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Alkohol, zwei verschiedene Männer in einer Person

25. August 2017 um 12:17 Letzte Antwort: 27. August 2017 um 13:28

Ich habe mich gerade angemeldet, weil ich einfach nicht weiter weiß.
Mein Mann und ich sind seit fast 6 Jahren zusammen. Das Thema Alkohol war von Anfang an present und führte in der Vergangenheit schon oft zu Problemen. Der Begriff, der ihn beschreibt, ist: Quartalstrinker, falls das jemandem etwas sagt? Es gab hin und wieder 3,4 Wochen, in denen er gar nichts getrunken hat, aber im der realte Durchschnitt ist 3-4 Mal wöchentlich. Und dann nicht nur 1,2 Bierchen, sondern bis er stockbesoffen ist.
Er ist ein guter Mensch, ein ruhiger Vertreter, der alles für seine Familie tut, aber wenn er getrunken hat, wird er zu einem wichtigtuerischem Prolet, der über alles und jeden diskutieren will, der zu dem sofort beleidigt ist, wenn etwas nicht nach seiner Nase geht.
Schlimm ist, dass er am nächsten Tag zu 70 Prozent nicht mehr weiß, was er alles gesagt hat - ICH weiß es aber noch.....  
Ja, ich nehme ihn kaum noch ernst im besoffenen Kopf, möchte eigentlich auch kaum mit ihm reden und vermeide es so gut wie es geht.
Nur mal Beispiel: Gestern Abend hatte er wieder getrunken und war er wegen einer Kleinigkeit beleidigt, drückt mir einen Spruch, über den ich zwangsläufig nachdenke und der mich frustriert hat.
Heute aber ist seine Welt gut. Er schreibt normal und schickt mir ein: Ich liebe Dich mit Kusssmiley. 

Ich habe das Gefühl mit zwei unterschiedlichen Männern verheiratet zu sein, obwohl es nur einer ist. Kennt das jemand von euch? Wie soll ich damit umgehen????

 

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25. August 2017 um 12:21
In Antwort auf mackma

Ich habe mich gerade angemeldet, weil ich einfach nicht weiter weiß.
Mein Mann und ich sind seit fast 6 Jahren zusammen. Das Thema Alkohol war von Anfang an present und führte in der Vergangenheit schon oft zu Problemen. Der Begriff, der ihn beschreibt, ist: Quartalstrinker, falls das jemandem etwas sagt? Es gab hin und wieder 3,4 Wochen, in denen er gar nichts getrunken hat, aber im der realte Durchschnitt ist 3-4 Mal wöchentlich. Und dann nicht nur 1,2 Bierchen, sondern bis er stockbesoffen ist.
Er ist ein guter Mensch, ein ruhiger Vertreter, der alles für seine Familie tut, aber wenn er getrunken hat, wird er zu einem wichtigtuerischem Prolet, der über alles und jeden diskutieren will, der zu dem sofort beleidigt ist, wenn etwas nicht nach seiner Nase geht.
Schlimm ist, dass er am nächsten Tag zu 70 Prozent nicht mehr weiß, was er alles gesagt hat - ICH weiß es aber noch.....  
Ja, ich nehme ihn kaum noch ernst im besoffenen Kopf, möchte eigentlich auch kaum mit ihm reden und vermeide es so gut wie es geht.
Nur mal Beispiel: Gestern Abend hatte er wieder getrunken und war er wegen einer Kleinigkeit beleidigt, drückt mir einen Spruch, über den ich zwangsläufig nachdenke und der mich frustriert hat.
Heute aber ist seine Welt gut. Er schreibt normal und schickt mir ein: Ich liebe Dich mit Kusssmiley. 

Ich habe das Gefühl mit zwei unterschiedlichen Männern verheiratet zu sein, obwohl es nur einer ist. Kennt das jemand von euch? Wie soll ich damit umgehen????

 

Umgehen? Sag ihm er soll einen Entzug machen oder du gehst.

 

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25. August 2017 um 12:30

Filme Ihn mit deinem Handy und zeig es ihm am nächsten Tag. Vielleicht erschreckt Ihn das selber genug um seine Sauferei sein zu lassen. 

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25. August 2017 um 12:34
In Antwort auf mackma

Ich habe mich gerade angemeldet, weil ich einfach nicht weiter weiß.
Mein Mann und ich sind seit fast 6 Jahren zusammen. Das Thema Alkohol war von Anfang an present und führte in der Vergangenheit schon oft zu Problemen. Der Begriff, der ihn beschreibt, ist: Quartalstrinker, falls das jemandem etwas sagt? Es gab hin und wieder 3,4 Wochen, in denen er gar nichts getrunken hat, aber im der realte Durchschnitt ist 3-4 Mal wöchentlich. Und dann nicht nur 1,2 Bierchen, sondern bis er stockbesoffen ist.
Er ist ein guter Mensch, ein ruhiger Vertreter, der alles für seine Familie tut, aber wenn er getrunken hat, wird er zu einem wichtigtuerischem Prolet, der über alles und jeden diskutieren will, der zu dem sofort beleidigt ist, wenn etwas nicht nach seiner Nase geht.
Schlimm ist, dass er am nächsten Tag zu 70 Prozent nicht mehr weiß, was er alles gesagt hat - ICH weiß es aber noch.....  
Ja, ich nehme ihn kaum noch ernst im besoffenen Kopf, möchte eigentlich auch kaum mit ihm reden und vermeide es so gut wie es geht.
Nur mal Beispiel: Gestern Abend hatte er wieder getrunken und war er wegen einer Kleinigkeit beleidigt, drückt mir einen Spruch, über den ich zwangsläufig nachdenke und der mich frustriert hat.
Heute aber ist seine Welt gut. Er schreibt normal und schickt mir ein: Ich liebe Dich mit Kusssmiley. 

Ich habe das Gefühl mit zwei unterschiedlichen Männern verheiratet zu sein, obwohl es nur einer ist. Kennt das jemand von euch? Wie soll ich damit umgehen????

 

..ja, guck Dir mal die Website der Anonymen Alkoholiker an - dort wirst Du viel darüber erklärt bekommen, warum Dein Mann ''zwei Seelen'' hat - vorsichtig ausgedrückt.

Auf jeden Fall guck es Dir mal an und vielleicht macht es Deinen Mann ja auch neugierig.
Es ist inzwischen ja bekannt, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die zwar nicht 'heilbar' aber zum Stillstand zu bringen ist - solange man ihn nicht trinkt. Und die AA zeigen auf, wie das zu schaffen ist, wenn man erkannt hat, ein Alkoholiker zu sein.
Das ist nämlich wichtig, dass man es selbst erkennt !

Für die Angehörigen gibt es auch eine Stelle, die steht auch auf der Homepage, mit E-Mailadresse.

(Ich selber bin übrigens eine trockene Alkoholikerin)

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25. August 2017 um 14:19

Was sagt er denn dazu, dass er besoffen ein anderer Mensch ist?

Grundsätzlich würde ich das nicht mitmachen. Ich habe nichts dagegen wenn mein Partner Alkohol trinkt. Er wird dann zwar auch etwas anders aber ist immer noch er selbst, findet allein den Weg nach Hause und ins Bett und macht nichts, was mich in irgend einer Weise abstoßen würde.

​Wir haben hier aber auch jemanden in unserem Umfeld, der nüchtern angeblich ein ganz netter Typ sein soll, betrunken aber aggressiv wird und provoziert um Streit heraufzubeschwören. Das weiß er nüchtern aber auch und trotzdem trifft er immer wieder aufs neue die Entscheidung, Alkohol zu trinken und zum Arsch zu werden. Daher ist er für mich auch nüchtern untragbar und ich meide den Umgang mit so jemandem.

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25. August 2017 um 17:50

Wieso trinkst du dann noch, wenn du weißt dass du so wirst...?

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25. August 2017 um 17:57
In Antwort auf deaetlunn

Was sagt er denn dazu, dass er besoffen ein anderer Mensch ist?

Grundsätzlich würde ich das nicht mitmachen. Ich habe nichts dagegen wenn mein Partner Alkohol trinkt. Er wird dann zwar auch etwas anders aber ist immer noch er selbst, findet allein den Weg nach Hause und ins Bett und macht nichts, was mich in irgend einer Weise abstoßen würde.

​Wir haben hier aber auch jemanden in unserem Umfeld, der nüchtern angeblich ein ganz netter Typ sein soll, betrunken aber aggressiv wird und provoziert um Streit heraufzubeschwören. Das weiß er nüchtern aber auch und trotzdem trifft er immer wieder aufs neue die Entscheidung, Alkohol zu trinken und zum Arsch zu werden. Daher ist er für mich auch nüchtern untragbar und ich meide den Umgang mit so jemandem.

....."und nichts was mich in irgendeiner Weise abstoßen würde.", schreibst du. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie das ist!

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25. August 2017 um 18:03
In Antwort auf mackma

....."und nichts was mich in irgendeiner Weise abstoßen würde.", schreibst du. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie das ist!

Wie gesagt, was du schilderst ginge für mich gar nicht. Dann wäre ich aber auch gar nicht erst mit ihm zusammen gekommen. Wenn jemand kein Ende kennt, nicht weiß wann er genug hat und auch noch ausfallend wird käme er für mich als Partner nicht in Frage.

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25. August 2017 um 18:11
In Antwort auf mackma

....."und nichts was mich in irgendeiner Weise abstoßen würde.", schreibst du. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie das ist!

Oh sorry, der Post von oben ging an deaetlunn.

Erstmal möchte ich euch allen für eure Antworten danken! Sie sind wirklich sehr hilfreich.

@smitee, nein, ich habe mit ihm keine Kinder, aber ja, ich habe ihn geheiratet. Ich glaube einfach, dass zu der Zeit der absolute Familienmensch über allem anderen überwogen hat. Ich habe erst mit der Zeit gelernt, dass man ihm nichts glauben kann, wenn er trinkt, und wie sein Verhalten an sich ist. 
Er redet ja am nächsten Tag auch nicht mehr über die Themen vom Vortag wo er besoffen war. 

Ich frage mich mittlerweile öfters, wer er selbst ist?
Der Mann im nüchternen Zustand? 
Oder denkt er im Grunde genommen, wie der Besoffene? (siehe: Kleine Kinder und besoffene sagen die Wahrheit)

Wenn man ihn auf so Themen anspricht, sind sie ihm unangenehm oder er versucht sich rauszureden. Oftmals ist er dann aber selbst beleidigt, weil...... weil ich es ihm sage? Ich weiß es nicht. 

Mit dem Filmen ist eine sehr gute Idee! Obwohl ich fast wetten würde, dass er dann beleidigt ist, weil ich es getan habe, weil er es wahrscheinlich gar nicht selbst sehen will. Aber es wäre definitiv eine Idee

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25. August 2017 um 18:22

hm, ja, leider öffnet es einem fast immer erst dann die Augen, wenn es eigentlich fast schon zu spät ist.
In meinem Falle gab es Probleme mit meinem Arbeitsplatz. Der war mir aber inzwischen das Wichtigste geworden, weil es der einzige Platz war, wo ich noch gut funktionierte.
Aber es viel mir dann immer schwerer, den Alkoholkonsum so zu kontrollieren, dass ich nicht auch noch riskierte, meinen Einsatz zu ''verschlafen''.
Meine erste Ehe hatte ich da bereits getrennt. Obwohl der Mann auch sicher viel zu viel trank, war er anscheindend kein Alkoholiker. Denn er schaffte es immerhin, früh schlafen zu gehen und früh am Morgen rechtzeitig aufzustehen und seiner Arbeit nachzugehen. Auch sonst hatte er soweit alles ''im Griff'' was nötig war.

Darum ist es ja so schwierig, als Außenstehender zu bestimmen, wer ein Alkoholiker ist und wer nicht. Das muss wirklich jeder für sich selbst herausfinden und dazu stehen. Hilfe gibt es viel. Wer sich scheut, ins Krankenhaus zu gehen und sich körperlich noch fit genug fühlt, der ist in einer Selbsthilfegruppe bestens aufgehoben, sofern er sich dort angenommen und verstanden fühlt und sie regelmäßig besucht.

Ich jedenfalls war froh und dankbar, dass man mich im Krankenhaus aufgenommen hat, von wo aus ich auch alles in die Hand bekam, was ich für meine Genesung brauchte und alle Schritte, die mir helfen sollten, HEUTE trocken zu bleiben, das ''erste Glas'' heute nicht zu trinken (Das ist inzwischen ein Slogan der AA). Wir wünschen einander nach jedem Meeting zum Abschluss: gute 24 Stunden. Und: ''Komm wieder - es hilft''.
Niemand muss sich vorher anmelden oder vorstellen. Wir duzen einander und nennen und nur beim Vornamen. Keine Daten werden verlangt und auch keine Gebühren. Wer möchte, gibt eine kleine Hutspende. Wer nichts hat, braucht auch nichts geben.
Jeder lässt den anderen ausreden und redet nur von sich.
Das ist auch schon das ganze ''Geheimnis'', was mir schon seit mehr als 26 Jahren hilft, trocken zu bleiben.

Nun habe ich aber noch immer nicht erzählt, wie ich da hingekommen bin

Nun - ich hatte es mal wieder ''verbockt'' und 2 Tage gebraucht, um meinen Rausch auszuschlafen. Ausreden, die glaubhaft gewesen wären hatte ich keine mehr. Also musste ich mich überwinden und wenigstens anrufen. Meine wirklich wunderbare Kollegin hatte anscheinend sofort begriffen, was mit mir los war. Das war meine Rettung!  Sie sagte mir, was jetzt direkt zu tun war, nannte mir auch das Krankenhaus, welches ich anrufen müsste, damit auch ein freies Bett für mich gesichert sei.
Auch, dass ich auf jeden Fall zu meinem Hausarzt gehen und mir eine Einweisung holen und damit auf schnellstem Wege zu meiner Krankenkasse fahren müsse, damit diese mir die Kostenübernahme sichern. Und dann ab damit ins Krankenhaus.
Keine Sorge wegen des Arbeitsplatzes - das geht alles seinen Gang - ich habe mich nur auf meine Entgiftung erstmal zu konzentrieren - sonst gar nichts.

Meine Erleichterung kann sich wohl keiner vorstellen?

Uff.. das war jetzt aber im Schnelldurchlauf, meine Güte

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25. August 2017 um 23:54
In Antwort auf mackma

Ich habe mich gerade angemeldet, weil ich einfach nicht weiter weiß.
Mein Mann und ich sind seit fast 6 Jahren zusammen. Das Thema Alkohol war von Anfang an present und führte in der Vergangenheit schon oft zu Problemen. Der Begriff, der ihn beschreibt, ist: Quartalstrinker, falls das jemandem etwas sagt? Es gab hin und wieder 3,4 Wochen, in denen er gar nichts getrunken hat, aber im der realte Durchschnitt ist 3-4 Mal wöchentlich. Und dann nicht nur 1,2 Bierchen, sondern bis er stockbesoffen ist.
Er ist ein guter Mensch, ein ruhiger Vertreter, der alles für seine Familie tut, aber wenn er getrunken hat, wird er zu einem wichtigtuerischem Prolet, der über alles und jeden diskutieren will, der zu dem sofort beleidigt ist, wenn etwas nicht nach seiner Nase geht.
Schlimm ist, dass er am nächsten Tag zu 70 Prozent nicht mehr weiß, was er alles gesagt hat - ICH weiß es aber noch.....  
Ja, ich nehme ihn kaum noch ernst im besoffenen Kopf, möchte eigentlich auch kaum mit ihm reden und vermeide es so gut wie es geht.
Nur mal Beispiel: Gestern Abend hatte er wieder getrunken und war er wegen einer Kleinigkeit beleidigt, drückt mir einen Spruch, über den ich zwangsläufig nachdenke und der mich frustriert hat.
Heute aber ist seine Welt gut. Er schreibt normal und schickt mir ein: Ich liebe Dich mit Kusssmiley. 

Ich habe das Gefühl mit zwei unterschiedlichen Männern verheiratet zu sein, obwohl es nur einer ist. Kennt das jemand von euch? Wie soll ich damit umgehen????

 

Ja, mein Vater war so, meine Mutter war fast 50J mit ihm verheiratet, er ist mit 73 wegen der Leber gestorben. Sie sagt immer die ersten 6 Jahren und die letzten 6 Jahren waren schön....
Es läuft immer so, wie Du es beschrieben hast. Es ist eine Krankheit, die das Umfeld mit belastet. Es sind keine bösen Menschen. Es sind kranke Menschen, die Hilfe brauchen.

Vor allem brauchen aber auch die Angehörigen Hilfe. Der erste Schritt ist zu verstehen, dass es eine Krankheit ist, die die eigentliche Person zeitweise verändert.

Was hilft ist, wenn Du Dir klar machst, das eine Person davon die Echte ist und die andere das Krankheitsbild und alles was dieses Krankheitsbild macht: nicht merken, nicht gewichten, nicht drüber nachdenken.

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25. August 2017 um 23:55

liebe purplemoonlight, Du willst es ganz genau wissen? Dann wird das aber vielleicht etwas länger

Zum Wesen der Krankheit Alkoholismus gehört, dass der Betroffene die Wirklichkeit nicht so sieht, wie sie ist, sondern wie er sie haben will. Vielleicht kommt er zur Besinnung, wenn er sich genug "Beulen" geholt hat.

Es hätte mir also nichts geholfen, wenn mich andere eine ''Alkoholikerin'' genannt hätten - bei mir wäre als ''Beleidigung'' meiner Person vorgekommen - keiner hat das Recht, mich so zu beschimpfen.
Das wäre, wie mich als ''gestört'' zu bezeichnen, um mir damit zu erklären, dass ich in seinen Augen in eine Nervenklinik gehöre.

Es wurde ja schon viel versucht, den Alkoholiker vom Trinken abzubringen - immer ohne Erfolg.

Alkoholismus ist zudem eine ''Rückfall-Krankheit''. Wer also glaubt, dass es eine 'Heilung' gibt, befindet sich im Irrtum, denn sobald ich wieder Alkohol trinke, bin ich ''rückfällig''. Und wenn ich Pech habe, finde ich aus diesem Rückfall nicht mehr heraus. So mancher Alkoholiker ist heute ein Pflegefall mit ''Korsakoff'' (das Kurzzeitgedächtnis gibt es nicht mehr). Und wieder andere hat man schon nicht mehr lebend angetroffen, da sie ihrem Leben selbst ein Ende bereiteten. Vielleicht hat ja schon einmal jemand etwas vom Delir gehört?

Jetzt, da ich es mal wieder aufschreibe, merke ich, wie dankbar ich sein darf, dass mir so viel Leid noch erspart geblieben ist. Auch organisch bin ich noch recht gut weggekommen.

Bei mir fing das mit dem Trinken eher ganz harmlos an.

Wir waren jung und unternehmungslustig - jedes Wochenende hatten wir was vor - von Kegeln bis Grillpartys; Geburtstage; Hochzeiten; Polterabende - selbst Bälle waren darunter, in Abendrobe. Und Sektfrühstück; Sonntagsfrühschoppen - immer war was los und ich immer dabei.
Später war mir das zu dumm, mich immer wieder mit unseren Hausfrauen treffen zu sollen, so wirklichen Draht hatte ich eh zu keiner von denen - aber ich blieb immer ruhig und freundlich. Alle fanden sie mich ''lieb''. Und ich dachte immer nur: ''wenn du nur wüsstest.....''
Ich konnte kaum erwarten, endlich für mich alleine zu sein (der Mann ging früh schlafen, ich nicht) - und da durfte ich dann meinen Wein oder was mir gerade schmeckte, ganz genüsslich und in Ruhe trinken.
Anfangs brauchte ich noch nicht viel, darum hatte ich auch gar keine Bedenken - wie gesagt, es fing bei mir ganz harmlos an.

Wer jetzt hier eine besonders tragische Geschichte erwartet hatte, wird wohl enttäuscht sein. Aber ich kann versichern, dass für MICH und meine insgesamt 18-jährigen Trinkerkarriere ein abenteuerliches Doppelleben begonnen hatte, mit ca. 20 Jahren, ich war da schon 3 Jahre verheiratet und hatte gerade mein zweites Kind geboren. Nun hatte ich zwei kleine Kinder und durfte nicht berufstätig sein, damit die Kinder gut versorgt würden.
Mir fiel die Decke auf den Kopf. Der Vater der Kinder versorgte uns alle gut, aber das reichte ihm nicht aus. Er brauchte seine Freunde und seine geselligen Bierabende mit ihnen.
Dann saß ich eben alleine vor dem Fernseher und nippte an meinem Glas und wurde immer unzufriedener - ich fühlte mich nicht begehrt - was noch schlimmer war, ich fühlte mich nicht verstanden und war der Meinung, dass ich nur noch als Haushälterin und Kinderfrau zu ''gebrauchen'' war. Ich verstand nicht, dass wir als Familie praktisch nicht vorhanden waren.

Irgendwann fing ich an, mich nachts, wenn alle schliefen, aus der Wohnung zu schleichen; machte meine Kneipenrunden und so manches mehr ...
und war selten vor dem Morgengrauen wieder zurück. Erst war das selten, ca. 3-4 Mal im Jahr. Aber das steigerte sich von Jahr zu Jahr.
Als ich 30 war, trennten wir uns zum ersten Mal. Das war von mir eine ''Schnaps''idee und nach wenigen Wochen war ich wieder Zuhause. Die endgültige Trennung war dann 4 Jahre später. Neuer Mann neues Glück und einen, der mit mir trinken konnte. Für 3 Jahre lief das nicht mal schlecht. Inzwischen vertrug ich schon Einiges! Die folgenden 3 Jahre verschlimmerten alles. Inzwischen war ich geschieden und die Kinder so gut wie erwachsen - folglich nicht mehr auf mich angewiesen. Ich merkte schon, dass ich mich veränderte, wollte es aber noch immer nicht wahr haben. Meine Tochter beschwerte sich bei mir über mich, sie könne sich nicht mehr mit mir unterhalten, hieß es und ich wäre ''dumm'' und würde immer mehr ''verdummen''
Komisch, dass ausgerechnet das an mir hängen blieb - die Eitelkeit?.
Sorry, aber noch tiefer möchte ich hier nicht gehen, ich hoffe auf Verständnis. Mit mir ging es bergab und ich fühlte mich wertlos. Darum musste ich mich ja wenigstens über meine Arbeit noch etwas aufwerten.
Jene liebe Kollegin, kannte sich aus mit Alkoholismus, da sie selbst mit einem Alkoholiker liiert war und zudem war sie eine ausgebildete, erfahrene Krankenschwester. Aber ''heilen'' konnte nicht einmal sie ihren Partner. Sie sollte mich finden und dafür möchte ich sie segnen - bedankt hatte ich mich bei ihr - sie war zur rechten Zeit für mich da, das werde ich nie vergessen (Danke, Petra )

Kurz darauf begegnete mir AA und seitdem besuche ich die Meetings. Nicht mehr so häufig, aber ich bin immer in Verbindung, derzeit mehr online.

Danke für eure Geduld
 

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26. August 2017 um 22:54

..das ist toll, dass Du mich gerade danach fragst!!

Genau die Frage habe ich mir selbst schon werweißwie oft gestellt.

Tendieren tu ich zu -JA-, ich könnte mir vorstellen, mein Leben wäre für mich glücklicher verlaufen. Aber damals konnt ich es ja kaum erwarten, endlich selbst Entscheidungen treffen zu dürfen - endlich ERWACHSEN sein und sich von keinem mehr was sagen lassen müssen .. so naiv.. und dabei hielt ich mich schon für soooo reif. So nach und nach begriff ich aber, was Realität bedeutet und mir abverlangt. Heute weiß ich, so lange man lebt, lebt man, egal was kommt. Wohl dem, der dabei den Humor bewahren kann

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26. August 2017 um 23:01
In Antwort auf abussi71

Ja, mein Vater war so, meine Mutter war fast 50J mit ihm verheiratet, er ist mit 73 wegen der Leber gestorben. Sie sagt immer die ersten 6 Jahren und die letzten 6 Jahren waren schön....
Es läuft immer so, wie Du es beschrieben hast. Es ist eine Krankheit, die das Umfeld mit belastet. Es sind keine bösen Menschen. Es sind kranke Menschen, die Hilfe brauchen.

Vor allem brauchen aber auch die Angehörigen Hilfe. Der erste Schritt ist zu verstehen, dass es eine Krankheit ist, die die eigentliche Person zeitweise verändert.

Was hilft ist, wenn Du Dir klar machst, das eine Person davon die Echte ist und die andere das Krankheitsbild und alles was dieses Krankheitsbild macht: nicht merken, nicht gewichten, nicht drüber nachdenken.

danke auch an Dich, abussi71, für Deinen offenen Beitrag !

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27. August 2017 um 2:35
In Antwort auf gabriela1440

liebe purplemoonlight, Du willst es ganz genau wissen? Dann wird das aber vielleicht etwas länger

Zum Wesen der Krankheit Alkoholismus gehört, dass der Betroffene die Wirklichkeit nicht so sieht, wie sie ist, sondern wie er sie haben will. Vielleicht kommt er zur Besinnung, wenn er sich genug "Beulen" geholt hat.

Es hätte mir also nichts geholfen, wenn mich andere eine ''Alkoholikerin'' genannt hätten - bei mir wäre als ''Beleidigung'' meiner Person vorgekommen - keiner hat das Recht, mich so zu beschimpfen.
Das wäre, wie mich als ''gestört'' zu bezeichnen, um mir damit zu erklären, dass ich in seinen Augen in eine Nervenklinik gehöre.

Es wurde ja schon viel versucht, den Alkoholiker vom Trinken abzubringen - immer ohne Erfolg.

Alkoholismus ist zudem eine ''Rückfall-Krankheit''. Wer also glaubt, dass es eine 'Heilung' gibt, befindet sich im Irrtum, denn sobald ich wieder Alkohol trinke, bin ich ''rückfällig''. Und wenn ich Pech habe, finde ich aus diesem Rückfall nicht mehr heraus. So mancher Alkoholiker ist heute ein Pflegefall mit ''Korsakoff'' (das Kurzzeitgedächtnis gibt es nicht mehr). Und wieder andere hat man schon nicht mehr lebend angetroffen, da sie ihrem Leben selbst ein Ende bereiteten. Vielleicht hat ja schon einmal jemand etwas vom Delir gehört?

Jetzt, da ich es mal wieder aufschreibe, merke ich, wie dankbar ich sein darf, dass mir so viel Leid noch erspart geblieben ist. Auch organisch bin ich noch recht gut weggekommen.

Bei mir fing das mit dem Trinken eher ganz harmlos an.

Wir waren jung und unternehmungslustig - jedes Wochenende hatten wir was vor - von Kegeln bis Grillpartys; Geburtstage; Hochzeiten; Polterabende - selbst Bälle waren darunter, in Abendrobe. Und Sektfrühstück; Sonntagsfrühschoppen - immer war was los und ich immer dabei.
Später war mir das zu dumm, mich immer wieder mit unseren Hausfrauen treffen zu sollen, so wirklichen Draht hatte ich eh zu keiner von denen - aber ich blieb immer ruhig und freundlich. Alle fanden sie mich ''lieb''. Und ich dachte immer nur: ''wenn du nur wüsstest.....''
Ich konnte kaum erwarten, endlich für mich alleine zu sein (der Mann ging früh schlafen, ich nicht) - und da durfte ich dann meinen Wein oder was mir gerade schmeckte, ganz genüsslich und in Ruhe trinken.
Anfangs brauchte ich noch nicht viel, darum hatte ich auch gar keine Bedenken - wie gesagt, es fing bei mir ganz harmlos an.

Wer jetzt hier eine besonders tragische Geschichte erwartet hatte, wird wohl enttäuscht sein. Aber ich kann versichern, dass für MICH und meine insgesamt 18-jährigen Trinkerkarriere ein abenteuerliches Doppelleben begonnen hatte, mit ca. 20 Jahren, ich war da schon 3 Jahre verheiratet und hatte gerade mein zweites Kind geboren. Nun hatte ich zwei kleine Kinder und durfte nicht berufstätig sein, damit die Kinder gut versorgt würden.
Mir fiel die Decke auf den Kopf. Der Vater der Kinder versorgte uns alle gut, aber das reichte ihm nicht aus. Er brauchte seine Freunde und seine geselligen Bierabende mit ihnen.
Dann saß ich eben alleine vor dem Fernseher und nippte an meinem Glas und wurde immer unzufriedener - ich fühlte mich nicht begehrt - was noch schlimmer war, ich fühlte mich nicht verstanden und war der Meinung, dass ich nur noch als Haushälterin und Kinderfrau zu ''gebrauchen'' war. Ich verstand nicht, dass wir als Familie praktisch nicht vorhanden waren.

Irgendwann fing ich an, mich nachts, wenn alle schliefen, aus der Wohnung zu schleichen; machte meine Kneipenrunden und so manches mehr ...
und war selten vor dem Morgengrauen wieder zurück. Erst war das selten, ca. 3-4 Mal im Jahr. Aber das steigerte sich von Jahr zu Jahr.
Als ich 30 war, trennten wir uns zum ersten Mal. Das war von mir eine ''Schnaps''idee und nach wenigen Wochen war ich wieder Zuhause. Die endgültige Trennung war dann 4 Jahre später. Neuer Mann neues Glück und einen, der mit mir trinken konnte. Für 3 Jahre lief das nicht mal schlecht. Inzwischen vertrug ich schon Einiges! Die folgenden 3 Jahre verschlimmerten alles. Inzwischen war ich geschieden und die Kinder so gut wie erwachsen - folglich nicht mehr auf mich angewiesen. Ich merkte schon, dass ich mich veränderte, wollte es aber noch immer nicht wahr haben. Meine Tochter beschwerte sich bei mir über mich, sie könne sich nicht mehr mit mir unterhalten, hieß es und ich wäre ''dumm'' und würde immer mehr ''verdummen''
Komisch, dass ausgerechnet das an mir hängen blieb - die Eitelkeit?.
Sorry, aber noch tiefer möchte ich hier nicht gehen, ich hoffe auf Verständnis. Mit mir ging es bergab und ich fühlte mich wertlos. Darum musste ich mich ja wenigstens über meine Arbeit noch etwas aufwerten.
Jene liebe Kollegin, kannte sich aus mit Alkoholismus, da sie selbst mit einem Alkoholiker liiert war und zudem war sie eine ausgebildete, erfahrene Krankenschwester. Aber ''heilen'' konnte nicht einmal sie ihren Partner. Sie sollte mich finden und dafür möchte ich sie segnen - bedankt hatte ich mich bei ihr - sie war zur rechten Zeit für mich da, das werde ich nie vergessen (Danke, Petra )

Kurz darauf begegnete mir AA und seitdem besuche ich die Meetings. Nicht mehr so häufig, aber ich bin immer in Verbindung, derzeit mehr online.

Danke für eure Geduld
 

Toll, dass du uns deine Geschichte erzählt hast - vielen Dank gabriela. 

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27. August 2017 um 13:28
In Antwort auf mackma

Ich habe mich gerade angemeldet, weil ich einfach nicht weiter weiß.
Mein Mann und ich sind seit fast 6 Jahren zusammen. Das Thema Alkohol war von Anfang an present und führte in der Vergangenheit schon oft zu Problemen. Der Begriff, der ihn beschreibt, ist: Quartalstrinker, falls das jemandem etwas sagt? Es gab hin und wieder 3,4 Wochen, in denen er gar nichts getrunken hat, aber im der realte Durchschnitt ist 3-4 Mal wöchentlich. Und dann nicht nur 1,2 Bierchen, sondern bis er stockbesoffen ist.
Er ist ein guter Mensch, ein ruhiger Vertreter, der alles für seine Familie tut, aber wenn er getrunken hat, wird er zu einem wichtigtuerischem Prolet, der über alles und jeden diskutieren will, der zu dem sofort beleidigt ist, wenn etwas nicht nach seiner Nase geht.
Schlimm ist, dass er am nächsten Tag zu 70 Prozent nicht mehr weiß, was er alles gesagt hat - ICH weiß es aber noch.....  
Ja, ich nehme ihn kaum noch ernst im besoffenen Kopf, möchte eigentlich auch kaum mit ihm reden und vermeide es so gut wie es geht.
Nur mal Beispiel: Gestern Abend hatte er wieder getrunken und war er wegen einer Kleinigkeit beleidigt, drückt mir einen Spruch, über den ich zwangsläufig nachdenke und der mich frustriert hat.
Heute aber ist seine Welt gut. Er schreibt normal und schickt mir ein: Ich liebe Dich mit Kusssmiley. 

Ich habe das Gefühl mit zwei unterschiedlichen Männern verheiratet zu sein, obwohl es nur einer ist. Kennt das jemand von euch? Wie soll ich damit umgehen????

 

Mein EX war auch so... nur gesoffen aber täglich seine 10 Bier... Und dann auch 2 verschiedene Menschen... die Trennung tat mir so gut...

Meine schwiegermutter wenn die säuft wird die beleidigend ! Unterste Gürtellinie. Das schlimmste war vor ca 5 Wochen. Wir wollten was abholen und sie ist besoffen und redet von ihren verlorenen Kindern. Als ich sie trösten wollte (mein mann wusste bis da nicht das er weitere Geschwister hat) sagte sie "du weißt ja gar nicht wie es ist ein Kind zu verlieren" (zur Info letztes Jahr im April starb unser Baby im  alter von 6 Tagen an einer Krankheit im kh auf intensiv). 
Und dann kam noch sowas wie "du bist so naiv und glaubst das dein Mann dich liebt du dummes ding. Männer sind nicht treu". 

Das mein Mann mich liebt und treu ist weiß ich daher gebe ich nix auf ihre Worte. Aber auch dieser Abstand tut mir sehr gut. Für meinen Mann ist sie zwar immer noch seine Mutter aber nicht mehr so wichtig... 

Wie du siehst Alkohol verändert den Menschen ganz schön da kommen dann Dinge raus die man im nüchternen nicht sagt 

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