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Beziehung zu Rollstuhlfahrer - Austausch gesucht

29. März 2009 um 19:16

hallo zusammen,

ich bin noch nicht lange mit einem rollstuhlfahrer zusammen (gelähmt durch querschnittlämung para, unfall) und das ganze ist auf der beziehungs-ebene sehr neu für mich.
ich hatte schon öfter kontakt zu menschen mit behinderungen, aber so ist es noch mal etwas ganz anderes.
zum beispiel mache ich mir ständig gedanken, etwas dummes zu sagen bzw mich dämlich zu benehmen. sodass er sich von mir bemuttert oder bevormundet fühlen könnte. das will ich natürlich auf gar keinen fall und so soll es auch nicht ankommen.

ich weiß, dass diese methode nicht die allerbeste ist. besser wäre es, ihn einfach zu fragen und mit ihm über meine gedanken zu sprechen.
nur leider fällt mir das sehr schwer.

deshalb meine idee, ob es hier vielleicht frauen gibt, die eine beziehung zu einem rollifahrer haben und sich gerne austauschen würden? oder vielleicht mag auch ein rollifahrer selbst seinen senf dazu geben, hauptsache jemand, der erfahrung mit einer solchen situation hat

ich denke das wäre eine super sache
ich hoffe, jemand meldet sich.
liebe grüße
lielan

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31. März 2009 um 19:44

Rollifahrer
Hi,

habe eine Freundin, die gelegenlich im Rolli sitzt. Meine Erfahrung: Nichts ist schlimmer für einen Rollifahrer als behandelt zu werden wie ein Exot. Gehe mit ihm um wie mit einem Gesunden (er ist ja nicht krank). Nimm ihm möglichst wenig ab, er braucht die Bestätigung, vieles alleine auf die Reihe zu kriegen. Nur wenn er was gar nicht kann, unterstütze ihn, so weit wie nötig.
Und sprich mit ihm. Möglichst unbefangen. Über alles. Auch wenns schwer fällt. Fang klein an. Reden macht vieles in der Beziehung leichter. Du wirst sehen, es wird euch gut tun. Schon viele Beziehungen sind durch zuwenig Reden kaputt gegangen.

Mist, lauter Imperative. Ich hoffe, du verstehst mich.

Lieben Gruß

Schabernacker

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31. März 2009 um 20:46
In Antwort auf alaric_12929412

Rollifahrer
Hi,

habe eine Freundin, die gelegenlich im Rolli sitzt. Meine Erfahrung: Nichts ist schlimmer für einen Rollifahrer als behandelt zu werden wie ein Exot. Gehe mit ihm um wie mit einem Gesunden (er ist ja nicht krank). Nimm ihm möglichst wenig ab, er braucht die Bestätigung, vieles alleine auf die Reihe zu kriegen. Nur wenn er was gar nicht kann, unterstütze ihn, so weit wie nötig.
Und sprich mit ihm. Möglichst unbefangen. Über alles. Auch wenns schwer fällt. Fang klein an. Reden macht vieles in der Beziehung leichter. Du wirst sehen, es wird euch gut tun. Schon viele Beziehungen sind durch zuwenig Reden kaputt gegangen.

Mist, lauter Imperative. Ich hoffe, du verstehst mich.

Lieben Gruß

Schabernacker

Du hast recht..
hallo schabernacker,
danke für deine antwort.
ich weiß was du meinst und das allerletzte, was ich möchte, ist ja auch, ihm das gefühl zu geben, unselbstständig wie ein kleines kind zu sein. das ist er überhaupt nicht. gerade auf die behinderung bezogen braucht er eigentlich null hilfe.
das "problem" ist nur, dass ich generell jemand bin, der sich gern "kümmert", wenn mir jemand am herzen liegt. das heißt, es jemandem schön machen, fragen, ob er etwas braucht. ihm zum beispiel etwas aus der küche holen, auch wenn er es selbst tun könnte - einfach kleine nettigkeiten, die mir persönlich wichtig sind.
bisher wussten meine "opfer" das auch zu schätzen und es kam als die liebevolle geste an, als die es gedacht war.
ich habe nur angst, dass er es falsch versteht, weil er es auf seine behinderung beziehen könnte.
ich denke, so ein verhalten hat eine ganz andere bewirkung ist, wenn man es "gewöhnt" ist, ungewollt bemuttert zu werden.
ich weiß, dass er es hasst, vom fremden unpassenderweise hilfe angeboten zu bekommen oder gar bemitleidet zu werden - was ja auch nachvollziehbar ist.

zu deinem tipp, offen miteinander zu reden. natürlich hast du recht, vollkommen recht.
wenn das nur so einfach wäre
mir fällt das furchtbar schwer, "unbefangen" ist mir ein fremdwort. einfach weil ich jemand bin, der sich dreitausend gedanken macht und immer zu viele sorgen als zu wenig. gerade bevor ich etwas auspreche, denke ich 5mal drüber nach, wie das ankommen könnte. je wichtiger das thema für mich ist, umso schlimmer.

ist schon nicht leicht mit mir, ich glaube ich bin die behinderte in dieser beziehung *lach*

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31. März 2009 um 21:57
In Antwort auf lupita_11927419

Du hast recht..
hallo schabernacker,
danke für deine antwort.
ich weiß was du meinst und das allerletzte, was ich möchte, ist ja auch, ihm das gefühl zu geben, unselbstständig wie ein kleines kind zu sein. das ist er überhaupt nicht. gerade auf die behinderung bezogen braucht er eigentlich null hilfe.
das "problem" ist nur, dass ich generell jemand bin, der sich gern "kümmert", wenn mir jemand am herzen liegt. das heißt, es jemandem schön machen, fragen, ob er etwas braucht. ihm zum beispiel etwas aus der küche holen, auch wenn er es selbst tun könnte - einfach kleine nettigkeiten, die mir persönlich wichtig sind.
bisher wussten meine "opfer" das auch zu schätzen und es kam als die liebevolle geste an, als die es gedacht war.
ich habe nur angst, dass er es falsch versteht, weil er es auf seine behinderung beziehen könnte.
ich denke, so ein verhalten hat eine ganz andere bewirkung ist, wenn man es "gewöhnt" ist, ungewollt bemuttert zu werden.
ich weiß, dass er es hasst, vom fremden unpassenderweise hilfe angeboten zu bekommen oder gar bemitleidet zu werden - was ja auch nachvollziehbar ist.

zu deinem tipp, offen miteinander zu reden. natürlich hast du recht, vollkommen recht.
wenn das nur so einfach wäre
mir fällt das furchtbar schwer, "unbefangen" ist mir ein fremdwort. einfach weil ich jemand bin, der sich dreitausend gedanken macht und immer zu viele sorgen als zu wenig. gerade bevor ich etwas auspreche, denke ich 5mal drüber nach, wie das ankommen könnte. je wichtiger das thema für mich ist, umso schlimmer.

ist schon nicht leicht mit mir, ich glaube ich bin die behinderte in dieser beziehung *lach*

Bemuttern...
... ja das kenne ich. Ich kann manchmal auch so sein. Helfersyndrom nennen das manche. Mir kommt da ein leiser Verdacht: Kann es sein, dass du dich oft lieber um andere kümmerst als um dich? Wenn das so ist, achte mal drauf. Vielleicht solltest du öfter mal deine Aufmerksamkeit auf dich selbst richten. Lässt du es dir ab und zu auch mal selbst richtig gut gehen? Das pusht ungemein. Und je wohler du dich fühlst, desto besser kanns auch in der Partnerschaft laufen, denn dein Freund bemerkt deine positivere Ausstrahlung und gleichzeitig hast du ihn ein bisschen weniger betüttelt. Was meinst du dazu?

Gruß

S.

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31. März 2009 um 23:02
In Antwort auf alaric_12929412

Bemuttern...
... ja das kenne ich. Ich kann manchmal auch so sein. Helfersyndrom nennen das manche. Mir kommt da ein leiser Verdacht: Kann es sein, dass du dich oft lieber um andere kümmerst als um dich? Wenn das so ist, achte mal drauf. Vielleicht solltest du öfter mal deine Aufmerksamkeit auf dich selbst richten. Lässt du es dir ab und zu auch mal selbst richtig gut gehen? Das pusht ungemein. Und je wohler du dich fühlst, desto besser kanns auch in der Partnerschaft laufen, denn dein Freund bemerkt deine positivere Ausstrahlung und gleichzeitig hast du ihn ein bisschen weniger betüttelt. Was meinst du dazu?

Gruß

S.

Helfersyndrom
danke für deine schnelle antwort.
früher war es schon ähnlich dem,wie du es beschreibst. erst die anderen, dann ich.. wenn überhaupt.
mittlerweile achte ich aber auch sehr auf mich selbst und mein wohlbefinden. weil es sich in der vergangenheit stark bemerkbar gemacht hat, wenn das zu kurz kam.
wenn ich heute jemanden "betüdel" ist das wirklich nur bei besonderen menschen und als zeichen meiner zuneigung. mein freund ist ja prinzipiell auch so. zumindest bei mir achtet er sehr darauf, dass es mir gut geht.e ben auch durch kleinigkeiten.
an sich bzw für mich ist diese art, mich kümmern zu wollen kein problem - irgendwo bin ich so. und ich kanns mir eigentlich auch nicht verkneifen.
nur in seinem fall hat das einen ganz anderen geschack finde ich.
ich habe irgendwo das horrosszenario vor augen, er könnte dadurch irgendwann mal denken, ich seh wegen nem helfersyndrom mit ihm zusamen oder aus mitleid - die vorsrellung ist furchtbar.

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1. April 2009 um 1:09
In Antwort auf lupita_11927419

Helfersyndrom
danke für deine schnelle antwort.
früher war es schon ähnlich dem,wie du es beschreibst. erst die anderen, dann ich.. wenn überhaupt.
mittlerweile achte ich aber auch sehr auf mich selbst und mein wohlbefinden. weil es sich in der vergangenheit stark bemerkbar gemacht hat, wenn das zu kurz kam.
wenn ich heute jemanden "betüdel" ist das wirklich nur bei besonderen menschen und als zeichen meiner zuneigung. mein freund ist ja prinzipiell auch so. zumindest bei mir achtet er sehr darauf, dass es mir gut geht.e ben auch durch kleinigkeiten.
an sich bzw für mich ist diese art, mich kümmern zu wollen kein problem - irgendwo bin ich so. und ich kanns mir eigentlich auch nicht verkneifen.
nur in seinem fall hat das einen ganz anderen geschack finde ich.
ich habe irgendwo das horrosszenario vor augen, er könnte dadurch irgendwann mal denken, ich seh wegen nem helfersyndrom mit ihm zusamen oder aus mitleid - die vorsrellung ist furchtbar.

Das hört sich so schlecht nicht an
Hi Lielan,

wenn Ihr beide umeinander bemüht seid, habt ihr doch schon mal eine gute Grundlage. Dein Horrorszenario kann ich aber gut verstehen. Oft schwingt unausgesprochen die Angst mit, dass man dem Partner nicht gut genug ist. Da hilft wirklich nur Offenheit. Und: Seid zärtlich miteinander. Verwöhnt einander. Das schafft Nähe, Geborgenheit und Vertrautheit. Dann, meine ich, hat die Angst keine Chance.

Lieben Gruß

S.

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1. April 2009 um 6:24
In Antwort auf lupita_11927419

Du hast recht..
hallo schabernacker,
danke für deine antwort.
ich weiß was du meinst und das allerletzte, was ich möchte, ist ja auch, ihm das gefühl zu geben, unselbstständig wie ein kleines kind zu sein. das ist er überhaupt nicht. gerade auf die behinderung bezogen braucht er eigentlich null hilfe.
das "problem" ist nur, dass ich generell jemand bin, der sich gern "kümmert", wenn mir jemand am herzen liegt. das heißt, es jemandem schön machen, fragen, ob er etwas braucht. ihm zum beispiel etwas aus der küche holen, auch wenn er es selbst tun könnte - einfach kleine nettigkeiten, die mir persönlich wichtig sind.
bisher wussten meine "opfer" das auch zu schätzen und es kam als die liebevolle geste an, als die es gedacht war.
ich habe nur angst, dass er es falsch versteht, weil er es auf seine behinderung beziehen könnte.
ich denke, so ein verhalten hat eine ganz andere bewirkung ist, wenn man es "gewöhnt" ist, ungewollt bemuttert zu werden.
ich weiß, dass er es hasst, vom fremden unpassenderweise hilfe angeboten zu bekommen oder gar bemitleidet zu werden - was ja auch nachvollziehbar ist.

zu deinem tipp, offen miteinander zu reden. natürlich hast du recht, vollkommen recht.
wenn das nur so einfach wäre
mir fällt das furchtbar schwer, "unbefangen" ist mir ein fremdwort. einfach weil ich jemand bin, der sich dreitausend gedanken macht und immer zu viele sorgen als zu wenig. gerade bevor ich etwas auspreche, denke ich 5mal drüber nach, wie das ankommen könnte. je wichtiger das thema für mich ist, umso schlimmer.

ist schon nicht leicht mit mir, ich glaube ich bin die behinderte in dieser beziehung *lach*

....
Du, es muß ja nicht einfach sein, mit ihm zu reden. Es MUSS nicht. Früher hatte ich auch immer den Anspruch an mich, dass alles, was ich tun möchte, mir leicht von der Hand gehen muß. Irgendwann hat mir jemand gesagt "Eröffne doch mal ein Gespräch mit Nähe dadurch, daß du zugibst, wie es in dir aussieht." Ich weiß nicht, wie ich das jetzt erklären könnte, aber du könntest sagen "Du, ich möchte etwas mit dir besprechen, aber da du mir sehr am Herzen liegst, habe ich Angst, nicht die richtigen Worte zu finden, und ich fühle mich jetzt nervös. Hörst du mir zu?"

Letzte Woche habe ich z.B. zum ersten Mal im Leben einen Mann, in den ich mich verliebt habe, um ein Date gefragt. Ich war soooo nervös.

Meine Tochter arbeitet viel mit Behinderten, und sie sagt auch, daß man ganz normal Klartext reden soll und sie nicht wie ein rohes Ei behandeln soll. Als ich ihr mal erzählte, daß ich in der Jugendherberge eine junge Frau im Rollstuhl sah und mich gefragt habe, ob sie schon immer da drin sitzt, weil sie so fröhlich und die Situation akzeptierend wirkte. Meine Tochter schimpfte mich und sagte "Meine Güte, Mama, warum hast du sie nicht einfach gefragt?". (Es war ein komisches Gefühl, von ihr geschimpft zu werden. Früher lief das immer anders herum. )

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1. April 2009 um 22:18
In Antwort auf vena_11880019

....
Du, es muß ja nicht einfach sein, mit ihm zu reden. Es MUSS nicht. Früher hatte ich auch immer den Anspruch an mich, dass alles, was ich tun möchte, mir leicht von der Hand gehen muß. Irgendwann hat mir jemand gesagt "Eröffne doch mal ein Gespräch mit Nähe dadurch, daß du zugibst, wie es in dir aussieht." Ich weiß nicht, wie ich das jetzt erklären könnte, aber du könntest sagen "Du, ich möchte etwas mit dir besprechen, aber da du mir sehr am Herzen liegst, habe ich Angst, nicht die richtigen Worte zu finden, und ich fühle mich jetzt nervös. Hörst du mir zu?"

Letzte Woche habe ich z.B. zum ersten Mal im Leben einen Mann, in den ich mich verliebt habe, um ein Date gefragt. Ich war soooo nervös.

Meine Tochter arbeitet viel mit Behinderten, und sie sagt auch, daß man ganz normal Klartext reden soll und sie nicht wie ein rohes Ei behandeln soll. Als ich ihr mal erzählte, daß ich in der Jugendherberge eine junge Frau im Rollstuhl sah und mich gefragt habe, ob sie schon immer da drin sitzt, weil sie so fröhlich und die Situation akzeptierend wirkte. Meine Tochter schimpfte mich und sagte "Meine Güte, Mama, warum hast du sie nicht einfach gefragt?". (Es war ein komisches Gefühl, von ihr geschimpft zu werden. Früher lief das immer anders herum. )

"einfach" wäre so schön
ich habe tatsächlich den anspruch, dass es mir leicht von der hand geht. in allem, was ich möchte. schön wärs
aber deine idee ist sehr gut. ich denke, demnächst werde ich es so machen: bevor die aussage kommt, sagen, dass es mir schwer fällt.
es ist sicherlich eine sache der übung, es erfordert eben auch etwas mut, zuzugeben, wenn einem etwas schwer fällt. eben weil man den anspruch an sich selbst hat, immer super kompetent zu sein und alles mit leichtigkeit zu schaffen.

das beispiel, das du nennst, ist gut.
ich würde mir nur sagen: vielleicht will die frau gar nicht von wildfremden angequatscht werden. ich will ja auch nicht jedem, der fragt, rede und antwort über mein leben stehen müssen.

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