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Aus Fehlern lernt man. Fragt sich nur wie ...

8. Dezember 2006 um 14:31

Hallo liebes Forum,

ich möchte mir einfach bloß mein Problem von der Seele schreiben. Ob man mir noch helfen kann, weiß ich gar nicht.

Meine Eltern sind sehr leistungsorientiert. Gefühle zählen wenig. Nur der Erfolg ist wichtig. Es bestand zwischen mir und meinen Eltern eine große emotionale Distanz. Ich kannte es nicht anders. In den Arm nahm mich meine Mutter nie. Erst recht nicht mein Vater. Sie sahen mich nie als Menschen, immer mehr als Werkzeug. Wie ich war und was ich selbst wollte, hat nie interessiert. Wichtig war, dass ich tat, wie mir geheißen. Als Druckmittel setzten sie Schuldzuweisungen ein.

Mein Vater ist Chefarzt im örtlichen Krankenhaus und meine Mutter Direktorin des Gymnasiums. Auf den Wunsch meiner Eltern hin studierte ich BWL und schloss das Studium auch ganz gut ab. Sie verlangten von mir, dass ich im Betrieb meines Onkels arbeite (großer Konzern in Bereich der Wirtschaftsförderung), um ggf. in die Führungsetage aufzusteigen. Dort arbeite ich nun schon seit 5 Jahren und finde es eigentlich gar nicht so schlecht dort, obwohl es nicht mein Traumjob ist. Eigentlich hätte ich viel lieber etwas mit Informatik gemacht, aber naja, es ist nun mal so gekommen. Ich nahm mein Schicksal als gegeben hin.

Vor ca. 1,5 Jahren lernte ich eine junge Frau kennen, die neu im Betrieb anfing. Sie war sehr attraktiv, hatte eine warmherzige Ausstrahlung und ging mit vielen Leuten sehr offen um. Mit ihrem Charme machte sie sich viele Freunde im Betrieb. Ich fragte sie eines Tages, ob sie nicht einen Kaffee mit mir trinken wollte. Sie wollte. Es war ein sehr schöner Abend und wir trafen uns im folgenden noch öfter. Ich spürte, welche Anziehungskraft sie auf mich besaß, fühlte mich von ihr akzeptiert und genoss die Wärme, die von ihr ausging. Wir entwickelten eine eigene Art und zu unterhalten. Mehr auf die witzige Art und Weise mit kleinen Neckereien, von denen jeder von uns wusste, wie sie gemeint waren. Nichts davon war persönlich zu nehmen. Wir fanden so Zugang zum Herzen des jeweils anderen. Eines Abends küsste sie mich zum Abschied so leidenschaftlich und liebevoll, dass ich mich verliebte. Sie hatte mich geküsst, um mir zu zeigen, dass sie fühlte wie ich.

Unsere Beziehung wurde inniger. Wir hatten wundervollen Sex, so schön, wie ich ihn noch nie erlebt hatte. Sie war so zärtlich und liebevoll, dass sie mich mit ihrer Art total in den Bann zog. Diese Frau sollte einmal meine Frau werden. Da war ich mir sicher. Sie hatte es geschafft, mein fast versteinertes Herz vollständig zu erweichen. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl wirklich zu Leben. Ihr gegenüber war ich offen. Sie ließ mich ich sein.

Meine Eltern merkten seltsamerweise (sie haben nie was bemerkt), dass sich bei mir was verändert hatte und wollten wissen, was los ist. Ich erzählte, dass ich mich mit einer Frau treffe. Sie wollten wissen, wer es ist und schließlich sagte ich es ihnen. Mein Vater war mit meiner Wahl ganz und gar nicht zufrieden. Schließlich seien ihre Eltern nur einfache Handwerker (Installateur und Krankenschwester). Dieser Background lässt sich nicht mit den leistungsorietierten Zielen meiner Eltern vereinbaren. Ich sollte doch eine Akademikerin heiraten.
Bis jetzt hatten meine Eltern nur meinen beruflichen Weg bestimmt, doch jetzt sollte es auch auf mein Privatleben überschlagen? Darüber war ich sehr erstaunt und verletzt. Mein Vater lies nicht mit sich reden. Er drohte mir, mich als seinen Sohn abzuerkennen, wenn ich diese Frau nicht vergessen würde.

Zuerst war mir das egal und ich traf mich trotzdem weiter mit ihr. Nun hatte ich einen Grund, mich meinen Eltern zu widersetzen. Für diese Frau wollte ich durchs Feuer gehen, um sie kämpfen und sie niemals verlassen. Sie war mir so wichtig, dass mich meine Eltern mal konnten.

Ich merkte jedoch, wie ich mich nach und nach veränderte. Die Neckereien kamen nicht mehr so gut an. Selten war ich gut drauf und schaute ihr in die Augen. Oft saß ich völlig abwesend rum, wenn wir uns sahen. Sie fragte mich, was los sei und ich erzählte ihr von den Aussagen meines Vaters. Sie war zwar entsetzt, verstand es aber nicht. Ihre Eltern hätten so etwas nie gesagt und ich glaube, ihr war die Bedeutung dieser Aussage für mich nicht ganz bewusst. Für sie war es so, dass ich auf jeden Fall bei ihr bleiben, um sie kämpfe und nicht auf meine Eltern höre. Ich jedoch nahm mir die Worte meines Vaters sehr zu Herzen und verinnerlichte sie so stark, dass ich mich fast vollständig von ihr entfernte. Es entstand zwischen uns genau die gleiche emotionale Distanz, wie ich sie von meinen Eltern her kenne. In meinen Augen völlig normal, weil ich nichts anderes kannte, aber in ihren unverständlich. Es passierte ganz automatisch.

Sie wurde traurig und fing an, sich Druck aufzuerlegen, um mich glücklich zu machen. Tat alles, damit es mir gut ging. Und was tat ich? Ich kapselte mich immer mehr von ihr ab, mied ihre Nähe (körperlich wie auch emotional) und wollte sie sogar fast verlassen.

Immer und immer wieder fragte ich mich, wieso mein Vater so etwas sagen musste. Meine Mutter widersprach ihm nie, ließ mich damit aber gefühlsmässig fallen. Ich fühlte mich alleine und völlig verlassen von allen, die mir jemals etwas bedeutet haben (ja, auch meine Eltern). Unbewusst zog ich mich immer weiter in mich zurück.

Bei meiner Freundin meldete ich mich lange nicht. Rief sie an, wimmelte ich sie ab, weil ich meine Ruhe brauche. Ich wollte niemanden mehr sehen. Morgens ging ich zur Arbeit. Abends ging ich Heim, um fern zusehen. Mehr tat ich nicht. Mir war alles so sch* egal geworden.

Erst jetzt, wo ich diesen Text schreibe, fange ich an, mir über meinen Kummer klar zu werden. Es tut mir alles so weh und ich weiß selbst nicht mehr weiter. Meine Freundin ist verletzt und ich bin schuld. Gleichzeitig versuche ich, das wieder gut zu machen, finde aber kein Mittel, um das hinzukriegen. Ich fühle einen sehr tiefen Schmerz über alles, was passiert ist und bin im Moment ziemlich alleine damit, weil ich glaube, dass mir dabei keiner helfen kann. Das schaffe nur ich alleine. Deshalb entstand dieser Text.

Danke fürs Zuhören ...

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8. Dezember 2006 um 14:42

Hallo lieber lostmyself...
...bleibt mir nur zu sagen : "Ruf sie an und erkläre es ihr !!!!"

Viel Glück

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8. Dezember 2006 um 15:00
In Antwort auf miren_12761347

Hallo lieber lostmyself...
...bleibt mir nur zu sagen : "Ruf sie an und erkläre es ihr !!!!"

Viel Glück

Hey!
Von BWLer zu BWLeras Studium war nicht das Schlechteste, was Du machen konntest. Wenn Dich Informatik mehr interessiert hat, warum lässt Du Dich in Rollen pressen, die Du nicht leben willst?

Was hätte passieren können?Dass sie Dir das Geld streichen. Steht Dir in der Ausbildung zu und kannst Du notfalls einklagen.

Warum machst Du, was sie erwarten? Willst Du Ihnen gefallen? Wozu denn? Es kommt doch n i c h t s zurück.

Von Deiner Freundin kommt massig Liebe.

warum fällt Dir die Entscheidung so schwer? Du bist von Deinen Eltern nicht abhängig, Du kannst tun was Du willst.

Und steh doch zu der Frau, die Du liebst!
Sonst wirst Du ein unglückliches Leben leben.

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8. Dezember 2006 um 15:01

Hallo Coleen
Danke für Deine aufmunternden Worte.

Mein Vater hat einerseits versucht, mein Leben zu bestimmen, aber andererseits völlig versagt, wenn es um mich und meine Probleme ging. Ich hatte niemanden zum Reden und so lernte ich gewzungenmaßen, alles mit mir selbst auszumachen. Das Schema hab ich seit frühester Kindheit in mir und für mich ist das völlig normal. Meine Freundin bekommt aber so natürlich nicht viel mit, wie es mir geht und was mich bewegt. Deshalb fühlt sie sich vonmir im Stich gelassen, abgesehen davon, daß ich mich nicht melde. Gestern hab ich aber wieder angefangen, mit ihr zu telefonieren. Vielleicht schaffe ich es ja morgen, mit ihr darüber zu reden, damit sie weiß, wieso ich mich so verhalte.

Sie bezieht das leider sehr auf sich, weil sie denkt, sie hätte einen fehler gemacht. Dem ist aber nicht so. Ich möchte ihr wieder dieses gute Gefühl geben, das ich ihr schon einmal geben konnte.

Es istrichtig, dass mein Vater es gewöhnt ist, dass jeder Ja sagt, der mit ihm zu tun hat. So ist auch schon sein Vater drauf gewesen. Diese Dominanz habe ich aber nicht mitbekommen, weil sie mich sehr belastet hat. Ich bin eher der Typ, der auf Harmonie und Gleichberechtigung in einer Beziehung aus ist und auch Freiheiten geben möchte, damit der andere sich wohl fühlt. Woher ich diesen Drang hab, weiß ich überhaupt nicht. Mich hat das Leben bis jetzt jedoch gelehrt, dass mir mein eigener Weg, das Leben zu sehen viel mehr bringt als der, den mein Vater mir gerne vorschreiben würde.

Deshalb wird es darauf hinauslaufen, dass ich mein eigenes Leben nach meinen eigenen Wünschen lebe. Aber das erstmal zu merken hat ewig gedauert ...

Danke nochmals.

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8. Dezember 2006 um 15:14
In Antwort auf lostmyself01

Hallo Coleen
Danke für Deine aufmunternden Worte.

Mein Vater hat einerseits versucht, mein Leben zu bestimmen, aber andererseits völlig versagt, wenn es um mich und meine Probleme ging. Ich hatte niemanden zum Reden und so lernte ich gewzungenmaßen, alles mit mir selbst auszumachen. Das Schema hab ich seit frühester Kindheit in mir und für mich ist das völlig normal. Meine Freundin bekommt aber so natürlich nicht viel mit, wie es mir geht und was mich bewegt. Deshalb fühlt sie sich vonmir im Stich gelassen, abgesehen davon, daß ich mich nicht melde. Gestern hab ich aber wieder angefangen, mit ihr zu telefonieren. Vielleicht schaffe ich es ja morgen, mit ihr darüber zu reden, damit sie weiß, wieso ich mich so verhalte.

Sie bezieht das leider sehr auf sich, weil sie denkt, sie hätte einen fehler gemacht. Dem ist aber nicht so. Ich möchte ihr wieder dieses gute Gefühl geben, das ich ihr schon einmal geben konnte.

Es istrichtig, dass mein Vater es gewöhnt ist, dass jeder Ja sagt, der mit ihm zu tun hat. So ist auch schon sein Vater drauf gewesen. Diese Dominanz habe ich aber nicht mitbekommen, weil sie mich sehr belastet hat. Ich bin eher der Typ, der auf Harmonie und Gleichberechtigung in einer Beziehung aus ist und auch Freiheiten geben möchte, damit der andere sich wohl fühlt. Woher ich diesen Drang hab, weiß ich überhaupt nicht. Mich hat das Leben bis jetzt jedoch gelehrt, dass mir mein eigener Weg, das Leben zu sehen viel mehr bringt als der, den mein Vater mir gerne vorschreiben würde.

Deshalb wird es darauf hinauslaufen, dass ich mein eigenes Leben nach meinen eigenen Wünschen lebe. Aber das erstmal zu merken hat ewig gedauert ...

Danke nochmals.

Hallo!
mir fehlten echt die worte als ich deinen text gelesen hab.
eigentlich wurde schon alles gesagt was du tun kannst bzw sollst damit du endlich glücklich wirst. Glaub mir, erzähle es deiner freundin genauso wie du es hier geschrieben hast. Sie wird dich verstehen !!!

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8. Dezember 2006 um 15:46

sich aus dem ei pellen
es ist eine seltsame sache mit dem über-ich, dass es sich beizeiten so präsentiert, als wäre es (das) ich, als käme es aus einem selbst heraus ... und die erkenntnis befreit zunächst nicht, weil das aufwachen mit schuldgefühlen, scham und ohnmacht verbunden ist, mit wut auf sich selbst, wenn man erkennt, was man da lange zeit mit sich gemacht hat.

das ist so ein kuddelmuddel, dass es fast größenwahnsinnig wäre, das ganz alleine in angriff nehmen zu wollen

hast du mal darüber nachgedacht, den kontakt zu deinen eltern auf ein minimum zu reduzieren bzw. ihn für absehbare zeit aufs eis zu legen?

lg

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9. Dezember 2006 um 9:08

Ars amandi
ich habe eine Weile nachdenken müssen, um eine passende Antwort zu finden, aber DIE passende gibt es wohl nicht.
Ich kann mich meinen Vorschreiberinnen nur anschließen; werde dir bewusst was du ganz alleine willst, nur das zählt.

Mir ist deine Lage durchaus bekannt, kann beinahe 'mitreden'. Meine Eltern, beide sehr erfolgreich in Chefetagen, setzten Studium, niveauvolle Freunde voraus.
Ich sollte mich nicht mit weniger zufrieden geben.
Anders als bei dir, verstanden es meine Eltern mit mir zu diskutieren. Folglich konnte ich ihnen bewusst machen, dass es mir frei steht, welche Freunde mein Leben teilen.
Ob Kellner, Krankenpfleger, oder weiß Gott wer.
Es wäre wohl nicht zu 100% zutreffend, würde ich jetzt einwerfen, dass sie nur dein bestes wollten. Ich denke darum geht es bei deinem Vater gar nicht.

Mein Großvater, ehem. Primar, hatte eine straffe 'Führung' bei meinem Vater, auch seine Zukunft wurde geplant/verplant...sollte dich die Arztdynastie fortgesetzt werden. Er sträubte sich, ging in die Wirtschaft, denn dort sah er sein Talent, seinen Traum.

Und genau das solltest du auch machen.
Auch wenn es zuerst hart sein mag, distanziere dich von ihnen.
Vielleicht ist das deine einzige Chance, dass er hört, er es begreift.
Schreibe ihm einen Brief, kommuniziere auf seiner Ebene mit ihm - du hast bisher einen erfolgreichen Lebensabschnitt gelebt, mehr oder weniger gewollt. Er wurde dir auferlegt, was aber nicht zwangsläufig heißt, dass man kein neues Kapitel im Buch aufschlagen kann. Es ist nie zu spät.

Du hast geschrieben, dass diese Frau dein Herz geöffnet hat, du dich angenommen fühlst.
Willst du dieses Gefühl aufgeben?
Ein hartes Herz bricht sehr leicht...lass das nicht geschehen...dafür spürt man bei dir zu viel Wärme heraus.
Mir hat dein Beitrag sehr gut gefallen...lass das nicht unterdrücken.

Fortes fortuna adiuvat
Dem Mutigen hilft das Glück.

Alles Liebe
Sarah

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