Forum / Liebe & Beziehung

Angst vor Beziehungen, Fragen

4. Oktober um 2:22 Letzte Antwort: 4. Oktober um 12:26

Hallo, 
Ich würde mich sehr freuen, wenn mir hier jemand, der mal eine erfüllende Beziehung erlebt hat, etwas Klarheit verschaffen könnte. Bitte entschuldigt auch vorab meine Naivität und (möglicherweise) falsche Vorstellungen.

Ich bin 25, weiblich und noch nie in einer richtigen Beziehung gewesen. Es haben sich im Laufe der Jahre viele Männer für mich interessiert, bei manchen war es gegenseitig, aber ich habe mir fast nie getraut, daraus mehr entstehen zu lassen. 
Vielleicht habe ich eine falsche Vorstellung von Beziehungen, aber ich habe das Gefühl, dass die meisten Beziehungen nicht auf gegenseitiger, wahrer Liebe beruhen, sondern dass meistens höchstens ein Partner wirklich liebt und der andere (oder sogar beide) sie als Mittel zum Zweck (Sex, Gesellschaft, finanzielle Sicherheit,...) sieht. Ich kann meine Gefühle nicht vortäuschen und könnte nur mit jemandem zusammen sein, den ich wirklich liebe. Mit 21 habe ich jemanden kennengelernt, bei dem ich dachte, dass es zu einer Beziehung führt, jedoch hat es sich bald herausgestellt, dass er seine Gefühle nur gespielt hat, weil er wusste, dass das Frauen imponiert. Ich habe sofort Schluss gemacht, habe aber seitdem Angst, dass mir das wieder passiert und ich es erst nach Jahren merke, wenn es schon zu spät ist. Aus der Familie kenne ich es nicht anders, die Ehe meiner Eltern ist eine Vernunftsehe (das sagen sie selbst) und obwohl nach Außen alles perfekt wirkt, habe ich schon als kleines Kind gemerkt, dass da keine Liebe ist.
Wenn ich jemanden date, mache ich es meistens so, dass ich mit ihm keinen Sex haben will, bis ich mir sicher bin, dass ich ihm als Person etwas bedeute. Dadurch habe ich noch niemanden länger als zwei Monaten gedatet.

Ich denke mir manchmal, dass ich vielleicht zu viel verlange, dass die Wahrscheinlichkeit, dass beide verliebt sind, ziemlich klein ist und dass man schon zufrieden sein muss, wenn man miteinander auskommt. Aber anderseits macht mich das traurig, dass manche Menschen nie wirklich geliebt sein werden. 
Wie erkennt ihr, ob die andere Person euch wirklich liebt? Und denkt ihr, dass ich zu viel verlange bzw. dass ich das alles falsch sehe?
Vielen Dank und sorry für die komische Frage. Ich bitte um Verständnis, ich komme nämlich ursprünglich aus dem mittleren Osten und wurde in diesen Sachen anders erzogen als deutsche Frauen in meinem Alter. 

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4. Oktober um 10:00

Was ist denn Liebe für dich? Also wie würdest du es beschreiben?

Auch wenn du keine eigenen Erfahrungen hast,  gibt es unzählige Bücher und Filme, die das Thema behandeln... in allen Facetten. Vielleicht hast du da ja was, was du besonders erstrebenswert oder abstoßend findest. 

Ich zum Beispiel kann mich glühend verlieben! Das war schon seit Kindheit an so. Hat jemand meine Gefühle entfacht,  war ich wie blind. Ich hab das wohl von meiner Mutter, die lernte meinen Vater kennen und es war um sie geschehen. 

Aber die Liebe ist so facettenreich wie eben die Menschen, die lieben. Du kannst von außen nicht wissen, wie die Liebe zwischen den Menschen ist und warum sie besteht. 

Darüber hinaus wird eine "lebenslange" Liebe meistens überidealisiert und dieses Ideal ist nicht zu erfüllen. Ein bisschen Pragmatismus ist da angeraten. Es wird Phasen geben, da wird man auch nicht nur Glocken läuten hören oder ein Funktionieren steht im Vordergrund. Das Verliebtsein schwindet, ein normaler Mensch mit Stärken und Schwächen steht vor einem. 

Dann kommts auf die beiden an, was sie draus machen. Das ist die eigentliche Quest. Hat jemand Liebe als innere Struktur, die einen durchzieht wie Wurzeln den Waldboden, dann gibt es viele, viele Möglichkeiten, diese Liebe zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Fluides Ding, nie gleich,  immer in Bewegung. Spannend. Aber auch möglich, dass es diese beiden nicht zusammen hält. 

Denkt man allerdings, dass Liebe so etwas "von oben ist", das über einen kommt,  wäre da nur der eine Richtige, dann kann das aus meiner Sicht nur zu Enttäuschungen führen. Der einzige Mensch,  der richtig ist,  bist du selbst. Und so wie du Die Welt siehst, ist sie. 

Wenn man den Blick öffnet, gibt es so viele Arten von Liebe und Beziehungen, wie es Menschen gibt. Du hast aber ein Programmheft, an dem du fest hältst. Das würde ich mal sehr fein zerschreddern. 

Und dann einfach mal versuchen. 

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4. Oktober um 10:48
In Antwort auf frauevi

Was ist denn Liebe für dich? Also wie würdest du es beschreiben?

Auch wenn du keine eigenen Erfahrungen hast,  gibt es unzählige Bücher und Filme, die das Thema behandeln... in allen Facetten. Vielleicht hast du da ja was, was du besonders erstrebenswert oder abstoßend findest. 

Ich zum Beispiel kann mich glühend verlieben! Das war schon seit Kindheit an so. Hat jemand meine Gefühle entfacht,  war ich wie blind. Ich hab das wohl von meiner Mutter, die lernte meinen Vater kennen und es war um sie geschehen. 

Aber die Liebe ist so facettenreich wie eben die Menschen, die lieben. Du kannst von außen nicht wissen, wie die Liebe zwischen den Menschen ist und warum sie besteht. 

Darüber hinaus wird eine "lebenslange" Liebe meistens überidealisiert und dieses Ideal ist nicht zu erfüllen. Ein bisschen Pragmatismus ist da angeraten. Es wird Phasen geben, da wird man auch nicht nur Glocken läuten hören oder ein Funktionieren steht im Vordergrund. Das Verliebtsein schwindet, ein normaler Mensch mit Stärken und Schwächen steht vor einem. 

Dann kommts auf die beiden an, was sie draus machen. Das ist die eigentliche Quest. Hat jemand Liebe als innere Struktur, die einen durchzieht wie Wurzeln den Waldboden, dann gibt es viele, viele Möglichkeiten, diese Liebe zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein Fluides Ding, nie gleich,  immer in Bewegung. Spannend. Aber auch möglich, dass es diese beiden nicht zusammen hält. 

Denkt man allerdings, dass Liebe so etwas "von oben ist", das über einen kommt,  wäre da nur der eine Richtige, dann kann das aus meiner Sicht nur zu Enttäuschungen führen. Der einzige Mensch,  der richtig ist,  bist du selbst. Und so wie du Die Welt siehst, ist sie. 

Wenn man den Blick öffnet, gibt es so viele Arten von Liebe und Beziehungen, wie es Menschen gibt. Du hast aber ein Programmheft, an dem du fest hältst. Das würde ich mal sehr fein zerschreddern. 

Und dann einfach mal versuchen. 

Hallo, vielen Dank für deine Antwort. Um deine Frage zu beantworten: für mich bedeutet Liebe, für eine spezielle Person mehr machen zu wollen, mehr an sie denken, ihre Wünsche mehr zu berücksichtigen als man bei meisten Menschen tut, ohne dass man dabei eigenes Interesse verfolgt, sondern weil es einen glücklich macht, wenn die andere Person glücklich ist. Ich bin nicht eine Person, die ständig Liebesbeweise, süße Wörtchen und Aufmerksamkeit erfordert, aber ich denke, dass diese Art von Wertschätzung und Sensibilität für eine glückliche Beziehung erforderlich ist. Ich bin in einer Partnerschaft noch nie zu diesem Stadium gekommen, aber glaube, etwas ähnliches bei guten Freunden erlebt zu haben. Ich habe zwei gute Freundinnen, die ich schon seit Kindheit kenne. Obwohl wir uns nicht mehr täglich sehen, wir uns in unterschiedliche Richtungen entwickeln (teilweise auch so, dass es der anderen nicht gefällt), ist man immer für einander da, mit viel Respekt und Verständnis. Zumindest von mir selbst kann ich sagen, dass ich für sie auch eine Art Liebe empfinde, weil ich mich über ihr Glück und Erfolge genauso freue wie über meine eigenen, über ihre Probleme und Unglück mache ich mir tagelang Gedanken, ich möchte sie immer gut verstehen, sie vor schlimmen Sachen beschützen, ihnen das Gefühl geben, dass sie mir 100%-ig vertrauen können. Bei einem Mann würde ich etwas ähnliches erwarten, nur dass davor eben eine Verliebtheitsphase kommt, in der man ständig aneinander denkt, sich ständig sehen und reden will, dass man voneinander begeistert ist. Aber mir ist klar, dass das nicht lange dauert, wäre auch anstrengend auf lange Zeit. Bei den Männern, die ich gedatet habe, hatte ich aber immer das Gefühl, dass sie mich nur als Mittel zum Sex, Unterhaltung oder Gemütlichkeit gesehen haben. Beispielsweise hat mir einer immer Komplimente gemacht, mich in teuere Restaurants eingeladen, Liebeswörtchen zugeflüsstert, so dass ich wirklich dachte, er wäre verliebt in mich. Ich hatte nach einem Monat einen Unfall, bei dem meine beiden Beine gebrochen wurden, und er hat sich bei mir kein einziges Mal erkundigt, ob ich mit etwas Hilfe brauche. Obwohl ich sie vermutlich nicht angenommen hätte, war das für mich ein Beweis, wie viel ich ihm wirklich bedeute, wenn ich nicht als trophy girl/Sexspielzeug zur Verfügung stehe (grob gesagt). Ähnliche Sachen sind auch mit den anderen Männern passiert. :/

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4. Oktober um 12:26

Du bist noch sehr jung und die Männer die du kennen lernst wahrscheinlich auch. Dazu vermitteln Ursprungsfamilie, Peers und Medien auch Idealbilder (egal ob positiv oder negativ) von Beziehungen und man fängt halt an, Dinge auszuprobieren, indem man was imitiert oder genau das Gegenteil macht. 

Das gehört halt auch dazu.

Und ich spüre bei dir sehr viel Ernst und Tiefgang raus. Kannst du auch mal lachen und Dinge leicht nehmen? Es ist ja nicht das Ende der Welt, wenn man mal einem Blender auf dem Leim geht - immerhin wirkt auch Werbung auf sehr subtile Art und Weise. Krone richten,  weiter geht's. 


Ich habe mich sehr oft sehr weit raus gelehnt in meinem Leben mit den Männern. Würde ich jetzt nicht unbedingt empfehlen, mehr als genug habe ich geheult und mir geschworen, nie mehr wieder, aber im Endeffekt hab ich alles überlebt! 

Das Problem bei dieser fehlenden Lockerheit ist dann nämlich,  dass man keine Erfahrungen sammelt und immer unsicherer wird... die Gefahr dass man erst recht den falschen erwischt ist größer als wenn man etwas lockerer an die Sache rangeht. 

So oder so, die Sache ist immer mit Risiko verbunden. Die 100%ige Sicherheit gibt es nicht. Durch Erfahrung lernt man. Auch durch die schlechte.

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