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Angst, sich und dem Partner Erkrankungen einzugestehen, Erfahrungen?

4. Dezember um 13:46

Hallo,
anlässlich eines brisanten Themas im Nebenthread würden mich mal eure Erfahrungen brennend interessieren. Leidet ihr unter einer Erkrankung, wurdet aber vom Partner oder anderen Angehörigen deswegen beschimpft oder verlassen? Oder werdet ihr therapeutisch begleitet und wie klappt das? Ich habe insgesamt zu dem Thema gute Erfahrungen gemacht, bin mir aber bewusst, dass hier evtl eher Personen mit Problemen in der Hinsicht anzutreffen sind. Trotzdem würde es mich persönlich einfach interessieren, wie ihr damit umgeht.
Liebe Grüsse

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4. Dezember um 13:58
In Antwort auf luna1001

Hallo,
anlässlich eines brisanten Themas im Nebenthread würden mich mal eure Erfahrungen brennend interessieren. Leidet ihr unter einer Erkrankung, wurdet aber vom Partner oder anderen Angehörigen deswegen beschimpft oder verlassen? Oder werdet ihr therapeutisch begleitet und wie klappt das? Ich habe insgesamt zu dem Thema gute Erfahrungen gemacht, bin mir aber bewusst, dass hier evtl eher Personen mit Problemen in der Hinsicht anzutreffen sind. Trotzdem würde es mich persönlich einfach interessieren, wie ihr damit umgeht.
Liebe Grüsse

wie war das noch mal mit der Wortwahl? Gestehen / Eingestehen muss man sich und anderen Fehler und Verbrechen, aber keine Erkrankungen.

Dass der Partner (und / oder Angehörige) mit therapeutisch begleitet wird, habe ich in 4 ambulanten und 2 stationären / teilstationären Therapien noch nie erlebt.
Es gab 2x eine Sitzung, wo ein Angehöriger dabei war. Das war alles. Trennung von meinem Partner (und anderen Grundpfeilern in meinem Leben) wurde mehrfach von Therapeuten forciert, hat bei meinem Partner aber nicht geklappt, da er es zum Glück geschafft hat, mich in dem Punkt auf den Boden der Realität zurück zu holen.

Von anderen Angehörigen beschimpft - auch, nicht ernst genommen jedoch viel häufiger und das fand ich fast schlimmer.

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4. Dezember um 14:39
In Antwort auf luna1001

Hallo,
anlässlich eines brisanten Themas im Nebenthread würden mich mal eure Erfahrungen brennend interessieren. Leidet ihr unter einer Erkrankung, wurdet aber vom Partner oder anderen Angehörigen deswegen beschimpft oder verlassen? Oder werdet ihr therapeutisch begleitet und wie klappt das? Ich habe insgesamt zu dem Thema gute Erfahrungen gemacht, bin mir aber bewusst, dass hier evtl eher Personen mit Problemen in der Hinsicht anzutreffen sind. Trotzdem würde es mich persönlich einfach interessieren, wie ihr damit umgeht.
Liebe Grüsse

Du kannst nicht alle Krankheiten über einen Kamm scheren. Es ist sehr verständlich, dass man sich zum Eigenschutz von jemandem trennt, den man liebt, wenn dessen Krankheit massive Auswirkungen auf einen selbst hat, zum Beispiel weil das Verhalten des Partners extrem verletzend oder moralisch nicht mit der eigenen Einstellung zu vereinbaren ist. Würde sich rausstellen, dass mein Partner pädophil ist, würde ich ihn ganz bestimmt verlassen. Wenn er durch einen Unfall Rollstuhl landet und sein restliches Leben lang nicht mehr laufen kann, dann nicht.

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4. Dezember um 14:52
In Antwort auf traventure

Du kannst nicht alle Krankheiten über einen Kamm scheren. Es ist sehr verständlich, dass man sich zum Eigenschutz von jemandem trennt, den man liebt, wenn dessen Krankheit massive Auswirkungen auf einen selbst hat, zum Beispiel weil das Verhalten des Partners extrem verletzend oder moralisch nicht mit der eigenen Einstellung zu vereinbaren ist. Würde sich rausstellen, dass mein Partner pädophil ist, würde ich ihn ganz bestimmt verlassen. Wenn er durch einen Unfall Rollstuhl landet und sein restliches Leben lang nicht mehr laufen kann, dann nicht.

und nicht alle Partner über einen Kamm scheren. Damit, dass der Partner nie wieder laufen kann, kann auch nicht jeder umgehen. Und in dem Falle ist sofort gehen für beide die bessere Lösung, als sich erst aufzureiben, bis es nicht mehr geht, dann weiter zu machen bis zum Zusammenbruch...

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4. Dezember um 14:54
In Antwort auf traventure

Du kannst nicht alle Krankheiten über einen Kamm scheren. Es ist sehr verständlich, dass man sich zum Eigenschutz von jemandem trennt, den man liebt, wenn dessen Krankheit massive Auswirkungen auf einen selbst hat, zum Beispiel weil das Verhalten des Partners extrem verletzend oder moralisch nicht mit der eigenen Einstellung zu vereinbaren ist. Würde sich rausstellen, dass mein Partner pädophil ist, würde ich ihn ganz bestimmt verlassen. Wenn er durch einen Unfall Rollstuhl landet und sein restliches Leben lang nicht mehr laufen kann, dann nicht.

es haben ALLE schweren / chronischen / langandauernden Erkrankungen Auswirkungen auf alle nahestehenden Menschen. Das ist ein Fakt, den man nicht unter den Tisch kehren sollte.

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4. Dezember um 15:02

Die Wortwahl ist tatsächlich etwas, was mich drüben hellhörig hat werden lassen. Im deutschsprachigen Raum klingen alle Begriffe dafür, als wäre es tatsächlich ein Verbrechen, krank zu sein. Ich weiss garnicht, wie ist das eigentlich in anderen Ländern, kennt sich da jemand aus? Dies sollte auf jeden Fall mMn geändert werden und evtl sollten Behandler da mal Vorreiter spielen, denn Sprache schafft ja Tatsachen. Ich werde demnächst bei einem Kongress darüber diskutieren. Interessant wird auch sein, die Anregungen der Klienten zu hören, wie es ihnen lieber wäre. Vielleicht könnte man sagen: sich dem Partner öffnen.
Was meint ihr?

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4. Dezember um 15:06
In Antwort auf avarrassterne1

wie war das noch mal mit der Wortwahl? Gestehen / Eingestehen muss man sich und anderen Fehler und Verbrechen, aber keine Erkrankungen.

Dass der Partner (und / oder Angehörige) mit therapeutisch begleitet wird, habe ich in 4 ambulanten und 2 stationären / teilstationären Therapien noch nie erlebt.
Es gab 2x eine Sitzung, wo ein Angehöriger dabei war. Das war alles. Trennung von meinem Partner (und anderen Grundpfeilern in meinem Leben) wurde mehrfach von Therapeuten forciert, hat bei meinem Partner aber nicht geklappt, da er es zum Glück geschafft hat, mich in dem Punkt auf den Boden der Realität zurück zu holen.

Von anderen Angehörigen beschimpft - auch, nicht ernst genommen jedoch viel häufiger und das fand ich fast schlimmer.

Forciert? Wie ist das gemeint? Die Angehörigen werden am besten von anderen Therapeuten unterstützt, nicht vom Therapeuten des Klienten, bei uns gibt es auch Selbsthilfegruppen die sehr gerne angenommen werden.

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4. Dezember um 15:10
In Antwort auf avarrassterne1

und nicht alle Partner über einen Kamm scheren. Damit, dass der Partner nie wieder laufen kann, kann auch nicht jeder umgehen. Und in dem Falle ist sofort gehen für beide die bessere Lösung, als sich erst aufzureiben, bis es nicht mehr geht, dann weiter zu machen bis zum Zusammenbruch...

Das stimmt. Es ist ein schwieriges Thema, Abgrenzung für die Angehörigen. Fakt ist jedoch auch, ein Beziehungsabbruch ist auch noch eine zusätzliche Krise, die für alle auf die belastende Situation noch oben mit drauf kommt.

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4. Dezember um 15:16
In Antwort auf avarrassterne1

es haben ALLE schweren / chronischen / langandauernden Erkrankungen Auswirkungen auf alle nahestehenden Menschen. Das ist ein Fakt, den man nicht unter den Tisch kehren sollte.

Ja das stimmt. Ich meine mit massiv auch eher Auswirkungen, mit denen man selbst nicht umgehen kann oder auf Dauer nicht möchte. Letztendlich ist es nämlich wie du schreibst auch für den geaunden Partner eine Belastung und jeder sollte über sich selbst bestimmen dürfen, was zu viel ist oder nicht. Das kann ansonsten auch krank machen!

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4. Dezember um 16:08
In Antwort auf luna1001

Das stimmt. Es ist ein schwieriges Thema, Abgrenzung für die Angehörigen. Fakt ist jedoch auch, ein Beziehungsabbruch ist auch noch eine zusätzliche Krise, die für alle auf die belastende Situation noch oben mit drauf kommt.

Das stimmt zwar, aber zwei schwache werden auch nicht einfach aus mathematischen Gründen stark, nur weil sie zu zweit sind. Ich gehe mit Traventure und Avarassterne vollauf einig. Und dass es, bei aller Ungeheuerlichkeit des Momentes, Situationen gibt, wo man sich zuerst und vorallem einmal selber schützen muss.
So war es mir bewusst, dass ich mit meiner Trennung meine Exfrau mit schwerer psychischer Erkrankung in einen noch viel tieferen Abgrund stürzen liess. Alternativ wären wir beide gestürzt. Und diesen Heldentod konnte ich nun mal nicht gehen.

Ganz allgemein zu deinem Thread und zu deiner Frage: Die einzelnen Schicksale unterscheiden sich, ebenso die Kräfte der Betroffenen. Aber ganz grundsätzlich neige ich dazu für mich in Anspruch zu nehmen, als dereinst Krankheitsbetroffener meine Liebsten nicht nur ziehen zu lassen sondern zum Gehen aufzufordern. Der Gedanke von Familien und Freunden gehalten, gepflegt und umsorgt zu werden ist zwar tröstlich und hat etwas zu tiefst emphatisches. Aber von meinen Angehörigen mit den Füssen voraus aus dem Haus getragen zu werden, würde ich ihnen niemals zumuten wollen.

Leicht lässt sich natürlich schreiben was ich hier wiedergebe. Noch nicht von Krankheiten betroffen und vom Leben verwöhnt, sonne ich mich im Liegestuhl - auf die Gefahr hin, letztlich auch gehörig verbrannt zu werden.
Aber das Gleichgehen von Krankheit und Verbrechen, wie du es nennst, sehe ich nicht. Was ich sehe, und worüber ich mich oftmals ärgere, ist die Nähe von Krankheit und Mitleid, die schnelle Verurteilung in Opfer und Täter.  

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4. Dezember um 16:09
In Antwort auf luna1001

Die Wortwahl ist tatsächlich etwas, was mich drüben hellhörig hat werden lassen. Im deutschsprachigen Raum klingen alle Begriffe dafür, als wäre es tatsächlich ein Verbrechen, krank zu sein. Ich weiss garnicht, wie ist das eigentlich in anderen Ländern, kennt sich da jemand aus? Dies sollte auf jeden Fall mMn geändert werden und evtl sollten Behandler da mal Vorreiter spielen, denn Sprache schafft ja Tatsachen. Ich werde demnächst bei einem Kongress darüber diskutieren. Interessant wird auch sein, die Anregungen der Klienten zu hören, wie es ihnen lieber wäre. Vielleicht könnte man sagen: sich dem Partner öffnen.
Was meint ihr?

mit jemandem darüber sprechen ist das neutralste, was mir einfällt.
sich jemandem öffnen ist aber m.E. sehr viel passender, es gehört schon Vertrauen dazu bei Menschen, die man danach auch noch mal wieder sieht zumindest. Beim Barkeeper in Hamburg für jemanden, der in Bayern wohnt, nicht

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4. Dezember um 16:13
In Antwort auf luna1001

Hallo,
anlässlich eines brisanten Themas im Nebenthread würden mich mal eure Erfahrungen brennend interessieren. Leidet ihr unter einer Erkrankung, wurdet aber vom Partner oder anderen Angehörigen deswegen beschimpft oder verlassen? Oder werdet ihr therapeutisch begleitet und wie klappt das? Ich habe insgesamt zu dem Thema gute Erfahrungen gemacht, bin mir aber bewusst, dass hier evtl eher Personen mit Problemen in der Hinsicht anzutreffen sind. Trotzdem würde es mich persönlich einfach interessieren, wie ihr damit umgeht.
Liebe Grüsse

Hallo,
zur Überschrift
Nein
Ja

" Leidet ihr unter einer Erkrankung, wurdet aber vom Partner oder anderen Angehörigen deswegen beschimpft oder verlassen? "

Wieso ..aber.. in dem Zusammenhang ?

"Oder werdet ihr therapeutisch begleitet und wie klappt das? "

Wieso...oder ...in dem Zusammenhang ?


"Ich habe insgesamt zu dem Thema gute Erfahrungen gemacht, .."
Das freut mich  , welche Erkrankungen liegen/lagen denn vor?

Pyromanie vllt ?, da du auch schreibst das es dich ...brennend ..interessiert.


" ..bin mir aber bewusst, dass hier evtl eher Personen mit Problemen in der Hinsicht anzutreffen sind. "

Wieso schon wieder...aber.....? wie passt es in dem Zusammenhang?
Wieso eher ? Wo denn noch?


" Trotzdem würde es mich persönlich einfach interessieren, wie ihr damit umgeht."

Wie so TROTZDEM ?
Wie passt das in dem Zusammenhang ?

Liebe Grüsse











 

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4. Dezember um 16:28
In Antwort auf luna1001

Forciert? Wie ist das gemeint? Die Angehörigen werden am besten von anderen Therapeuten unterstützt, nicht vom Therapeuten des Klienten, bei uns gibt es auch Selbsthilfegruppen die sehr gerne angenommen werden.

muss ich etwas ausholen...

Punkt 1: zu Borderline gehört in den meisten Fällen eine saftige Wahrnehmungsstörung. Nicht neu und kein Geheimnis, würde ich sagen.
Jede menschliche Wahrnehmung ist gefiltert, bewertet, interpretiert. Auch bei jedem gesunden Menschen, so weit so klar, bei mir ist der erste Punkt immer problematisch, in einem skuten Schub die beiden anderen auch. Inzwischen habe ich meine Strategien, damit klar zu kommen, damals hatte ich sie nicht.
Ich hatte - natürlich - riesen Probleme im Job bei der ersten Therapie und bei der zweiten in meiner Beziehung. Tja, Wahrnehmungsfasching... lag für mich in dem Moment ganz klar am Job. Und im zweiten Fall daran, dass ich eine Beziehung führe, statt mal schön allein zu bleiben. Das erste so falsch wie das zweite, aber man muss wissen, dass nichts so ist, wie es aussieht und man sich mit einer FataMorgana duelliert.

Punkt 2: eine Therapie wühlt emotional alles auf und durcheinander - ist der Sinn der Sache. Das verbessert gerade bei mir die Urteilsfähigkeit aber so gar nicht. Inzwischen weiß ich, dass ich in einem stark aufgewühlten Zustand keine Entscheidung treffe, deren Folgen, über den aktuellen Tag hinaus gehen - aber das zu lernen tat weh.
Dazu kommt diese allgemeine Aufbruchsstimmung, jetzt beginnt mein schönes neues Leben, ALLES, was war lasse ich hinter mir... nun, ALLES hinter sich zu lassen, ist eine ziemlich dämliche Idee in dieser Situation, die Stärke, komplett neu anzufangen und auf alle Stützpfeiler zu verzichten hat man gefühlt natürlich total, real aber so gar nicht in dem Moment.

So und jetzt zu meiner Erfahrung mit den Therapeuten in dieser Hinsicht:
Das "ich lasse alles hinter mir" wurde enorm bestärkt.
Ich wurde enorm bestärkt, meinen Job zu kündigen, damit ich dann endlich frei bin. Oh ja, ich war frei. Vor allem frei von Einkommen, weil erst die Sperre durch die Kündigung und später die Tatsache, dass ich noch lange nicht arbeitsfähig war.
Ich wurde bestärkt meine Beziehung zu beenden und mich scheiden zu lassen. Ich müsse ja endlich auch mal an mich denken, blablabla... Da hat mich dann mein Mann daran erinnert, wie die letzte Entscheidung in der gleichen Situation, von der ich TOTAL überzeugt war und zu der mir auch die Therapeuten so begeistert geraten haben, denn ausging. Harte Landung, aber natürlich hatte er völlig Recht.
Alles, ohne das zu hinterfragen, zu analysieren, darauf einzugehen, dass ich in dieser Situation ahm... bedingt zurechnungsfähig bin - oder sonst was in der Art.

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4. Dezember um 16:37
In Antwort auf luna1001

Das stimmt. Es ist ein schwieriges Thema, Abgrenzung für die Angehörigen. Fakt ist jedoch auch, ein Beziehungsabbruch ist auch noch eine zusätzliche Krise, die für alle auf die belastende Situation noch oben mit drauf kommt.

Fakt ist genauso:
zusehen zu müssen, wie der Partner auch noch unter der eigenen Krankheit leidet, ist auch eine zusätzliche Krise.

Die Erfahrung habe ich auch gemacht, ich möchte sie um keinen Preis wiederholen.

Bei jeder länger-/langfristigen Krankheit gibt es Charaktermerkmale, die der Partner / die passen - oder eben nicht.
Auch wenn ich mit Beziehungen klar komme - ich brauche einen bestimmten Charaktertypus. Jemand mit einem (und sei es nur leicht) ausgeprägtem Helfersyndrom wäre für uns beide toxisch.

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4. Dezember um 16:48
In Antwort auf luna1001

Hallo,
anlässlich eines brisanten Themas im Nebenthread würden mich mal eure Erfahrungen brennend interessieren. Leidet ihr unter einer Erkrankung, wurdet aber vom Partner oder anderen Angehörigen deswegen beschimpft oder verlassen? Oder werdet ihr therapeutisch begleitet und wie klappt das? Ich habe insgesamt zu dem Thema gute Erfahrungen gemacht, bin mir aber bewusst, dass hier evtl eher Personen mit Problemen in der Hinsicht anzutreffen sind. Trotzdem würde es mich persönlich einfach interessieren, wie ihr damit umgeht.
Liebe Grüsse

du solltest konkreter werden. du schreibst sehr oberflächlich, dass man nicht weiß worum es eigentlich wirklich geht. was heißt beschimpfungen. welche krankheiten meinst du? 
 

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4. Dezember um 22:18

Es hängt immer vom Therapiewillen ab, Psychisch wie Physisch.

Ein Mensch, der versucht mit seiner Krankheit zurecht zu kommen, eine Lösung zu finden oder im besten Fall die Heilung zu erlangen, hätte emotional immer meine Unterstützung. 

Aus Erfahrung in der Familie, weiß ich, dass eine körperliche Einschränkung auch Wut mit sich führen kann, die man nicht persönlich nehmen darf und, dass z. B eine Chemotherapie Nebenwirkungen hat die, die Psyche angreifen und das familiäre Leben neben der eigentlichen Krankheit auf den Kopf stellen. 

Nach IDC F00-99 beim erkennen, würde ich mich nicht darauf einlassen, nicht mal im Bekanntenkreis. 




 

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4. Dezember um 22:27

Ihr Lieben, zunächst einmal vielen Dank für eure Antworten!

Ich persönlich bin nach einem guten Gespräch mit meinem Supervisor heute Nachmittag zu dem Schluss gekommen, dass in unserer Gesellschaft speziell hier in D. ein grosser Mangel an Respekt vor Schwäche, Hilfsbedürftigkeit und ja, auch Weiblichkeit besteht (Ursache des zunehmenden militanten Feminismus), was die Frauen spüren/gespürt haben und nun abwehren sowie auch die (psychisch) Erkrankten offenbar tun. Was sie brauchen sind starke Vorreiter, die aus ihrer Machtposition vorleben können, wie es geht. Wenn Positivvorbilder eigene Schwächen offen aussprechen, den folgenden Shitstorm mutig ertragen und trotzdem integer und authentisch damit leben, kann es gelingen, dass sich immer mehr trauen sich zu öffnen. Was heisst es nun für die Situation in der Partnerschaft? Ich denke, wenn Beziehungskredit vorhanden ist, die Beziehung also gut und harmonisch läuft, wie auch eigentlich beim TE des Nachbarthreads, kann es gewagt werden, sich zu öffnen, ohne das die Beziehung daran zerbrechen MUSS. Und ich bin davon überzeugt, man kann sowas durchstehen und evtl sogar gemeinsam aus den grossen Schwächen grosse Stärken machen.

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4. Dezember um 22:57

Welche Ausbildung hat dein Supervisor? 

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Gestern um 8:38
In Antwort auf luna1001

Ihr Lieben, zunächst einmal vielen Dank für eure Antworten!

Ich persönlich bin nach einem guten Gespräch mit meinem Supervisor heute Nachmittag zu dem Schluss gekommen, dass in unserer Gesellschaft speziell hier in D. ein grosser Mangel an Respekt vor Schwäche, Hilfsbedürftigkeit und ja, auch Weiblichkeit besteht (Ursache des zunehmenden militanten Feminismus), was die Frauen spüren/gespürt haben und nun abwehren sowie auch die (psychisch) Erkrankten offenbar tun. Was sie brauchen sind starke Vorreiter, die aus ihrer Machtposition vorleben können, wie es geht. Wenn Positivvorbilder eigene Schwächen offen aussprechen, den folgenden Shitstorm mutig ertragen und trotzdem integer und authentisch damit leben, kann es gelingen, dass sich immer mehr trauen sich zu öffnen. Was heisst es nun für die Situation in der Partnerschaft? Ich denke, wenn Beziehungskredit vorhanden ist, die Beziehung also gut und harmonisch läuft, wie auch eigentlich beim TE des Nachbarthreads, kann es gewagt werden, sich zu öffnen, ohne das die Beziehung daran zerbrechen MUSS. Und ich bin davon überzeugt, man kann sowas durchstehen und evtl sogar gemeinsam aus den grossen Schwächen grosse Stärken machen.

Gerade bei psychischen Erkrankungen  geht "den folgenden Shitstorm mutig ertragen" nur halt meistens erst, wenn man schon mal durch das gröbste durch ist.

Außerdem glaube ich, was hier fehlt, ist mehr Allgemeinwissen als Helden.

Wo bei einer körperlichen Erkrankung auch dem letzten Deppen noch einleuchtet, dass es eher nicht "Faulheit" ist, wenn jemand mit einem Hüftschaden jetzt nicht mit zur Bergwanderung möchte, ist etwas vergleichbares im psychischen Bereich ganz was anderes. Selbst bei gebildeten Menschen, nicht nur bei den letzten Deppen.

Beim einen wie beim anderen sind die Grenzen fließend, tagesformabhängig und manchmal individuell. Auch jemand mit einem Hüftschaden kann der Versuchung erliegen, lieber immer zu Hause zu bleiben und alle Einkäufe von anderen erledigen zu lassen, um sich zu "schonen" - womit die Grenze zum Schaden für beide Seiten überschritten wäre. Weil man auch mit einem Hüftschaden Bewegung BRAUCHT, aber eben auch auf Belastungsgrenzen, die gesunde Menschen an dieser Stelle noch lange nicht haben, einhalten muss, um sich nicht selbst zu schaden. Von den sozialen Folgen, dass man immer nur die anderen schickt, mal abgesehen.
Und ja, im psychischen Bereich ist der Grat zwischen "nein, sollte ich lassen, um mich nicht zu überlasten" und "ach nee, das wird mir jetzt aber bissl unangenehm, ich mag ned, ich bleib lieber da" viel schmaler, viel schwerer zu erkennen. Auch und gerade für die Betroffenen selbst - auch wenn jeder Mensch einen "inneren Schweinehund" hat - unserer hat da mehr einen Hang zum Kerberos in Top-Form. Ich weiß Auch der muss an die Leine, keine Frage.

Aber zumindest ist in diesem Bereich den Menschen klar, dass es solche Grenzen GIBT, dass der Betroffene darauf achten MUSS und dass die natürlich auch an Stellen liegen können und werden, bei denen gesunde Menschen nicht das geringste Problem haben.

Anders im psychischen Bereich. Hier gibt es immer noch verbreitet die Einstellung, dass man das irgendwie alles mit "mal zusammenreißen" auf die Reihe bekommt.
Ein für mich persönlich sooooooooooooooooo unseeliger Satz.
Klar, man könnte auch mit einem gebrochenen Bein weiter laufen, wenn man sich einfach mal zusammen reißt. Ist nicht schlau, aber es geht. In dem Falle ist aber jedem klar, dass das eine maximal dämliche Idee ist und man würde es niemandem raten. Man würden jeden umgehend zum Doc schicken, Bein behandeln lassen, schienen / gipsen (macht man heute nicht mehr, oder?) - was auch immer. Anders bei psychischen Erkrankungen. Da hört man das ständig. Und glaubt es auch selbst noch. Ergo: man läuft ewig mit einem "gebrochenen Bein" herum, was das Problem irgendwie nicht besser macht. Natürlich nicht. Klar wird es damit schlimmer. Was auch sonst.
Und dann muss man sich noch rechtfertigen, dass man das behandeln lässt. Dafür krank geschrieben ist, statt weiter rum zu laufen.
Man hört Sprüche wie "ich bin auch manchmal traurig, da mache ich auch nicht so ein Theater" - und muss dann noch erklären, dass "ich bin auch mal traurig" mit einer Depression ungefähr so viel zu tun hat wie "ich muss auch mal husten" mit Lungenkrebs.
Oder wie ich von vielen Mitpatienten in den Therapien gehört habe sowas wie "oh, Du bist im Krankenhaus, ist es was Ernstes oder wieder Dein Zeug?" - üblicher Weise aus der Familie. Depressionen sind per se eine lebensbedrohliche Erkrankung, wie ernst soll es denn bitte noch werden für die Damen und Herren?!? Diskutieren sie dann bei der Beerdigung auch noch rum, warum man sich nicht mal zusammen gerissen hat?

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Gestern um 9:17
In Antwort auf avarrassterne1

Gerade bei psychischen Erkrankungen  geht "den folgenden Shitstorm mutig ertragen" nur halt meistens erst, wenn man schon mal durch das gröbste durch ist.

Außerdem glaube ich, was hier fehlt, ist mehr Allgemeinwissen als Helden.

Wo bei einer körperlichen Erkrankung auch dem letzten Deppen noch einleuchtet, dass es eher nicht "Faulheit" ist, wenn jemand mit einem Hüftschaden jetzt nicht mit zur Bergwanderung möchte, ist etwas vergleichbares im psychischen Bereich ganz was anderes. Selbst bei gebildeten Menschen, nicht nur bei den letzten Deppen.

Beim einen wie beim anderen sind die Grenzen fließend, tagesformabhängig und manchmal individuell. Auch jemand mit einem Hüftschaden kann der Versuchung erliegen, lieber immer zu Hause zu bleiben und alle Einkäufe von anderen erledigen zu lassen, um sich zu "schonen" - womit die Grenze zum Schaden für beide Seiten überschritten wäre. Weil man auch mit einem Hüftschaden Bewegung BRAUCHT, aber eben auch auf Belastungsgrenzen, die gesunde Menschen an dieser Stelle noch lange nicht haben, einhalten muss, um sich nicht selbst zu schaden. Von den sozialen Folgen, dass man immer nur die anderen schickt, mal abgesehen.
Und ja, im psychischen Bereich ist der Grat zwischen "nein, sollte ich lassen, um mich nicht zu überlasten" und "ach nee, das wird mir jetzt aber bissl unangenehm, ich mag ned, ich bleib lieber da" viel schmaler, viel schwerer zu erkennen. Auch und gerade für die Betroffenen selbst - auch wenn jeder Mensch einen "inneren Schweinehund" hat - unserer hat da mehr einen Hang zum Kerberos in Top-Form. Ich weiß Auch der muss an die Leine, keine Frage.

Aber zumindest ist in diesem Bereich den Menschen klar, dass es solche Grenzen GIBT, dass der Betroffene darauf achten MUSS und dass die natürlich auch an Stellen liegen können und werden, bei denen gesunde Menschen nicht das geringste Problem haben.

Anders im psychischen Bereich. Hier gibt es immer noch verbreitet die Einstellung, dass man das irgendwie alles mit "mal zusammenreißen" auf die Reihe bekommt.
Ein für mich persönlich sooooooooooooooooo unseeliger Satz.
Klar, man könnte auch mit einem gebrochenen Bein weiter laufen, wenn man sich einfach mal zusammen reißt. Ist nicht schlau, aber es geht. In dem Falle ist aber jedem klar, dass das eine maximal dämliche Idee ist und man würde es niemandem raten. Man würden jeden umgehend zum Doc schicken, Bein behandeln lassen, schienen / gipsen (macht man heute nicht mehr, oder?) - was auch immer. Anders bei psychischen Erkrankungen. Da hört man das ständig. Und glaubt es auch selbst noch. Ergo: man läuft ewig mit einem "gebrochenen Bein" herum, was das Problem irgendwie nicht besser macht. Natürlich nicht. Klar wird es damit schlimmer. Was auch sonst.
Und dann muss man sich noch rechtfertigen, dass man das behandeln lässt. Dafür krank geschrieben ist, statt weiter rum zu laufen.
Man hört Sprüche wie "ich bin auch manchmal traurig, da mache ich auch nicht so ein Theater" - und muss dann noch erklären, dass "ich bin auch mal traurig" mit einer Depression ungefähr so viel zu tun hat wie "ich muss auch mal husten" mit Lungenkrebs.
Oder wie ich von vielen Mitpatienten in den Therapien gehört habe sowas wie "oh, Du bist im Krankenhaus, ist es was Ernstes oder wieder Dein Zeug?" - üblicher Weise aus der Familie. Depressionen sind per se eine lebensbedrohliche Erkrankung, wie ernst soll es denn bitte noch werden für die Damen und Herren?!? Diskutieren sie dann bei der Beerdigung auch noch rum, warum man sich nicht mal zusammen gerissen hat?

was das ganze aus Beziehungssicht angeht, fallen mir 2 Punkte ein.

Der erste ist wieder Wissen.
Jemand erfährt, dass sein Partner unter Diabetes leidet - zu 90% wird derjenige sich über die Krankheit informieren. Jemand erfährt, dass der Partner unter Depressionen leidet - zu 5% wird derjenige sich über die Krankheit informieren. ...!

Der zweite ist nun einmal die Persönlichkeit des Partners. Da geht es nicht nur um eine "gute und intakte Beziehung". Da geht es auch um solche Dinge wie: "Dein/e Partner/in ist zumindest in einem Schub wirklich, wirklich mies darin, auf Deine Grenzen zu achten, die zu erkennen und einzuhalten - kannst Du das für sie /ihn übernehmen? Kannst Du selbst darauf achten, dass dabei Deine Grenzen nicht überschritten werden und sie notfalls auch aktiv ziehen und verteidigen, Deine Rechte und Bedürfnisse notfalls auch mal aktiv einfordern?"
Das gilt natürlich genauso für viele körperliche Erkrankungen. Auch bei dem Beispiel mit dem Hüftschaden geht es für beide mies aus, wenn der gesund Partner zu viel falsch verstandene "Rücksicht" nimmt. Aber zumindest sind da die Grenzen meist leichter erkennbar.

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Gestern um 10:28

Da gehe ich absolut mit d'accord, aber es ist mir zu sehr die äussere Sicht, die Sicht auf die anderen. Ich bin der Meinung, wenn der (psychisch) Kranke eben vorallem im Inneren bestärkt wird, wenn seine Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu wahren positiv bestärkt wird, wenn im Inneren ein Grundgerüst an Stützpfeilern aufgebaut wird, an das er sich halten kann, dass dann die Mitmenschen auch mitziehen. Das geht aber eben meist nur in Therapie, vorher kann es ja eben nicht besser werden, denn kein Mensch wird dem Erkrankten helfen und beistehen, wenn er signalisiert, dass er sich selbst ja auch im Stich lässt, indem er keine Hilfe zulässt, aufgibt und sich quasi zum Leiden verkriecht. Dass sich dann die anderen auch enttäuscht abwenden, ist klar. Es ist mMn ein Verhalten, das sich gegenseitig bedingt und immer mehr aufschaukelt.

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Gestern um 10:54
In Antwort auf avarrassterne1

was das ganze aus Beziehungssicht angeht, fallen mir 2 Punkte ein.

Der erste ist wieder Wissen.
Jemand erfährt, dass sein Partner unter Diabetes leidet - zu 90% wird derjenige sich über die Krankheit informieren. Jemand erfährt, dass der Partner unter Depressionen leidet - zu 5% wird derjenige sich über die Krankheit informieren. ...!

Der zweite ist nun einmal die Persönlichkeit des Partners. Da geht es nicht nur um eine "gute und intakte Beziehung". Da geht es auch um solche Dinge wie: "Dein/e Partner/in ist zumindest in einem Schub wirklich, wirklich mies darin, auf Deine Grenzen zu achten, die zu erkennen und einzuhalten - kannst Du das für sie /ihn übernehmen? Kannst Du selbst darauf achten, dass dabei Deine Grenzen nicht überschritten werden und sie notfalls auch aktiv ziehen und verteidigen, Deine Rechte und Bedürfnisse notfalls auch mal aktiv einfordern?"
Das gilt natürlich genauso für viele körperliche Erkrankungen. Auch bei dem Beispiel mit dem Hüftschaden geht es für beide mies aus, wenn der gesund Partner zu viel falsch verstandene "Rücksicht" nimmt. Aber zumindest sind da die Grenzen meist leichter erkennbar.

Ganz allgemein und spezifisch zum ersten: Meine Erfahrung ist auch, dass insbesondere psychische Erkrankungen Gesellschaft, Familien und Partner eher in die Flucht treiben als andere Erkrankungsformen. Setzt man sich mit der Geschichte der Psychiatrie auseinander, lässt sich das auch gut in der Raumordnung nachlesen. Während man klassische Spitäler und medizinische Einrichtungen stets bei den Menschen in den Zentren der Städte baute, betrieb man psychiatrische Kliniken und Altenheime am Rand oder in der Pampa. Und daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Verändert hat sich aber die Interessenslage. Sich psychologisch und psychisch unter die Arme greifen zu lassen, ist in gewisser Weise modern geworden, langsam zerfällt das Stigma, und es ist auch höchste Zeit.
Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema Depression und Partnerschaft bei mir in der Stadt (vor genau 10 Jahren). Es kamen drei mal mehr interessierte ZuhörerInnen als da im grossen Saal Platz gehabt hätten, die Veranstaltung wurde dann wiederholt und es entstanden Selbsthilfegruppen im Angebot fester Institutionen.

Zum zweiten: Da hast du absolut recht. Die Anforderung für mich als Partner, stets adequat zu reagieren, im Prinzip vorauszusehen oder vorauszuahnen, in welchem Masse und auf welche Weise ich die Krankheit meiner Partnerin beeinflusse, wo etwas als Hilfe und Unterstützung bei ihr ankommt und wo es völlig ins Destruktive bis Desaströse abgleitet, war ein Gang auf dem Hohseil. Und es war ja nicht so, dass ich mich selber zuvor auf irgend eine Weise darauf vorbereitet habe. Nachträglich betrachtet war es sicher richtig, dass ich mich in das Thema hineingekniet habe, aber über den Support, ja ich muss sagen über die (mangelhafte) Qualität der therapeutischen Begleitung seitens Psychiater oder Psychologen wundere ich mich bis heute.

Zum Schluss: Geht es um Erste Hilfe im Strassenverkehr, Unfallverletzungen im Sport und Herz-Kreislaufprobleme, werden wir heute nicht nur gut geschult sondern auch in die Pflicht genommen (Straftatbestand bei unterlassener Hilfeleistung). Geht es um psychische Erkrankungen, stehen wir noch immer in Jerusalem vor einer nicht zu überwindenden Klagemauer. Das muss sich dringend ändern.

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Gestern um 11:07
In Antwort auf steinundwasser

Ganz allgemein und spezifisch zum ersten: Meine Erfahrung ist auch, dass insbesondere psychische Erkrankungen Gesellschaft, Familien und Partner eher in die Flucht treiben als andere Erkrankungsformen. Setzt man sich mit der Geschichte der Psychiatrie auseinander, lässt sich das auch gut in der Raumordnung nachlesen. Während man klassische Spitäler und medizinische Einrichtungen stets bei den Menschen in den Zentren der Städte baute, betrieb man psychiatrische Kliniken und Altenheime am Rand oder in der Pampa. Und daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Verändert hat sich aber die Interessenslage. Sich psychologisch und psychisch unter die Arme greifen zu lassen, ist in gewisser Weise modern geworden, langsam zerfällt das Stigma, und es ist auch höchste Zeit.
Ich erinnere mich an meinen ersten Besuch einer öffentlichen Veranstaltung zum Thema Depression und Partnerschaft bei mir in der Stadt (vor genau 10 Jahren). Es kamen drei mal mehr interessierte ZuhörerInnen als da im grossen Saal Platz gehabt hätten, die Veranstaltung wurde dann wiederholt und es entstanden Selbsthilfegruppen im Angebot fester Institutionen.

Zum zweiten: Da hast du absolut recht. Die Anforderung für mich als Partner, stets adequat zu reagieren, im Prinzip vorauszusehen oder vorauszuahnen, in welchem Masse und auf welche Weise ich die Krankheit meiner Partnerin beeinflusse, wo etwas als Hilfe und Unterstützung bei ihr ankommt und wo es völlig ins Destruktive bis Desaströse abgleitet, war ein Gang auf dem Hohseil. Und es war ja nicht so, dass ich mich selber zuvor auf irgend eine Weise darauf vorbereitet habe. Nachträglich betrachtet war es sicher richtig, dass ich mich in das Thema hineingekniet habe, aber über den Support, ja ich muss sagen über die (mangelhafte) Qualität der therapeutischen Begleitung seitens Psychiater oder Psychologen wundere ich mich bis heute.

Zum Schluss: Geht es um Erste Hilfe im Strassenverkehr, Unfallverletzungen im Sport und Herz-Kreislaufprobleme, werden wir heute nicht nur gut geschult sondern auch in die Pflicht genommen (Straftatbestand bei unterlassener Hilfeleistung). Geht es um psychische Erkrankungen, stehen wir noch immer in Jerusalem vor einer nicht zu überwindenden Klagemauer. Das muss sich dringend ändern.

Darf ich dich fragen, ob man dir denn zu dem Verhalten geraten hat, das du beschreibst? Es klingt eben nach Co abhängigkeit. Genau dies wird ja heutzutage zumindest versucht zu vermeiden.

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Gestern um 11:13
In Antwort auf luna1001

Da gehe ich absolut mit d'accord, aber es ist mir zu sehr die äussere Sicht, die Sicht auf die anderen. Ich bin der Meinung, wenn der (psychisch) Kranke eben vorallem im Inneren bestärkt wird, wenn seine Fähigkeit, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu wahren positiv bestärkt wird, wenn im Inneren ein Grundgerüst an Stützpfeilern aufgebaut wird, an das er sich halten kann, dass dann die Mitmenschen auch mitziehen. Das geht aber eben meist nur in Therapie, vorher kann es ja eben nicht besser werden, denn kein Mensch wird dem Erkrankten helfen und beistehen, wenn er signalisiert, dass er sich selbst ja auch im Stich lässt, indem er keine Hilfe zulässt, aufgibt und sich quasi zum Leiden verkriecht. Dass sich dann die anderen auch enttäuscht abwenden, ist klar. Es ist mMn ein Verhalten, das sich gegenseitig bedingt und immer mehr aufschaukelt.

...denn kein Mensch wird dem Erkrankten helfen und beistehen, wenn er signalisiert, dass er sich selbst ja auch im Stich lässt, indem er keine Hilfe zulässt, aufgibt und sich quasi zum Leiden verkriecht.

Falsch! Der Mensch lässt sich nicht selber im Stich, er hat schlicht keine Kraft mehr sich selber zu halten. Und genau in solchen Momenten ist es nun mal die Pflicht der Umgebung zu erkennen und beizustehen. Das Problem ist, dass diese Umgebung in den allermeisten Fällen maximal semiprofessionel aufgestellt und mit der Situation dann komplett überfordert ist.
Das hat alles letztlich mit mangelndem Wissen zu tun, da wir darauf in keiner Weise geschult und vorbereitet werden.

Es ist wie beim Höhenbergsteigen. Der einzelne ignoriert gefliessentlich die Anzeichen beginnender Höhenkrankheit. Steigt immer weiter auf, bis er gar nicht mehr steigt, aber auch keine Kraft mehr hat für die Umkehr.
Genau dann, und im besten Falle schon vorher, sind die Teamkameraden gefordert. Die Symtome zu sehen und richtig zu deuten. Sauerstoff zu verabreichen und umzukehren. Den Patienten, Kollegen und Freund in Räume zurückzubegleiten, wo er sich selber wieder regenerieren kann.

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Gestern um 11:33
In Antwort auf luna1001

Darf ich dich fragen, ob man dir denn zu dem Verhalten geraten hat, das du beschreibst? Es klingt eben nach Co abhängigkeit. Genau dies wird ja heutzutage zumindest versucht zu vermeiden.

Die Co-Abhängigkeit sehe ich im eigenen Anspruch, einem geliebten Menschen zur Seite zu stehen, mit allen einem zur verfügung stehenden Mitteln. Was aus der Distanz betrachtet natürlich gut gemeint ist aber nur schwerlich funktionieren kann.
Was man mir wirklich geraten hat, war schlicht und einfach auf Distanz zu gehen und mich um das Umfeld zu kümmern, was ich relativ zügig umgesetzt habe. In der Tat war dieser Support im Hintergrund genau so wichtig. Eine entscheidende Rolle trug mit Sicherheit auch der medizinische Befund, letztlich der unumkehrbare Verlauf der Krankheit.
Unter Umständen noch gut zu wissen. Aus der Sicht ihrer Familie bin ich bis heute ein Verräter geblieben. Man hat also Rettungsbote und Schwimmwesten zu ignorieren und mit dem Schiff unterzugehen - im religiösen Sinne bis dass der Tod euch scheidet.

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Gestern um 11:36
In Antwort auf steinundwasser

...denn kein Mensch wird dem Erkrankten helfen und beistehen, wenn er signalisiert, dass er sich selbst ja auch im Stich lässt, indem er keine Hilfe zulässt, aufgibt und sich quasi zum Leiden verkriecht.

Falsch! Der Mensch lässt sich nicht selber im Stich, er hat schlicht keine Kraft mehr sich selber zu halten. Und genau in solchen Momenten ist es nun mal die Pflicht der Umgebung zu erkennen und beizustehen. Das Problem ist, dass diese Umgebung in den allermeisten Fällen maximal semiprofessionel aufgestellt und mit der Situation dann komplett überfordert ist.
Das hat alles letztlich mit mangelndem Wissen zu tun, da wir darauf in keiner Weise geschult und vorbereitet werden.

Es ist wie beim Höhenbergsteigen. Der einzelne ignoriert gefliessentlich die Anzeichen beginnender Höhenkrankheit. Steigt immer weiter auf, bis er gar nicht mehr steigt, aber auch keine Kraft mehr hat für die Umkehr.
Genau dann, und im besten Falle schon vorher, sind die Teamkameraden gefordert. Die Symtome zu sehen und richtig zu deuten. Sauerstoff zu verabreichen und umzukehren. Den Patienten, Kollegen und Freund in Räume zurückzubegleiten, wo er sich selber wieder regenerieren kann.

Die Umgebung hat keine Pflicht. Der Kranke hat die Pflicht zur Therapie. In schweren Fällen hat die Umgebung die Pflicht zur Zwangseinweisung/gewaltsamen Herbeiführung einer Therapie. Thats all.

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Gestern um 11:39
In Antwort auf steinundwasser

Die Co-Abhängigkeit sehe ich im eigenen Anspruch, einem geliebten Menschen zur Seite zu stehen, mit allen einem zur verfügung stehenden Mitteln. Was aus der Distanz betrachtet natürlich gut gemeint ist aber nur schwerlich funktionieren kann.
Was man mir wirklich geraten hat, war schlicht und einfach auf Distanz zu gehen und mich um das Umfeld zu kümmern, was ich relativ zügig umgesetzt habe. In der Tat war dieser Support im Hintergrund genau so wichtig. Eine entscheidende Rolle trug mit Sicherheit auch der medizinische Befund, letztlich der unumkehrbare Verlauf der Krankheit.
Unter Umständen noch gut zu wissen. Aus der Sicht ihrer Familie bin ich bis heute ein Verräter geblieben. Man hat also Rettungsbote und Schwimmwesten zu ignorieren und mit dem Schiff unterzugehen - im religiösen Sinne bis dass der Tod euch scheidet.

Es ist möglich, dass du den Rat, auf Distanz zu gehen, missverstanden hast. Damit ist nicht gemeint, dem Kranken den Rücken freizuhalten. Dies wäre eben Coabhängigkeit. Ich denke, die Angehörigen werden mit den Ratschlägen der Ärzte offenbar im Stich gelassen, so wie es sich anhört. Da muss mehr passieren.

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Gestern um 11:52

Und da sind wir eben dann wieder beim Anspruch der heutigen Therapie, diese Trennung, die du beschreibst, für die du dich heute noch geächtet fühlst, eben innerlich zu vollziehen, damit sie nicht äusserlich geschehen muss.

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Gestern um 11:53

Autonom in Beziehung bleiben. Grosses Thema, für Erkrankte sicherlich noch grösser als für Gesunde.

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Gestern um 11:56

Richtig!
Differzierter sehe ich das mit der Co-Abhängigkeit. Sie ist für mich nicht nur negativ besetzt.
Wenn du im Alltag eine Beziehung und Partnerschaft führst, gehst du dir auch zur Hand. Das muss sich mit einer Erkrankung nicht ändern. Zudem hatten wir eine gemeinsame Firma aufgebaut und ich dann die volle Verantwortung über alle Bereiche. 
Auf Distanz zu gehen habe ich durchaus auch so verstanden, das eigene Leben, die eigenen Bedürfnisse wieder in den Vordergrund zu stellen. Das ist mir gut und schnell gelungen, aber genau das hat mir ihre Familie bis heute nicht verziehen.  

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Gestern um 12:02
In Antwort auf luna1001

Und da sind wir eben dann wieder beim Anspruch der heutigen Therapie, diese Trennung, die du beschreibst, für die du dich heute noch geächtet fühlst, eben innerlich zu vollziehen, damit sie nicht äusserlich geschehen muss.

Geächtet fühle ich mich nicht. Was Menschen über mich dachten und noch heute über mich denken ist mir weitestgehend egal. Als Unternehmer und Politiker bekommt man früh einen breiten Rücken, als Bergsteiger kennt man die Risiken und sucht sie auch. Und jederzeit kann ich mich aus der Grosstadt in die Natur begeben, dem besten aller Therapeuten.

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Gestern um 12:08
In Antwort auf steinundwasser

Geächtet fühle ich mich nicht. Was Menschen über mich dachten und noch heute über mich denken ist mir weitestgehend egal. Als Unternehmer und Politiker bekommt man früh einen breiten Rücken, als Bergsteiger kennt man die Risiken und sucht sie auch. Und jederzeit kann ich mich aus der Grosstadt in die Natur begeben, dem besten aller Therapeuten.

Viele haben aber damit zB grosse Probleme. Die Schuldgefühle wollen nicht aufhören und andere schaffen es mitunter noch nach Jahren, daran zu appelieren, da die wichtigere innerliche Distanz der äusseren noch nicht folgen konnte, so diese denn geschah. 

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Gestern um 12:11
In Antwort auf steinundwasser

Richtig!
Differzierter sehe ich das mit der Co-Abhängigkeit. Sie ist für mich nicht nur negativ besetzt.
Wenn du im Alltag eine Beziehung und Partnerschaft führst, gehst du dir auch zur Hand. Das muss sich mit einer Erkrankung nicht ändern. Zudem hatten wir eine gemeinsame Firma aufgebaut und ich dann die volle Verantwortung über alle Bereiche. 
Auf Distanz zu gehen habe ich durchaus auch so verstanden, das eigene Leben, die eigenen Bedürfnisse wieder in den Vordergrund zu stellen. Das ist mir gut und schnell gelungen, aber genau das hat mir ihre Familie bis heute nicht verziehen.  

Dass es dir gelungen, oder dass es dir nicht gelungen ist? Was genau wird dir denn von denen noch vorgeworfen?

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Gestern um 12:23
In Antwort auf luna1001

Dass es dir gelungen, oder dass es dir nicht gelungen ist? Was genau wird dir denn von denen noch vorgeworfen?

Die Details würden hier zu weit führen, auch kenne ich sie selber nur aus der Distanz.
Im wesentlichen dürften sie religiös motiviert sein, und aus dem Unvermögen, mit der Geschichte Frieden zu schliessen. Aber ganz klar, dass ich mich aus der Betreuung herausgenommen habe und mich vermehrt um mein eigenes Leben gekümmert habe, wurde als Verrat an ihrer Tochter und Schwester gesehen.
Als ich dann nach kurzer Zeit eine neue Beziehung zu einer Frau einging und mein früheres Leben einfach so weiterführte (was natürlich so auch nicht stimmt), erst recht.

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Gestern um 12:31
In Antwort auf steinundwasser

Die Details würden hier zu weit führen, auch kenne ich sie selber nur aus der Distanz.
Im wesentlichen dürften sie religiös motiviert sein, und aus dem Unvermögen, mit der Geschichte Frieden zu schliessen. Aber ganz klar, dass ich mich aus der Betreuung herausgenommen habe und mich vermehrt um mein eigenes Leben gekümmert habe, wurde als Verrat an ihrer Tochter und Schwester gesehen.
Als ich dann nach kurzer Zeit eine neue Beziehung zu einer Frau einging und mein früheres Leben einfach so weiterführte (was natürlich so auch nicht stimmt), erst recht.

Achso, du vermutest es nur, weisst aber nichts genaues. Auch das kommt so oft vor. Ich finde schon, dass wenn dann die GANZE Familie an EINEN Tisch geholt gehört. Wie siehst du das? Hätten therapeutische Angebote dann evtl mehr genützt? Ich weiss ja nicht, wie lange das Thema bei dir jetzt schon abgeschlossen ist. Jahre?

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Gestern um 12:42
In Antwort auf luna1001

Es ist möglich, dass du den Rat, auf Distanz zu gehen, missverstanden hast. Damit ist nicht gemeint, dem Kranken den Rücken freizuhalten. Dies wäre eben Coabhängigkeit. Ich denke, die Angehörigen werden mit den Ratschlägen der Ärzte offenbar im Stich gelassen, so wie es sich anhört. Da muss mehr passieren.

Ich denke, die Angehörigen werden mit den Ratschlägen der Ärzte offenbar im Stich gelassen, so wie es sich anhört. Da muss mehr passieren.

Es muss wirklich mehr passieren. Allerdings auch seitens der Angehörigen, die sich als äusserst Beratungsresistent erweisen können. Selber muss ich mir nämlich eingestehen, dass ich die guten Ratschläge der Ärzte durchaus früher hätte umsetzen sollen.
Wenn somit mehr passieren muss meine ich, dass es sehr viel mehr Sensibilisierung bräuchte, Aufklärungsarbeit im eigentlichen Sinne, die nicht erst bei einer unmittelbaren Betroffenheit einsetzen kann. Denken wir nur mal an all die Formen von Demenzerkrankungen, und was da bei der derzeitigen demografischen Entwicklung in einigen Jahren auf uns alle zukommen wird.

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Gestern um 12:47
In Antwort auf steinundwasser

Ich denke, die Angehörigen werden mit den Ratschlägen der Ärzte offenbar im Stich gelassen, so wie es sich anhört. Da muss mehr passieren.

Es muss wirklich mehr passieren. Allerdings auch seitens der Angehörigen, die sich als äusserst Beratungsresistent erweisen können. Selber muss ich mir nämlich eingestehen, dass ich die guten Ratschläge der Ärzte durchaus früher hätte umsetzen sollen.
Wenn somit mehr passieren muss meine ich, dass es sehr viel mehr Sensibilisierung bräuchte, Aufklärungsarbeit im eigentlichen Sinne, die nicht erst bei einer unmittelbaren Betroffenheit einsetzen kann. Denken wir nur mal an all die Formen von Demenzerkrankungen, und was da bei der derzeitigen demografischen Entwicklung in einigen Jahren auf uns alle zukommen wird.

Bin ich ganz bei dir. Danke für deine Meinung aus Sicht eines Betroffenen.

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Gestern um 12:48
In Antwort auf luna1001

Die Umgebung hat keine Pflicht. Der Kranke hat die Pflicht zur Therapie. In schweren Fällen hat die Umgebung die Pflicht zur Zwangseinweisung/gewaltsamen Herbeiführung einer Therapie. Thats all.

wir sind alle mehr oder minder dazu erzogen, dass es irgendwie moralisch inkontinent ist, jemanden "im Stich zu lassen", weil er krank ist.

Das ist oft so stark, dass (zu) viele keine Sekunde überlegen, ob sie das auch können, wie sie das machen könnten usw.
Und natürlich müssen sich die, die sich dafür entscheiden, jemanden "im Stich zu lassen" weil sie das nicht tragen können und oder wollen auch dritten gegenüber dafür noch rechtfertigen. Man kann nicht einfach mal sagen "nein, mit der Krankheit kann ich nicht klar kommen, ich habe mich getrennt" - auch das gibt einen Sh*tstorm.

Und da es ja SO klar ist, dass man da bleibt und dem anderen hilft (oder was auch immer man da für "Hilfe" hält) kommt man auch recht schwer auf die Idee, dass man sich dabei selbst helfen lassen sollte.

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Gestern um 12:54
In Antwort auf avarrassterne1

wir sind alle mehr oder minder dazu erzogen, dass es irgendwie moralisch inkontinent ist, jemanden "im Stich zu lassen", weil er krank ist.

Das ist oft so stark, dass (zu) viele keine Sekunde überlegen, ob sie das auch können, wie sie das machen könnten usw.
Und natürlich müssen sich die, die sich dafür entscheiden, jemanden "im Stich zu lassen" weil sie das nicht tragen können und oder wollen auch dritten gegenüber dafür noch rechtfertigen. Man kann nicht einfach mal sagen "nein, mit der Krankheit kann ich nicht klar kommen, ich habe mich getrennt" - auch das gibt einen Sh*tstorm.

Und da es ja SO klar ist, dass man da bleibt und dem anderen hilft (oder was auch immer man da für "Hilfe" hält) kommt man auch recht schwer auf die Idee, dass man sich dabei selbst helfen lassen sollte.

Ich frage mich halt, was geschehen müsste, um es zu vereinfachen. Ängste abbauen, mehr Angebote usw.
Was hättest du dir gewünscht?

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Gestern um 12:59
In Antwort auf luna1001

Achso, du vermutest es nur, weisst aber nichts genaues. Auch das kommt so oft vor. Ich finde schon, dass wenn dann die GANZE Familie an EINEN Tisch geholt gehört. Wie siehst du das? Hätten therapeutische Angebote dann evtl mehr genützt? Ich weiss ja nicht, wie lange das Thema bei dir jetzt schon abgeschlossen ist. Jahre?

Von Vermutungen kann nicht die Rede sein. Und es gab diese Gespräche damals mehrfach (das liegt jetzt 10 Jahre zurück). Therapeutische Angebote hätten definitiv nichts bis wenig gebracht, bzw. in ihrer Konsequenz die ganze Familie meiner Ex-Frau auseinander gerissen (Macht und Unterdrückung). Die Ursachen sehe ich in einem komplett gegensätzlichen Verständnis von Familie, Ehe und Treue, von Ehre und Stolz, aber auch von Scham und dem Unvermögen offen zu sprechen. Das ganze religiös kannoniert, im weitesten Sinne auch gesellschaftlich. Da spielen also Herkunft, Alter und Erziehung mit hinein, ein ländlich konservatives versus liberal städtischem Umfeld, und in diesem konkreten Falle, eine genetische Preferänz, die in der Familie meiner Frau schon durch frühere Generationen zu schweren Depressions- und Demenzerkrankungen geführt hat, die stets vor der Öffentlichkeit versteckt wurden.
Kurz und gut: Die Familie klärt das schon, egal was da kommen möge, hauptsache, sie bleibt zusammen!   

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Gestern um 13:08
In Antwort auf steinundwasser

Von Vermutungen kann nicht die Rede sein. Und es gab diese Gespräche damals mehrfach (das liegt jetzt 10 Jahre zurück). Therapeutische Angebote hätten definitiv nichts bis wenig gebracht, bzw. in ihrer Konsequenz die ganze Familie meiner Ex-Frau auseinander gerissen (Macht und Unterdrückung). Die Ursachen sehe ich in einem komplett gegensätzlichen Verständnis von Familie, Ehe und Treue, von Ehre und Stolz, aber auch von Scham und dem Unvermögen offen zu sprechen. Das ganze religiös kannoniert, im weitesten Sinne auch gesellschaftlich. Da spielen also Herkunft, Alter und Erziehung mit hinein, ein ländlich konservatives versus liberal städtischem Umfeld, und in diesem konkreten Falle, eine genetische Preferänz, die in der Familie meiner Frau schon durch frühere Generationen zu schweren Depressions- und Demenzerkrankungen geführt hat, die stets vor der Öffentlichkeit versteckt wurden.
Kurz und gut: Die Familie klärt das schon, egal was da kommen möge, hauptsache, sie bleibt zusammen!   

Ok, dann war es doch auch schon vor 10 Jahren therapeutische Praxis, die Familie "aufzutrennen" (die innerlichen Verstrickungen betreffend, nicht äusserlich natürlich), wurde aber nicht in Anspruch genommen. Danke für diese Info!

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Gestern um 13:11

Scham und Schuld sind natürlich auch noch immer die mächtigen Hinderungsgründe, über diese Mechanismen mehr zu informieren könnte hilfreich sein.

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Gestern um 13:17
In Antwort auf avarrassterne1

wir sind alle mehr oder minder dazu erzogen, dass es irgendwie moralisch inkontinent ist, jemanden "im Stich zu lassen", weil er krank ist.

Das ist oft so stark, dass (zu) viele keine Sekunde überlegen, ob sie das auch können, wie sie das machen könnten usw.
Und natürlich müssen sich die, die sich dafür entscheiden, jemanden "im Stich zu lassen" weil sie das nicht tragen können und oder wollen auch dritten gegenüber dafür noch rechtfertigen. Man kann nicht einfach mal sagen "nein, mit der Krankheit kann ich nicht klar kommen, ich habe mich getrennt" - auch das gibt einen Sh*tstorm.

Und da es ja SO klar ist, dass man da bleibt und dem anderen hilft (oder was auch immer man da für "Hilfe" hält) kommt man auch recht schwer auf die Idee, dass man sich dabei selbst helfen lassen sollte.

Genau so ist es, bzw. genau so habe ich es erlebt.

Was ich aus der Reflektion meiner Geschichte gelernt habe ist noch ein weiterer, vermutlich interessanter Aspekt. So sehr ich und meine Frau in unserer Beziehung vor der Erkrankung idealisiert wurde, so sehr vermutete man danach in den einzelnen Handlungen die Ursachen der Erkrankung.
Vereinfacht gesagt verführte ich meine Frau zu einem Lebensstiel, der ihr seelisch nicht gut bekommen ist, sie hat erkranken lassen und in den Tod geführt hat. Diese Sicht und Haltung therapeutisch behandeln zu lassen, wie luna meint, dass es ev. möglich (gewesen) wäre, halte ich zumindest für so schwierig wie einen Talibankämpfer aus dem Hindukusch zu einem hedonistischen Surferboy an der australischen Küste umzupolen.   

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Gestern um 13:20
In Antwort auf steinundwasser

Genau so ist es, bzw. genau so habe ich es erlebt.

Was ich aus der Reflektion meiner Geschichte gelernt habe ist noch ein weiterer, vermutlich interessanter Aspekt. So sehr ich und meine Frau in unserer Beziehung vor der Erkrankung idealisiert wurde, so sehr vermutete man danach in den einzelnen Handlungen die Ursachen der Erkrankung.
Vereinfacht gesagt verführte ich meine Frau zu einem Lebensstiel, der ihr seelisch nicht gut bekommen ist, sie hat erkranken lassen und in den Tod geführt hat. Diese Sicht und Haltung therapeutisch behandeln zu lassen, wie luna meint, dass es ev. möglich (gewesen) wäre, halte ich zumindest für so schwierig wie einen Talibankämpfer aus dem Hindukusch zu einem hedonistischen Surferboy an der australischen Küste umzupolen.   

Du meinst du warst erst Retter und dann Sündenbock? 

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Gestern um 13:23
In Antwort auf luna1001

Ich frage mich halt, was geschehen müsste, um es zu vereinfachen. Ängste abbauen, mehr Angebote usw.
Was hättest du dir gewünscht?

weniger ignorante, bornierte Idioten in der Familie. Pardon.

Ok, im Ernst... öffentliche Aufklärungen finde ich das sinnvollste.
Ein gutes Beispiel aus meiner Sicht ist Teresa Enke.

Davon braucht es viel, viel mehr. Zu allen Krankheiten.
Ich habe unlängst einen TV-Spot gesehen, der das für HIV-Betroffene zumindest angeht. Für andere Erkrankungen habe ich das auch schon gesehen. Mehr davon.
Für Angehörige aber noch nie. ... hm... stimmt nicht ganz, zur Änderung in den Pflege-Gesetzen gab es ganz kurz mal eine einizige Aufklärungskampagne. Viel mehr davon.

Natürlich ist der Kranke in der Pflicht, Details zu liefern, die eigenen speziellen Bedürfnisse zu kommunizieren usw. Aber doch nicht von den Bienchen und Blümchen aufwärts. Die Aufklärung darüber, dass psychische Krankheiten nicht weniger "ernst" sind als physiche ist für mich definitiv ein gesellschaftliches Thema.
Die Information über Möglichkeiten und Hilfsangebote für Angehörige - und die Tatsache, dass die sinnvoll sind, auch.

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Gestern um 13:31
In Antwort auf luna1001

Scham und Schuld sind natürlich auch noch immer die mächtigen Hinderungsgründe, über diese Mechanismen mehr zu informieren könnte hilfreich sein.

Es wäre vorallem nötig darüber aufzuklären, dass psychische Erkrankungen keine Strafen irgendwelcher Götter sind, sondern jede und jeden treffen können, wie alle anderen Krankheiten auch. Im weiteren wäre darüber aufzuklären, dass es genetisch ganz klare Indikatoren für gewisse psychische Erkrankungen gibt. Und dass die Häuffigkeit der Erkrankungen mit zunehmendem Alter und wachsender Bevölkerungszahl schlicht und einfach zunehmen.

Auch sollten wir dringend um eine gewisse Hygiene in der Sprachwahl und im Umgang mit psychischen Erkrankungen besorgt sein. Begriffe wie Psycho, Schizo, Mongo, Depp, Spasti usw. in der Umgangsprache tragen nicht dazu bei, diese Krankheiten zu versachlichen und als Selbstverständnis anzunehmen.
  

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Gestern um 13:34
In Antwort auf steinundwasser

Es wäre vorallem nötig darüber aufzuklären, dass psychische Erkrankungen keine Strafen irgendwelcher Götter sind, sondern jede und jeden treffen können, wie alle anderen Krankheiten auch. Im weiteren wäre darüber aufzuklären, dass es genetisch ganz klare Indikatoren für gewisse psychische Erkrankungen gibt. Und dass die Häuffigkeit der Erkrankungen mit zunehmendem Alter und wachsender Bevölkerungszahl schlicht und einfach zunehmen.

Auch sollten wir dringend um eine gewisse Hygiene in der Sprachwahl und im Umgang mit psychischen Erkrankungen besorgt sein. Begriffe wie Psycho, Schizo, Mongo, Depp, Spasti usw. in der Umgangsprache tragen nicht dazu bei, diese Krankheiten zu versachlichen und als Selbstverständnis anzunehmen.
  

definitiv.

Im Grunde gibt es auch bei einem gebrochenen Bein einen mehr oder minder "Schuldigen" - bei einer Depression wird der aber GESUCHT.

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Gestern um 13:36
In Antwort auf luna1001

Du meinst du warst erst Retter und dann Sündenbock? 

"Du meinst du warst erst Retter und dann Sündenbock?" 

Richtig, wobei das ja für viele Beziehungen gilt, die dann scheitern, aus welchen Gründen auch immer. Und ganz klar: Da das Opfer, dort der Täter.

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Gestern um 13:42
In Antwort auf steinundwasser

"Du meinst du warst erst Retter und dann Sündenbock?" 

Richtig, wobei das ja für viele Beziehungen gilt, die dann scheitern, aus welchen Gründen auch immer. Und ganz klar: Da das Opfer, dort der Täter.

Es ist ja nicht so, dass Beziehungen, wo psychische Erkrankungen hineinfliessen, von allen anderen Themen und Problemen einer Beziehung befreit wären. Psychische Erkrankungen kommen meist als zusätzliche Belastung dazu. Ähnlich, wie vielleicht kulturelle oder religiöse Unterschiede eine Beziehung ebenfalls zusätzlich belasten (aber nicht zwingend müssen).
Nur ist es dann zu einfach gedacht, alle Probleme an diesen Erkrankungen oder Unterschieden festzunageln. 

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Gestern um 14:05
In Antwort auf avarrassterne1

definitiv.

Im Grunde gibt es auch bei einem gebrochenen Bein einen mehr oder minder "Schuldigen" - bei einer Depression wird der aber GESUCHT.

Der "Schuldige" muss aber natürlich identifiziert werden, also ich meine der Grund. Sonst kann man nicht adäquat behandeln, nur Feuer löschen. Erkrankte sehen ohnehin meist sich selbst als Schuldigen, den sie bekämpfen. Die Schuldverstrickung mit dem wahren Schuldigen muss also zunächst behoben und dann Schuldgefühl und Schuldbewusstsein sauber getrennt werden. Oft auch zum Schutz der Angehörigen, denn nur ein Teil der Erkrankten richtet alle Zerstörung penibel auf sich selbst. Der andere Teil agiert aus.

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