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Beziehungsende wegen Fremdverliebtheit und Vertrauensproblemen?

1. Juni um 22:22

Hallo ihr Lieben, ich bin neu hier im Forum und hoffe, ich schreibe hier richtig rein. Ich bin in meiner aktuellen Situation etwas überfragt und habe gehofft, dass jemand unter euch eventuell ein paar gute Ratschläge hat. 

Ich bin seit nunmehr 4 Jahren mit meinem Freund zusammen, wir sind beide Mitte 20. Wir führen von Beginn an eine Fernbeziehung, da wir uns kennengelernt haben, als wir beide gerade in unterschiedliche Städte gezogen sind. Unsere Beziehung hatte definitiv ihre Höhen und Tiefen. Alles in allem würde ich aber behaupten, dass sie sehr gut war. Wir können sehr gut über unsere Gefühle reden, sind unglaublich vertraut und sind beide der festen Überzeugung, mit keinem Menschen zuvor eine so enge und intime Verbindung gehabt zu haben. Ein paar Probleme haben wir allerdings auch immer in der Beziehung gehabt. Für mich ist es meine erste Beziehung, für meinen Partner bereits die 2. ernsthafte. Insbesondere am Anfand habe ich darunter sehr zu leiden gehabt, da ich schwer damit umgehen konnte, dass vor mir jemand da war und vor ihm nicht - ich habe ja keinen Vergleich. Das wurde auch dadurch erschwert, dass er darüber sehr wenig und zurückhaltend geredet hat und mir im ersten Jahr unserer Beziehung auch einmal ein Treffen mit seiner Ex-Freundin vorenthalten hat. Bei dem Treffen ist nichts vorgefallen und es hat nicht alleine, sondern im gemeinsamen früheren Freundeskreis stattgefunden und er wollte es mir nicht so erzählen, da er Angst hatte, dass dies meine Ängste und Unsicherheiten nur bestärkt. Danach hatten wir jedoch mehrere Konflikte über diesen Umgang, da mir Ehrlichkeit in einer Beziehung sehr wichtig ist und ich das Gefühl habe, dass er zwar nicht unehrlich ist, aber manchmal einen komischen Umgang mit solchen Themen hat und mich daher nicht so wirklich mit einbezieht. Für mich war das damals ein erster Vertrauensbruch. Diese Geschichte haben wir allerdings mittlerweile ok überwunden und die Kommunikation ist auch besser geworden.
Ein wirkliches Problem ist mitunter die Fernbeziehung, die uns beiden auf unterschiedliche Arten und Weisen schwer fällt. Was allerdings alles etwas schwerer macht, ist, dass mein Freund teilweise unglaubliche Bindungsängste hat. Er liebt mich und er möchte Zeit mit mir verbringen und er möchte bewusst mit mir zusammen sein, aber Themen, die weiter in die Zukunft gehen stressen ihn sehr und er weicht aus. Aufgrund dieses Problems hatten wir vor ca. einem Jahr eine einmonatige Beziehungspause, da er für sich herausfinden wollte, wie es ihm damit geht. Wir haben uns nach der Pause aber zusammengerauft und haben wirklich eine sehr sehr intensive und vertraute Beziehung geführt. Ich habe die Beziehungspause damals in Kauf genommen, wollte für mich aber eine rote Linie ziehen. Nun haben wir uns am Wochenende das erste Mal seit Mitte März - aufgrund der Corona-Krise - wiedergesehen und uns am Anfang sehr gut verstanden. Irgendwann kamen jedoch wieder seine Bindungsängste hoch. Er sagte, er ertrage die Fernbeziehung momentan schlecht, da wir uns so selten sehen (was m.E. ja dem äußeren Umstand der Corona-Krise geschuldet war und sich nun wieder ändern sollte), er aber auch Probleme habe, sich vorzustellen, dass wir sehr bald zusammenziehen. Er hat schon letztes Jahr und jetzt auch wieder die Angst geäußert, in so jungen Jahren in einer so festen Beziehung etwas zu verpassen, da sein studentisches Umfeld ganz anders drauf ist. Außerdem hat er Angst, dass ich mehr für ihn epmfinde als er für mich und hat bemerkt, dass sich seine Gefühle für mich verändert haben. Wir haben dann aber viel geredet und als ich ihn nochmal in den Arm genommen habe meinte er, dass sobald ich ihn anschaue oder anfasse, die ganzen Ängste auf einmal weg sind und er das in seinem Kopf zu so großen Ängsten macht. Er hat mir allerdings noch gestanden, dass er vor zwei Jahren Gefühle für eine seiner ehemaligen Mitbewohnerinnen entwickelt hat. Sobald er das bemerkt hat, hat er wohl sofort den Kontakt minimiert und sich überlegt, auszuziehen. Im Endeffekt ist sie schließlich ausgezogen. Er konnte mir die Art der Gefühle nicht genau schildern, aber er meinte, er hätte niemals unsere Beziehung in Frage gestellt und wollte diese Gefühle nicht, hat sich für sie geschämt, da er mit mir zusammen sein wollte. Er hat die Person ca. ein Jahr später nochmal kurz gesehen und dabei gemerkt, dass gar keine Gefühle mehr da sind. Damals hatte ich keine Ahnung davon.

Wir haben uns nach diesen langen Gesprächen irgendwie teilweise wieder zusammengerauft und auch ein bisschen gekuschelt und über andere Sachen geredet und es war auch schön. Besonders die von ihm geschilderten Ängste hat er auch wieder in Teilen zurückgenommen und meinte, es wäre einfach sehr schwer und komplex in ihm. Da ich bald mit meinem Studium fertig bin haben wir überlegt, für ein Praktikum oder ähnliches näher zusammen zu ziehen.

Ich wollte das alles so akzeptieren, aber mir ist aufgefallen, dass mir manche Dinge sehr schwer fallen. Insbesondere die Schwärmerei oder Verliebtheit für seine Mitbewohnerin geht mir nicht aus dem Kopf. Ich selbst habe in meiner Beziehung noch nie Gefühle für einen anderen Menschen entwickelt und fühle mich durch seine Gefühle für sie irgendwie austauschbar, unsere Beziehung fühlt sich für mich weniger einzigartig an. In der Retrospektive fühle ich mich irgendwie belogen, da sie zusammengelebt haben (was ja super intim ist, das haben wir bisher nicht getan) und er mich nicht darüber informiert hat. Gleichzeitig denke ich rational, dass es vermutlich schon möglich ist, Gefühl für jemand anderen zu entwickeln und er sich schließlich direkt für mich entschieden hat. Auf meine Nachfrage meinte er auch, dass die Gefühle für seine Mitbewohnerin zu keinem Zeitpunkt annähernd so stark wie für mich gewesen wären und ihre WG-Beziehung recht oberflächlich war, weil er das eben auch so wollte. Dennoch bin ich sehr gekränkt von diesen Gefühlen und der Situation.
Gerade in Hinblick auf die von ihm geschilderten Ängste und Sorgen habe ich Angst, dass das ein Vorbote sein könnte und seine Ängste davor, sich eine konkrete Zukunft mit mir auszumalen, eben auch in solchen Gefühlen für andere Menschen ihren Niederschlag finden könnten. Ich habe Angst, dass ich doch anders für ihn empfinde als er für mich und unsere Beziehung nur funktioniert, weil ich irgendwie seine ganzen Sorgen und Nöte selbstlos akzeptiere und ich, wenn ich diese Beziehung weiterführe, irgendwann damit auf die Schnauze fliege. Diese Fernbeziehung ist eben auch kräftezehrend - was für eine gute Beziehung ok ist, aber ich weiß nicht mehr, ob unter diesen Vorzeichen auch. Auch bin ich mir gerade nicht so sicher, wie sehr ich ihm Vertrauen kann, da er mir schließlich schon mehrere Sachen in unserer Beziehung vorenthalten hat. 
Gleichzeitig kann ich mir irgendwie einfach nicht vorstellen, mich zu trennen. Ich weiß, dass unsere Beziehung anstrengend sein kann und wir auch teilweise sehr unterschiedliche Menschen sind und sich unsere Leben häufig wie Parallelleben anfühlen. Gleichzeitig genieße ich aber die Zeit mit ihm, er bringt mich zum Lachen und ich fühle mich lebendig. Durch all den Stress fühle ich mich allerdings in dieser Leichtigkeit beraubt und bin mir nicht sicher, ob vielleicht manches nicht mehr "heilbar" ist. 

Ich habe mit zwei Leuten darüber geredet, die die Situation komplett gegensätzlich eingeschätzt haben und merke, dass ich nicht mit anderen Freundinnen darüber reden möchte, weil alle irgendwie Partei ergreifen wollen. Daher frage ich hier: Vielleicht habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht oder gute Tipps?
Vielen Dank!

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