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Bewältigungsversuch

1. Mai 2008 um 12:40

Ich bin schon etwas älter als die meisten hier, aber auch mit einem Problem konfrontiert, für das ich keinen Ausweg sehe. Ich habe bei einem beruflichen Meeting einen Mann kennengelernt, der mich sehr unverblümt zu verführen versucht hat. Damals war ich so blöd, mich geschmeichelt zu fühlen und auch lange allein gewesen, so dass ich mich auf eine Art "Internet-Beziehung" mit ihm eingelassen habe. Es wurde nicht wirklich sexuell, aber es war dauernd eine unterschwellige Spannung durch Anspielungen und Anmachen seinerseits vorhanden. Ich habe versucht, das zu ignorieren und die "Beziehung" auf eine freundschaftliche Ebene zu ziehen, aber wenn ich ehrlich bin, muss ich mir eingestehen, dass ich mich durch seine Anmachen "angemacht" gefühlt habe und wohl auch deshalb die Sache gemacht habe. Ich habe mir vorgemacht, das wäre eine Freundschaft, aber gleichzeitig merkte ich, dass der Kontakt immer besessener und zwanghafter wurde und ich schon jeden Abend wieder auf seine Mail wartete. Ich kam mir ziemlich schrecklich dabei vor, konnte aber nicht damit aufhören. Das ging über Monate so, bis es mir doch zu blöd wurde und ich den Kontakt abbrach. In der Folgezeit hatte ich ziemliche Entzugserscheinungen und er ging mir dauernd im Kopf herum, wobei ich eigentlich nicht wußte, wieso überhaupt. Etwa 1 Jahr später machte ich schließlich den Fehler, ihn mal wieder "unverbindlich" zu kontaktieren. Er antwortete sofort und das Ganze ging wieder von vorne los. Er ist natürlich verheiratet und hat Kinder. Er schrieb mir einerseits, wie glücklich er sei, wieder Kontakt zu mir zu haben und dass ich ihm das Herz gebrochen hätte (laber) und andererseits, dass er sehr glücklich verheiratet sei (auch laber). Ich ignorierte die Tatsache, dass mit dem Kerl was nicht stimmt, tapfer und machte mir wieder vor, das sei ja eine schöne Beziehung, wusste natürlich, dass es nicht so war, aber irgendwie brauchte ich diese Illusion. Tja, es kam wie es kommen musste, er besuchte mich und wir hatten zunächst eine wunderschöne Zeit zusammen, tolle Gespräche, totales Verständnis, Harmonie, richtig verliebt irgendwie. Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass er mich nicht wirklich liebte, das war mir irgendwo auch klar. Trotzdem wollte ich irgendwie unbedingt mit ihm schlafen, was dann auch passierte und richtig Scheiße war. Was danach in ihn gefahren ist, weiß ich nicht, vermutlich war das aber sein wahres Gesicht, oder zumindest ein Teil seines wahren Gesichtes: Die Details erspare ich Euch, es war eine mehrmalige Vergewaltigung, die ich erst nicht als solche erkannte, da ich ja im Prinzip auch etwas von ihm wollte. Im Nachhinein habe ich das GEfühl, als hätte ich mich selbst vergewaltigt und ihn fast dazu gezwungen, mir das anzutun. Ich fühle mich umso grauenhafter als wir soviele schöne Momente und soviele tolle Gespräche miteinander hatten. Erst war es auch sexuell sehr schön, aber dann schien bei ihm irgendeine Sicherung durchzuknallen und er rastete richtig aus, war nicht mehr er selbst... und es wurde extrem gewaltsam und erniedrigend. Ich habe mich nicht gewehrt, sondern sogar noch mitgemacht, fühle mich wie eine Mittäterin, als hätte ich mir das selber angetan. Mir ist jetzt klar, dass dieser Mann keine normale Sexualität haben kann, und GEwaltexzesse dazu braucht, aber warum habe ich mich nicht gewehrt. Mir ist auch jetzt klar, dass er nichts für mich empfinden kann, weil er dazu gar nicht in der Lage ist und Sex systematisch von GEfühlen abspaltet. Vermutlich auch der Grund, warum es mit der Ehefrau nicht klappt. Aber ich! Warum habe ich mir das antun lassen. Mein eigenes Verhalten traumatisiert mich fast mehr als seines. Ich habe verstanden, dass keines unserer GEspräche, unsere ganze Beziehung ihm nicht das GEringste bedeutet hat, weil er immer nur auf das eine Ziel (Missbrauch) ausgerichtet war von Anfang an. Das fiel mir danach wie Schuppen von den Augen. Es ist jetzt alles so klar. Aber ich komme nicht klar damit, für mich war da soviel Gefühl vorher, selten habe ich soviel Verständnis erlebt, es war fast schon traumhaft. Und dann DAS!!! Ich habe sogar danach noch versucht, ihm zu verzeihen und die Sache mit ihm zu klären, aber ich spürte in mir selbst, dass ich es nicht verzeihen kann, so sehr ich mich auch bemühe. Es war zu furchtbar. Es ist jetzt alles kaputt, nichts geht mehr. Ich weiß nicht, was mir mehr weh tut, die Tatsache dass er einer ist, der nur bei gewaltsamer Erniedrigung der Frau kann, es also keine Hoffnung gibt oder die menschliche Enttäuschung und der Verlust der schönen Momente und Gespräche mit ihm. Beides kommt abwechselnd in mir hoch. Und macht mich völlig konfus und verwirrt. Letztendlich war es so, dass ER den Kontakt mit mir abbrechen musste, weil ich nicht mal dazu in der Lage war. Ich weiß, es ist gut so und möchte auch nie wieder Kontakt mit ihm, aber die guten Teile habe ich doch verloren. Und ein Stück meiner Selbstachtung. Wie kann ich die wiederfinden? Ich möchte meine Selbstachtung zurück. Hat jemand einen Tipp, der ähnliches erlebt hat? Therapie mache ich schon.


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1. Mai 2008 um 22:42

Hallo,
irgendwie erscheint mir das recht merkwürdig - im Zeitalter des internets und dann auch noch parallel zu dem, was man im Internet alles kennenlernen kann -
Kam dir nicht einmal in den Sinn, dass das vielleicht ein Mann ist, der das Internet dazu benutzt, Vergewaltigungsopfer zu suchen und zu finden? Kam dir nicht einmal in den Sinn, dass der Typ wahrscheinlich gar nicht verheiratet sein könnte, sondern es nur vorschiebt, damit von vornherein klar ist, dass er nicht dauerhaftes möchte?
Ich bin mir sicher, dass er das nicht nur bei DIR gemacht hat. Ich bin sicher, du bist nicht sein einziges Opfer gewesen.
An deiner Stelle würde ich mich mal schlau machen (hoffe, du hast seine Personalien, usw.)
Geh mal ins Internet und such mal nach Personen, die dasselbe erlebt haben wie du.
Oder wieso gehst du nicht gleich eine Anzeige machen? Weisst du, wenn du so erzählst, denkt man, er hat schon recht viel Routine in dem, was er macht. D.h. du lässt zu, dass er sich die nächste sucht.
Also wenn ich mich so gedemütigt fühlen würde wie du, dann würde ich alles daran setzen, seinen Leumund etwas "aufzufrischen". Irgendwo musst du dir auch wieder deinen Ausgleich holen, denn wie du schon selbst gesagt hast: Er hatte es nicht auf dich abgesehen, sondern auf die Auslebung seiner Triebe. Und das auf deinen körperlichen und seelischen Kosten.
Klar denkt man sich zu Anfang, dass man vielleicht selbst schuld daran war oder erkennt es nicht gleich als eine Vergewaltigung. Aber SO EINDEUTIG sind Vergewaltigungen unter "Bekannten" ja nie, wie sie es ja bei wildfremden sind, die sich einfach eine Frau ins GEbüsch ziehen, oder?
Tatsache ist, er hat dich benutzt, und du warst für ihn nicht eine FRAU, sondern einfach nur ein Stück Fleisch ohne innere Werte.
Und Tatsache ist auch, dass er das bei anderen Frauen genauso machen wird, und sicher sucht er sich Frauen in DEINEM Alter, denn gerade in diesem Alter neigen Frauen öfter dazu, Kritik an sich selbst zu üben, Makel zu finden, Komplexe zu bekommen, usw.

Wenn du weisst, wer das ist, und wenn du anderen Frauen diese ERfahrung ersparen willst, dann unternimm etwas gezieltes gegen diesen Menschen, hörst du? Das geht nicht, dass man behandelt werden kann wie ein Stück Dreck, nur weil man in der Anonymität des Internets wieder abtauchen kann!!!

Gruss, Lola

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