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Alkoholismus in der Familie

10. Januar 2008 um 6:13

Das ist das erste Mal, dass ich darüber mit jemandem außer meiner Schwester und meinem Vater rede.

Meine Mutter hat ein Alkoholproblem, was die ganze Familie belastet. Das alles geht schon solange ich denken kann, laut Aussagen meines Vaters hat es mit dem Tod meines Bruders angefangen. Mein Bruder ist, als er 3 Tage alt war, ca. 1 Jahr bevor ich geboren wurde, durch einen Ärztefehler gestorben. Das Ganze war und ist für meine Mutter natürlich unglaublich hart. Ich fange am Besten mal damit an, wie sie ist, wenn sie nichts getrunken hat. Meine Mutter ist die liebevollste und fürsorglichste Frau, die ich kenne. Sie ist und war immer für meine Schwester und mich da, hat uns immer geholfen, wenn wir ein Problem hatten. Sie sorgt sich wahnsinnig um uns, ist der Typ Mutter den man als "Übermutter" bezeichnen würde. Sie arbeitet viel, ist selbstständig. Ich liebe sie auch wirklich über alles! Ihr Trinkverhalten zeiechnet sich wie folgt aus: Wenn sie viel Stress hat, was eigentlich meistens der Fall ist, trinkt sie jeden 2. Abend zu viel, sie arbeitet dann und trinkt dabei. Es gibt auch Zeiten wo sie kaum etwas trinkt und dann kommen wieder Zeiten wo es wirklich jeden 2. Abend zum Absturz kommt. Ich hatte früher damit ganz gravierende Probleme, bin eher ein Mamakind, weil sie zu Hause war und mein Papa außer Haus arbeitet. Wenn sie dann getrunken hatte, konnte ich nie schlafen, hatte Angst, dass ihr etwas passiert und wollte sie überreden schlafen zu gehen. Habe dann oft meinen Vater oder meine Schwester geweckt, weil ich einfach Angst um sie hatte. Meine Mutter wurde bei solchen Gelegenheiten immer wahnsinnig aggressiv, hat um sich geschlagen, meinen Vater, mich, meine Schwester. Es flogen Teller, alles was ihr in die Finger kam, sie hatte dann 0 Kontrolle über sich. Sie hat sich dann auch oft versteckt, wollte ihre Ruhe. Aber ich als 8,9,10 Jährige habe das natürlich nicht verstanden und bin ihr hinterher gelaufen, hatte Angst dass sie sich was antut oder dass sie aus dem Haus geht und nie wieder kommt. Das waren solche schlimmen Erlebnisse für mich. Sie hat mich auch ein paar mal im Keller eingeschlossen. Ich war wohl auch ein schwieriges Kind aber trotzdem war das für mich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Es fällt mir gerade unglaublich schwer darüber zu schreiben, muss weinen, wenn ich diese verdrängten Erinnerungen hoch hole. Ich hatte immer solche Angst um sie und das als kleines Mädchen wegzustecken ist nicht leicht, wenn nicht sogar unmöglich. Ich habe ihren Alkohol versteckt, sie hat ihn trotzdem immer wieder gefunden. Die größte Angst hatte ich immer, wenn mein Vater auf Dienstreise fahren musste, da hatte ich keinen, der mir hilft. Meine Schwester war da schon älter, konnte das besser verkraften und war da zum Teil auch einfach gelassener als ich. Meine Mutter sagt, sie trinkt, wenn sie überfordert ist. Sie ist permanent überfordert und sucht sich zum Teil dann auch Probleme, über die sie dann nachts brüten kann. Ich verstehe sie mit ihrer Überforderung ja auch wirklich, es ist alles viel zu viel. Wir haben Immobilien und damit immer Ärger, haben gebaut und sind von unserem Architekten übers Ohr gehauen worden. Das sind alles Sachen, die sie dann immer in Krisen stürzen. Vor etwa 3 Jahren passierte dann etwas wovon ich dachte, dass es ihr vielleicht eine Lehre war. Sie ist nachts betrunken 100m zum Zigarettenautomaten gefahren, wurde angehalten und musste ihren Führerschein abgeben, was für sie wirklich tragisch war. Sie musste eine MPU machen, Fahrstunden nehmen und regelmäßig die Leberwerte vom Arzt untersuchen lassen um sicherzustellen, dass sie nichts mehr trinkt. In dieser Zeit (1 Jahr) hat sie NICHTS getrunken und ich dachte wirklich wir haben es geschafft! Danach hat es langsam wieder angefangen mit der Trinkerei und jetzt sind wir wieder da wo sie vorher war. Ich muss sagen dieses Erlebnis war auch ein sehr schlimmes für mich, da ich nachts aufgewacht bin, mir was zu trinken holen wollte und sie nicht da war. Ich habe ja die Flaschen gesehen, dachte sie ist ins Bett, da war sie auch nicht. Sie war im ganzen Haus nicht zu finden. Ich habe mir die allergrößten Sorgen gemacht, meine Schwester und meinen Vater gerufen. Hatte so unglaubliche Angst, dass ihr was passiert ist, denn das Auto war ja weg. Ich habe wirklich Todesängste ausgestanden, war hysterisch, habe geweint, konnte wirklich nicht mehr klar denken. Mein Vater ist dann losgefahren um sie zu suchen und hat gesehen, dass das Auto 100m vom Haus weg stand. 2 Stunden vergingen bis meine Mutter dann mit der Polizei zu uns nach Hause kam. Ich war unendlich erleichtert und habe sie im gleichen Moment zum Teufel gewünscht, weil sie uns so in Angst versetzt hat. Im Moment ist es wieder besonders schlimm. Eigentlich jeden Abend trinkt sie etwas, mich macht es eigentlich nur noch wütend. Haben ständig Streit deshalb. Sie wird dann auch extrem unfair und stellt mich als Versagerin hin. Habe damit wirklich schwer zu kämpfen. Ich mache dieses Jahr Abitur und danach will ich eigentlich nur noch hier weg. Auf der anderen Seite liebe ich meine Eltern über alles und fühle mich noch gar nicht richtig bereit um alleine zu leben. Meine Eltern wollen mich auch eigentlich nicht gehen lassen. Ich denke allerdings, dass es gut wäre auszuziehen um mich von dieser ganzen Misere zu distanzieren. Es macht mich kaputt und ich will nicht wissen was bei mir schon alles kaputt im Kopf ist dadurch. Eigentlich ein Wunder, dass ich ohne große Schwierigkeiten durch die Pubertät gekommen bin, keine Drogen, kein Alkohol. Meine Schwester konnte sich davon schon immer leichter distanzieren und seit sie ausgezogen ist hat sie damit gar nichts mehr am Hut. Ich weiß einfach nicht was ich machen soll, fühle mich so hilflos, weil ich gegen eine Wand rede. Ich würde mir so wünschen eine normale Mutter zu haben. Heute hat sie mich ins Gesicht geschlagen und ich habe ihr gesagt, dass sie mich, wenn sie das noch ein einziges Mal tut, nie nie nie nie wieder sieht. Daraufhin hat sie ganz erstaunt geschaut, ich habe das noch nie mit so einer Deutlichkeit und Selbstsicherheit zu ihr gesagt wie heute. Ich habe immer noch Angst um sie aber es ist weniger geworden als früher, ich habe jetzt natürlich mehr mein eigenes Leben als damals, wo sich 90% in der Familie abgespielt haben. Könnte jetzt noch ewig mit Beispielen kommen aber ich denke das reicht erstmal. Wenn es noch Fragen gibt, fragt mich!

Habt ihr einen Rat für mich? Was kann ich tun? Kann ich ihr irgendwie helfen? Ich liebe sie trotz allem über alles! Vielen Dank an die, die sich das alles durchgelesen haben!

Psiloveyou

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10. Januar 2008 um 9:31

Hallo
Zuerst einmal: Du schreibst sehr gut und schilderst deine Situation nachvollziehbar. Ich bin 48 und selbst Mutter von zwei Kindern, inzwischen jugendlich, alleinerziehend. Habe mich nach 7 Jahren von meinem Partner getrennt wegen Alkohol, ich kenne also das ganze Spiel. Der Rat, sich an die Anonymen Alkoholiker zu wenden, ist schon mal gut, hätte ich jetzt auch geraten. Dort gibt es sog. "Alanon-Gruppen" und "Alateen-Gruppen", d.h. Gruppen für Angehörige von Alkoholikern und für Kinder im Teenageralter.
Ansonsten kann man das auch nur deiner Mutter raten. Es ist wirklich bewundernswert, dass du so gut durch deine Jugend gekommen bist!
Kannst mir gerne auch PN schicken.
Alles Gute!

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10. Januar 2008 um 9:39

ALANON
Ich würde dir empfehlen, je nach Alter zu ALANON oder ALATEEN zu gehen. Das sind Selbsthilfegruppen für Angehörige von Alkoholikern. Dort kannst du gut Hilfe finden und auch Verhaltenstipps bekommen.

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10. Januar 2008 um 11:12

Vielen
Dank an alle, die mir bis jetzt geantwortet haben.

Es gibt Wochen, sogar Monate, wo sie kaum was trinkt, sprich nie betrunken ist. Sie KANN es also. Auch tagsüber würde ihr im Traum nicht einfallen Alkohol anzurühren. Ich verstehe es nicht. Ich weiß nicht in wie weit es Sucht ist. Ich denke natürlich ist es eine Form von Sucht aber sie KANN definitiv auch ohne. Sie versucht mit dem Alkohol vor Problemen zu flüchten, sagt sie auch selbst. Ihr tut es hinterher auch immer sehr leid und ich weiß, dass es ihr schlecht geht, weil sie uns das antut. Ein Teufelskreis. Ich liebe meine Mutter so sehr, ich will sie nicht fallen lassen. Das mit ALATEEN hört sich sehr gut an, ich werde mich da mal genauer informieren.

Meine ganz große Angst ist, dass bei mir schon sehr viel kaputt ist. Ich bin erst 19 und will einfach nicht schon so extrem vorbelastet sein. Versuche jetzt irgendwie Schadensbegrenzung zu betreiben aber ich weiß nicht wo ich anfangen soll, weil ich nicht weiß was "normal" ist, da ich es nie anders erlebt habe. Habe Angst, dass das dicke Ende noch kommt und ich irgendwann sehe was das alles bei mir angerichtet hat.

Vielen Dank nochmal!
psiloveyou

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10. Januar 2008 um 11:30

Um
mein Abi mache ich mir nicht die größten Sorgen..Es geht eigentlich nicht mehr um großartig was, selbst wenn ich jetzt überall richtig schlecht schreiben würde hätte ich noch nen 2.4er Schnitt..Aber dann müsste es schon richtig schlecht laufen. Habs bisher ja auch geschafft. Werde das mit der Therapie trotzdem auf danach verschieben, sonst hab ich ja doch den Kopf nicht frei. Mein Vater scheint gut damit leben zu können ebenso wie meine Schwester. Das kann ich zum Beispiel auch überhaupt nicht verstehen. Meiner Meinung nach schauen sie irgendwie beide weg und das macht mich wütend und traurig. Inwiefern hat dieses Thema denn Auswirkungen auf deine Beziehung bzw. frühere Beziehungen gehabt? Hast du noch Kontakt zu deinem Vater?

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10. Januar 2008 um 12:22

..
So hart es auch klingt: das ist das Problem deiner Mutter, sie ist für sich selbst verantwotlich und solange sie nicht selber einsieht ein Problem zu haben, kannst DU leider GAR NICHTS machen! Ich verstehe, dass du ihr helfen willst, mein Vater hat ein ähnliches Problem und ich habe mich lange Zeit für ihn verantwortlich gefühlt. Nur die einzige Person, die dafür verantwortlich ist und irgendwas ändern kann ist die betroffene Person, also in deinem Fall deine Mutter. Versuch dein eigenes Leben aufzubauen und unabhängig zu werden. Irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem es nicht mehr so weh tut.

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10. Januar 2008 um 14:06
In Antwort auf amadi_12570202

..
So hart es auch klingt: das ist das Problem deiner Mutter, sie ist für sich selbst verantwotlich und solange sie nicht selber einsieht ein Problem zu haben, kannst DU leider GAR NICHTS machen! Ich verstehe, dass du ihr helfen willst, mein Vater hat ein ähnliches Problem und ich habe mich lange Zeit für ihn verantwortlich gefühlt. Nur die einzige Person, die dafür verantwortlich ist und irgendwas ändern kann ist die betroffene Person, also in deinem Fall deine Mutter. Versuch dein eigenes Leben aufzubauen und unabhängig zu werden. Irgendwann kommst du an einen Punkt, an dem es nicht mehr so weh tut.

Ähnliche situation...
meine mutter is ebenfalls alkoholabhängig und das auch schon seit ner ewigkeit...so richtig hat es eigentlich erst vor ca.6 jahren oder so begonnen,als sie sioch von meinem vater trennte. ich wohnt darauf bei ihr und bekam das ganze heimliche getrinke jeden tag mit..es war schrecklich..als ich sie aus wut letztendlcih immer nur noch wegen jeder kleinigkeit anschrie und wir uns nur noch stritten zog ich zu wieder zu meinem vater und das war auch gut so.
unser verhältnis hat sich stark verbessert,sie trnkt aber immernoch und hat schon etliche therapien und entzüge hinter sich,aber mittlerweile habe ich die hoffnung echt aufgegeben und glaube ncih das sie es irgendwann schafft vom alkohol loszukommen...;(


ich kann deine verzweiflung also sehr gut nachvollziehen..ich bin auch erst 18 und fühle mich davon sehr beeinflusst.ihre sucht macht mich fertig und sicher schon einiges in mir kaputtgemacht..jedoch muss ich sagen das ich dadurch auch um einiges vernünftiger und früher erwachsen geworden bin als zb. freunde die eine unbeschwertere kindheit hatten..manchmal kommt es mir auch so vor als sei ich die erwachsene und meine mutter das kind,das vor der realität flüchten will...doch es ist so sinnlos..immer wieder von neuem zu trinken und sich somit nur in einem ewigen teufelskreis der sucht zu bewegen...

ich hasse es..aber wie hier schon viele sagten,kann nur der betroffene selbst etwas ändern..ich für meinen teil versuche immer für meine mutter da zu sein und ihr kraft zu schenken damit sie es (hoffentlich) doch irgendwann mal schafft trocken zu sein...

ich wünsche dir alles liebe und viel glück mit deiner mutter,das sie es schafft.

alex

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