du echt Angst vor Trennung kriegst und ihn bitten, es mit dir durchzurocken- wenn es so bleibt, wäre Therapie vermutlich wirklich nicht das Schlechteste.
Aber 6 Monate ist auch noch keine lange Zeit. Ich würd's erstmal mit gemeinsamer Paarzeit und konkreter Aufgabenteilung im Hinblick aufs Kind probieren (also Dinge, die "sein" Verantwortungsbereich sind). Und hat er noch andere Väter im Freundeskreis? ?

Der Mann meiner Freundin bringt z.B. die Kleine ins Bett, wenn sie zum Sport geht- da sie bei ihm aber erst schläft, wenn er sie ewig rumgetragen hat, geht er dazu mittlerweile vorher mit 'nem Bekannten aus der Nachbarschaft spazieren, der praktischerweise exakt dasselbe Problem hat.
Die schnallen sich dann die Kurzen vor den Bauch, trinken gemütlich ein Bierchen und klagen sich ausgiebig ihr Leid & lassen sich gemeinsam von der Nachbarschaft maßregeln.

Hallo
Vielen Dank für deine tolle, lange Antwort!
Ja, ich frage mich auch, wie manche Mütter hier im Babyforum den ganzen Tag online sein können, und das mit teilweise 2 Kindern...also, Mia ist ja schon ein sehr liebes Kind, aber das würd ich zeitlich nicht auf die Reihe bekommen.
Deine Erklärungen klingen plausibel...aber weißt du, ich hab ihn so oft darauf angesprochen und nie hat er was von seinen Gefühlen preisgegeben, sollte er denn wirklich "nur" mit seiner Vaterrolle überfordert sein. Dabei war ich nicht mal vorwurfsvoll und habe immer versucht, ihm seine Tochter "schmackhaft" zu machen. (Wie das klingt...) Habe mich auch mal bewusst zurückgehalten, wenn etwas gemacht werden musste (obwohl es mir das Herz zerrissen hat, sie schreien zu lassen)...

Wir haben keine Paare mit Kindern im Freundeskreis. Und na ja, meistens wird ja dann nach außen hin Happy Family gespielt (haben wir ja auch gemacht, nur unseren engsten Freunde wissen von unseren Problemen).
Am Samstag ist ein Streit eskaliert und er ist vorübergehend zu seinem Bruder gezogen. Ich glaube, diese Auszeit wird uns guttun und wir können beide runterkommen. Ich für meinen Teil möchte diese Beziehung nicht aufgeben, nur brauche ich für die "Rettung" die Hilfe meines Freundes. Ich liebe ihn nunmal, trotz allem.

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