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An Frauen wie mich

10. März 2012 um 9:23

Hallo ihr Lieben!

Ich weiß nicht so Recht, wie ich anfangen soll, deswegen gerade und frei heraus: ich wurde von meinem Ex- Freund verprügelt. Das ist jetzt fast ein Jahr her und immer noch fällt es mir leichter es zu schreiben, als es auszusprechen.

Die Geschichte dahinter ist immer die Gleiche. Er fühlt sich unterlegen oder nicht entsprechend gewürdigt, meist ist Eifersucht oder Alkohol im Spiel, gibt ihr die Schuld für seine negativen Gefühle und wirkt ihnen entgegen, indem er sie dafür bestraft.
Er muss sich zeigen, wer der Mächtigere in der Beziehung ist und sie hat kein Recht, keine Legitimation ihn in diese schlechten Emotionen zu führen. Dafür wird sie büßen und ihre Gefühle, ihre Wunden müssen noch tiefer sein als seine. Wenn nötig, dann eben körperlicher Natur.

Wenn ich das lese, wird mir bereits schlecht.
Mein damaliger Freund hatte Anzeichen erkennen lassen und ich hätte es wissen müssen, aber ich habe die Augen vor den Tatsachen verschloßen; nicht auf meine Familie und Freunde gehört; nicht sehen wollen, wer er wirklich war.
Man sagt so leicht dahin "Wer nicht hören will, muss fühlen" und glaubt mir, das habe ich. Es waren die schlimmsten 24 Stunden meines bisherigen Lebens und ich musste sie wieder und wieder durchleben.
Ich träume von ihm, ich habe immer Angst, fühle mich verfolgt, beobachtet, bedroht.
Sollte ich ihn verlassen oder anzeigen, würde er mich umbringen, sagte er mir, als er mich morgens würgte. Da hatte ich schon 6 Stunden Prügel hinter mir. Freiheitsberaubung inklusive und die sollte auch noch bis zum Abend anhalten.

Ich erinnere mich noch genau an den ersten Schlag und den Gedankenblitz, dass es nicht wahr sein könne. Das muss doch ein schlechter Traum sein?
War es nicht, aber dafür kommen immer wieder schlechte Träume davon wieder.
Wie er über mir kniete, das Gesicht verzerrt wie ein Irrer und mit blutverschmiertem Mund auf mich einschlug.

Irgendwann ging ich ins Badezimmer und blickte in den Spiegel- erinnert ihr Euch an diesen Anblick? An das panische Über- die- Zähne- fahren mit der Zunge um zu sehen, ob noch alle da sind?
Bei mir waren sie es und die Wunden waren nicht tief, Gott sei Dank.
Die seelischen Wunden aber sind es. Es ist der Gedanke an die Misshandlung, die Hilflosigkeit, die sexuelle Ausbeutung und die Präsenz der eigenen Verletzlichkeit.

Ich bin mir ehrlich nicht sicher, ob diese Wunden jemals komplett heilen werden, aber ich weiß, dass es besser wird.
Freunde, Familie, neue Liebe, aber vor allem Fokus auf einen selbst... das Leben geht weiter. Irgendwie.
Ich will nicht mein Leben lang eine Gezeichnete bleiben, denn das würde mich wirklich zu einem Opfer machen.
Ich will keines sein. Opfer sind schwach. Schon der Ausdruck ist mir zuwider.
Ich bin eine Frau, der etwas Unschönes widerfahren ist.
Ob ich selbst Schuld bin? Ganz klar: nein!
Ich hätte es evtl. verhindern können, das will ich nicht abstreiten, aber ich bin nicht Schuld daran, dass jemand anders die Beherrschung verloren hat.
Ob Du verdient hast? Ganz klar: nein!
So etwas hat keine Frau jemals verdient. Jemals! Es ist egal, was sie gemacht hat; es ist egal, was er glaubt über sie zu wissen- es gibt keinen Grund, dies zu rechtfertigen!

Mädels, was ich eigentlich sagen will:
Ihr seid nicht allein. Es gibt viele Frauen, die so etwas bereits erlebt, aber auch vor allem ÜBERlebt haben. Es geht weiter!

Wenn ihr noch mit dem Typen zusammen seid, dann VERLASST ihn. Es gibt keine Alternative!
Ich habe ihn direkt verlassen und angezeigt (was ich nicht immer empfehlen kann, aber gut) und es nie bereut.
Irgendeine wundervolle Frau hat in genau diesem Forum folgenden Satz gepostet:
"Du hast nur ein Leben". Es stimmt. Wir haben genau ein Leben und dieses Leben verdient nur das Beste, das Schönste und wenn es dafür nicht reicht, dann unsere stärksten Bestrebungen es wenigstens zu erreichen.
Ich will mein einziges Leben nicht an so einen Mann vergeuden. Auch ihr könnt es besser treffen- egal, was er versucht Euch glauben zu machen.

Ich kann Euch nicht helfen und die Erinnerung aus Euren Gehirnen streichen, ich kann Euch den Typen nicht vom Leib halten und ich kann Euch nicht beschützen vor dem, was noch kommen mag, aber ich kann Euch sagen, dass ich Euch verstehe. Dass keine von uns mit ihrer Geschichte alleine ist. Und vor allem eines, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:

ES WIRD BESSER.

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11. April 2012 um 23:57


Oh. Mein. Gott.
Wie gut, dass du es von ihm weg geschafft hast!
Das war das einzig Richtige!

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