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Betrogene - Gefühle und Gedanken danach

16. Juni 2012 um 1:08 Letzte Antwort: 21. Juni 2012 um 22:23

Jetzt ist es schon fast ein Jahr her... Seit dem weiß ich, dass ich zu den betrogenen Frauen gehöre. Früher habe ich immer gedacht, wenn mir das mal passiert, dann bin ich weg ist doch ganz klar... !!! Aber wenn es dann da ist, das Problem, ist alles ganz anders und nichts ist mehr klar. Man ist sprachlos, handlungsunfähig, verwirrt, wütend.... nichts läuft mehr logisch ab! Auf einmal ist das Leben eine Treibsandwüste und man steckt mitten drin. Man möchte raus möchte sich vorwärts bewegen aber es geht nicht. Die Kraft schwindet... Der Charakter wird verbittert, das herzliche Lachen wird weniger und verkümmert zu einem schwachen Lächeln, die Lust sich an schöne Dinge des Lebens zu freuen, werden auf ein Minimum reduziert... Plötzlich ist nichts mehr wichtig. Die übriggebliebenen Reserven konzentrieren sich auf das Wichtigste. Man quält sich, um den Schein nach Außen zu wahren, obwohl man sich viel lieber verkriechen möchte für immer... Niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann es nachvollziehen wie es einem Menschen geht, der jahrelang hintergangen, ausgenutzt, belogen und betrogen wurde.... Hätte nie gedacht, wie das die Seele eines Menschen zerstören kann!
Ich habe meine Geschichte vor fast einem Jahr in diesem Forum niedergeschrieben und lese seit dem immer wieder mal die Leidensgeschichten von Geliebten, Betrogenen und Betrügern. Je mehr ich lese, um so mehr stumpfe ich ab der Glaube an Liebe und Ehrlichkeit geht immer mehr verloren - furchtbar...! Der Blick für das Leben verhärtet sich. Fröhlich, leichtfüßig und gutgläubig durchs Leben zu laufen, gibt es nicht mehr.
Ich lese immer wieder, dass Betrogene es doch gemerkt haben müssen, dass der Partner sie belügt und sie verschließen nur die Augen vor lauter Angst vor der Wahrheit, sie wollen es einfach nicht wahrhaben... Das so glaube ich trifft nur auf einen kleinen Teil zu. Die meisten würden bei Anzeichen von Lug und Betrug schon handeln. Leider sind die Anzeichen klein und nicht immer eindeutig. Gewisse Veränderungen können viele Ursachen haben. Kein Mensch denkt gleich ans Fremdgehen, wenn sein Partner sich mal komisch oder anders verhält. Die Erleuchtung kommt erst, wenn man eines Besseren belehrt wird.... Zu mindestens war es bei mir so.... Die kleinen Veränderungen und die manchmal seltsamen Verhaltensweisen bekamen auf einmal alle eine Erklärung. Man verfolgt das gemeinsame Leben zurück und erkennt auf einmal so viele kleine Anzeichen, wo man nah dran war, etwas merken zu müssen. Leider steht dem klaren Blick die Liebe und das Vertrauen im Weg. Hinzu kommt, dass mein Mann echt ein Profi auf dem Gebiet war. Er betrog schon meine Vorgängerin mit der er sieben Jahre zusammen war und machte im Anschluss direkt bei mir weiter, wobei es sich bei mir nur noch um 1 Mitstreiterin handelte und bei meiner Vorgängerin ständig die Nebenfrauen wechselten. Die Geliebte, die in meiner Beziehung eine Rolle spielte hatte er schon drei Jahre bevor ich ihn kennen lernte. Mit der Frau betrog er mich noch acht Jahre. Er führte ein Doppelleben mit schauspielerischen Höchstleistungen, bis das ganze ein dramatisches Ende nahm. Am Tag, als ich und mein Mann heirateten, nahm sich seine Geliebte das Leben. Sie hinterlies einen Mann und drei Kinder. Am gleichen Tag erfuhr mein Mann von ihrem tragischen Tod und brach nervlich zusammen. Weinend erzählte er mir, dass er einmal mit ihr Sex hatte und dabei ein Kind entstand. Er beichtete mir nicht seine jahrelange Affäre, sondern einen einmaligen Ausrutscher. Als wir heirateten war ich hoch schwanger, nichts schlechtes ahnend und stand 3 Tage vor der Entbindung unseres ersten Kindes und dann so eine Nachricht. Unfassbar wie man da fühlt...!!! Meine Liebe war damals noch so groß, dass ich ihm diesen einmaligen Ausrutscher auch verziehen hätte, wenn er nicht so eine unglaubwürdige Geschichte über die Beziehung zu dieser Frau gestrickt hätte. Ich zweifelte an seinen Erklärungen und konnte aber auch nicht das Gegenteil beweisen. Am Anfang bat ich ihn immer wieder mir die Wahrheit zu sagen, erklärte ihm meine Zweifel und gab ihm zu verstehen, dass meine Zweifel an dieser Geschichte meine Liebe zu ihm auffressen. Aber er blieb eisern und hart leider. Und so kam es, dass sich die Lügen-Story in meinem Unterbewusstsein festgefressen hat. Wir redeten nicht mehr darüber. Aber meine Liebe zu ihm starb ganz langsam. Die Flamme war zum Schluss nur noch eine Glut. Die Ehe lief immer schlechter immer mehr Streit. Letztes Jahr warf er mir dann bei einem Streit und die ganze Geschichte seiner Affäre vor die Füße. Die komplette Wahrheit, wie ich es immer wollte, nur leider viel zu spät. Ich habe immer gedacht, da lief außer der Kindproduktion noch 2 bis 3 mal was das hätte ich wahrscheinlich damals auch noch verziehen. Aber so ein skrupelloses Doppelleben....?! Wie kann man nur sich selbst und anderen das Leben so zur Hölle machen...?

Jetzt habe ich viel geschrieben sollte gar nicht so lang werden. Ich wollte einfach mal meine Gedanken loswerden.

Vielen Dank fürs Lesen.

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16. Juni 2012 um 23:15

Jein...
es ist eher so, dass wir alle noch unter einem Dach leben. Er weiß auch, dass ich lieber mit meinen Kindern allein leben möchte. Habe auch schon mehrere Dinge geplant... Es ist alles nicht so leicht, wie ein außenstehender denkt. Ich möchte meine Kinder nicht unbedingt aus der gewohnten Umgebung (Freunde, Schule) herrausreißen, Er kämpft um mich, will mich unbedingt behalten, leider stellt er es falsch an. Die Wahrheit über die jahrelange Affäre wird von ihm inzwischen dementiert, klein geredet bzw. verniedlicht. Er denkt, dass es mich beruhigt...leider fühle ich mich dadurch nur vom neuen verarscht. Er möchte auch nicht über dieses Thema reden, fühlt sich regelrecht belästigt und hofft, dass ich es irgendwann verzeihen kann.
Ich muss gestehen, ich habe ziemlich Angst vor einem Neuanfang - die Verantwortung meinen Kindern gegenüber lastet auf mich, auch dass ich überstürzt irgendwelche Entscheidungen in die Tat umsetze.
Wenn ich gehe, brauche ich einen neuen Job (bin bei meinem Mann in der Firma angestellt). Ohne Einkommen - so denke ich - habe ich auch schlechte Karten für eine Wohnung. Auch die Öffentlichkeit lässt mich nicht kalt.... Es wird eh schon gemutmaßt und geredet über uns...

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19. Juni 2012 um 8:37

Gemeinsamer Job
So wars bei mir auch...wir haben damals (auch in der Trennungsphase) einen gemeisamen Arbeitgeber gehabt. Unter einem Dach im gemeinsamen Haus (Home Office) und zu allem Übel war er mir gegenüber weisungsbefugt.
Glaubt mir: man schafft es. Ich habe heute einen neuen Job, der zugegebenermaßen nicht wirklich klasse bezahlt ist, bin mit den Kindern aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen (er ist mit meiner Nachfolgerin da eingezogen) und ich kann mit Überzeugung sagen, dass es mir gut geht. Ich bin wieder die alte Katalyn von früher, voller Lebensfreude und Humor und dem unerschütterlichen Blick nach vorne.

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21. Juni 2012 um 22:23

Danke an alle
die mir geschrieben haben und mir Mut machen wollen.

Ja der erste richtige Schritt wäre, mir einen Job zu suchen, raus aus der Firma meines Mannes. Das ist genau das, was mich hemmt. Ich wohne in einem kleinem Kaff mit 1500 Einwohnern. Jeder schaut auf Jeden... Wenn ich jetzt losziehe und mich hier und da berwerbe, dann bleibt es nicht lange geheim. Die Leute fangen an zu reden, verbreiten Gerüchte, die höchstwahrscheinlich nicht immer zu meinen Gunsten ausfallen würden. Das würde mich sehr belasten. Also müsste ich zu meiner Verteidigung die Wahrheit preisgeben. Und das wäre in diesem Kaff eine Katastrophe. Diese Achtjährige Affäre spielte sich nämlich in diesem kleinen Ort ab. Die Geliebte meines Mannes war die Frau seines Jugendfreundes. Der Jugendfreund glaubt bis heute, dass das aus der Affäre entstandene Kind seines ist, und dass seine Frau sich aus Depressions-Gründen umgebracht hat.
Ich blase kein Trübsal - ich trau mich nur einfach nicht den Sprung ins kalte Nass zu wagen. Ich komme mir vor als stehe ich auf einem 30 Meter Sprungbrett....

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