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Beziehung und Behinderung

27. Januar 2011 um 12:21

Hi Zusammen,
da jetzt mal wieder eine Beziehung bei mir in die Binsen gegangen ist suche ich hier Leute die vielleicht die gleichen Lebensbegebenheiten haben und mit ähnlichen problemen kämpfen müssen.

Also mal kurz zu mir: ich bin 32, sitze gerade an meiner Magisterarbeit und mein größtes Problem das bei allem mitschwingt ist meine chronische Krankheit (Ehlers-Danlos-Syndrom Typ IV)
Letzets Jahr war ich bestimmt 6 mal im Krankenhaus, ein schwerer Schlag darunter war die Schwangerschaft die ich abbrechen musste, da kein Arzt sich dazu bereit gefühlt hat mich bei all den Gefahren die damit verbunden wären zu unterstützen. Sprich keiner von den 4 Ärzten war der Ansicht, dass ich das überleben würde. Ok ich habe das halbwegs geschluckt, war ein schwerer Schritt aber es musste eben sein.

Was damit allerdings einhergeht ist:: nie eine eigene Familie gründen zu können.
Und ich habe Angst. Angst vor jedem Tag, an dem so oder so alles passieren könnte. (zugegeben allen Menschen geht es im Grunde genommen so, aber meine Angst nimmt mich einfach oft genug zu sehr ein)
Kämpfe nun also weiter, an meinem Abschluss an der Uni
..und wie so viele andere Frauen wünsche auch ich mir ein Partner an meiner Seite, gemeinsamer Alltag, das Wissen es ist jemand da der sich im Notfall um mich kümmert.

Häufig fühle ich mich aufgrund der Krankheit so unselbstständig, angewiesen auf fremde Hilfe.
Ich suchte oft die Nähe zu meinem Partner, eine Möglichkeit die Realität beiseite zu schieben, die wenigen Momente in denen ich meinen Körper akzeptieren konnte und es genossen habe.
Die Gesellschaft hat es oft genug geschafft mich aufgrund meines Äusseren zu verurteilen (das führte von Krebskrank zu magersüchtig bis drogenabhängig)
Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt vertretbar und auch durchführbar ist einen anderen Menschen (Partner) mit all dem zu "belasten".
All die Individualisten und selbstbewussten Lebemenschen,
Heutzutage geht es doch meist um Erfolg, Freude, Aktion.
Ich meinte mal zu meinem Exfreund: Jeder Mensch habe ein Recht darauf glücklich zu sein. er verneinte das lediglich- es gab keine weitere Diskussion darüber. Einer meiner vergeblichen Versuche ein Gespräch zu beginnen, ein wenig über das Leben zu philosophieren.

Falls es irgend jemandem da Draussen auch manchmal so geht, wegen seiner Krankheit immer wieder anzuecken und der Interesse hätte sich auszutauschen: ich würde mich über Nachrichten freuen

LG
Daggy








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27. Januar 2011 um 13:27

-->
Hi Pacjam
erstmal danke für deine Antwort.
Was meinst Du mit:
Nicht vertretbar ist es, ihn mit Deinen zum Teil haarsträubenden Ansichten zu belämmern?
Und was an meiner Einstellung ist gewöhnungsbedürftig?
Man selbst ist ja nunmal so wie man ist und nicht automatisch in der Lage seltsame Vorstellungen, Verhaltensweisen zu realisieren.

Gruß
Daggy

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27. Januar 2011 um 13:50

..
manchmal denke ich schon, dass meine Einstellung zu festgefahren ist und ich die Möglichkeiten gar nicht sehe. Das schwarz/weiss Denken kann ich manchmal nicht überwinden.

Bezüglich meines Selbstbildes muss ich Dir Recht geben. Ich bin zu verunsichert und lasse negative Einflüsse viel zu schnell auf mich wirken, nehme sie sogar als Realität an.
Und mein Fehler dabei ist, dass ich meine selbstgebastelte Realität (die mir irgendwelche Idioten die ich nicht mal genauer kenne eingetrichtert haben) dann auf mein persönliches Umfeld projiziere und darüber enttäuscht bin.
Klingt das jetzt wirr??

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27. Januar 2011 um 13:53

...
Die Frage ist auch, warum und ob wir uns dazu machen lassen.

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27. Januar 2011 um 13:56

Ich bin so wie ich bin
damit meinte ich lediglich, dass ich mich nicht ständig hinterfragen kann, sondern dies auch im Austausch mit meinem Umfeld geschehen muss

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27. Januar 2011 um 14:49

...
Man hat vielleicht ein Recht darauf, glücklich zu sein, aber man kann nun mal keinen anderen Menschen dazu zwingen, einem dieses Glück zu bringen.

Und ob man Glück hat oder nicht, liegt nicht in der Hand anderer Menschen.

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28. Januar 2011 um 9:29

Hallo Wejona
erstmal herzlichen Dank für Deine Antwort.
Gestern war es wieder so weit- ab ins Krankenhaus, zum Glück nur zwei angebrochene Rippen. (ja ich freue mich wirklich darüber, der Arzt wird sich gedacht haben die spinnt ) Da meine Krankheit ebenfalls sehr selten ist, klappt die Kommunikation mit den Ärzten nur in sehr seltenen Fällen gut.
Es ist für die manchmal nicht nachvollziehbar, dass man als Patient ganz eigene Entscheidungen trifft und die Diskussion mit ihnen sucht.
Zufälligerweise war gestern eine gute Freundin in der Nähe und hat mich in der Notaufnahme besucht und alles Wichtige geregelt (habe einen Hund der in solchen Fällen zu seiner Hundenanny muss).
das erfahren zu haben tut gut.

Aber es gibt eben auch die anderen, die einem am Geburtstag anrufen, man dann irgendwie zum Thema Job/Arbeit kommt und sie einem vor den Latz knallen, dass ich wohl nie einen Job bekommen würde, bei meinen Fehlzeiten- so jemanden nimmt sich doch kein Chef mit an Bord (Thema Kündigungsschutz)
In der Tat denke ich das selbst auch schon einige Zeit, vielleicht zieht sich mein Studium deswegen schon so lange hin. Bin ich doch lieber Student als Arbeitslos.

Was mir schwer fällt, ist das Umschalten von der Hab-Acht-Stellung wie gestern zu einer fröhlichen und entspannteren Haltung in der ich wieder an die Zukunft glauben kann.
Und das ist vielleicht ein Punkt mit dem ein Partner nicht umgehen kann. Es gibt kaum jemand in meinem Umfeld und in meinem Alter der so ein Leben führt und mit den Dingen zu kämpfen hat die mich belasten. Selbst an der Uni habe ich nicht das Gefühl in irgend einer Art und Weise Hilfestellung zu erhalten. ist vielleicht zu viel verlangt.

LG
Daggy

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28. Januar 2011 um 10:00

Glück
>Es ist auch bei uns nicht alles einfach...aber, geteiltes Leid ist meist halbes Leid.

manchmal habe ich das Gefühl zu mitteilungsbedürftig zu sein. Wenn ich Schmerzen habe, Panik (Angst dass es das nun war) kann ich mich oft nicht zusammenreissen.
Und wenn ich dann wieder auf der Suche bin nach einem Zustand der Zufriedenheit kann ich shcon sehr egoistisch vorgehen und dann steht das "Ich will..." im Vordergrund. Vielleicht habe ich aber auch inzwischen ein recht klares Bild davon, was ich von einer Beziehung erwarte und wenn ich enttäuscht werde ziehe ich eben die Reißleine

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28. Januar 2011 um 10:36

Warten können...
ein wirklich schönes Gedicht.
nur fällt das mit dem Warten nicht allzu leicht. Bis vor Kurzem dachte ich noch meine Lebenserwartung läge bei 31- Gedanken wie: ich will nicht alleine sterben (zugegeben jeder stirbt wohl für sich ganz allein)
Auch ich versuche, die Zeit die mir geschenkt ist zu nutzen, sitze gern an der Leinwand, hatte sogar schon zwei Ausstellungen *freu* und ein neues Projekt steht auch schon an, ich liebe die Musik und vor alledem natürlich meinen Hund, mit dem ich zur Zeit noch schöne Stunden in der Natur verbringen kann. und dann sitze ich eben nach wie vor (trotz der ganzen Fehlzeiten, Krankenhausaufenthalte, Rehamaßnahmen) an meiner Magisterarbeit und jobbe als Behindertenbetreuuerin. An sich ist da eine Menge das mich ausfüllt im positiven Sinne- ich weiß nicht, warum der fehlende Partner oder Enttäuschungen in der Partnerschaft mich mit einem Gefühl der Leere ausfüllt und alles andere verblassen lässt.

was ist wenn ich das alles nicht mehr machen kann-ich glaube nicht, dass ich genug Lebenskraft aufbringen kann wenn dann der erste Hirnschlag da war und ich im schlimmsten Fall absolut körperlich eingeschränkt bin.

Ich würde mich riesig freuen wenn ich einen Job finden würde; allerdings weiß ich, dass ich den nur ausüben kann wenn er auch Spaß macht, mir gezeigt wird, dass ich gebraucht werde und meine Arbeitet einen Sinn ergibt. Für alles andere habe ich gefühlt einfach keine Zeit.

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23. März 2011 um 23:49

Hallo Daggy
Daggy,
meine Freundin hat auch ein Gendefekt und nachdem es Jahre relativ unauffällig war hat Sie durch die beiden letzten OPs
schwere Einschränkungen hinnehmen müssen.

Sie ist nun seit Jahren in Rente und vor 2 Jahren wäre Sie beinahe mit 40 Jahren ins Heim gekommen weil Sie nichts
mehr allein konnte.
Nach der Reha hat Sie es gerade noch wieder in eine eigene
Wohnung geschafft und wird dort vom Pflegedienst versorgt.

Am Schwersten war für Sie wohl auch der Rückzug Ihres damaligen Lebenspartners sowie fast aller Freunde und Bekannte sowie sogar der eigenen Familie.

Sie wird auch bedingt durch Ihre Einschränkungen die Sie in den Rollstuhl brachten und auch Ihre Sprache / Gehör beeinträchtigen oftmals für nicht ganz klar im Kopf gehalten.
Sie ist aber geistig voll da und bekommt natürlich die Blicke der Leute mit und wie Sie teilweise sogar vom Pflegepersonal abwertend behandelt wird.

Sie ist aber eine ganz liebe, einfühlsame, junggebliebene Frau die Ich erst nach Eintritt Ihrer schweren Einschränkungen persönlich kennenlernen durfte und es ist etwas passiert womit wir Beide nicht gerechnet hatten - Es hat den großen Knall gegeben und wir sind seit einem Jahr zusammen weil wir uns ganz lieb gewonnen haben.
Demnächst ziehen wir zusammen weil wir glücklich miteinander sind und viel Spaß zusammen haben.

Daggy, Ich wünsche Dir auch einen guten, liebevollen Mann dem Deine Einschränkungen egal sind und der Dich als
Frau in einer schönen Partnerschaft möchte.

Liebe Grüße Laurenz

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