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Ausziehen, ja oder nein?

7. August 2012 um 2:29

Hey Leute, ich hoffe, Ihr könnt mir hier ein paar Tipps geben. Vielleicht wird der Text etwas lang, aber ich werde es in paar Absätzen schreiben damit es leichter wird zum Lesen. Also, Danke schon mal im Voraus wenn Ihr mir antwortet.

Also, mein Verlobter und ich sind seit 6 Jahren zusammen und ein Jahr davon sind wir verlobt. Sind beide 26 Jahre alt, ich sitze im Rollstuhl (leide an Muskeldystrophie), er ist völlig gesund. Wir wohnen noch beide zu Hause, er bei seinen und ich bei meinen Eltern. Als wir uns kennengelernt haben, ist er gerade durch sein Abi durchgefallen und hatte eine Ausbildung angefangen. Nach zwei Jahren war er damit fertig und hat sein Dualstudium angefangen. Nach einem Jahr seines Studierens, starb meine Zwillingsschwester und er war der einzige Grund warum ich das durchgehalten hab. Wenn es ihn nicht gewesen wäre, hätte ich bestimmt Selbstmord begangen. Ich hätte zwar meine Eltern und auch wenn ich sie über alles liebe, wären sie aber für mich kein Grund weiterzuleben. Damals wollte ich unbedingt von zu Hause ausziehen und mit ihm zusammenziehen weil ich es zu Hause mit meinen trauernden Eltern nicht aushalten konnte. Ich hab natürlich auch meiner Schwester nachgetrauert, aber auf eine andere Weise als meine Eltern und ihre Art zu trauern, ging mir auf die Nerven. Ich konnte aber mit meinem Verlobten auch nicht zusammenziehen, weil es Geldtechnisch gesehen unmöglich war.

Vor einem halben Jahr wurde er von der Uni rausgeschmissen weil er eine Prüfung dreimal nicht bestanden hat. Er hat aber einen festen Job gekriegt in der Firma wo er Ausbildung gemacht hat und die ihm Stipendium zum Studieren gegeben hat. Vor einem Monat wurde sein Lohn erhöht und er verdient sogar besser als mein Vater, der schon 20 Jahre lang in einer Firma arbeitet. Ich selbst büffle gerade für meine Diplomprüfung die im September oder Oktober stattfinden soll. Ob ich danach einen Job bekomme liegt in den Sternen und falls doch, könnte ich nur Halbzeit arbeiten (vier Stunden lang) weil ich schneller müde werde als körperlichgesunde Menschen. Mit meinen Eltern verstehe ich mich seit ungefähr einem Jahr auch wieder super. Im Gegensatz zu der Zeit als meine Schwester starb, wo ich nur noch von denen wegwollte, ist es jetzt ganz anders. Ich genieße es mit ihnen die Zeit zu verbringen.

Uns war aber schon immer klar, dass wir entweder mit meinen Eltern zusammen in einem Haus (aber in getrennten Wohnungen) leben müssten oder halt in der Nähe, so dass wir uns auch zu Fuß erreichen könnten, da ich möchte das mich meine Mom auch weiterhin pflegt wenn er auf der Arbeit ist (zumindest noch solange sie kann). Damit hatte er überhaupt gar kein Problem was ich auch sehr zu schätzen weiß.

Wie schon geschrieben, ich lerne gerade die ganze Zeit für mein Diplom und mache mir auch sehr viel Stress deswegen. Freue mich halt wenn ich es hinter mir hab und eventuell dann vielleicht auch einen Job finde, weil ich mir gut vorstellen kann etwas bisschen zu arbeiten. Vor ungefähr drei Wochen waren wir spazieren und ich meinte einfach so, dass ich mein häßliges Kaff (er wohnt in einem anderen) doch sehr mag und hier lange bleiben möchte. Meine Mom meinte dann, dass wir hier in einem Seniorenheim, (200m) entfernt von meinem Haus gucken könnten, ob es noch freie Wohnungen gibt.

Haben dann tatsächlich gesehen, dass nur noch eine einzige Wohnung frei ist. Haben uns dann am nächsten Tag mit der Maklerin getroffen und ich kann es nicht erklären, aber an dem Tag bekam ich so ein komisches, negatives Gefühl. Mir wurde klar, dass ich noch NICHT ausziehen möchte. Ich finde es gerade nach langer Zeit einfach schön mit meinen Eltern. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, aber ich fühle mich endlich "normal" (was immer das auch heißen mag). Was meinen Verlobten angeht, habe ich das Gefühl, dass wenn die Maklerin nicht gesagt hat, dass sie noch mit den Vermietern reden muss, hätte er sofort eingezogen.

Als wir in die Wohnung reinkamen, wurde mir auch sofort klar, warum sie seit sechs Jahren leer steht und nie vermietet wurde. Sie ist einfach viel zu teuer und bietet zu wenig, zumindest für junge Leute wie uns. Sie kostet 650 kalt und mit Nebenkosten würde es 900 im Monat kosten, dafür wäre das einzige was wir machen dürften, streichen. Also, es ist 92 Quadratmeter groß, der Flur, die Küche und das Wohnzimmer sind in einem. Das Schlafzimmer ist getrennt, sowie das Bad und es gibt einen Abstellraum. Ich, wie jeder andere Mensch auch, brauche ab und an meine Ruhe und möchte nicht die ganze Zeit in einem Raum mit meinem Verlobten sein, aber in dieser Wohnung müssten wir es weil wir nichts umbauen dürfen. Dazu ist das Bad die komplette Katastrophe. Es hat kein Fenster und liegt genau neben der Küche, also wenn man die Tür öffnet, würde der ganze Geruch in die Küche ziehen. Auf der Kloschüssel kann ich nicht sitzen weil sie für mich zu hoch ist und ich auf ihr andauernd das Gefühl hab, dass ich umkippe. Man könnte es zwar runtermachen (wie wir es in meiner jetzigen Wohnung getan haben), aber die Vermieter sind dagegen. Es hat auch keine Badewanne, nur eine Dusche und ich liebe es in einer Badewanne zu liegen, dass entspannt meine Muskeln sehr. Man darf sich aber auch natürlich keine Badewanne einbauen lassen. Grillen dürfen wir auf dem riesigen Balkon natürlich auch nicht. Es gibt auch kein Garten hinter dem Haus wo man grillen könnte. Also, wir zwei sind keine Partygänger, lieben es aber mit unseren Freunden und Bekannten zu sitzen und zu grillen.

Mein Verlobter hat noch eine Wohnung hier in der Nähe gefunden. Sie ist viel billiger wie die andere, aber wir hatten noch keine Besichtigung weil die Vermieter im Urlaub sind. Wir könnten aber auch diese Wohnung in der ich jetzt mit meinen Eltern wohne umbauen, wir müssten uns dann nur die Küche mit meinen Eltern teilen. Aber meinen Dad würde mein Verlobter eh fast gar nicht sehen weil er auf der Arbeit ist wenn mein Verlobter arbeitet und nach Hause kommt wenn er längst im Bett ist. Meine Mama stört sowieso nicht. Mir wäre das am besten, aber mein Verlobter sagt, dass er das nicht möchte und er lieber versuchen würde mit mir alleine in einer Wohnung zu sein und wenn das nicht klappen sollte, könnten wir dann immer noch über einen Umbau reden.

Es ist so, dass ich es nicht mal versuchen möchte. Ich habe einfach ein total schlechtes Gefühl dabei und es ist nicht die Angst vor Neuem oder kalte Füße, sondern einfach eine richtig schlechte Intuition. Auch wenn es jetzt egoistisch klingt, ich will es nicht, weil ICH dann diejenige wäre die sich komplett auf ihn umstellen müsste. Das wäre nicht mal ein Kompromiss, das wäre komplettes Umstellen. Ich müsste um 6 Uhr morgens aufstehen wenn er zur Arbeit fährt weil ich nicht alleine schlafen kann wenn keiner zu Hause ist weil ich mich nicht alleine im Bett umdrehen kann. Das heißt, dass meine Mom immer dann kommen müsste. Also, müssten schon zwei Leute ihr Leben umstellen. Okay, wenn es 10 oder 9 Uhr wäre, da kann man auch aufstehen, aber 6 Uhr morgens für jemanden der gar nicht arbeiten geht, ist wirklich zu früh.

Hinzu kommt, wenn ich um 6 aufstehen würde, müsste ich dann um 19 Uhr ins Bett gehen weil ich es nicht schaffe lange zu sitzen. Werde schneller müde als die ganz körperlichgesunden, dazu kommt noch das für meine Art von Behinderung, die Müdigkeit sehr belastend ist und ich will meine Gesundheit NICHT aufs Spiel setzen. Keiner will es. Aber ich habe das Gefühl, dass mein Verlobter das nicht ernst nimmt. Wenn ich sage, dass mir was weh tut (z.B. meine Arme), sagt er, ich soll mich nicht so anstellen. Das ist kein Anstellen, jeder Arzt sagt, dass ich es mir nicht leisten darf mein Körper zu strapazieren. Aber wenn man ihm das sagt, ist es, als würde man es einer Wand sagen.

Dazu kommt, wenn wir zusammenziehen würden, sein Leben würde sich nicht drastisch ändern, außer der Adresse, aber ich müsste mich, wie schon geschrieben, komplett auf ihn einstellen. Ich vertrete aber die Meinung, dass man sich in einer Ehe/Beziehung/Freundschaft nicht ganz verlieren soll. Klar, dass man öfters Kompromisse macht, das soll auch so sein, aber ich befürchte, dass das in meinem Fall, ein komplettes Umstellen auf ihn wäre und es wäre eventuell auch für mich gesundheitsschadend. Seine Mutter, zum Beispiel, hat ihr komplettes Leben auf seinen Dad umgestellt und man merkt das sie nicht glücklich ist.

Ich verstehe einfach nicht warum er so stur ist und das nicht einsieht. Ich kann seinen Wunsch verstehen, dass er was Eigenes haben möchte, aber nur weil er es möchte, können nicht drei Leute ihre Leben komplett umstellen (ich und meine Eltern). Ich würde mich auch für ihn ändern wenn er bei uns einziehen würde, aber jedoch nicht ganz mich selbst verlieren. Es wäre auch eine Möglichkeit, dass meine Eltern in das Haus, das neben unseren jetzigen steht einziehen, aber da ist momentan leider nichts frei und ich befürchte, dass sich da bald auch nichts ändern wird (zumindest nicht in diesem Monat, aber er will noch in diesem oder spätestens dem nächsten ausziehen). Haus neben Haus ist trotzdem anders als wenn man 10 Minuten zu Fuß braucht um jemanden zu erreichen.

Ich habe meinem Verlobten das auch alles erzählt und erklärt, aber er besteht trotzdem drauf, dass wir es erst mal versuchen. Ich kann aber eh erst ab Oktober das entscheiden weil ich bis dahin für meine Abschlussprüfung lernen muss.

Meine Frage an Euch, was würdet Ihr an meiner Stelle tun? Hatte schon jemand sowas ähnliches erlebt? Habt Ihr vielleicht paar Tipps für mich?

Vielen Dank!


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7. August 2012 um 2:44

Ich denke du hast deine Antwort schon
Wenn du ehrlich bist, hast du dich schon längst entschieden,...??? Oder ?

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7. August 2012 um 7:25

...
Er und meine Eltern verstehen sich super, sonst würde ich ihn auch nicht bitten, dass er bei uns einzieht. Er weiß was mit mir los ist, aber irgendwie habe ich manchmal das Gefühl das er das nicht so ganz ernst nimmt oder denkt das ich mich etwas verstelle. Andererseits ist das auch bißchen seltsam von seiner Seite. Immer wenn wir zusammen in meinem Heimatland mit meinen Eltern sind, sagt er dann immer: "ICH KANN ES MIR SUPER VORSTELLEN MIT DEINEN ELTERN ZUSAMMEN ZU LEBEN." Das meint er auch immer ehrlich, wir kennen uns schon seeeeeeeeeehrrrr gut. Aber irgendwie, wenn wir wieder nach DE kommen und in unser alltägliches Leben hineinwachsen und paar Monate vorbeigehen ändert er seine Meinung.

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